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Kooperation mit dem Pentagon? Fragen an WikiLeaks

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Von REDAKTION, 11. August 2010 -

Kaum ein Zweifel besteht daran, dass die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente über den Krieg in Afghanistan neue Informationen über die Brutalität des Krieges und die Vertuschungsversuche von Militärs und Politikern ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Insofern sind die Enthüllungen uneingeschränkt zu begrüßen. Bei näherer Betrachtung des Vorgangs drängen sich jedoch einige Fragen geradezu auf. Die erste lautet: Warum hat man sich mit dem Londoner Guardian, der New York Times und dem Spiegel ausgerechnet solche Medien als Partner ins Boot geholt, die seit vielen Jahren vor allem dadurch auffallen, dass sie die Kriegspolitik der USA und ihrer Verbündeten überwiegend wohlwollend darstellen und dadurch eine objektive Berichterstattung eher behindern als befördern?

Auch in diesem Fall waren die genannten Publikationsorgane peinlich darauf bedacht, ihre staatsnahe Gesinnung zu demonstrieren und unterwarfen sich einer selbst auferlegten Zensur. Die Chefredakteure hätten vereinbart, „besonders sensible Informationen aus dem Geheimmaterial“ nicht zu veröffentlichen, hieß es auf Spiegel-online. (1) 

Was unter Kriegsbedingungen als besonders sensible Information zu gelten hat, ist freilich auslegungsbedürftig und in so hohem Maße abhängig von den Interessen der Kriegsbeteiligten, dass eine objektive Beurteilung hier praktisch ausgeschlossen erscheint.

Umso befremdlicher ist es, dass Wikileaks weitere 15.000 Dokumente nicht nur zurückhält, sondern nach eigenen Angaben ausgerechnet das US-Verteidigungsministerium, also eine der Konfliktparteien, um Mithilfe bei der Auswertung des Materials bat, um die Gefährdung von Informanten der Besatzungstruppen in Afghanistan auszuschließen. Daniel Schmitt, der WikiLeaks-Sprecher in Deutschland, erklärte, man habe die Obama-Administration zu Gesprächen eingeladen. So stellte es zumindest die Internetpublikation Daily Beast dar, die am 3. August aus einem mit Schmitt geführten Telefon-Interview zitierte. Man wolle mit dem Pentagon darüber kommunizieren, wie die bisher noch nicht veröffentlichten 15.000 Berichte so veröffentlicht werden können, dass Informanten der Internationalen Truppen in Afghanistan nicht gefährdet würden. (2)

Schon zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Sommer habe man die US-Regierung darum gebeten, zu helfen, die Namen jener Menschen aus den Dokumenten zu entfernen, die durch die Veröffentlichung gefährdet werden würden.

Auch hier drängt sich wieder eine Frage auf: Ist der Kontakt zum Pentagon überhaupt notwendig, um potenziell gefährdete Informanten aus der Schusslinie zu bringen? Hätte es nicht gereicht, einfach sämtliche Namen von Zivilpersonen in den Dokumenten vorsorglich zu schwärzen? Und gefährdet WiliLeaks durch das Gesprächsangebot nicht selbst seine Glaubwürdigkeit als regierungsunabhängige Plattform einer kritischen Öffentlichkeit?

Das Pentagon will von früheren Anfragen und Gesprächsangeboten nie etwas gehört haben und wies die diesbezüglichen Angaben von Wiklileaks zunächst als pure Fiktion zurück. Es habe keinen Versuch gegeben, die US-Regierung über die Papiere zu informieren, gibt Spiegel-online eine entsprechende Stellungnahme der US-Regierung wieder. Man habe erst von den Medien erfahren, dass die Dokumente ins Internet gestellt werden sollen. (3) Unterdessen hat das Pentagon die Betreiber der Enthüllungswebsite am vergangenen Freitag dazu aufgefordert, alle veröffentlichten Dokumente zu löschen und alle noch nicht publik gemachten Unterlagen herauszugeben. „Wenn das Richtige zu tun nicht gut genug für sie ist, werden wir uns überlegen, wie wir sie zwingen können, das Richtige zu tun“, sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morell laut Medienberichten am vergangenen Freitag.


(1) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,708311,00.html
(2) http://www.thedailybeast.com/blogs-and-stories/2010-08-03/wikileaks-julian-assange-admiral-mike-mullen-afghan-war-logs-daniel-schmitt-germany-joint-chiefs-of-staff-pentagon-marine-colonel-david-lapin/?cid=hp:beastoriginalsR4
(3) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,708311,00.html
 

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