hintergrund_old_english
Samstag, 31. Juli 2010  

Lange Haftstrafen für Angeklagte der „Sauerland-Gruppe“

Drucken E-Mail
(05.03.2010/hg/dpa)

Die vier Angeklagten im Prozess gegen die sogenannte Sauerland-Gruppe sind wegen der Planung von Terroranschlägen auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland zu bis zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das entschied das Oberlandesgericht in Düsseldorf am Donnerstag. Fritz Gelowicz und Daniel Schneider bekamen je zwölf Jahre Gefängnis, der Mitangeklagte Adem Yilmaz elf Jahre. Atilla Selek wurde als Unterstützer zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Die Angeklagten Gelowicz, Schneider und Yilmaz wurden wegen Mitgliedschaft in der Islamischen Dschihad Union (IJU), wegen Verabredung zum vielfachen Mord sowie Vorbereitung eines Explosionsverbrechens schuldig gesprochen. Mit den Anschlägen hätten sie den Bundestag zum Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan zwingen wollen. Deswegen wurden sie auch wegen Nötigung von Verfassungsorganen verurteilt. Schneider wurde zudem wegen versuchten Mordes verurteilt, weil er bei der Festnahme einem Polizisten die Waffe entrissen und ohne zu treffen geschossen hatte.

In der Urteilsbegründung hieß es, von der Gruppe sei eine „ungeheure Bedrohung“ ausgegangen, da sie die bisher größten Anschläge in der Geschichte der Bundesrepublik geplant hätten. Die Angeklagten hätten einen „zweiten 11. September“ im Kopf gehabt. Wie beim Anschlag auf das Welthandelszentrum in New York vom 11. September blieb auch bei der „Sauerland-Gruppe“ ungeklärt, welche Rolle die Geheimdienste bei den Anschlagsplanungen gehabt haben.

Die für ihren Bombenbau notwendige Chemikalie Wasserstoffperoxid ist laut offiziellen Angaben bereits im Vorfeld von Polizisten verdünnt worden. Die Verteidiger hatten argumentiert, eine tatsächliche Gefahr habe nicht bestanden, weil die Männer bereits frühzeitig rund um die Uhr überwacht worden seien. Außerdem seien nur 3 von 26 entdeckten Sprengzündern intakt gewesen.

Die Rolle der IJU ist zudem äußerst umstritten. So wird sie von dem ehemaligen britischen Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, als ein „Gespenst“ charakterisiert, „das von der korrupten usbekischen Regierung mit Unterstützung der CIA ins Leben gerufen und nach Bedarf instrumentalisiert worden war“.

Weiterhin ungeklärt ist die Rolle jenes Mevlüt K., der als V-Mann des türkischen Geheimdienstes und CIA-Kontaktmann die Zünder für die vermeintlichen Bomben beschaffte und die Gruppe aus dem Hintergrund „geleitet“ haben soll. Er soll in der Türkei untergetaucht sein.

Das Gericht ist nur knapp unter den Strafforderungen der Staatsanwaltschaft geblieben. Die Verteidiger hatten Strafen von weniger als zehn Jahren gefordert. Mit 1700 Seiten haben die Angeklagten sehr umfassenden Geständnisse abgelegt
 
Share

Kurzmeldungen im Überblick

Italien: Erst Sparpaket, dann Regierungskrise. Neuwahlen wahrscheinlich

(30.07.2010/hg/dpa)

Am selben Tag, an dem das italienische Parlament den Milliarden-Kürzungsplänen der Regierung von Silvio Berlusconi zugestimmt hat, zeichnet sich eine ernste Regierungskrise ab.

Berlusconi hatte sein Renten- und Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst umfassendes Sparpaket mit einer Vertrauensfrage verknüpft, um auf diese Weise parlamentarische Debatten zu umgehen.

