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Amerikanische Tiefenereignisse und das weltweite Drogennetzwerk der CIA

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Von PETER DALE SCOTT, 30. März 2009 -

(Teil 1 von 3) Einleitung -

Vor Kurzem habe ich zwei Artikel veröffentlicht, die auf suggestive Ähnlichkeiten der sich wiederholenden Tiefenereignissen („deep events“) der jüngsten amerikanischen Geschichte hinweisen – damit meine ich solche Ereignisse, die wegen ihrer geheimdienstlichen Nähe in den amerikanischen Medien ignoriert, verdreht oder verschleiert werden. Der erste dieser Artikel verwies auf die übergreifenden Ähnlichkeiten vieler Tiefenereignisse seit dem Zweiten Weltkrieg. Der zweite Artikel verwies auf die überraschenden Vergleichspunkte jener beiden Tiefenereignisse, auf die innerhalb kurzer Zeit zwei große amerikanische Kriege folgten: die Ermordung John F. Kennedys und der 11. September. Ich deutete an, dass es hinter diesen ganzen Ereignisse immer wieder Hinweise auf ein Milieu gab, das "Geheimdienstfunktionäre mit Leuten aus der Unterwelt des Drogenhandels" in Verbindung brachte.

In diesem Artikel möchte ich zunächst einmal die komplexe Landschaft bzw. das komplexe Netzwerk dieses Milieus, das ich als weltweites Drogennetzwerk betitele, darlegen und seine Verbindungen zur so genannten "alternativen" CIA oder "Schatten-CIA" aufzeigen. Danach möchte ich veranschaulichen, wie dieses Netzwerk von Banken, einflussreichen Finanzhändlern und alternativer CIA zur Infrastruktur der Kennedy-Ermordung – und zu einer Reihe anderer, oberflächlich unverbundener, wichtiger Tiefenereignisse – beigetragen hat.

In dieser Schilderung sind die Namen einzelner Personen, ihrer Institutionen und ihrer Beziehungen relativ unbedeutend. Von Bedeutung ist stattdessen, dass solch ein Milieu existierte; dass es beständig war und geschützt wurde; und dass es, mit zunehmender Unabhängigkeit von Regierungsbeschränkungen, eine Rolle bei den wesentlichen Tiefenereignissen der letzten 50 Jahre gespielt hat.

Dies alles soll natürlich auch die hier näher zu untersuchende bedeutsame Hypothese stützen, dass dieses beständige Milieu auch zum Desaster des 11. September beigetragen haben mag.

Paul Helliwell, OPC und die CIA

In Gebieten, wo kommunistische Kräfte großen Rückhalt zu genießen scheinen, haben die Vereinigten Staaten immer wieder auf gewalttätige Unterstützung von Gangstern aus dem Drogenmilieu zurückgegriffen, zumindest seit 1945. Zuerst sind diese Arrangements, wie in Italien unmittelbar nach dem Krieg, nur kurzzeitig und ad hoc gewesen. Als Beispiel dient Vito Genovese, ein Mafiaboss aus New York, der als Übersetzer im Büro der Alliierten Militärregierung von Colonel Charles Poletti, einem früheren New Yorker Tammany Politiker eingesetzt war. Am 1. Mai 1947 soll William Donovan, mittlerweile Firmenanwalt und nicht mehr Leiter des "Office of Strategic Services - OSS" (Amt für strategische Dienste), ein Massaker an politisch Linken in Sizilien finanziert haben, das von dem erst kurz zuvor deportierten Detroiter Mafiaboss, Frank Coppola, organisiert wurde.

Solche Arrangements wurden ab 1948, nachdem der neu geschaffene Nationale Sicherheitsrat das "Office of Policy Coordination" (OPC) ins Leben gerufen hatte, noch weiter zentralisiert, um "Umstürze feindlicher Staaten" durchzuführen – d.h. um Gesetzesbrechung als staatliche Politik einzuführen. Dank der OPC gaben die USA von nun an organisierten Drogenhändlern auf der ganzen Welt verdeckt beträchtliche Rückendeckung, im Fernen Osten, Europa, und schließlich auch im Nahen Osten und Lateinamerika.

Diese weltweiten Aktivitäten wurden immer mehr miteinander verknüpft. Seit spätestens 1950 gibt es ein weltweites CIA-Drogennetzwerk, das seitdem mehr oder weniger durchgängig betrieben wird. Besonders im Laufe der Zeit hat dieses Netzwerk zu bisher ungeklärten Tiefenereignissen beigetragen und die Konsolidierung einer Weltherrschaftsmentaliät vorangetrieben, sowohl im In- als auch im Ausland. Im Speziellen war dieses weltweite Drogennetzwerk für solch ungeklärte Tiefenereignisse wie die Ermordung John F. Kennedys, der Tonking-Zwischenfall 1964 und die Iran-Contra-Affäre ausschlaggebend.

Das weltweite Drogennetzwerk ist nicht bloß eine Nebenverbindung zwischen CIA-Agenten und ihren Drogenkontakten. Es ist stattdessen ein weltweiter Finanzkomplex aus heißem Geld, der wichtige Geschäfts-, Finanz-, Regierungs- und Gangsterpersönlichkeiten miteinander verbindet. Seinen eigenen politischen Einfluss erhält es aufrecht durch die systematische Bereitstellung von illegalen Geschäften, Gefälligkeiten und sogar Sex für Politiker auf der ganzen Welt, darunter auch Führungspersonen aus beiden Parteien in den USA. Das Ergebnis ist ein System, das man auch als Imperium der indirekten Herrschaft bezeichnen kann; ein System, das auf seiner Suche nach fremden Märkten und Ressourcen bereitwillig existierende Regierungen untergräbt, ohne dafür progressive Alternativen bieten zu können.

