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Sonntag, 23. November 2014  

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Radiotipp

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Werkbank Dongguan
Lebenswege made in China

Der eine hat letztes Jahr drei Finger in einer Stahlpresse verloren. Die andere träumt vom schönen Leben und wohnt an Chinas verruchtestem Ort. Der Dritte hat Millionen investiert und sucht nach einem neuen Geschäftsmodell. Geschichten aus Dongguan, der chinesischen Industriestadt an der Grenze zu Hongkong. Sie wurde bekannt als Werkbank der Welt. Überall läuft man in Turnschuhen von hier, jede zweite Computermaus wird in dieser Stadt hergestellt. Doch während der Weltfinanzkrise brach die Produktion ein. Fabriken schlossen, Arbeiter gingen – der Beginn vom Ende des Geschäftsmodells Billiglohn. Zugleich florierte ein neues Gewerbe. Dongguan wurde zu Chinas „Sexhauptstadt“ – nirgends fand Prostitution so offen statt wie hier. Bis der Staat durchgriff.

Di 18.11., 19:15 Uhr, Deutschlandfunk


 

Urwald oder Holzfabrik
Der deutsche Wald als Reformprojekt

Deutschland ist zu fast einem Drittel von Wald bedeckt, und der entwickelt sich gut. Das weckt Begehrlichkeiten bei Wirtschaft und Politik. Die Bäume könnten helfen, unabhängiger von Kohle, Öl und Gas zu werden, die Klimabilanz des Landes aufzubessern. Und die chemische Industrie hofft ebenfalls, sie als nachwachsende Ressource nutzbar zu machen. Die Bäume werden wichtiger, aber Kritiker warnen vor den Folgen des wachsenden Nutzungsdrucks – schließlich soll der Wald auch für Erholung und Biodiversität sorgen. Wie können die Wälder der Zukunft diesen offenbar konträren Ansprüchen gerecht werden – und sind sie dann noch Wälder?

Di 18.11., 19:30 Uhr, Deutschlandradio Kultur


 

Ein Glaswerk für Haiphong
Solidarität der DDR mit Nordvietnam

Deutschland und Vietnam hatten eines gemeinsam. Durch beide Länder verlief in der Ära des Kalten Krieges die Grenze zwischen den Systemen. Schon seit den 1950er-Jahren unterstützte die DDR die Demokratische Republik Nordvietnam, und als die ersten US-amerikanischen Bomben auf Vietnam fielen, rollte eine beispiellose Solidaritätskampagne an. Kinder spendeten Spielzeug, die Bürger Nähmaschinen und Blut, der Staat versorgte das Bruderland mit Notstromaggregaten. Ganze Fabriken fanden den Weg nach Haiphong, tausende Vietnamesen wurden in der DDR ausgebildet, um den Aufbau nach dem Krieg voranzubringen. Gespeist aus der Empörung über „Agent Orange“ und den Napalm-Krieg der USA, mischte sich in dieser Solidaritätsbewegung menschliches Mitgefühl mit dem Kalkül des Staates.

Mi 19.11., 22:04 Uhr, rbb Kulturradio


 

Lichter aus im Bochumer Opel-Werk
Opel geht – aber was kommt?

Im Dezember werden im Bochumer Opel-Werk die Produktionsbänder ausgeschaltet. 3.300 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die Schließung des Werks wird wohl nicht nur in Bochum, sondern im gesamten Ruhrgebiet und darüber hinaus eine große Lücke reißen. Jahrzehntelang war das Opel-Werk in Bochum ein fester Bestandteil und Hauptarbeitgeber der Stadt. Ernährer für viele tausend Familien. Vorzeigemodelle wie der Kadett oder der Manta gingen hier vom Band, zeitweise arbeiteten 20.000 Menschen in der Auto-Fabrik. Nun schließt Opel das Bochumer Werk. Was sind die Folgen? Können Stadt und Region den Arbeitsplatzverlust auffangen? Was kommt nach Opel? Was wird aus den Mitarbeitern?

Do 20.11., 20:05 Uhr, WDR 5


 

Mitleid um jeden Preis
Was bewegt die extremen Tierschützer?

„Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt.“ So hat es Mahatma Gandhi formuliert. Den Umgang mit Tieren regelt hierzulande das Tierschutzgesetz. Und als eines der wenigen Länder der Welt hat Deutschland seit 2002 den Tierschutz im Grundgesetz verankert. Trotzdem beklagen Tierschützer immer wieder, dass in Sachen Jagd, Pelz- und Massentierhaltung, aber auch im Hinblick auf Tiertransporte und -versuche dringend Handlungsbedarf bestehe; mit groß angelegten Kampagnen machen sie auf grundsätzliche Probleme und Missstände aufmerksam. Einigen Menschen geht das aber nicht weit genug. Die sogenannten „Tierrechtler“ lehnen generell ab, dass der Mensch Tiere in irgendeiner Form für seine Zwecke nutzt. Immer mal wieder befreien sie Versuchskaninchen aus Laboren, verschaffen sich illegal Zutritt zu Ställen oder sprühen Parolen wie „Fleisch ist Mord“ an Schaufenster von Metzgereien. Die Sendung gibt Einblick in die Szene und berichtet über Beweggründe verschiedener Gruppierungen, die mit extremen Methoden für den Tierschutz kämpfen.

