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Dienstag, 07. Februar 2012  

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„Haushaltssanierung“: Russland will Staatskonzerne privatisieren

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(27.07.2010/hg/dpa)

Laut russischen Tageszeitungen will das Finanzministerium mit einer Teilprivatisierung von gleich zehn staatlichen Großunternehmen bis 2013 umgerechnet 22,5 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Das Haushaltsdefizit des Riesenreichs könnte mit den Einnahmen von jetzt 6,8 Prozent auf unter 4,0 Prozent gedrückt werden. Regierungschef Wladimir Putin werde über die Vorschlagsliste von Finanzminister Alexej Kudrin noch in dieser Woche entscheiden. Den Angaben zufolge will der Staat unter anderem Anteile am Ölförderer Rosneft und am Geldhaus Sberbank abgeben. Auf der Liste stehe auch die Staatsbahn RZD, die der Deutschen Bahn wiederholt eine Überkreuzbeteiligung angeboten hatte.

Sberbank-Chef German Gref begrüßte die mögliche Teilprivatisierung des Unternehmens. „Dies wäre ein sehr positives Signal, dass die Bank noch marktwirtschaftlicher agiert als bisher.“ Neben Rosneft und der Sberbank schlägt Kudrin auch Anteile an Energieunternehmen und einer Reederei zum Verkauf vor. Widersprüchliche Berichte gab es darüber, ob zudem der Pipeline-Monopolist Transneft auf der Liste steht.

Die gesamten Erlöse sollen zur Deckung des Haushaltsdefizits verwendet werden, sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums. Da es sich um „konservative Schätzungen“ handele, rechnet man intern mit noch höheren Einnahmen. Damit könnte es zur größten Privatisierungswelle in Russland seit der Amtszeit des damaligen Präsidenten Boris Jelzin in den 1990er Jahren kommen, welche verheerende Folgen für Russlands Wirtschaft und Bevölkerung hatte und unter Präsident Putin teilweise rückgängig gemacht wurde. Kremlchef Dmitri Medwedew hatte sich in der Vergangenheit mehrfach für einen Teilrückzug des Staates aus der Wirtschaft ausgesprochen. Damit könnten sich die oft rückständigen russischen Unternehmen auch mit Hilfe ausländischer Investoren schneller modernisieren, so Medwedew.

Zu diesem Zweck hatten Russland und Deutschland im Rahmen des „Petersburger Dialog“ erst vor Wochen umfangreiche wirtschaftliche Vereinbarungen getroffen. Auch mit Italien intensiviert Russland seine Beziehungen.

Neben außenpolitischen Themen wie den Konflikten im Nahen Osten, in Afghanistan und mit Iran, erörterte Medwedew bei seinem Besuch in Italien mit Ministerpräsident Silvio Berlusconi am vergangenen Wochenende vor allem wirtschaftliche Themen. Auch für italienische Firmen dürfte das russische Modernisierungs-Programm höchst attraktiv sein. Berlusconi arbeitet auf eine „Partnerschaft“ italienischer Unternehmer bei den anstehenden russischen Investitionen in Infrastrukturen und Technologien hin.

Die intensiven Wirtschaftsbeziehungen schließen bereits die Zusammenarbeit italienischer Unternehmen wie Fiat, Finmeccanica oder auch Pirelli mit russischen Partnern ein. In der Energieversorgung arbeiten der italienische Eni-Konzern und die russische Gazprom – zum Missfallen der USA – an dem Mega-Projekt „Southstream“ zusammen. Hierbei handelt es sich um eine Erdgas-Pipeline, mittels derer Lieferrouten des russischen Erdgases nach Europa diversifiziert und die Abhängigkeit des Produzenten und der Abnehmerländer von den derzeit dominierenden Transitstaaten Ukraine und Weißrussland reduziert werden soll. Die Southstream-Pipeline steht in Konkurrenz zu der Nabucco-Pipeline, welche Erdgas aus der kaspischen Region unter Umgehung Russlands nach Europa bringen soll. Aufgrund mangelnder Kapazitätsauslastung und Rentabilität ist das Nabucco-Projekt aber ins Hintertreffen geraten. Ändern soll sich dies auch durch den Einsatz des ehemaligen deutschen Außenministers Joseph Fischer als politischen Berater des Projekts.

Während Fischer als bekennender Transatlantiker nun vor allem die Interessen der US-Eliten und ihrer europäischen Verbündeten vertritt, nutzt der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder seine Beziehungen, um für die russische Position zu werben. Russland versucht gegenwärtig den RWE-Konzern dazu zu bewegen, das Nabucco-Konsortium zu verlassen. Sollte dies gelingen, dann dürfte das Nabucco-Projekt gescheitert sein, wodurch Russland einen wichtigen geostrategischen Sieg errungen hätte.
 