Ein bedeutender Organisator des globalen Drogennetzwerks der Nachkriegszeit -- also neben CIA, organisiertem Verbrechen und ihren gemeinsamen Interessen am Drogenhandel -- war der ehemalige OSS-Funktionär Paul L.E. Helliwell. Er war Chef der Sonder-Geheimdienstabteilung der OSS in Kunming und später Agent bei OPC und CIA. Außerdem war er gleichzeitig Eigentümer der Bank of Perrine in Key West, Florida, "ein doppelter Waschsalon für den Lansky-Mob und die CIA", und deren Schwesterbank, der Bank of Cutler Ridge. Hier sieht man eine Reihe von miteinander verbundenen Mafia-CIA Geldwäschebanken im weltweiten Drogennetzwerk, von denen die größte zweifelsohne die Bank of Credit und Commerce International (BCCI) war.

Die wenigsten Menschen werden schon von Paul Helliwell gehört haben. Selbst einschlägige Bücher über die Verbrechen der CIA, wie z.B. Tim Weiners CIA: Die ganze Geschichte, erwähnen weder ihn, noch seine bedeutsame, mit der CIA in Verbindung stehende Bank, die Castle Bank auf den Bahamas, und nicht einmal die weitaus bedeutendere Nachfolgebank von Castle, die BCCI. In der Flut der CIA-Dokumente, die seit 1992 freigegeben wurden, findet man den Namen Helliwell weder in der Archivkartei des National Archive, noch in der des National Security Archive oder der Federation of American Scientists. In den millionenfachen freigegebenen Seiten, die auf der Homepage der Mary Ferrel Foundation gespeichert und katalogisiert sind, erscheint Helliwells Name genau einmal – und das auf einer Liste von Dokumenten, die 1974 während der CIA-Suche nach Aufzeichnungen zu Watergate (ausgerechnet!) von der Prüfung zurückgehalten worden waren. Dieses Schweigen, selbst in internen CIA-Akten, über den wichtigsten Architekten des CIA-Drogennetzwerks seit dem Zweiten Weltkrieg spricht Bände.

Das meiste, das wir über Helliwell wissen, stammt von der Medienreaktion auf den erfolgreichen Versuch der CIA, eine Untersuchung der amerikanischen Bundessteuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) zu blockieren. Mit dieser Untersuchung, bekannt als "Operation Tradewinds", erforschte die IRS in den 1970er Jahren die Geldwäscheverwicklung von Helliwells Banken. Dieser Kampf zwischen Helliwell und der CIA begann 1972, als der IRS-Ermittler Richard Jaffe bei der Erforschung von Konten des kurz zuvor festgenommenen Marijuana- und LSD-Dealers Allan George Palmer feststellte, dass dieser "einen Teil seines Geldes persönlich bei der Perrine-Cutler Ridge Bank im Süden eingezahlt hatte".

Jaffe erfuhr außerdem, dass das Geld in ein Konto bei einem bahamischen Unternehmen namens Castle Bank eingezahlt worden war. Laut Aussage von Jim Drinkhall im Wall Street Journal wurde diese Bank von Helliwell, der "an der Leitung eines Netzwerkes von geheimen CIA-Operationen und 'Eigentümern' maßgeblich beteiligt war", "ins Leben gerufen und vornehmlich geleitet". Drinkhall schrieb, dass die CIA Jaffes Untersuchung über die Castle Bank abgebrochen habe, weil Castle

als Kanal für Millionen-Dollar-Beträge fungierte, die von der CIA für verdeckte Operationen gegen Kuba und für andere Geheimdienstoperationen in Ländern Lateinamerikas und im Fernen Osten vorgesehen waren.

Drinkhall beschrieb außerdem, wofür Helliwell wahrscheinlich am bekanntesten ist (und worüber ich in The War Conspiracy geschrieben habe):

1951 war Mr. Helliwell an der Gründung und Leitung des von der CIA kontrollierten Scheinunternehmens Sea Supply Corp. beteiligt. Über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren wurde Sea Supply genutzt, um riesige Mengen an Waffen und Ausrüstung an 10000 Truppen der chinesischen Nationalisten [KMT] in Burma und an die thailändische Polizei zu liefern.

Aber Drinkhall wies nicht auf die Tatsache hin, die heute nicht mehr angezweifelt wird: nämlich dass sowohl die KMT-Truppen in Burma als auch die thailändische Polizei die beiden hauptsächlichen Zweige des CIA-KMT-Burma-Thai Drogennetzwerks waren. Zusammen waren sie an der Verbreitung und am Handel von Opium auf dem Weltmarkt, die USA mit eingeschlossen, beteiligt.

Helliwells Gefälligkeiten für die CIA waren nicht nur auf den Fernen Osten beschränkt. Zusammen mit zwei Partnern aus dem KMT-Burma Drogennetzwerk, Frank Wisner von der CIA und General Claire Chennault von der CIA-Fluglinie CAT, betrieb Helliwell "schon 1953-54 CIA-Operationen in Mittelamerika. Zu der Zeit standen Guatemala und die guatemaltekische Regierung im Zentrum der Aufmerksamkeit."

