hintergrund_old_english
Sonntag, 04. Dezember 2016  

POLITIK

Inland
EU
Welt

WIRTSCHAFT

Inland
Welt
Finanzwelt

HINTERGRUND

Umwelt
Kriege
Terrorismus
Twitter oder Facebook?
Aus Gründen des Datenschutzes und der Sicherheit verzichtet Hintergrund ganz bewusst auf das Angebot sozialer Netzwerke.Von Facebook wissen wir, dass es seine Nutzer aktiv ausspäht.

Fukushima: Kühlung nun auch in Block 5 ausgefallen

Drucken E-Mail
(24.03.2011/hg/dpa)

Drei Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima haben eine gefährlich hohe Strahlendosis abbekommen. Zwei von ihnen mussten aufgrund der schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden.  

Die drei verletzten Techniker wollten in Reaktor 3 Kabel reparieren, um das Kühlsystem wieder in Gang zu bringen. Sie seien einer Strahlung von bis zu 170 oder 180 Millisievert ausgesetzt gewesen, sagte Hidehiko Nishiyama von der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA. Die Betreiberfirma Tepco hatte zuvor festgelegt, dass die Arbeiter am Atomkraftwerk nicht mehr als 150 Millisievert pro Noteinsatz abbekommen dürfen. Der Grenzwert der Regierung für AKW-Arbeiter liegt bei 250 Millisievert pro Jahr.

Schon zuvor waren in Fukushima 1 Arbeiter verstrahlt und anderweitig verletzt worden. Laut Angaben des Betreibers hätten nun insgesamt 17 Arbeiter eine Strahlenbelastung von mehr als 100 Millisievert abbekommen.

Die anderen Helfer kommen bei den verzweifelten Versuchen, die Krisenreaktoren zu kühlen, nicht entscheidend voran. Es soll auch weiterhin versucht werden, die Überhitzung der Reaktoren mit Meerwasser zu stoppen. Ein Vorhaben, welches zusätzliche Risiken birgt. Experten warnen vor einer Salzverkrustung der Brennstäbe durch den Einsatz von Meerwasser. Das würde ihre Kühlung blockieren.

Im Block 1 sei die Temperatur wieder deutlich gesunken, nachdem sie zeitweise auf 400 Grad geklettert war. Allerdings stieg in dem Reaktor der Druck. Deswegen konnte weniger Meerwasser als geplant zur Kühlung von außen eingeleitet werden, so Nishiyama. Zum ersten mal stieg heute neben den Blöcken 2 und 4 auch über Block 1 weißer Dampf auf. Dennoch habe sich die Lage dort aber stabilisiert. Im Kontrollraum brenne inzwischen wieder Licht, gab Nishiyama gegenüber der Presse an. Dass es nach sage und schreibe fast zwei Wochen gelungen ist, einen Raum auszuleuchten, dürfte allerdings kaum als Anzeichen von Stabilisierung zu betrachten sein. Vielmehr zeigt es die Hilflosigkeit, wenn selbst dies als hoffnungsstiftende Erfolgsmeldung verbreitet wird.    

Dass nun auch in dem bisher unkritischen Block 5 Probleme auftreten, zeigt wie sich die Lage insgesamt verschlechtert und nicht verbessert. Auch dort ist jetzt das Pumpsystem des Reaktors nach Angaben der NISA defekt. Die Kühlung sei ausgefallen. Die Situation sei zwar momentan stabil, es müsse aber mit steigenden Temperaturen sowohl im Reaktor als auch im Abklingbecken gerechnet werden. Es sei geplant, die Pumpe möglichst bald zu reparieren. Nähere Informationen gab es dazu aber nicht.

Laut Japans Regierungssprecher Yukio Edano breite sich die Verstrahlung von Lebensmitteln weiter aus. Beim Leitungswasser in Tokio gab es derweil eine vorläufige Entwarnung: In der Hauptstadt sank die Belastung des Leitungswassers mit radioaktivem Jod am Donnerstag wieder unter den für Säuglinge festgelegten Grenzwert von 100 Becquerel pro Liter. Da die Behörden am Vortag gewarnt hatten, Babynahrung mit Leitungswasser zuzubereiten, wurde abgefülltes Wasser in den Geschäften der Hauptstadt knapp.

Trotz der positiven Meldung über den Rückgang der radioaktiven Belastung des Trinkwassers besteht wenig Anlass zu Optimismus.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schätzt die Gesamtsituation als „nach wie vor dramatisch“ ein. Der deutsche Nuklearexperte Michael Sailer sagte: „Wir sind noch auf der Intensivstation.“

Der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil, stuft das Unglück im japanischen Atomkraftwerk bereits als Super-GAU ein. Gegenüber MDR INFO sagte er am Dienstag: „Super-GAU ist Fakt.“ Die ganze Anlage sei aus dem Ruder gelaufen. „Es wird – böse gesagt – gefummelt. Man probiert dies und das, um etwas zu machen, aber wirklich schlagkräftige Lösungen sind bisher nicht erkennbar.“

„Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein,“ so Regierungssprecher Edano heute.
 

