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Vegane Revolution im Silicon Valley

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Wie der Kapitalismus den Widerstand gegen Tierausbeutung integriert -

Von MATTHIAS RUDE, 7. Mai 2014 -

VeganzJosh Tetrick hat ein markantes Kinn und kurze dunkelblonde Haare; sieht er einen mit seinen klaren blauen Augen und entwaffnendem Lächeln an, wähnt man sich sofort auf seiner Seite. Der Mann mit dem muskulösen Oberkörper ist noch recht jung – in diesem Monat wird er 34 –, kann aber bereits eine beeindruckende Biografie vorweisen. Sieben Jahre seines Lebens hat er in Afrika verbracht. Er hat eine Initiative der Vereinten Nationen in Kenia geleitet und sowohl für Bill Clinton gearbeitet als auch für Ellen Johnson Sirleaf, die Präsidentin von Liberia. Nebenher schrieb er Beiträge für die linksliberale Online-Zeitung The Huffington Post – darüber, was den Sohn von Martin Luther King dazu bewegt, auf Fleisch zu verzichten, über Kampagnen gegen den Pelzhandel und Undercover-Recherchen, die den grausamen Alltag in Hundezuchtbetrieben aufdecken – und darüber, was Pferdekutschen mit unserem Frühstück zu tun haben.(1)

System der Gewalt

Tetrick ist nicht nur rhetorisch gewandt, er hat auch gute Argumente: Unser veraltetes System der Nahrungsmittelproduktion stoße an seine Grenzen. Innovation sei die Antwort. Einen eklatanten Mangel an Fortschritt stellt er vor allem dort fest, wo Tiere involviert sind: Während wir uns Videos auf Tablet-PCs ansehen, konsumieren wir Lebensmittel, die noch immer aus dunklen, verdreckten Käfigen stammen. So wie man Pferdekutschen längst zugunsten moderner Transportmittel aufgegeben habe, seien neue Entwicklungen nötig, um Tierprodukte in der Ernährung zu ersetzen. Er spricht über die 1,8 Billionen Eier, die jährlich produziert werden, darüber, dass fast alle von Hühnern aus Legebatterien stammen, deren kurzes, qualvolles Leben darauf reduziert ist, Produktionseinheit in einer Tierfabrik zu sein, und weiß genau, was sich ändern muss: „Im Wesentlichen hat unser Ernährungsproblem mit dem industrialisierten System der Gewalt zu tun, das höflich als ,Intensivtierhaltung‘ bezeichnet wird.“(2)

Doch Tetrick ist kein Aktivist der Tierrechts- oder Tierbefreiungsbewegung, sondern Gründer und Geschäftsführer eines jungen Unternehmens. Hampton Creek Foods wurde erst vor knapp drei Jahren in Beverly Hills gegründet, seit Mitte 2012 befindet sich der Firmensitz in South of Market, San Francisco. Die anderen Start-ups in der Gegend entwickeln Software und Websites, in der Nachbarschaft sitzen Twitter und Zynga. Bei Hampton Creek Foods wird zwar auch mit Cookies experimentiert, doch hier wird gerührt, gebacken und gebraten: Das Unternehmensziel lautet, die perfekte pflanzliche Alternative zum Hühnerei zu kreieren. Im September 2013 begann Tetrick, ein pflanzliches Pulver, das nach dem Mischen mit Wasser wie Ei schmeckt, in Kalifornien zu vertreiben; geht es nach ihm, soll Beyond Eggs bald überall auf der Welt Eier in Supermarktprodukten ersetzen.

Über der roten Couch in der Lobby des gerade einmal 220 Quadratmeter großen Firmengebäudes hängt ein Foto: Der derzeit zweitreichste Mann der Welt wurde abgelichtet, wie er in einen Muffin beißt. Das Unternehmen kann sich brüsten: Es wurde „als eines von drei Unternehmen von Bill Gates dazu auserwählt, die Zukunft unserer Ernährung zu gestalten“.(3) Tetrick hat es geschafft, dass nicht nur Gates, sondern ganze fünf milliardenschwere Investoren mittlerweile über sechs Millionen US-Dollar in seine „Garagenfirma“ investiert haben. Inzwischen finanzieren also die ganz Großen den veganen Wandel.