Wie auch Chennault und seine alten Partner aus seiner Zeit in China, Whiting Willauer und William Pawley, unterstützte Helliwell dann 1954 die CIA bei Operationen gegen Guatemala und, nach 1960, gegen Castro. Laut Drinkhall

sagte ein ehemaliger Bundesbeamter, der bei der Untersuchung gegen Castle mitgearbeitet hatte, dass "Castle als einer von mehreren CIA-Geldkanälen für Operationen gegen Kuba fungierte". Mr. Helliwell soll angeblich einer der Zahlmeister für die unglückselige Schweinebucht-Invasion 1961 gewesen sein, sowie für weitere "aufwändige" CIA-Operationen in ganz Lateinamerika.

Was den ehemaligen Häftling Wallace Groves und seine Beziehung zur CIA betrifft, wurde eine Anzahl von CIA-Dokumenten freigegeben, die diese Verbindung bestätigen. Aus einem dieser Dokumente geht hervor, dass

der Wallace GROVES, der gemäß Anhang Beziehungen zu Meyer LANSKY und der Firma Mary Carter Point Co./Resorts International, Inc. hatte, identisch ist mit dem Wallace GROVES aus der OS Akte #473 865. Diese Akte spiegelt wider, dass GROVES in der Zeit von April 1966 bis April 1972 für das [CIA] "Office of General Counsel" von Interesse war. Hierbei ging es um die Verwendung von GROVES als Berater oder eventuellem Funktionär in einer der Einheiten des Projekts . . . (Text geschwärzt). Weitere Informationen in dieser Akte deuten darauf hin, dass GROVES mit Meyer Lansky in Verbindung stand.

Ich vermute, dass diese "Einheiten des Projekts . . . (Text geschwärzt)" die Verwendung von undokumentierten Geldern vorsahen, die nicht im bewilligten CIA-Etat inbegriffen waren.

Helliwells Verbindung zu undokumentierten Operationen

Seit der Veröffentlichung von Drinkhalls Artikel wird Helliwell in fast jeder Referenz als Zahlmeister der Schweinebucht-Invasion dargestellt, eine Behauptung, der ich skeptisch gegenüber stehe. Aber man kann einen Eindruck des Ausmaßes von Helliwells finanziellen Verwicklungen mit der CIA gewinnen, wenn man sich die Verteilung von 5 Millionen Dollar aus einem anderen, mit Helliwell in Verbindung stehenden, Unternehmen namens Intercontinental Diversified (I.D.C.) anschaut. Dazu noch einmal Drinkhall:

"Obwohl es keinerlei Hinweise auf die CIA in dem SEC-Verfahren gegen Intercontinental gibt, machte ein ehemaliger CIA-Beamter kürzlich in einem Interview eine erstaunliche Aussage. Er gab an, dass zwischen 1970 und 1976 fast 5 Millionen Dollar aus Intercontinental-Geldern für CIA-Zwecke abgeschöpft wurden, 'weil wir dort Freunde hatten'. Tatsächlich scheint die CIA bessere Vereinbarungen gehabt zu haben als nur Freundschaft. CIA-Dokumente beweisen, dass Wallace Groves, der Gründer von Intercontinental und Eigentümer von 46 Prozent der Geschäftsanteile (bis er 1978 seine Beteiligung für 33,1 Millionen Dollar verkaufte) in der Zeit von 1965 bis 1972 verdeckt für die CIA arbeitete".


Sicherlich überweisen Banker nicht Millionen-Dollar-Beträge aus reiner Freundschaft. Eine weitaus wahrscheinlichere Vermutung ist, dass Helliwell der Zahlmeister war – jedoch nicht für offiziell autorisierte Operationen wie die Schweinebucht-Invasion, sondern für die Ausgabe von Geldern aus undokumentierten Operationen, wie der KMT-Drogenausfuhr aus Burma, die von seinen eigenen Einrichtungen, den CIA-Eigentümern Sea Supply und Cat Inc. (später Air America) unterstützt worden sind.

Laut einer kategorischen Aussage von Jonathan Marshall "hat Helliwell CIA-Gelder über die Castle Bank auf den Bahamas gewaschen". Doch diese Behauptung erfordert ein Klarstellung. I.D.C. war ein Ableger eines asiatischen Unternehmens, Benguet Mining, das von Helliwells Firma vertreten wurde und zu Teilen im Besitz des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos war. Es landeten also Zahlungen aus Asien bei der I.D.C. und ich vermute, dass zur Finanzierung von undokumentierten Operationen vielmehr diese undokumentierten Gelder, als die Gelder aus dem vom Kongress autorisierten CIA-Etat von Helliwell genutzt wurden.

Eine dieser undokumentierten Operationen könnten Bestechungszahlungen an Politiker gewesen sein, die zuerst in den Bahamas zum Zuge kamen.

In den frühen 1970er Jahren berichteten IRS-Agenten von Beweisen aus Gesprächsabhörungen, laut derer Intercontinental dem Premierminister der Bahamas, Lyndon O. Pindling, 100 000 Dollar über die Castle Bank zukommen ließ, um der Holding eine zweijährige Verlängerung ihrer [Grand Bahama] Casino-Glücksspiellizenz zu gewähren.


Aber sowohl die CIA als auch das Casino neigten zur Korruption, und Castle war nur ein kleiner Spieler in einem Netzwerk aus Banken und Agenten, das Regierungen auf der ganzen Welt korrumpierte. Auf diese Weise wickelte Castle

auch mysteriöse Geschäfte mit einer Firma auf den Cayman Inseln, ID Corp., ab. Der Alleineigentümer von ID, der Amerikaner Shig Katayama, wurde bekannt durch seine Schlüsselrolle als Vermittler der riesigen Bestechungszahlungen von Lockheed Corp. an japanische Politiker (als Dank für Flugzeugverträge). Ein japanischer Journalist griff Katayama an und schrieb, dass es "sein wahrer Job (in den frühen 1950er Jahren) war, den Rauschgifthandel für den US-Geheimdienst abzuwickeln".

