hintergrund_old_english
Montag, 21. Mai 2012  

POLITIK

Inland
EU
Welt

WIRTSCHAFT

Inland
Welt
Finanzwelt

HINTERGRUND

Umwelt
Kriege
Terrorismus
Twitter oder Facebook?
Aus Gründen des Datenschutzes und der Sicherheit verzichtet Hintergrund ganz bewusst auf das Angebot sozialer Netzwerke.Von Facebook wissen wir, dass es seine Nutzer aktiv ausspäht.

Schäuble fürchtet Krise des demokratischen Systems

Drucken E-Mail
(17.10.2011/hg/dpa)

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat „eine dauerhafte Lösung für Griechenland“ als Teil des EU-Gesamtpakets zur Lösung der Euro-Schuldenkrise gefordert. „Das wird ohne eine Reduzierung der griechischen Gesamtverschuldung nicht gehen. Die wird vermutlich höher sein müssen, als es im Juli ins Auge gefasst worden war“, sagte Schäuble am Sonntagabend im ARD-Bericht aus Berlin. Ob es konkret einen Schuldenschnitt für Griechenland in Höhe von 50 bis 60 Prozent geben werde, ließ Schäuble offen.

Er sagte, über Einzelheiten werde „im Augenblick noch verhandelt. (...) Nur das Prinzip muss klar sein: eine tragfähige Lösung für Griechenland mit einer Beteiligung des Privatsektors“. Zudem müsse Vorsorge getroffen werden, „dass die Ansteckungsgefahren in den Märkten bekämpft werden“, sagte Schäuble. „Und dann müssen die anderen Länder auch ihre Verpflichtungen erfüllen, denn letzten Endes ist die Ursache der Krise die zu hohe Staatsverschuldung.“ Dass Letztere zu einem nicht geringen Teil auf die Übernahme von Privatschulden „systemischer“ Banken zurückgehen, sollte dabei allerdings nicht vergessen werden.

Die Demonstrationen gegen das Bankensystem vom Wochenende beobachte er „mit großer Aufmerksamkeit – ich nehme das sehr ernst“, sagte Schäuble. EU und G20 müssten „überzeugend darlegen können, dass die Politik die Regeln setzt. Und dass wir nicht von den Märkten nur getrieben werden.“ Dies sei „der Eindruck, den die Menschen haben. Und diesen Eindruck müssen wir durchbrechen.“ Sonst komme zur Krise der Sozialen Marktwirtschaft und der Finanzmärkte noch „eine Krise des demokratischen Systems“, so der Minister.  

Die Proteste vom Wochenende sorgten auch für die üblichen Sprechblasen bei Vertretern der EU. Die weltweiten Proteste gegen Macht und Auswüchse der Finanzmärkte seien bei der politischen Spitze der Europäischen Union auf Verständnis gestoßen. „Der Finanzsektor muss verstehen, dass er ein Mindestmaß von ethischen Normen respektieren muss“, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am heutigen Montag in Brüssel vor Journalisten. „Das ist jüngst nicht der Fall gewesen. Und der Finanzsektor muss einen größeren Beitrag zum Gemeinwohl leisten.“

Warum sollten „die Finanzmärkte“ – als würde es sich hier um ein lebendiges Subjekt handeln – „verstehen“, dass sie „ein Mindestmaß von ethischen Normen respektieren“ müssen, wenn die Politik den Spekulanten und Zockern auf dem Finanzparkett seit Jahren die eindeutige Botschaft zu verstehen gibt, dass sie bereit und willig ist, etwaige Verluste der Zocker durch Steuergelder aus den Taschen der Allgemeinheit auszugleichen? Geradezu zynisch ist Barrosos Formulierung, der Finanzsektor müsse einen größeren Beitrag zum Gemeinwohl leisten, als hätte dieser in der Vergangenheit überhaupt einen Beitrag zum Gemeinwohl geleistet.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sagte, er verstehe, dass Sparmaßnahmen nicht populär seien. Sie seien aber nötig. Eine „faire Verteilung der Anstrengungen“ sei aber „unverzichtbar“ für die gesellschaftliche Akzeptanz von Einsparungen. Auf Deutsch: Wenn die Finanzpiraten zur Abwechslung nicht auch mal einen Teil ihrer Verluste selbst tragen müssen – wie es in einer Marktwirtschaft eigentlich selbstverständlich wäre – dann akzeptiert die normalsterbliche Bevölkerung möglicherweise nicht mehr, dass sich ihr Lebensstandard aufgrund „alternativloser“ Einsparungen stets verschlechtert. Und kommt dann vielleicht auf die dumme Idee, sich an den Protesten zu beteiligen.

Wie wenig eine „faire Verteilung der Anstrengungen“ in Aussicht steht, zeigt alleine schon das Hickhack um die Finanztransaktionssteuer, die ohnehin wenig mehr als einen kosmetischen Eingriff in das bestehende Finanzsystem darstellt.

Zur Frage der Einführung einer Finanztransaktionssteuer sagte Schäuble: „Die wird sicherlich nicht am Wochenende kommen. Das geht nicht so schnell. Aber wir haben jetzt immerhin erreicht, dass die (EU-)Kommission dem Drängen Deutschlands und Frankreichs nachgekommen ist, einen Vorschlag vorgelegt hat. Jetzt müssen wir dafür arbeiten.“ Er werde „dafür werben, dass alle in Europa da zustimmen“. Im G20-Rahmen habe er dies am Wochenende „wieder vergeblich versucht. Aber wir brauchen eine europäische Lösung.“ In Europa wehrt sich vor allem Großbritannien vehement gegen eine Finanztransaktionssteuer.

