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Schlachtfeld Jemen: das neue Operationsgebiet der US-Streitkräfte

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Von REDAKTION, 21. Dezember 2009 -

Nach dem Irak und Afghanistan scheint der Jemen das dritte globale Schlachtfeld im von den USA forcierten Anti-Terrorkampf zu werden. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte US-Präsident Barack Obama Angriffe mit Marschflugkörpern auf Stellungen befohlen, die angeblich von Mitgliedern der Al-Qaida im Jemen unterhalten werden. Das berichtete das Hamburger Abendblatt in seiner Montagsausgabe unter Berufung auf die New York Times und den US-Fernsehsender ABC News.

Eines der Ziele, so die Zeitung weiter, soll ein Ausbildungslager der Al-Qaida nördlich der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gewesen sein. Von einem weiteren soll ein unmittelbar bevorstehender Angriff auf US-Einrichtungen geplant worden sein.

Nach dem Cruise-Missiles-Angriff rückte die jemenitische Armee gegen die bombardierten Stellungen vor. Dabei sind mindestens 120 Menschen getötet worden. Die jemenitische Regierung spricht von Terroristen. Laut Angaben der Opposition sollen allerdings viele Zivilisten unter den Opfern gefunden worden sein, darunter auch Frauen und Kinder, wie die junge Welt am Montag berichtete. Mehrere Familien sollen nahezu ausgelöscht worden sein. In mehreren Städten der Region fanden am Wochenende Protestdemonstrationen gegen die Angriffe statt.

Laut einer Darstellung des österreichischen Standard vom Montag hat ein Rebellensprecher in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP in Dubai erklärt, bei den Angaben des jemenitischen Verteidigungsministeriums handle es sich um "Gerüchte", mit denen das eigene "Scheitern" vertuscht werden solle. Der Sprecher soll die saudiarabische Luftwaffe beschuldigt haben, im Gebiet von Raseh in der an der Grenze zu Saudi-Arabien gelegenen Provinz Saada am Morgen ein "Massaker" angerichtet zu haben. Bei Luftangriffen auf die Ortschaft Al Nadheer seien am Sonntagmorgen 54 unbewaffnete Zivilisten getötet worden, unter ihnen auch Frauen und Kinder.
Ein jemenitischer Behördenvertreter, der anonym bleiben will, hatte zuvor berichtet, bei einem Angriff von Jemens Luftwaffe in der südlichen Provinz Abjan habe es 49 tote Zivilisten gegeben, unter ihnen 23 Kinder und 17 Frauen. Ein örtlicher Stammesführer hatte AFP die Angaben zu dem Angriff vom Donnerstag auf das Dorf Majalla im Gebiet Al Mahfed bestätigt. Die jemenitischen Truppen hätten angenommen, dass die dort lebenden Beduinen Al-Kaida-Kämpfern Unterschlupf gewährt hätten.
Aus den Darstellungen der örtlichen Bevölkerung und jemenitischer Oppositionspolitiker gehe hervor, dass die Autonomiebewegung im Südjemen das wirkliche Ziel der Angriffe war, hieß es in junge Welt. Die USA hätten Feuerkraft, nachrichtendienstliche Informationen und andere Formen der Unterstützung für die Operationen geliefert, berichtete das Blatt unter Berufung auf Medienberichte in den USA.

Dessen ungeachtet hat Barack Obama seinem jemenitischen Amtskollegen Ali Abdallah Sali telefonisch zu seinem militärischen Erfolg gratuliert. Der Senat in Washington hatte Obama bereits am 4. Dezember aufgefordert, "alle geeigneten Maßnahmen einzusetzen", um der von den Aufständischen im Jemen ausgehenden "Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA" zu begegnen, so die junge Welt. Jemenitische Offiziere werden schon seit längerer Zeit in den Vereinigten Staaten ausgebildet.

Die jemenitischen Regierungstruppen führen im Norden des Landes einen Krieg gegen schiitische Rebellengruppen. Im Süden versucht die Regierung, eine Protestbewegung zu zerschlagen, die für eine Abspaltung des Südjemens eintritt.

In dem von der Weltpresse bisher nur wenig beachteten Krieg greifen die USA und die mit ihr verbündeten Staaten immer offener auch militärisch ein. Die USA mit Marschflugkörpern und möglicherweise auch mit Spezialeinheiten, Saudi Arabien mit Kampfjets und Artillerie.

Der Bürgerkrieg hat mittlerweile auch auf saudisches Territorium übergegriffen. Nach Medienberichten sind insgesamt 175.000 Menschen beiderseits der Grenze auf der Flucht vor den Kämpfen. Nach Angaben von UNICEF mussten bereits 240 saudische Grenzdörfer geräumt und mehr als 50 Schulen geschlossen werden. Die saudische Marine verhängte eine Seeblockade, um iranische Waffenlieferungen an die Rebellen auf dem Seeweg zu verhindern.

Jahja al-Houthi, der in Deutschland lebende Bruder des Rebellenführers Abdulmalik al-Houthi, hatte laut dpa in einem Brief an das jemenitische Volk erklärt, Saudi-Arabien habe sich mit seiner Luftwaffe in das Kampfgeschehen eingeschaltet, "um unser Heimatland zu besetzen." Die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) bekräftigten dagegen im Dezember während eines Gipfeltreffens in Kuwait, sie stünden geschlossen hinter Saudi-Arabien, das "Eindringlinge" aus dem Jemen zurückdrängen müsse.

Einige Beobachter in der Region sehen in den Kämpfen in der jemenitischen Provinz Saada eine Art "Stellvertreterkrieg". Denn der schiitische Iran sympathisiert mit den Rebellen. Das sunnitische Herrscherhaus von Saudi-Arabien hat sich seinerseits mit der jemenitischen Führung unter Präsident Ali Abdullah Salih verbündet, die im vergangenen August ihre sechste Offensive gegen die Rebellen begonnen hatte, so dpa.

Große Teile der Bevölkerung des Südens, wo die meisten Erdölvorkommen des Landes liegen, fühlen sich von der Regierung in Sanaa benachteiligt, berichtete die junge Welt. Gleichzeitig führten die jemenitischen Streitkräfte seit August Krieg gegen eine oppositionelle Bewegung im Norden, die einem Sonderzweig der Schiiten angehöre. An den nahezu täglichen Luftangriffen, die sich hauptsächlich gegen Bevölkerungszentren und Märkte richten, sollen sich nach unbestätigten örtlichen Berichten auch US-amerikanische Kampfflugzeuge beteiligen.
 

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