Seit den 1960er Jahren, wenn nicht schon früher, nutzte die CIA ihr weltweites Netzwerk, um Nicht-Regierungsgelder, beispielsweise in Form von (an internationale Lockheed-Verkaufsverträge angekoppelte) Bestechungszahlungen, zu verteilen, z.B. durch einflussreiche Agenten, wie Adnan Khashoggi und Yoshio Kodama. Im Mai 1965, fünf Monate vor dem Anti-Sukarno-Coup im September 1965, wurden Lockheed-Bestechungsgelder in Indonesien von einem Anhänger Präsident Sukarnos zu einem neuen Mittelsmann umgeleitet, der den Sukarno-Gegner General Suharto unterstützte.

Dies passierte zu einer Zeit, als "der Kongress darüber überein gekommen war, dass amerikanische Finanzleistungen an das indonesische Militär (im Gegensatz zu Hilfszahlungen an andere Länder) als geheime Angelegenheit behandelt werden müssten. Die Kongressprüfungen von Entscheidungen des Präsidenten in Bezug auf die indonesische Hilfe wurden somit auf zwei Senatsausschüsse und den Sprecher des Repräsentantenhauses, die zum diesem Zeitpunkt mit der Aufsicht der CIA befasst waren, begrenzt". Auf diese Weise wurden Lockheed-Zahlungen (bewerkstelligt durch Mittelsmänner) genutzt, um den ausgesprochenen Willen des US-Senats zu durchkreuzen. Dieser hatte eine Resolution verabschiedet, laut derer jegliche militärische Hilfe an Indonesien ausgesetzt werden sollte.

Helliwells Verbindungen zur Mafia

Aber Helliwells Verbindungen zur Mafia, und im Besonderen zu Meyer Lansky, stehen seinen CIA-Verbindungen in nichts nach. Lansky nutzte vorzugsweise die Bank of Perrine zur Verwahrung seiner Gelder, die auf diesem Wege von der Bank of World Commerce auf den Bahamas – 1961 von Lanskys rechter Hand John Pullman gegründet – die USA erreichten. Alvin Malnik, Lanskys Erbe in Miami Beach, war einer der Direktoren dieser Bank; Ed Levinson, ein Geschäftspartner von Lyndon Johnsons Senatsberater Bobby Baker, war einer der Anteilseigner. Baker wiederum war Schriftführer der Demokraten im US-Senat, bevor er wegen Steuerhinterziehung festgenommen und verurteilt wurde. Helliwell hatte eine zweite Verbindung zu Lansky durch seine Tätigkeit als Rechtsberater für die kleine Miami National Bank, die von Lansky genutzt wurde, um seine ausländischen Gewinne und undeklarierten Einnahmen der Las Vegas Casinos zu waschen.

Obwohl die Bank of World Commerce gewöhnlich als Mafiabank unter Lanskys Kontrolle beschrieben wurde, bot sie dennoch Zugänge zur internationalen Bankenlandschaft, an der die CIA ein Interesse hatte. Sie erhielt Geld von der International Credit Bank in der Schweiz, die von dem israelischen Waffenschmuggler Tibor Rosenbaum gegründet worden war, und agierte

als Banker bei Geschäfts-Jointventures zwischen europäischen Juden und dem israelischen Staat. Aber sie finanzierte auch die Beschaffung und den Transport von Waffen nach Israel und zu seinen Verbündeten, speziell in Afrika und Mittelamerika, und soll in Europa als Zahlmeister für Mossad, den israelischen Geheimdienst, aufgetreten sein.


Nach Aussagen von Alan Block hatte Pullmans Bank eine weitere Tochterbank auf den Bahamas, „die auf undurchsichtige Art und Weise mit der Intra Bank in Beirut, Libanon, vereint war“. Intra besaß das Casino de Liban, „dessen Glücksspiellizenz von Marcel Paul Francisi, Frankreichs vorderstem Heroindealer, kontrolliert wurde. Es gab Ermittler, die davon überzeugt waren, dass Lansky und Francisi im Heroinhandel zusammen arbeiteten, und dass Lansky und seine Partner auch einen Teil des Casinos besaßen“. Francisi tat sich mit dem libanesischen Morphium-Exporteur, Sami El Khoury, zusammen, der wiederum „langjährige Geschäftsbeziehungen“ zu Lucky Luciano, Lanskys Verbündetem in New York aus Vorkriegszeiten und späterem europäischen Hauptdrogenhändler, in Sizilien hatte.

Sami El Khoury genoss den Schutz der libanesischen Polizei, und möglicherweise auch den der CIA. Alfred McCoy hatte Einsicht in offizielle Schriftwechsel des Federal Bureau of Narcotics (FBN), in denen im August 1963 darüber diskutiert wurde, „ob man Sami El Khoury nun, da er aus dem Gefängnis entlassen worden ist, als Informanten nutzen sollte“. Einer der FBN-Briefpartner, Dennis Dayle, berichtete James Mills später, dass El Khoury, „einer der größten Drogenhändler aller Zeiten“, tatsächlich zum Informanten wurde. In den 1990er Jahren berichtete Dennis Dayle, mittlerweile pensionierter Hauptermittler der Drug Enforcement Administration im Nahen Osten, auf einer Anti-Drogen-Konferenz, dass „in den 30 Jahren meiner Tätigkeit bei der Drug Enforcement Administration und verwandten Behörden die Personen im Zielfeld meiner Ermittlungen beinahe ausnahmslos für die CIA arbeiteten“.