Angriff der Risikokapitalisten

Den Microsoft-Gründer treibt die Tatsache um, dass der Handel mit Fleisch rasant zunimmt. In den letzten zwanzig Jahren hat er sich verdoppelt; nimmt man eine lineare Entwicklung an, ist derzeit davon auszugehen, dass bis 2050 eine weitere Verdoppelung eintreten wird. Noch dominieren die Industrieländer den Weltmarkt, doch dessen Wachstum wird mittlerweile von den Entwicklungs- und Schwellenländern bestimmt.(4) Gates meint: „Volkswirtschaften wachsen, und die Leute können sich mehr Fleisch leisten. Das sind alles gute Neuigkeiten. Aber das Fleisch aufzuziehen, beansprucht sehr viel Land und Wasser und hat eine erhebliche Umweltbelastung zur Folge. Einfach gesagt, ist es unmöglich, genug Fleisch für neun Milliarden Menschen zu produzieren.“ Doch das ist beileibe nicht der einzige Grund dafür, dass er ausgewählte Unternehmen fördert, die Pionierarbeit im Bereich der Entwicklung nachhaltig erzeugter Alternativen zu Tierprodukten leisten: „Der Prozess der Lebensmittelproduktion hat sich während der letzten hundert Jahre nicht viel verändert. Innovation in diesem Sektor hat ein enormes Marktpotenzial.“(5)

Immer mehr Risikokapitalgeber aus dem Silicon Valley sind bestrebt, vom Trend weg von Tierprodukten zu profitieren. Die Entwicklung von Alternativen gilt ihnen als noch größtenteils unerschlossener Zukunftsmarkt, Investitionen in diesem Bereich machen sich zudem gut im Rahmen eines nachhaltigen Portfolios. Wie die New York Times berichtet, haben noch im Jahr 2008 Kapitalgeber aus dem Valley lediglich 50 Millionen US-Dollar in Projekte investiert, die sich mit der Entwicklung neuer Lebensmittel beschäftigen. Vier Jahre später waren es bereits 350 Millionen Dollar – Tendenz weiterhin steigend.(6)

So investiert auch die von PayPal-Gründer Peter Thiel vor neun Jahren ins Leben gerufene Risikokapitalfirma Founders Fund eine Million Dollar in Hampton Creek Foods. Der marktradikale Thiel fördert gezielt junge Gründer im Technologiebereich – aber auch den Republikaner Ron Paul und die ultrakonservative Tea-Party-Bewegung. Er ist ausgewiesener Antidemokrat: Die Freiheit des Marktes, die er propagiert, hält er nicht für vereinbar mit einem demokratischen System, überheblich verkündet er: „Je höher dein IQ ist, desto pessimistischer wirst du, was die Politik des freien Marktes angeht – der Kapitalismus ist beim Pöbel einfach nicht so beliebt.“(7) Auf der Website des Founders Fund wird die Arbeit von Hampton Creek Foods angepriesen: „Ihre Forschung und Entwicklung ist vor allem darauf gerichtet, die globale Eier-Industrie durch niedrigere Kosten und funktional überlegene Produkte zum Erliegen zu bringen.“(8) Ähnlich angriffslustige Töne schlägt der Risikofinancier Vinod Khosla an, der ebenfalls in die Firma investiert – das Wirtschaftsmagazin Forbes zitiert ihn mit den Worten: „Hampton Creek greift eine alteingesessene Industrie an, die ihr Geschäft seit Jahren in derselben Art und Weise führt.“ Das Unternehmen habe es geschafft, eine Technologie zu entwickeln, die finanziell tragbarer sei.(9) 2012 veranstaltete der Multimilliardär ein Dinner, bei dem auch Gates zugegen war. Der sagte damals: „Die Tatsache, dass Innovation uns Äquivalente ohne die negativen Auswirkungen zu einem niedrigeren Preis liefern wird, ist ein erstaunliches Beispiel dafür, wie lineare Hochrechnungen außer Acht lassen, was wissenschaftliche Neuerungen bewirken können. Dies ist absolut noch nicht Teil der Mainstream-Debatte.“ In fünf Jahren aber, wenn die neuen Produkte erst auf dem Markt seien, werde die derzeit sehr pessimistische Sicht auf die Zukunft des agrarindustriellen Sektors weitaus positiver sein.(10)

