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Sonntag, 02. August 2015  

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Ihre Route wird neu berechnet!
Wie kartographisches Denken unser Weltbild formt

Vom Wegweiser der Entdecker zum Routenplaner auf dem Smartphone, vom Geheimpapier der Mächtigen zum Echtzeit-Dokument: Karten sind, dank Satelliten-Navigation und digitaler Technologie, inzwischen allgemein verfügbar. Früher fixierten sie Grenzen und dienten der Kontrolle von Territorien. Heute werden sie, je nach Bedarf, für jeden Standpunkt neu berechnet. In einer globalen Welt können Karten internationale Beziehungen, Migrationsrouten, Bevölkerungsentwicklungen und Umweltprobleme veranschaulichen. Dabei machen sie so unmissverständlich wie kein anderes Medium deutlich, wie sehr unsere Weltsicht vom jeweiligen Standpunkt abhängt.

Do 09.07., 19:30 Uhr, Deutschlandradio Kultur


 

Vorratsdatenspeicherung
Verdachtskultur und ihre Folgen

Sämtliche Telefon-, Handy-, Email- und Internetverbindungsdaten langfristig zu protokollieren und auf Vorrat zu speichern: Genau das ist die Idee der sogenannten „Vorratsdatenspeicherung“. Sie wird auch in Deutschland heftig diskutiert. Strafverfolger halten sie für unerlässlich, um Straftaten aufzuklären. Für Datenschützer hingegen ist sie ein rotes Tuch, kaum vereinbar mit der fundamentalen Forderung des Bundesverfassungsgerichts, nur jene Daten zu sammeln, die auch tatsächlich erforderlich sind. Darf und soll man also 99,9 Prozent der Daten völlig Unschuldiger speichern, weil sich in diesem „Heuhaufen“ in Zukunft vielleicht die „Stecknadel“ finden lässt? Was passiert mit Menschen, wenn sie das Gefühl haben, unter Verdacht zu stehen – wenn ihre Daten gesammelt und ausgewertet werden? Sicherheit und Bürgerrechte stehen im Fokus der aktuellen Diskussion, kaum beleuchtet werden dagegen die psychologischen Auswirkungen von Überwachung auf den Einzelnen und die Gesellschaft. Dabei sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu bisher alles andere als beruhigend: Arbeitnehmer, die elektronisch überwacht werden, weisen US-Studien zufolge ein deutlich höheres Maß an Stress, Depressionen und anderen gesundheitlichen Beschwerden auf. Mehrere Experimente wiesen nach, dass das Bewusstsein, beobachtet zu werden, zu Verhaltensänderungen führt.

Fr 10.07., 09:05 Uhr, Bayern 2


 

„Jede Nacht haben sie andere geholt“
Vergewaltigung als Kriegsstrategie

Ist die Vergewaltigung von Frauen eine besonders effektive Kriegswaffe? Was bringt Soldaten oder Polizisten dazu, ihre Macht auf diese Weise zu demonstrieren? Steckt eine Strategie dahinter, selbst wenn Befehle von Oben oft nicht nachweisbar sind? In Bosnien wurden während des vier Jahre dauernden Krieges mindestens 25 000 muslimische Frauen systematisch vergewaltigt: alte wie junge. Ziel war unter anderem die ethnische Vertreibung der muslimischen Bosnier. In patriarchalen Gesellschaften gilt die sexualisierte Gewalt an Frauen auch als besondere Demütigung der Männer. Die Botschaft: Ihr seid nicht mal in der Lage, eure Frauen zu schützen! Bis heute wagen sich die betroffenen Frauen nicht in ihre Heimat zurück. Eine Versöhnung scheint fast unmöglich.