Auch die Castle Bank war ein „Mehrzweck-Waschsalon“, der sowohl der CIA als auch der Mafia von Diensten war. Das Interesse der Mafia an Castle wurde in Jim Drinkhalls Artikel aus dem Wall Street Journal nur sehr abgeschwächt dargestellt. Es wurde nur erwähnt, dass aus einer langen Liste von Kontenbesitzern bei Castle „drei Männer dabei waren – Morris Dalitz, Morris Kleinman und Samuel A. Tucker –, die in Dokumenten des Justizministeriums als Personen aus der organisierten Kriminalitätsszene beschrieben wurden“. (Kleinman und Helliwell betrieben gemeinsam zahlreiche Immobilieninvestments zusammen mit Burton Kanter, dem Anwalt aus Chicago, der mit Helliwell Castle Bank organisierte.)

Alan Block deutet an, dass Castle sich zu einer aktiven Bank wandelte, als es notwendig wurde, auf schnelle Weise Gelder von der Mercantile Bank and Trust auf den Bahamas (einer weiteren Helliwell-Bank, die „wie Castle als Kanal für CIA-Geld diente“) umzubuchen, weil diese im Untergang begriffen war. Die Gelder wurden „auf das energische Drängen“ von Kanter transferiert,

weil sich unter den Konten, die in Gefahr waren, eines befand, dass Morris Kleinman gehörte, einer berüchtigten Figur des organisierten Verbrechens aus den Tagen der Prohibition. Auf diese Angelegenheit bezogen behauptete Castles Präsident Sam Pierson, dass der Transfer notwendig geworden war, weil ansonsten „Kanter im Chicago River treibend enden würde“.

Kanter scheint auf Steuerangelegenheiten für die Legalisierung von Mafiavermögen spezialisiert gewesen zu sein. Zusätzlich zur Gründung der Castle Bank mit Helliwell, war er „energisch“ mit der La Costa Grundstückserschließung beschäftigt, an der auch der ehemalige Konsorte aus Cleveland, Moe Dalitz, beteiligt war. „Dalitz war Teilhaber an mehreren Casinos, darunter auch das Desert Inn und das Stardust Hotel“. Block sieht Kanter als das Verbindungsglied, durch welches La Costa hohe Finanzierung aus dem korrupten Pensionfonds Central States der Teamsters-Gewerkschaft erhielt: „Kanters Zugang zum Rentenfonds stammte wahrscheinlich von Allen Dorfman, einem Freund und Geschäftspartner. Dorfman war ein wichtiger Fonds-Funktionär und Ganove. Er wurde 1985 ermordet, um ihn daran zu hindern, über Mafiainvestitionen zu plaudern“.

Die CIA, die Mafia und ihre undokumentierten Operationen

Helliwell war weder das einzige CIA-Verbindungsglied zur Mafia, noch das höchste. 1960 wurden Pläne zur Ermordung Castros durch das CIA-Office of Security und den Verbindungsmann, Robert Maheu, initiiert, dessen unabhängiges Unternehmen mit der Hilfe eines Vorschusses vom Office of Security auf den Weg gebracht worden war. Es war Maheu, der John Roselli die Ermordungspläne von der CIA überbrachte.

Eine länger andauernde Verbindung zur Mafia wurde von James Angleton, dem Stabschef der CIA-Spionageabwehr Counterintelligence (CI), aufrecht erhalten. Auch er nutzte einen Mittelsmann – den New Yorker Anwalt Mario Brod – der, gemäß einem CIA-Memo, von 1952 bis 1971 ein Spionageabwehr-Agent in New York City war. Einer der heiklen CI-Agenten, die in New York unter Brod arbeiteten, war Jay Lovestone. Lovestone war Leiter der Abteilung International Affairs beim Dachverband amerikanischer Gewerkschaften (AFL-CIO). Er ließ Schläger-Gangs in Marseille, die mit korsischen Drogenhändlern verbündet waren, Gelder zukommen. Diese korsischen Drogenhändler wiederum gehörten zum globalen Drogennetzwerk von Lansky und Luciano.

Nach Aussage von Doug Valentine war Lovestones Assistent, Irving Brown, in den europäischen Drogenschmuggel verwickelt. Zur selben Zeit nutzte er CIA-Gelder um

zusammen mit Piere Ferri-Pisani eine "kompatible linke" Gewerkschaft in Marseille zu gründen. Im Namen von Brown und der CIA heuerte Ferri-Pisani (ein Drogenschmuggler mit Beziehungen zu Antoine Guerini, einem Großkriminellen aus Marseille) Schläger an, die streikende kommunistische Hafenarbeiter endgültig bezwingen sollten.