Kurzmeldungen im Überblick

Proteste in Ägypten: Viele Verletzte und Tote

(03.02.2012/hg/dpa)

Am Freitagmorgen kam es in Kairo in der Nähe des Innenministeriums bei Protesten gegen den Militärrat erneut zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija starb ein Demonstrant, der von einem Gummigeschoss getroffen worden war. Hunderte Zivilisten seien verletzt worden.

Am Donnerstag waren bei ähnlichen Auseinandersetzungen bereits 60 Polizisten und 900 Zivilisten verletzt worden. In der Stadt Sues starben in der Nacht zwei Menschen, etwa 30 wurden nach Informationen der staatlichen Medien verletz [ ... ]


Griechenland: Hackerangriff auf das Justizministerium

(03.02.2012/hg/dpa)

Hacker der Gruppe „Anonymus“ haben am Freitag die Website des griechischen Justizministeriums angegriffen. Der Inhalt wurde für etwa vier Stunden blockiert und es wurden eigene Texte und Nachrichten gesendet. Die Hacker protestierten gegen die harten Sparmaßnahmen der griechischen Regierung. „Ihr habt die Demokratie in Griechenland getötet“, warfen die Hacker den Politikern vor. Außerdem forderten sie die Regierung dazu auf, die Teilnahme Griechenlands am international vereinbarten Urheberrechts-Gesetz ACTA zu beenden. Andernfalls würden weitere Angriffe folgen [ ... ]


Münchner Sicherheitskonferenz: Wecker protestiert, Greenpeace kollaboriert

(02.02.2012/hg/dpa)

Fast 100 Organisationen haben zu Protesten gegen die Münchner Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende aufgerufen. Bei der Hauptkundgebung am Samstag werden etwa 5.000 Menschen erwartet, sagte Claus Schreer vom „Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz“ am Mittwoch in München. Konstantin Wecker ist einer der prominentesten Unterstützer der Proteste.

„Noch nie war die Situation so brandgefährlich wie heute“, sagt der Liedermacher laut Münchner Abendzeitung in Anspielung auf die westlichen Drohgebärden gegenüber dem Iran: Das Atomprogramm des Landes [ ... ]


Bandenmäßiger Betrug: Urteil gegen Scientology in Frankreich

(02.02.2012/hg/dpa)

Die Scientology-Sekte ist in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs zu insgesamt 600.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Ein Pariser Berufungsgericht bestätigte am Donnerstag eine entsprechende Entscheidung aus erster Instanz. Die Richter sahen als erwiesen an, dass sich zwei Unterorganisationen mit illegalen Mitteln bereichert hatten. Sie sollen unter anderem in den 1990er Jahren eine Frau dazu verleitet haben, in kurzer Zeit mehr als 21.000 Euro für Bücher, Medikamente und Kurse zur Lebensbewältigung auszugeben.

Neben der Scientology-Organisation bestrafte das Ger [ ... ]


EU-Veto gegen Börsenfusion

(01.12.2012/hg/dpa)

Die geplante Fusion der Börsen von Frankfurt und New York ist geplatzt. Die EU-Kommission legte am Mittwoch ihr Veto gegen einen Zusammenschluss von Deutscher Börse und NYSE Euronext ein. Der Zusammenschluss behindere in erheblichem Maße effektiven Wettbewerb. Gegen das Nein aus Brüssel könnten die Konzerne vor dem Europäischen Gerichtshof klagen.

Die Brüsseler Prüfer rund um EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia stießen sich vor allem an der Marktmacht des angestrebten Börsenriesen im Derivatehandel. Auf diesem Feld kommen die Börsen mit ihren Töchtern Eurex  [ ... ]


Assange tritt vor den Supreme Court

(01.02.2012/hg/dpa)

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat am Mittwoch den letzten Versuch gestartet, seine drohende Auslieferung von Großbritannien nach Schweden zu verhindern. Der 40-Jährige zweifelt vor dem höchsten britischen Gericht die Rechtmäßigkeit eines EU-weiten Haftbefehls an. Der Haftbefehl sei nur von der schwedischen Staatsanwaltschaft, nicht aber von einem Richter erwirkt worden. Das siebenköpfige Richtergremium des Supreme Court muss über diese Grundsatzfrage entscheiden.

Assange soll wegen des Verdachts auf Sexualstraftaten gegen zwei Frauen nach Schweden ausgeliefert wer [ ... ]