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Mittwoch, 23. Juli 2014  

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Aus Gründen des Datenschutzes und der Sicherheit verzichtet Hintergrund ganz bewusst auf das Angebot sozialer Netzwerke.Von Facebook wissen wir, dass es seine Nutzer aktiv ausspäht.

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Freiheit: gut. Kontrolle: besser!

Einerseits leben wir in einer Gesellschaft, die vorgibt, individuelle Freiheiten zu garantieren: Niemand wird, jedenfalls von Rechts wegen, ob seines Glaubens, seiner sexuellen Orientierung, seiner politischen Überzeugung oder seiner Herkunft verfolgt. Andererseits leben wir in einer Gesellschaft, die technische und soziale Kontrolle des einzelnen Menschen zu einer Perfektion gebracht hat, wie keine andere je zuvor. Die öffentlichen Räume sind von Kameras überwacht, die Handy-Gespräche werden nicht nur von der NSA mitgehört, und der Computer dient vor allem als Datenstaubsauger für die unterschiedlichsten ökonomischen und politischen Interessen. Aber damit nicht genug: Medien und soziale Netzwerke sind am erfolgreichsten, wo sie Kontrolle herstellen oder wenigstens simulieren, der Markt ist frei, aber zugleich bis ins Innerste aller seiner Elemente und Teilnehmer erfasst, berechnet, „gerated“ und statistisch abgebildet.

Vom Satelliten-Bild über die Drohne bis zu google maps werden wir beobachtet, die digitalen Konzerne wissen über ihre Kunden in einer Weise „Bescheid“, wie sie die Diktatoren gegenüber ihren Untertanen nur erträumen konnten. Wie passt das zusammen? Wie können wir glauben, „frei“ zu sein, wenn wir gleichzeitig bis in die intimsten Winkel unseres Lebens, bis ins Schlafzimmer und bis in das Innere unserer Ideen und Meinungen, ja bis ins Innere der Körper, bewacht, ausspioniert, kontrolliert sind? Warum machen so viele diese Kontrollspiele freiwillig, ja zum Teil lustvoll mit?

Do 10.07., 20:03 Uhr, Bayern 2


 

Victoria Woodhull

„Ja, ich bin eine Anhängerin der Freien Liebe. Ich habe ein unantastbares, verfassungsmäßiges und natürliches Recht zu lieben, wen ich will und so lange oder so kurz wie ich kann.“ Mit Sätzen wie diesem schockierte die 1838 geborene amerikanische Frauenrechtlerin Victoria Woodhull die Gesellschaft. Ihr abenteuerliches Leben lief durch die Gazetten. Drei Ehemänner und etliche Geliebte waren ihre Schule des Lebens – Victoria Woodhull zog daraus persönliche, wie auch politische Konsequenzen. Auf Männer verließ sie sich ein Leben lang nicht. „Do it yourself“ war das Motto dieser frühen Power-Frau. Sie war Anhängerin der Freien Liebe und der Suffragetten-Bewegung, Spiritistin und erfolgreiche Geschäftsfrau.

Mit ihrer Schwester eröffnete sie das erste weibliche Broker-Büro an der Wallstreet. Mit den Börsengewinnen erfüllten sich die Schwestern einen Traum: Sie gründeten die Zeitung „Woodhull & Claflin' s Weekly“. Auf ihren Seiten wurden Tabuthemen der Zeit behandelt: Sexualerziehung, Prostitution, Geburtenkontrolle und natürliche die Rechte der Frauen. Die englische Version von Marx' „Kommunistischem Manifest“ erschien als erstes in Woodhulls Zeitung. 1872 kandidierte Victoria Woodhull als erste Frau für die US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

Fr 11.07., 09:05 Uhr, Bayern 2


 

Grandhotel für Alle!