Lovestone - früherer Kommunist, dann militanter Anti-Kommunist - hatte sich zudem in den 1930er Jahren mit seinem Mentor David Dubinsky von der Gewerkschaft "International Ladies' Garment Workers" gegen die Gründung einer noch militanteren Gewerkschaftsbewegung der CIO (Congress of Industrial Organizations) und im Besonderen gegen die Gründung der "United Auto Workers" – der Gewerkschaft von Walter und Victor Reuther - gestemmt. Die Rivalgewerkschaft UAW-AFL, die Lovestone favorisierte, suchte sich die Muskelkraft der Mafia und stellte John Dioguardi, ein Mitglied der Lucchese Mafiafamilie, als Regionaldirektor für New York ein. Dioguardi wurde später von Bundesanwalt Paul Williams beschuldigt, den Journalisten Victor Riesel geblendet zu haben. Des Weiteren beschuldigte er ihn des anschließenden Mordes an dem Mann, der Riesels Gesicht mit Säure überschüttet hat.

CI-Stabsagent Brod, Angletons Verbindungsmann zur Mafia, "betreute" einen weiteren heiklen Agenten, den russischen Überläufer Anatoliy Golitsyn. Golitsyn wurde von Angleton im Rahmen seiner endlosen Suche nach einem hochrangigen Maulwurf innerhalb der CIA vom regulären CIA-Beamtenapparat abgesondert. Mit Hilfe von dubiosen Informationen von Lovestone und Golitsyn war Angleton laut seinem Biographen Tom Mangold dabei, "in aller Stille eine alternative CIA" mit eigenem Kommunikationssystem, Archiv und Tresor aufzubauen. Das Herzstück dieser alternativen CIA bildete das "Allerheiligste" der Spionageabwehr (CI): "die supergeheime Special Investigation Group" (CI/SIG), wo Akten gesammelt wurden, die beweisen sollten, dass Henry Kissinger und Averell Harriman möglicherweise KGB-Maulwürfe waren.

Ein dritter heikler Agent von Brod war Herbert Itkin, ein kontroverser Doppelagent, der sowohl für die Mafia als auch für CIA und FBI arbeitete. Wie Itkin hatte auch Brod selbst "Kontakte zur Mafia". 1970 gerat die CIA in Aufruhr als das Justizministerium und das FBI Itkin als Zeugen gegen eine Reihe von Mafiosi mit ehemaligen Beziehungen nach Havanna einsetzten, darunter James Plueri, Ed Lanzieri und Sam Mannarino, die mit der Teamsters-Gewerkschaft Vereinbarungen für illegale Schmiergeldzahlungen getroffen hatten. Der Bundesanwalt rief den Rechtsberater der CIA an, um ihm mitzuteilen, dass Mario Brod auf der Seite der Verteidigung in den Prozess mit eingetreten war. Gemäß den Gerichtsaufzeichnungen "bemühte sich die Verteidigung darum, Brod, der als Itkins Kontakt zur CIA beschrieben wird, als Zeugen aufzurufen. Brod würde aussagen, dass er Itkins Aussage selbst unter Eid nicht glauben würde und dass Itkins Aufrichtigkeit kein Glauben zu schenken sei". Der CIA-Rechtsbeistand stimmte mit dem Bundesanwalt darin überein, dass man Brod an seiner Aussage hindern müsse. Sein Büro protokollierte Brods Erklärung für sein Verhalten folgendermaßem: "Einer der Angeklagten namens Lenzieri [(sic), d.h. Edward the Buff Lanzieri] war Brods einziger Kontakt innerhalb der Mafia, der ihn warnen würde, wenn er in Gefahr wäre".

Aber Brod mag nicht nur aus Eigeninteresse gehandelt haben. Denn es gibt Vermutungen, dass einige der Mafia-Angeklagten aus dem Schmiergeldprozess noch tiefere Verbindungen zur CIA hatten, wenn auch nicht dokumentiert. Laut der Aussage von Dan Moldea waren zwei der Angeklagten, John La Rocca und Gabriel Mannarino, mit Hoffa in kubanische Waffenschieberei verwickelt; und er deutet an, dass Hoffa La Rocca und Mannarino zusammen mit zwei anderen Schmiergeld-Angeklagten (Salvatore Granello und James "Jimmy Doyle" Plumeri) dazu gebracht habe, "mit der CIA zu kooperieren". Darüber hinaus waren alle Angeklagten des Schmiergeldprozesses, in dem Itkin aussagte und in dem Brod auf Seiten der Verteidigung zu intervenieren versuchte, Mitglieder der so genannten "paper locals" bei der Gewerkschaft Teamsters (und zuvor bei der UAW-AFL), die von Plumeris Neffen John Dioguardi kontrolliert wurde.

Im Juni 1975, sechs Monate nach dem Durchsickern von Angletons Operation CHAOS, was wiederum zu Angletons Amtsenthebung führte, behauptete das Time Magazin, dass die CIA Brods Mafiakontakte, also Plumeri und Granello, benutzt hatte, "um ein wenig in Kuba zu spionieren, zur Vorbereitung für die Schweinebucht-Invasion". (Ich habe für diese Behauptung von Time keine Beweise in freigegeben CIA-Dokumenten finden können.)

Wie schon Brod hatte angeblich auch Angleton selbst Kontakte zur Mafia, und intervenierte zumindest bei einer Gelegenheit, um einen anderen Teil der CIA davon abzuhalten, Lanskys Bankgeschäfte aus illegalen Las Vegas-Einnahmen zu näher zu durchleuchten. Ein hochrangiger Beamter in Robert Kennedys Justizministerium bat John Whitten, den ehemaligen Leiter des Mexiko/Panama-Bereichs in der Abteilung Western Hemisphere, Nummernkonten in Panama zu ermitteln. Glücksspieler aus Las Vegas nutzten diese Konten, um Bargeld zu schmuggeln, „das sie von ihren täglichen Einnahmen abschöpften. Unter Nutzung seines Pseudonyms „John Selso“ sagte Whitten dann gegen Angleton vor dem Church Committee aus.