Kurzmeldungen im Überblick

Stuttgart: Bewährungsstrafe für IS-Mitglied

(21.11.2016/hg/dpa) Das Oberlandesgericht Stuttgart hat einen jungen Mann, der vorübergehend Mitglied der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) war, am Montag zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Der heute 20-Jährige aus Südbaden hatte eingeräumt, sich 2015 für mehrere Monate einer Terrorgruppe in Nordsyrien angeschlossen zu haben. Nach Überzeugung des Gerichts ließ er sich an Kriegswaffen ausbilden, trug den Kampfnamen „Abu Ismail al-Almani“, bekam einhundert US-Dollar Sold pro Monat und wurde einer Einheit zugeordnet. Dann floh er und wurde im Oktober 2015 a [ ... ]


Zypern: Auf dem Weg zur Einigung?

(21.11.2016/hg/dpa) Nach mehr als 42 Jahren Teilung scheinen die griechischen- und türkischen Zyprer einer Einigung ein ganzes Stück näher gekommen zu sein. Angestrebt wird eine Föderation aus zwei Bundesstaaten. Ein griechisch-zyprischer im Süden und ein türkisch-zyprischer im Norden der drittgrößten Mittelmeerinsel. Die zyprischen Volksgruppenführer – der griechische Zyprer Nikos Anastasiades und der türkische Zyprer Mustafa Akinci – verhandeln im schweizerischen Mont Pélerin, seit Monatsbeginn schon sieben Tage lang. Vorangegangen waren Monate zäher Vorgespräche. Im Mitte [ ... ]


Mittelmeer: 340 Bootsflüchtlinge sterben binnen zwei Tagen

(17.11.2016/hg/dpa) Die Tragödien im Mittelmeer nehmen kein Ende. Bei vier Bootsunglücken binnen zwei Tagen kamen nach Behördenangaben mehr als 340 Menschen im Mittelmeer ums Leben. „Die Schlepper nehmen keine Rücksicht auf die schlechten Wetterbedingungen“, sagte der Sprecher der Internationalen Migrationsbehörde IOM, Flavio Di Giacomo, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Rom. „Überlebende haben uns berichtet, dass sie gezwungen wurden, in die Boote zu steigen, obwohl sie wegen des Wetters nicht wollten.“ Allein etwa einhundert Menschen starben laut IOM und der Hilfs [ ... ]


Düsseldorf: Mutmaßlicher Kriegsverbrecher der „Freien Syrischen Armee“ vor Gericht

(17.11.2016/hg/dpa) Ein 41 Jahre alter Mann, der in Syrien gefoltert und geplündert haben soll, muss sich aller Voraussicht nach in Düsseldorf vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft hat am dortigen Oberlandesgericht Anklage gegen ihn erhoben, wie am Donnerstag in Karlsruhe mitgeteilt wurde. Der Mann sitzt seit seiner Festnahme im Raum Westfalen im April in Untersuchungshaft. Er soll im syrischen Aleppo eine Stadtteilmiliz befehligt haben, die aufseiten der „Freien Syrischen Armee“ gegen die Regierung von Baschar al-Assad kämpfte. Der Beschuldigte und seine mindestens 150 Mi [ ... ]


Karlsruhe: NSA-Spionageziele bleiben geheim – zum Staatswohl

(16.11.2016/hg/dpa) Die brisante Liste mit den NSA-Spionagezielen bleibt unter Verschluss – die Bundesregierung muss sie nicht dem NSA-Untersuchungsausschuss überlassen. Die Opposition im Bundestag scheiterte mit einer Organklage in Karlsruhe auf Herausgabe der Selektoren. Das teilte das Bundesverfassungsgericht am Dienstag mit. Die Richter entschieden, das Geheimhaltungsinteresse der Regierung in diesem besonderen Fall überwiege das Informationsinteresse des Ausschusses. Das habe mit der Rolle der USA zu tun. Die Bundesregierung sei zu der Überzeugung gelangt, dass eine Herausgabe ohne [ ... ]


Berufsverband: „CETA eine Art TTIP durch die Hintertür“

(16.11.2016/hg) Am 30. Oktober unterzeichneten  Vertreter der Europäischen Union und der kanadischen Regierung das höchst umstrittene Freihandelsabkommen CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement). Damit werden die Teile des Vertrages, welche nur die EU-Ebene betreffen, voraussichtlich Anfang 2017 in Kraft treten. Vorher muss allerdings noch das Europäische Parlament der vorläufigen Anwendung des Abkommens zustimmen, was höchstwahrscheinlich im Dezember dieses Jahres oder Anfang 2017 der Fall sein wird. „Mit der Wahl von Donald Trump am 9. November 2016 gilt das geplante Freih [ ... ]