In Bayern gibt es ein einzigartiges Projekt: Eine basisdemokratisch organisierte Gruppe von Künstlern und anderen Aktivisten in Augsburg renoviert ein leerstehendes Haus, nennt es Grandhotel Cosmopolis und lädt Hotelgäste und Asylbewerber ein, mit ihnen unter einem Dach zu leben. In der Bar gibt es Kaffee, Kuchen und Bier. Im Keller finden Konzerte statt. Demnächst eröffnet eine Bürgerküche mit Gerichten aus aller Welt. Die Flüchtlinge sind nicht in Baracken am Stadtrand abgeschoben. Die Augsburger können das exotische Gemisch gefahrlos erkunden. Das Projekt ist inzwischen berühmt geworden, doch es findet nicht im luftleeren Raum statt. Die Idee stößt an die Mauern der europäischen Flüchtlingspolitik.

Sa 12.07., 13:05 Uhr, Bayern 2


 

Die Macht der Algorithmen

Ständig hinterlassen wir digitale Spuren, die Rückschlüsse auf unsere Bewegungsmuster, Freundeskreise, Vorlieben und Ansichten erlauben. Fachleute für Datenanalyse erstellen daraus per Mausklick komplette Persönlichkeitsprofile, die Geheimdiensten und Geschäftemachern ihre Arbeit erleichtern. Mit Hilfe immer cleverer Algorithmen versuchen Big-Data-Experten, unser Verhalten berechenbar und damit vorhersagbar zu machen. Welches Maß von Kontrolle und Manipulation ist heute schon technisch machbar? Aktuelle Sachbücher gehen dieser Frage auf den Grund. Was sich zu lesen lohnt, verrät das Sachbuchtrio des Deutschlandfunks.

So 13.07., 16:30 Uhr, Deutschlandfunk


 

Obdachlose Frauen

Man sieht sie in der Öffentlichkeit sehr viel weniger als Männer: obdachlose Frauen fallen nicht auf, treten weniger in Erscheinung, versuchen, ihre Obdachlosigkeit zu verdecken. Häufig suchen sie Unterschlupf bei Bekannten und vermeiden die Straße. Scham und Angst halten sie eher davon ab, sich auf der Straße zu zeigen. Frauen versuchen häufiger als Männer, in „ordentlicher Armut“ zu leben. Wie kommen Frauen mit Armut zurecht? Wie rutschen sie in die Situation ab? Gibt es Auswege aus der Obdachlosigkeit?

Di 15.07., 10:05 Uhr, Bayern 2


 

20 Jahre Straflosigkeit

18. Juli 1994. Bei dem Bombenanschlag auf ein jüdisches Kulturzentrum in Buenos Aires wird Rosa Montana schwer verletzt. Ihr kleiner Sohn verblutet. Adriana Reisfelds Schwester Noemi stirbt in den Trümmern. Insgesamt 85 Tote werden gezählt. In den Jahren danach forderten die Hinterbliebenen vor dem Justizpalast immer wieder Gerechtigkeit. Zahlreiche Spuren hätten zu den Tätern führen können. Stattdessen mussten die Opfer Falschaussagen und Verdunkelungen ertragen und zuschauen, wie die Verdächtigen das Land verließen.

Mo 14.07., 10:05 Uhr, SWR2


 

Hijras – weder Mann noch Frau

Sie sind weder Mann noch Frau, haben also keine eindeutige Geschlechtsidentität: Mehrere Millionen Hijras soll es in Südasien geben - die meisten von ihnen in Indien, Pakistan und Nepal. Sprachlich bezeichnen sie sich selbst meist als weiblich und kleiden sich dementsprechend. Hijras werden häufig von der Gesellschaft stigmatisiert und doch zugleich widerwillig akzeptiert, weil sie innerhalb der Hindu-Religionen einen Nischenplatz besetzen. So gibt es in mehreren hinduistischen Epen Textstellen, die den Hijras eine mythologische Bedeutung zusprechen. Aussichten, einen Beruf zu erlernen oder einen Job zu bekommen, haben Hijras selten. Und doch haben inzwischen zumindest einige wenige unter ihnen den sozialen Aufstieg geschafft – etwa als Bürgermeisterin, als Abgeordnete und als Direktorin eines Netzwerks für Transsexuelle.

Mi 16.07., 14:05 Uhr, Bayern 2