Zu der Zeit waren wir in einer ausgesprochen guten Lage, dies durchzuführen. . . . Ich hielt es für eine großartige Idee. Angleton erfuhr umgehend davon, und wir mussten ihn darüber informieren, und er sagte, Wir werden uns da nicht einmischen. Das ist Sache des FBI. Und zack, Ende des Gesprächs. Wir wurden abgezogen. Ich erzählte Colonel J.C. King, der zu der Zeit Leiter der Western Hemisphere-Abteilung war, von dem Gespräch. Und J.C. King sagte, Naja, du weißt ja, dass Angleton diese Verbindungen zur Mafia hat, und er wird nichts machen, was diese Verbindungen gefährdet. Und ich sagte, Das wusste ich nicht. Darauf er, Ja, das hatte etwas mit Kuba zu tun.


Angletons Verteidigung von Lanskys abgeschöpften Einnahmen sollte nicht abgetrennt von seiner zweiten Funktion in der CIA, als Leiter der Israel-Abteilung, betrachtet werden. Angletons Verbindungen zum Mossad reichten zurück bis zum Zweiten Weltkrieg, als er mit Unterstützung der jüdischen Untergrundbewegung, angeführt durch Teddy Kollek (dem späteren Bürgermeister von Jerusalem), OSS-Operationen in Italien koordinierte.

Angletons „Alternative CIA“ und ihr Vermächtnis

1963 hat CI/SIG, das „Allerheiligste“ von Angletons „alternativer CIA“, überdies die amerikanische Geschichte bedeutend beeinflusst. Ihre so genannte Akte 201 oder „Persönlichkeitsakte“ über „Lee Henry Oswald“ (der Mann, der der Welt als Lee Harvey Oswald bekannt ist) wurde seit ihrer Eröffnung im Dezember 1960 konstant mit falschen und gefälschten Informationen gefüttert. Und zwei Einträge in der Akte 201 wurden noch einmal im Oktober 1963 so verfälscht, dass sie es ermöglichten, Oswald als glaubwürdigen „designierten Verdächtigen“ für die Ermordung John F. Kennedys einen Monat später festzulegen.

Die Verfälschung von Oswalds Akte 201 mag aus einer legitimen Gegenspionage-Operation hervorgegangen sein. Ich habe dargelegt, dass einzigartig gefälschte Einträge zum Konzept eines so genannten „gezinkte Karte“-Tests oder „Kontrastmittel“-Tests gehörten, der herauszufinden sollte, ob und wo heikle Informationen durchgesickert sind. Dies war eine bekannte Methode und fiel in den Aufgabenbereich der CI/SIG, die für die Akte 201 verantwortlich war.

Aber ab Oktober 1963 gibt es Anzeichen, dass CIA-Telegramme über Oswald manipuliert worden sind, um ihn als vorgesehenen Verdächtigen für die Ermordung von Präsident Kennedy am 22. November nutzbar zu machen. Ein Fernschreiben der CIA an das FBI im Oktober 1963 (erstellt von einem CI/SIG-Beamten) hielt die offensichtlich bedeutende Information zurück, dass Oswald angeblich in Mexiko-Stadt mit einem sowjetischen Vizekonsul, Valeriy Kostikov, zusammengetroffen war. CIA-Beamte nahmen an, dass Kostikov ein Funktionär des KGB war. Die Vorenthaltung dieser Information half sicherzustellen, dass Oswald nicht über dieses angenommene Treffen hinaus unter die Beobachtung des FBI geraten würde. Solch eine Beschattung hätte vermutlich verhindert, dass er durch seine Positionierung an einer besonders heiklen Straßenecke von Kennedys Paradestrecke in Dallas zum vorgesehenen Verdächtigen hätte werden können. Ich habe dargelegt, dass eine ähnliche Vorenthaltungen von Informationen durch die CIA über zwei vermeintliche Kidnapper des 11. September, Nawaz al-Hamzi und Khalid al-Midhar, es gleichermaßen ermöglichte, diese beiden zu Verdächtigen zu machen, indem man auch hier das FBI daran hinderte, Beschattungen durchzuführen.

CIA-Direktor William Colby zwang Angleton in den Nachwehen der Watergate-Affäre Dezember 1974 zum Rücktritt, nachdem bekannt geworden war, dass Angleton in die wahrscheinlich illegale CIA-Operation CHAOS (die Beschattung von Amerikanern in den USA) verwickelt gewesen ist. Dies bedeutete das Aus für Angletons "alternative CIA" innerhalb der Spionageabwehr. Noch ungefähr ein Jahr danach - ähnlich wie bei der Verbindungen der CIA zu Brods Mafiosi - sickerten immer wieder Informationen durch, die den Morast von CIA-Verbindungen zu exilkubanischen Terroristen und anderen Mitgliedern des globalen Drogennetzwerkes offen legten (und damit halfen, es aufzulösen).

Aber 1976 änderte sich das Klima dramatisch, nachdem Donald Rumsfeld und Dick Cheney im so genannten "Halloween Massaker" (gesteuert aus dem Weißen Haus unter Präsident Ford) CIA-Direktor Colby durch George H.W. Bush ersetzten und Rumsfeld zum Verteidigungsminister machten. Wenn das Jahr 1975 von den Watergate-Nachwehen mit ihren dramatischen Enthüllungen über CIA-Verbindungen zu Exilkubanern und Mafiosi und deren Attentatsversuchen bestimmt war, so war 1976 das Jahr, in dem mafianahe Exilkubaner und der chilenische Geheimdienst DINA, die beide in den Drogenhandel verwickelt waren, in einer Reihe von terroristischen Tötungen schwelgten. Dazu gehörte das in die Luft sprengen eines zivilen Flugzeugs von Air Cubana und die Ermordung des früheren chilenischen Außenministers Orlando Letelier in Washington.