Noch am gleichen Donnerstagabend schloss Berlusconi den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Gianfranco Fini aus der Regierungspartei „Volk der Freiheit“ (PdL) aus. Für den entsprechenden Beschluss habe ein G [ ... ]


UN: Bolivien setzt sauberes Wasser als Menschenrecht durch

(30.07.2010/hg/dpa)

Sauberes Wasser ist jetzt ein Menschenrecht. Die von Bolivien vorgelegte und von 33 anderen Staaten unterstützte Resolution wurde bereits am Mittwoch in der Vollversammlung der 192 Mitgliedsstaaten, von denen 163 anwesend waren, mit großer Mehrheit von 122 Stimmen angenommen.

„Durch schmutziges Wasser sterben mehr Menschen als an Aids, Malaria und Masern zusammen“,sagte Boliviens UN-Botschafter Pablo Solón vor der UN-Vollversammlung

Nach UN-Angaben enthielten sich 41 Staaten. Das waren vor allem reiche Industrieländer, während die Staaten der sogenannten Dritten Welt [ ... ]


Ärger um Trinkgelage von Polizisten in Nobelhotel

(29.07.2010/hg/dpa)

Im Internet wirbt das Vier-Sterne-Hotel mit einem „unvergesslichen Aufenthalt“. Den haben Polizisten aus Sachsen-Anhalt den Hotelgästen in Hamburg auch bereitet: Betrunkene Beamte liefen grölend durch die Flure. Hamburg Polizeipräsident ist stinksauer.

Sie waren für einen Polizeieinsatz gegen Krawalle im Hamburger Schanzenviertel gekommen - und machten dann selbst Krawall: In einem noblen Hamburger Hotel haben Polizeibeamte aus Sachsen-Anhalt ein Trinkgelage veranstaltet und betrunken andere Gäste belästigt. Ein Polizeisprecher bestätigte am Donnerstag in der Hans [ ... ]


Schwarzenegger verkündet erneut finanziellen Notstand

(29.07.2010/hg/dpa)

Aufgrund des sich gegenwärtig auf 19 Milliarden US-Dollar belaufenden Haushaltsdefizits hat Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger am gestrigen Mittwoch einen Finanznotstand erklärt und als sofortige Sparmaßnahme für mehr als 200.000 Staatsangestellte unbezahlten Zwangsurlaub angeordnet. Von August an sollen sie drei Tage pro Monat nicht zur Arbeit gehen und damit auch kein Gehalt kassieren.

Dem Parlament des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates war es zuvor nicht gelungen, sich bis zum Beginn des neuen Finanzjahres am 1. Juli auf einen Haushaltsetat zu einigen [ ... ]


Die Hoffnung auf Wahrheit im Mordfall Buback

(28.07.2010/hg/dpa)

33 Jahre nach dem RAF-Mord an Generalbundesanwalt Buback steht fest: Die Ex-Terroristin Becker muss vor Gericht. Bubacks Sohn hofft auf Gewissheit, wer die tödlichen Schüsse abgab. Doch diese Frage ist gar nicht Gegenstand der Anklage.

Die Bilder sind bekannt: Die Mercedes- Limousine des Generalbundesanwalts mit der offenen Tür an einer Straßenkreuzung, die mit weißen Tüchern zugedeckten Leichen. Doch auch 33 Jahre nach dem Mordanschlag auf Siegfried Buback ist unklar, wer die tödlichen Schüsse abgab. Besonders Bubacks Sohn Michael hofft darauf, dass der neue Prozess [ ... ]


Trotz Afghanistan-Akten im Netz: US-Kongress bewilligt weitere Milliarden für Kriege

(28.07.2010/hg/dpa)

Ungeachtet der jüngsten Kontroverse hat der US-Kongress zusätzliche Milliarden für den Afghanistan-Krieg freigegeben. Das Repräsentantenhaus stimmte am Dienstagabend (Ortszeit) einer Budgeterhöhung um 33 Milliarden Dollar (25 Mrd Euro) zu. Das mit 308 zu 114 Stimmen klare Votum erfolgte zwei Tage nach der aufsehenerregenden Veröffentlichung Zehntausender teils geheimer Militärakten zu dem Krieg auf der Enthüllungswebsite Wikileaks.

Die größte Zustimmung für die weiteren Finanzmittel kam aus den Reihen der oppositionellen Republikaner. Mehr als 100 Abgeordneten von [ ... ]