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Samstag, 23. Mai 2015  

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Zum Frühstück Oliven, Tee und Schafskäse
Pflege mit Migrationshintergrund

Erst glaubte niemand an Nare Yesilyurts Idee – die Banken gaben keinen Kredit, die Kassen sahen keinen Bedarf für eine Pflegeangebot für Migranten. Doch die türkische Unternehmerin gründete Ende der 1990er Jahre Deta-Med, einen Pflegedienst für Menschen der sogenannten Gastarbeitergeneration. „Kultursensible Pflege“ nennt sich heute ihre Geschäftsidee. Viele der Mitarbeiterinnen von Deta-Med sind selbst Migrantinnen. Und Nare Yesilyurt stellt bevorzugt Frauen ein, die alleinerziehend sind oder in schwierigen familiären Situation leben.

Di 12.05., 19:04 Uhr, rbb Kulturradio


 

Erst Szeneviertel, dann tot?
Gentrifizierung oder wie wollen wir leben?

Städte wandeln sich. Aber diese Veränderungen sind seit einigen Jahren kein offener Prozess mehr. Im Berliner Prenzlauer Berg oder Münchner Glockenbachviertel waren durchmischte Stadträume aus angestammter Bevölkerung sowie zugezogenen Studenten und Künstler, die hier günstigen Wohnraum in Zentrumsnähe suchten und fanden. Heute herrscht hier eine eintönige Monokultur vor. Das Gerede vom Betongold, das Kapital der in- und ausländischen Investoren, die meist leerstehenden Räume von Zweitwohnungsbesitzern haben diese Viertel schick und öde gemacht. Die alte Nachbarschaft wird aus den Innenstadtlagen verdrängt. Dagegen regt sich Widerstand, in kleinen Demonstrationen oder in vereinzelten Hausbesetzungen. Manchmal kann der scheinbar alternativlose Wandel aufgehalten werden, etwa im Hamburger Gängeviertel. Der Senat hatte die letzten Überreste historischer Bebauung an einen niederländischen Investor verkauft, der die Gebäude abreißen oder aufstocken wollte. Dagegen wehrten sich erfolgreich Künstler, die die Häuser als innerstädtisches Quartier mit bezahlbarem Wohnraum erhalten wollten. Könnte das auch woanders gelingen? Wie sieht die Stadt aus, in der wir leben wollen? Ist diese Gentrifizierung noch aufzuhalten?

Di 12.05., 20:03 Uhr, Bayern 2


 

Mitleidsökonomie
Was steckt hinter der Tafelbewegung?

Es gibt Lebensmittel im Überfluss in Deutschland und Menschen, die kein Geld haben, sie zu bezahlen. Die Tafeln wollen für einen Ausgleich sorgen. Derzeit gibt es mehr als 900 von ihnen und sie versorgen bundesweit über 1,5 Millionen Arbeitslose, Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner mit Nahrungsmitteln. Aus einer kleinen Initiative, die Obdachlosen helfen wollte, ist eine der größten sozialen Bewegungen der heutigen Zeit geworden. Inzwischen hat sie auch die Lebensmittelindustrie als neues Geschäftsfeld entdeckt. Für die Konzerne ist es oft günstiger, nicht oder schwer verkäufliche Waren abzugeben, als sie zu entsorgen. Kritiker monieren, dass sozial Schwache so zu „Müllverwertern“ degradiert würden. Entsteht so ein zweiter Warenweg, eine „Mitleidsökonomie“, die dafür sorgt, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht ändern müssen?

Mi 13.05., 22:03 Uhr, SWR2


 

Das Gefängnis des Marktes
Der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl im Gespräch mit Hermann Theissen

Wenn von der Finanzkrise die Rede ist, denken die einen an die Macht der Banken, andere machen die Deregulierung der Finanzmärkte und den undurchsichtigen Handel mit Derivaten oder die desaströse Austeritätspolitik für die Dauerkrise des heutigen Kapitalismus und für das Elend, das er vielerorts verursacht, verantwortlich. Wenn man all diese Aspekte einzeln betrachtet, scheint es grundsätzlich möglich, Gegenstrategien zu entwickeln. Was aber, wenn auch der Staat der Logik des Marktes unterworfen ist und damit seine Souveränität verloren hat? Wie lassen sich Gemeinwesen beschreiben, deren Regierungen vom Diktat der Finanzmärkte getrieben werden und die Bankenrettungen auf Kosten der Steuerzahler als alternativlos bezeichnen? Und: Gibt es Auswege aus dem Gefängnis des Marktes?