Und solange Schäuble auf Einigkeit in dieser Frage besteht und nicht selbst Tatsachen schafft, solange kann Großbritannien die Einführung einer solchen Steuer verhindern. Dann bleibt alles, wie es ist und der deutsche Finanzminister kann Großbritannien den „Schwarzen Peter“ zuschieben. Arbeitsteilung à la EU.
 

Kurzmeldungen im Überblick

Militärbeobachter: Deutschland schickt Soldaten nach Syrien

(16.05.2012/hg/dpa)

Deutschland beteiligt sich dem Beobachtereinsatz der Vereinten Nationen in Syrien. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch die Entsendung von bis zu zehn Soldaten, die allerdings unbewaffnet sind. Zunächst soll nur ein einziger Stabsoffizier in die Krisenregion entsendet werden.

Ende Mai soll die UN-Truppe für Syrien (UNSMIS) 300 Militärbeobachter umfassen. Derzeit sind dort etwa 190 Blauhelm-Beobachter, die aus Sicherheitsgründen stets in gepanzerten Fahrzeugen unterwegs sind. Die Truppe soll auf Beschluss des UN-Sicherheitsrats helfen, den Friedensplan des internation [ ... ]


Frankfurter Occupy-Camp geräumt, demokratische Versammlungen verboten

(16.05.2012/hg/dpa)

Die Polizei hat am Mittwoch dass Frankfurter Protest-Camp geräumt. Mit Lautsprechern waren die Bewohner des Occupy-Zeltlagers zuvor aufgefordert worden, den Platz vor der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verlassen. Danach fingen die Beamten an, die Bewohner aus dem Camp zu tragen.

Die Polizisten waren mit einem großen Aufgebot im Einsatz. Sie wurden von einigen Aktivisten, die mit Farbeimern in Kinderplanschbecken saßen, mit Farbe bespritzt. Begleitet wurde die rund einstündige Wegtrageaktion von Trommeln und Rufen der Demonstranten wie „Wir bleiben hier“.
Nach Po [ ... ]


Rom will Anti-Terror-Maßnahmen verschärfen

(14.05.2012/hg/dpa)

Nach Anschlägen auf einen Atommanager in Genua und die Steuereinzugsbehörde in Livorno will die italienische Regierung einen Anti-Terror-Plan auflegen. Die Sicherheitsvorkehrungen sollen verschärft werden. Innenministerin Anna Maria Cancellieri nannte aber am Montag keine Details. Zunächst seien die örtlichen Sicherheitsbehörden zuständig, die bereits ihre entsprechenden Gremien einberufen hätten. Am Donnerstag will der nationale Sicherheitsausschuss zusammenkommen, um über Maßnahmen zu beraten. Zu den Anschlägen hatte sich eine anarchistische Gruppe bekannt.

Die  [ ... ]


Janukowitsch nennt EM-Boykottdrohungen bedeutungslos

(14.05.2012/hg/dpa)

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch bezeichnete die Debatte über die inhaftierte frühere Regierungschefin Julia Timoschenko als Belastung für das das Land. Zugleich bezeichnete er Boykottdrohungen gegen die Fußball-EM am Montag aber als bedeutungslos.

„Wenn jemand nicht in die Ukraine reisen will, ist das seine Sache“, sagte Janukowitsch nach der Eröffnung eines rund 30 Millionen Euro teuren Flughafenterminals für die Europameisterschaft in Donezk. Er sei überzeugt, dass das Turnier, das die Ukraine mit Polen ausrichtet, reibungslos ablaufe. Man werde s [ ... ]


Frankfurt: Lautstarke Proteste gegen Flughafenlärm

(11.05.2012/hg/dpa)

Demonstranten haben bei der Hauptversammlung des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport gegen den Fluglärm an Deutschlands größtem Flughafen protestiert. Sie beschallten am Freitag die anreisenden Aktionäre mit lauter Musik und Geräuschen.

Die rund 100 Demonstranten verlangten von dem vom Land Hessen (31,49 Prozent) und der Stadt Frankfurt (20,11 Prozent) beherrschten M-Dax-Konzern unter anderem eine Begrenzung des Flugverkehrs, eine Ausdehnung des Nachtflugverbots sowie die Schließung der erst im Oktober eröffneten neuen Landebahn. Fraport-Chef Stefan Schulte verwi [ ... ]


„Qualitätsjournalismus“: Bild-Vize wird Focus-Chef

(11.05.2012/hg/dpa)

Jörg Quoos (48), Stellvertreter des Bild-Chefredakteurs Kai Dieckmann, wird Anfang 2013 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus, dem konservativen Flaggschiff des Burda-Konzerns.

Er übernimmt den Posten von Uli Baur (56), der neben Helmut Markwort Focus-Herausgeber wird, wie der Verlag Hubert Burda Media am Freitag in München mitteilte. Markwort und Baur hatten das Nachrichtenmagazin als Konkurrenz zum Spiegel ab dem Jahr 1992 gemeinsam aufgebaut, die erste Ausgabe erschien im Januar 1993.

Quoos arbeitet seit 1992 bei der Bild-Zeitung, im Jahr 2004 wurde er Stellvertr [ ... ]