Do 20.11., 10:05 Uhr, Bayern 2


 

Verboten schwul
§ 175 StGB und die Verfolgung von Homosexuellen in der BRD

Sie sind inzwischen alte Männer – und brechen jetzt erstmals ihr Schweigen. Homosexuelle der „175er-Generation“, die in den 50er und 60er Jahren in Deutschland von Nachbarn oder Bekannten denunziert, von Polizisten „auf frischer Tat“ ertappt, oft mit großem Belastungseifer verfolg wurden – das belegen auch Polizei-Protokolle und Ermittlungsakten. Denn: bis vor 20 Jahren war „Unzucht zwischen Männern“ strafbar. Der § 175 StGB war im Kaiserreich eingeführt worden, in der Nazizeit verschärft – er galt in der jungen Bundesrepublik Deutschland weiter. Es drohte Gefängnis. Was für viele schlimmer war: der bürgerliche Tod. Wer erwischt wurde, dessen Leben wurde peinlich genau abgefragt und in Gerichtsverhandlungen detailreich ausgebreitet. Wurden sie bestraft, waren bürgerliches Leben und Karriere im Beruf erledigt. Homosexuelle flüchteten in Doppelleben, manche brachten sich um. Aus Scham und Angst litten sie still und schwiegen. Wolfgang Kerler, 28, BR-Autor, hat mit drei Männern der „175er-Generation“ ausführlich über ihr Leben gesprochen. Außerdem hat er sich durch die Archive gearbeitet, erstmals einschlägige Akten des Bayerischen Staatsarchivs ausgewertet, in denen dokumentiert ist, wie Strafverfolgung wg. § 175 damals ablief – in einem Klima des Verrats und der Denunziation.

Do 20.11., 20:05 Uhr, Bayern 2


 

NAFTA
Freihandelsabkommen oder Blaupause des neoliberalen Investitionsregimes

Am 1. Januar 1994 trat das Freihandelsabkommen NAFTA in Kraft. Die USA, Kanada und Mexiko haben es unterzeichnet und damit die größte Freihandelszone der Welt geschaffen. NAFTA war ein Pionierabkommen. Unter anderem weil es neben dem Warenhandel auch Dienstleistungen, Investitionen, das öffentliche Beschaffungswesen und geistiges Eigentum einschließt. Und so hat NAFTA Maßstäbe gesetzt. Vor allem – wie sich erst heute zeigt – wegen der ihn ihm festgeschriebenen Sonderrechte für Investoren. 20 Jahre später kann man die Folgen von NAFTA sehen. Versprochen hatten seine damaligen Befürworter Wachstum und Arbeitsplätze. Stattdessen haben Millionen Menschen in allen drei Ländern ihre Arbeit verloren oder Lohnsenkungen hinnehmen müssen. Auch die Umwelt hat gelitten. Und der Staat hat deutlich an Macht verloren. Profitiert hingegen haben in jeglicher Hinsicht transnationale Großkonzerne.

Fr 21.11., 19:15 Uhr, Deutschlandfunk


 

Schlachtfeld der Seele
Bundeswehrsoldaten singen vom Krieg

Nach den bisherigen Planungen will Deutschland bis Ende 2014 alle Kampftruppen aus Afghanistan abziehen. Der Rückhalt in der Bevölkerung für diesen Einsatz war nie besonders groß, die Bundeswehr hat an Ansehen verloren. Viele Soldaten fühlen sich alleingelassen. Sie sind dem Prinzip von Befehl und Gehorsam verpflichtet, doch wer hört ihnen zu, wenn es um ihre Probleme bei den Auslandseinsätzen geht? Das Gewandhaus Leipzig und ein Psychodramatiker bieten Soldaten die Möglichkeit, ihre Erlebnisse in Chormusik zu übersetzen. Vier Berufssoldaten lassen sich auf das Experiment ein. Sie reden im geschützten Raum der Proben, machen Texte aus ihren Gefühlen und manches kommt zum ersten Mal zur Sprache. Da sind zum Beispiel die schreienden afghanischen Kinder, denen der Soldat nicht helfen kann, obwohl er selbst Vater ist, oder die Furcht beim Raketenbeschuss auf das Feldlager. Die Männer suchen nach Worten, die im Militäralltag keinen Platz haben. Und scheuen sich nicht, damit an die Öffentlichkeit zu treten.

Sa 22.11., 09:05 Uhr, rbb Kulturradio


 

Ich - Du - Data
Wie Daten unser Leben verändern

Die fortwährende, allumfassende Auswertung riesiger Datenmengen verändert unser Wohnen, das öffentliche Leben, unsere Arbeit, ja sogar unsere Gesundheit. „Big Data“ krempelt unser Leben um – und zwar tiefgreifend. Wenn wir die Tür morgens hinter uns ins Schloss ziehen, weiß unser Haus, was zu tun ist: Türen und Fenster sichern, Temperatur im Wohnzimmer senken und pünktlich zum Feierabend wieder anheben zum Beispiel. Unser Auto findet den Weg zur Arbeit allein, natürlich ohne Staus. Und wie gesund wir sind, kann uns zum Beispiel ein Pflaster mitteilen, das 5.000 Körperwerte pro Minute erfasst. Alltag im Daten-Kokon. Kritiker warnen: Wegen „Big Data“ werden wir unsere Freiheit verlieren. Nutzer wissen zu schätzen, dass Daten unser Leben bequemer machen. Und Manager sind überzeugt: Dank „Big Data“ werden wir Milliarden verdienen. Wie richten wir uns ein zwischen Algorithmen und Analysen?

So 23.11., 11:05 Uhr, WDR 5