Die CIA war jedoch nicht mehr der einzige Kontakt oder auch nur der Hauptkontakt zur internationalen Operation CONDOR, die von der DINA gesponsert wurde und vielfache Tötungen durchführte. Robert White, amerikanischer Botschafter in Paraguay und Aufsteiger im Außenministerium, dessen Kritik an den Morden ihm nach der Wahl Reagans seinen Job kostete, erfuhr von dem Kommandanten der paraguayischen Streitkräfte, dass "Geheimdienstleiter aus Brasilien, Argentinien, Chile, Bolivien, Paraguay und Uruguay ein 'verschlüsseltes System innerhalb des amerikanischen [militärischen] Telekommunikationsnetz[werks]' nutzten, das ganz Lateinamerika überzog, um 'Geheimdienstinformationen zu koordinieren'".

Henry Kissinger, der 1976 im letzten Jahr seiner Amtszeit als Außenminister war, spielte im Angesicht dieser Welle rechter Gewalt bestenfalls eine mehrdeutige Rolle. Bevor er Chile öffentlich wegen seiner Menschenrechtsverletzungen rügte ("Die Menschenrechtslage . . . hat unsere Beziehung zu Chile geschädigt und wird dies auch weiterhin tun"), versicherte Kissinger Pinochet in einer privaten Unterhaltung, dass er durch die amerikanische Politik zu dieser Aussage verpflichtet sei, und dass er vielmehr beunruhigt war, dass der US-Kongress die Hilfe an Chile streichen wolle.

Der amerikanische Schutz bzw. die amerikanische Unterstützung für die Terroristen von 1976 dauert bis heute an. Luis Posada Carriles, der Hauptarchitekt des Bombenanschlags auf Air Cubana "saß seine Zeit für den Cubana-Anschlag im Gefängnis in Venezuela ab"; und "später, in den 1980er Jahren, arbeitete er wieder im Auftrag der CIA in Mittelamerika und half bei der Koordination des Contra Zuliefer-Netzwerks". Posada wurde festgenommen und 2000 nochmal in Panama für einen Mordanschlag auf Fidel Castro verurteilt, diesmal mit Guillermo Novo, einem von Leteliers Mördern. Beide Männer wurden umgehend von Panamas scheidendem Präsidenten begnadigt. Im Mai 2008 wurde Posada von 500 Amerikanern kubanischer Herkunft bei einer ausverkauften Gala in Miami geehrt, nachdem eine Anklage gegen ihn wegen illegaler Einwanderung in die Vereinigten Staaten von einem Bundesrichter in Texas abgelehnt worden war.

Zudem beförderte CIA-Direktor George Bush Theodore Shackley, der über Jahre hinweg mit den eigenwilligen Exilkubaner in Miami zusammen gearbeitet hatte. Laut Kevin Phillips

nahm Bush Ende 1976 widerspenstige und impulsive CIA-Agenten in Schutz – Veteranen fast jeder Operation von chilenischen Morden zu Vietnams Phoenix-Programm und unzulässiger Überwachung im Inland – damit sie nicht von Präsident Fords Justizministerium angeklagt würden".


Aber die Stimmung der Zurückhaltung nach Watergate kehrte unter Präsident Carter und seinem CIA-Direktor Admiral Stansfield Turner zurück zur CIA. Dank dem Durchsickern einer Serie von Informationen über seinen Freund Edwin Wilson, verlor Shackley sein Ansehen in der CIA bis er sie 1978 verließ.

William Corson und Joseph Trento argumentieren jedoch, dass der Geist einer alternativen und aktiveren CIA auch mit Shackley im Exil überlebte. Trento schreibt, dass Shackley vom Safari Club des Schahs von Iran (siehe weiter unten) und vom amerikanischen Botschafter in Iran, Richard Helms, unterstützt wurde. Der reguläre CIA-Standortleiter in Iran "beschwerte sich wiederholt, dass Helms seine eigenen Geheimdienstoperationen außerhalb der Botschaft zu leiten schien" und dass CIA-Veteranen, die unter CIA-Funktionär Theodore Shackley gearbeitet hatten, "den Kader einer privaten Schatten-Spionageorganisation innerhalb des offiziellen amerikanischen Geheimdienstes bildeten".

Anmerkungen => hier

(Der 2. und 3. Teil des Artikels werden am Mittwoch, den 1. April und Freitag, den 3. April veröffentlicht)
Der Artikel erschien im Original am 17. August 2008 bei 911truth.org unter dem Titel "Deep Events and the CIA's Global Drug Connection "

Übersetzung: Hintergrund

Der Autor
Peter Dale Scott, früherer kanadischer Diplomat und Professor an der University of California, Berkeley, ist der Autor von The War Conspiracy: JFK, 9/11, and the Deep Politics of War (erschienen im August 2008). Dieser Essay stützt sich auf das Schlusskapitel seines neuen Buches, das über die Mary Ferrel Foundation Press (http://www.maryferrell.org/wiki/index.php/MFF_Store ) bestellt werden kann.
Seine Website ist zu finden unter: http://www.peterdalescott.net .
 

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