Do 14.05., 09:30 Uhr, Deutschlandfunk


 

Die Gejagten
Der Überlebenskampf der Jesiden

Wer sind sie? Woran glauben sie? Und warum verfolgt man sie? Seit fast einem Jahr führt die Terrororganisation Islamischer Staat im Nordirak einen Vernichtungsfeldzug gegen die religiöse Minderheit der Jesiden. Ihre Dörfer werden zerstört und ihre Häuser geplündert, ihre Männer getötet, ihre Frauen entführt. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass mindestens fünftausend Jesidinnen als Kriegsbeute ins sogenannte Kalifat verschleppt worden sind. Ein paar hundert Frauen und Mädchen kamen in den vergangenen Monaten allerdings wieder frei. Belastet mit schweren Traumata hoffen sie nun, in jesidischen Exil-Gemeinden Zuflucht zu finden. Allein in Deutschland leben etwa sechzigtausend Jesiden. Hilfsbereitschaft wäre vorhanden. Doch die politische Unterstützung für die verfolgte Glaubensgemeinschaft kommt nur schleppend voran.

Do 14.05., 15:05 Uhr, SWR2


 

Phönix aus der Asche
Islands Weg aus der Krise

Vielleicht kann auch ein Blick nach Island Denkanstöße geben. Die kleine Insel im Nordatlantik mit gerade einmal rund 330.000 Einwohnern erlebte eine der größten Bankpleiten der Geschichte. Im Oktober 2008 brachen die drei international tätigen Banken des Landes zusammen und damit gut 85 Prozent des gesamten Finanzsystems. Die isländische Krone stürzte ab, die Verschuldung wuchs rasant, Firmen gingen Pleite, die Arbeitslosigkeit schnellte nach oben. Nun, sieben Jahre nach dem Crash, steht Island wirtschaftlich wieder ziemlich gut da, gilt oft als Musterbeispiel der Krisenbewältigung. Wie haben die Isländer es geschafft, sich so schnell wieder zu erholen?

Fr 15.05., 09:05 Uhr, Bayern 2


 

Boden, Bauern und Barone
Das Ringen um Ungarns Agrarland

Als Speisekammer des Kaiserreiches galt Ungarn zu Zeiten der k.-u.-k-Monarchie. Das fruchtbare Agrarland befand sich überwiegend in der Hand adeliger Großgrundbesitzer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie enteignet, die landwirtschaftlichen Flächen verstaatlicht. Bis heute hält der ungarische Staat großen Landbesitz. Doch die national-konservative Regierung von Viktor Orbán hat sich vorgenommen, einen neuen privaten Bauernstand zu entwickeln und besonders jungen Familien den Einstieg in die Landwirtschaft zu erleichtern. Gleichzeitig möchte sie ausländische Investoren von der „heiligen ungarischen Erde“ fernhalten. Kritiker sehen in Orbáns Bodenpolitik jedoch einen Verstoß gegen EU-Recht, „Amigowirtschaft“ und die Rückkehr zu feudalen Verhältnissen.

Sa 16.05., 11:05 Uhr, Deutschlandfunk


 

Oury Jalloh
Die widersprüchlichen Wahrheiten eines Todesfalls

7. Januar 2005, Dessau, Sachsen-Anhalt. In einer Polizeizelle verbrennt ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch bei lebendigem Leib. Selbst verschuldet, sagen die einen. Ermordet, sagen die anderen. Auch der zweite Prozess vor dem Landgericht Magdeburg bringt keine endgültige Aufklärung der Brandursache. Das Urteil zu einer Geldstrafe wegen Fahrlässiger Tötung wurde am 4. September 2014 rechtskräftig, damit könnte der Fall abgeschlossen sein – doch schon seit Dezember 2013 liegen neue Hinweise vor, dass Oury Jalloh das Feuer nicht selbst hat legen können. Die Staatsanwaltschaft Dessau nimmt Ermittlungen wegen Mordes auf.

Sa 16.05., 18:05 Uhr, Deutschlandradio Kultur


 

Sharing Economy
Ein gesellschaftlicher Wertewandel

„Alle aber, die gläubig wurden, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter allen, je nachdem es einer nötig hatte.“ Diese Zeilen aus der Apostelgeschichte sind hochaktuell. Denn immer mehr jüngere Menschen verabschieden sich von der Ideologie des Habens und suchen das Sein, das Gemeinsame. „Mein Auto, mein Haus, mein Boot“, der Lobpreis auf den Besitz verliert immer mehr an Charme; stattdessen werden Autos gemeinsam genutzt, das Bett Fremden zur Übernachtung angeboten, ja selbst Kleider werden – wie einst bei St. Martin – geteilt, je nach Bedürfnis. Hier vollzieht sich ein Mentalitätswechsel, ein Wertewandel hin zum Teilen, das einerseits seit Jahrhunderten in christlichen Gemeinschaften praktiziert wird, das sich aber andererseits als kapitalismuskompatibel erweist.

So 17.05., 11:30 Uhr, hr2-kultur