Sa 11.07., 13:05 Uhr, Bayern 2


 

Frauensache? Männersache? Paarsache!
Genderpolitik in Tansania

Rahisi schaut zu Boden, als sie ihre Geschichte erzählt. Die 19-Jährige schämt sich. Wovor ihre Mutter sie immer gewarnt hat, das ist passiert: Das Resultat heißt Catherina und turnt jetzt auf ihrem Schoß herum. „Du musst dich vor den Jungs in Acht nehmen“, hat sie ihre Mutter, gläubiges Mitglied einer Pfingstkirche, immer gewarnt. Nun lebt sie mit Catherina bei ihrer Mutter, die drei teilen ein Bett. In Entwicklungsländern wie Tansania stehen Mädchen und Frauen wie Rahisi meist schlecht da, wenn es zur Trennung kommt. Sie sind diejenigen, die mit den Kindern zurückbleiben, in der Regel aber schlechter gebildet sind und nur wenig Chancen auf Arbeit haben. Lange Zeit setzten Entwicklungshilfeorganisationen deshalb auf Frauenförderung. Wenn die Männer nicht mitziehen, reicht das aber nicht. Familie - das darf kein reines Frauenthema sein. Das hat die evangelische Kirche in Tansania erkannt und setzt gezielt auf Geschlechtergerechtigkeit etwa bei der Familienplanung. Das hierzulande oft belächelte Gender Mainstreaming ist in Entwicklungsländern keineswegs „Gaga“, sondern kann im Gegenteil Überleben sichern.

So 12.07., 08:30 Uhr, Bayern 2


 

Tea-Party in Frankreich
Der Kulturkampf um die Homoehe

Europa rieb sich die Augen: Ausgerechnet in Frankreich führte 2013 ein Gesetzentwurf über die gleichgeschlechtliche Ehe zu einer gigantischen Protestbewegung. Eine Koalition aus Wertkonservativen, traditionalistischen Katholiken, fundamentalistischen Islamisten und rechtsextremen Splittergruppen beherrschte in einer von Hysterie geprägten Stimmung die öffentliche Diskussion. Sie agierten, als würde die gleichgeschlechtliche Ehe das Ende der Familie, ja der Zivilisation bedeuten und wurden dabei zusehends radikaler. Das Gesetz ist seit zwei Jahren verabschiedet, doch die ultrakonservativen Kräfte agieren weiter - gegen Abtreibung, Genderdiskurs, künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft oder Sterbehilfe. Als Hans Woller Anfang Juli für diese Sendung mit dem deutschfranzösischen Journalistenpreis ausgezeichnet wurde, hieß es in der Begründung der Jury: „Das Feature wirft einen verstörenden Blick auf die zunehmenden Brüche in der französischen Gesellschaft und beschreibt dabei die Homoehe als Symbol einer zunehmenden Spaltung.“

Di 14.07., 19:15 Uhr, Deutschlandfunk


 

Lockruf ins Glück
Wie Frau Merkel uns hilft, die bessere Wahl zu treffen

Was macht das gute Leben aus – und was kann die Politik tun, damit sich Menschen glücklicher fühlen? Vielleicht müssen Menschen nur das Richtige tun und das Falsche lassen, um zufriedener im Alltag zu sein. Die Politik kann helfen – solange es „kostenneutral“ ist. Die Menschen müssen von dieser freundlichen Erziehung nicht einmal etwas merken. Der Fachbegriff dafür ist „Nudging“, das Stupsen in die richtige Richtung. Das ist nicht neu: Werbestrategen wenden diese Form der Beeinflussung an, um den Konsumenten zum Kauf der gewünschten Produkte zu bewegen. Doch kann die Politik mit Staatsbürgern so umgehen, wie die Wirtschaft mit Verbrauchern? Das Ziel der Wirtschaft ist klar – Profit. Das Ziel der Politik ist es, dass sich Menschen gut fühlen und das Richtige tun. Doch was ist richtig, was ist falsch? Kann man überhaupt noch darüber diskutieren, wenn dieses Stupsen so erfolgt, dass es der Staatsbürger gar nicht mehr bemerkt?

Mi 15.07., 19:30 Uhr, Deutschlandradio Kultur