Goldgräberstimmung

Jan Bredack, Chef der ersten deutschen veganen Supermarktkette Veganz, ist ein typischer Entrepreneur. Aufgewachsen in der DDR, war es für ihn „das Größte“, gleich nach dem Fall der Mauer bei Mercedes-Benz in Berlin anfangen zu „dürfen“. Sieben Jahre lang war er bei Mercedes in leitender Funktion angestellt, zuletzt zuständig für den Bau des ersten Werkes in Russland. Den ersten seiner Supermärkte eröffnete Bredack 2011 in Berlin, er machte bereits im ersten Jahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. „In der traditionellen Veganerbewegung verfolgt man die Aktivitäten des Managers mit Argwohn“, heißt es in der FAZ über Bredack(11) – doch die ist nicht seine Zielgruppe. Jene ist „zahlungskräftig und jung“, interne Studien zeigten, dass die Hälfte mehr als 1 500 Euro netto im Monat verdient.(12) Es herrscht Goldgräberstimmung. Noch ist der Handel mit den teuren Alternativprodukten zwar ein Nischenmarkt. Doch das ändert sich. „Ständig sind die Trendscouts der großen Lebensmittelketten bei uns im Laden“, erzählt Bredack.(13) Allein in Biomärkten und Reformhäusern wurden 2013 nach Angaben der Veganen Gesellschaft Deutschland rund 658 Millionen Euro mit rein pflanzlichen Produkten umgesetzt, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. „Vegan wird zum Wirtschaftsfaktor“, verkündet Vereinsgründer Christian Vagedes.(14) Der Tagesspiegel weiß: „Mit veganen Produkten lässt sich tierisch gut Geld verdienen“(15), N24 bringt in zwei Sätzen auf den Punkt, worum es geht: „Immer mehr Menschen versuchen, sich vegan zu ernähren. Die Wirtschaft wittert ein Milliardengeschäft.“(16)

Diese Aussicht bewegt auch Christian Rauffus, Chef einer der größten deutschen Wurstproduzenten, zu Zugeständnissen: Die Rügenwalder Mühle sei „nicht mit dem Fleisch verheiratet“, meint er im Gespräch mit dem Handelsblatt, man denke über die Produktion von Soja-Schnitzeln nach.(17) Recker Convenience war da schneller: Seit Kurzem bringen die „Schnitzelmacher“ eine vegane Linie auf der Basis von Sojaprotein namens „LikeMeat“ heraus.(18) Auch Vion – bei der Fleischvermarktung die Nummer zwei in Europa und die Nummer eins in Deutschland und den Niederlanden – führt schon seit Längerem eine Linie von Fleischalternativprodukten mit dem Namen „Vegetaria“; dass die Marke einem „Schlachtkonzern“ gehöre, ist für die Tierrechtsorganisation Albert Schweitzer Stiftung, die das Unternehmen beim Produktdesign beraten hat, nur ein „Wermutstropfen“.(19)

Nicht weniger als eine „vegane Revolution“ fordert ein Teil der linksautonomen Subkultur seit den 1990er Jahren auf ihren Transparenten und Flugblättern, welche vor Schlachthäusern, vor Tierversuchslaboren oder Pelzgeschäften hochgehalten und verteilt werden. Nun geschieht ein Wandel – aber anders, als die Pioniere des Veganismus in der Tierrechts- und Tierbefreiungsszene sich das vorgestellt haben. Diese „Revolution“ bringt keine politische Umwälzung, sondern propagiert lediglich eine Veränderung von Konsumgewohnheiten. Veganguerilla ist ein Food-Blog, Veganrevolution ein Online-Shop. Was einmal als Strömung der linken Gegenkultur begann, ist zum neuen Marktsegment geworden.

