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Einblick gewinnen. ‚Ein Blick Iran‘

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Ein internationales Ausstallungsprojekt will die Verständigung zwischen den Menschen im Iran und der westlichen Welt fördern. -

Von AFSANE BAHAR, 8. Mai 2012 -

Ein Blick IranWir verweilen in einem Raum mit vielen Wänden.
In jeder Wand befinden sich zahlreiche Fenster,
zum Empfangen und zum Senden.
Jeder von uns hat ein Fenster geöffnet, zum Licht.
Und jeder Mund beschreibt sein eigenes Gedicht.         
Wenn wir unsere Blicke und Einblicke zusammenführen,
können wir gemeinsam die Wahrheit umfassend berühren.


Feindbilder stellen eine der Grundlagen für das menschenverachtende Denken und Handeln dar. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor ein tief verankertes Feindbild, das Jahrzehnte lang erfolgreich benutzt worden war, an Effektivität. Der globalisierte Neoliberalismus benötigte neue Möglichkeiten zur Irreführung und Ablenkung der Menschen.

So wurde der „Kampf der Kulturen“ auf die Tagesordnung gesetzt und im Zusammenhang mit „War on Terror“ sowie den Krisen des Kapitalismus medial vielschichtig entwickelt und ausgebaut (1,2,3).

Das Kulturprojekt „Ein Blick Iran. Ein Land, da leben Menschen. Sag Servus und Salam“ (4) versucht mitten in der den Blick einengenden Kriegshysterie (5) das Gemeinsame, Zusammenführende und Verbindende zu betonen sowie einen Raum zum Nachdenken und Innehalten zu schaffen. Dieses internationale, unabhängige Ausstellungsprojekt wird geprägt durch den tiefen Wunsch, Wege zu öffnen, um die Verständigung zwischen den Menschen im Iran und der westlichen Welt zu fördern.

Der bayerische Film- und Fotokünstler Benedikt Fuhrmann ist Mitbegründer des Kultur- und Theatervereins „Die Komische Gesellschaft e.V.“ in Bad Tölz (6). Er hatte ursprünglich vor, mit dem eigenen Auto den Iran zu durchqueren und sich für eine längere Zeit in Vietnam aufzuhalten. Aus der Durchreise wurde jedoch ein langer Aufenthalt im Iran und Herr Fuhrmann kehrte mit einem reichen Schatz an Begegnungen, Erfahrungen und Erinnerungen nach Bayern zurück.

„Als ich an der iranischen Grenze ankomme, bin ich nervös. ‚Hoffentlich konfiszieren sie nicht gleich meine Film- und Fotoausrüstung‘, überlege ich kurz vor den Toren. Mehrere Uniformierte treten aus einem kleinen, graugeziegelten Grenzgebäude heraus und gehen zügig auf mich zu. Ich steige aus meinem Auto und reiche Ihnen die Papiere. Sie begrüßen mich voller Freude und Neugier und laden mich auf ein Glas Tee ein – das erste von unzähligen im Iran. Auch wenn ich mich mit ihnen kaum verständigen kann – es ist eine wunderbare, unerwartete Begegnung. Ich spüre, ich betrete ein Land mit besonderen Menschen, deren Denken und Fühlen ich unbedingt näher kennenlernen möchte.“ (7)

„An Weihnachten erzählt mir ein Mullah auf dem ältesten Bazar im Norden Teherans von seiner Geschichte. Sie handelt von Imam Mehdi, der, wie man sagt, einen Tages zusammen mit Jesus Christus erscheinen würde, um endgültig Frieden zwischen allen Religionen zu schließen. Abends bin ich bei einer Familie zu Gast, und sie fragen mich, ob ich denn weiß, wer Imam Mehdi sei. Ich sage: ‚Ja, Imam Mehdi bist Du, ich und jeder andere Mensch auf unserer Erde‘. Daraufhin werde ich herzlich von der Familie umarmt. Bis in den frühen Morgenstunden reden wir über die Welt und die Vision von Frieden.“ (7)

„Mit einem wehmütigen Gefühl erreiche ich am Abend die Grenze. Ich muss ausreisen, weil mein Visum zu Ende geht, auch wenn ich gerne bleiben würde. Ich blicke zurück und alles, was ich sehe, ist eine wunderschöne Zeit in einem Land, das einen festen Platz in meinem Herzen erobert hat. Es ist traurig und herzlich zugleich – ich fühle mich im Iran zuhause.“ (7)

Fünfunddreißig hochwertige Großformatbilder in Farbe und Schwarzweiß bilden das Herzstück der Ausstellung, wobei Töne der Originalschauplätze sowie vielfältige Klangwelten integriert werden. Das visuelle Spektrum wird durch Filminstallationen und Diapräsentationen erweitert. So werden in vielfältiger und moderner Sprache Eindrücke von Landschaften, Menschen und Städten vermittelt. Das internationale Ausstellungsprojekt lädt den Zuschauer ein, den Iran zu sehen, zu hören, zu fühlen und somit besser zu verstehen.

Die Ausstellung soll in der Zeit vom 15. Juli bis 12. August 2012 in der katholischen St. Maximilian-Kirche in München stattfinden, vorausgesetzt dass die erforderliche Finanzierung durch „crowdfunding“ zustande kommt (8). Weitere Ausstellungen in einer evangelischen Kirche, in einer Synagoge und in einer Moschee in Deutschland sowie im europäischen Ausland sind beabsichtigt.

Quellen:

1) Werner Ruf: Der Islam – Schrecken des Abendlands. Wie sich der Westen sein Feindbild konstruiert. PapyRossa Verlag, Köln, 2012.
2) Saral Sarkar: Die nachhaltige Gesellschaft. Eine kritische Analyse der Systemalternativen. Aus dem Englischen übersetzt von Judith Mies. 3. Auflage, 2008. Bestellung beim Autor möglich: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
3) Saral Sarkar: Die Krisen des Kapitalismus. Eine andere Studie der politischen Ökonomie. Herausgegeben von der Initiative Ökosozialismus. 1. Auflage 2010. Als PDF-Datei erhältlich unter:
http://www.oekosozialismus.net/krisendeskapitalismus.pdf
4) http://www.facebook.com/EinblickIran
www.einblickiran.de
http://www.facebook.com/photo.php?v=225277687573027
5) Afsane Bahar: Die makabere Heuchelei und erbärmliche Scheinheiligkeit einiger politischer Akteure in Deutschland: NATO, Syrien und der Iran. 15.1.2012
http://afsanebahar.blog.de/2012/01/16/makabere-heuchelei-erbaermliche-scheinheiligkeit-politischer-akteure-deutschland-nato-syrien-iran-12468033
6) http://www.komischegesellschaft.de
7) Zitate aus dem Reisetagebuch von Herrn Benedikt Fuhrmann
8) http://www.st-maximilian.de/index2.php
9) http://www.startnext.de/einblickiran