Befreiung von Mensch und Tier

Die moderne Tierbefreiungsbewegung entstand, von England ausgehend, im Rahmen der von der 68er-Bewegung initiierten Neuen Sozialen Bewegungen. Der Tierrechtsgedanke, ursprünglich angestoßen von den Revolutionen des ausgehenden 18. Jahrhunderts und den sie begleitenden Diskursen über fundamentale Freiheitsrechte, hatte sich hier in der Friedensbewegung erhalten, über die er in die Alternativbewegung gelangte. Das dort entstandene Konzept der Stadtguerilla diente als Vorbild für die Bildung der Animal Liberation Front (ALF).(20) Im November 1973 erfolgte der erste Brandanschlag der ALF-Vorgängerorganisation Band of Mercy gegen das sich im Bau befindliche Laboratorium des pharmazeutischen Großbetriebes Hoechst in Milton Keynes, England.

Die neue Bewegung, die sich schnell international verbreitet und durch Tierbefreiungen und Sachbeschädigungen bekannt wird, versteht sich als die ultimative Befreiungsbewegung, die in der Absicht handelt, sämtliche Mechanismen der Ausbeutung und Unterdrückung anzugehen. Von Anfang an ist sie strikt antikapitalistisch. In einem deutschsprachigen Flugblatt aus den 1980er Jahren heißt es: „In diesem repressiven System, in dem nicht mal die Menschen selbstbestimmt leben können, ist erst recht die Befreiung der Tiere ausgeschlossen.“

Herbert Marcuse schrieb 1965: „Daß die Gewalt beseitigt und die Unterdrückung so weit verringert wird, als erforderlich ist, um Mensch und Tier vor Grausamkeit und Aggression zu schützen, sind die Vorbedingungen einer humanen Gesellschaft.“ In der momentanen, repressiven Gesellschaft aber drohen, so Marcuse weiter, „selbst fortschrittliche Bewegungen in dem Maße in ihr Gegenteil umzuschlagen, wie sie die Spielregeln hinnehmen“.(21) Der Kapitalismus fordistischer Prägung hatte die Normierung nötig: Die Produktion wurde vom Prinzip der gesellschaftlichen Hierarchie und der Unterordnung der Körper unter die Maschinen bestimmt.(22) Im Gegensatz dazu lautet, so der Soziologe Richard Sennett, „Flexibilität“ die Zauberformel im neoliberalen Kapitalismus. Das zunehmend „ungeduldige Kapital“(23), das auf immer schnellere Rendite aus ist, während die voranschreitende Totalökonomisierung aller Lebensbereiche immer weniger neue Märkte übrig lässt, die noch erschlossen werden können, erfordert einen anderen Produktionsprozess, der die Menschen nicht mehr normieren, sondern gerade die individuelle Kreativität umfassend beanspruchen will – denn abweichendes, unangepasstes Denken birgt „Innovation“. Solange die Differenz sich innerhalb der Spielregeln bewegt, wird sie also nicht nur akzeptiert, sondern geradezu gebraucht.(24)

So ist es möglich, dass Die Zeit die „neuen Veganer“ feiert: „Sie gehen nicht mit ihren politisch-moralischen Ansprüchen hausieren“. Und sogar für die „Radikalen“ hat die liberale Wochenzeitung noch lobende Worte übrig: Ohne sie würde es heute keine Ausdifferenzierung der Szene geben, das sei das „radikale Verdienst“; den „Vorkämpfern“ sei es zu verdanken, dass die Anliegen von Veganern und Tierrechtlern hätten populär werden können, schließlich gelte: „Die Ideen der Grünen oder der Frauenrechtsbewegung gehören heute nur deswegen zum bildungsbürgerlichen Standardrepertoire, weil sie in ihrer Frühzeit nicht ungehört verhallten.“(25)

Die vegane Sparte wird als Wachstumsmarkt erkannt, und dazu braucht es Werbung, die in den Liberalismus passt. Kritik an Ausbeutung oder gar das Infragestellen der herrschenden Eigentumsverhältnisse hat hier natürlich nichts verloren. Propagiert wird ein mit Gesundheit, Jugend und Schlankheit assoziierter „Lifestyle“, der mit einer Konsum-Mentalität, die ständig neue, teure Produkte verlangt, konform geht – mehr nicht. Exakt das Programm des Autors und Fitness-Models Attila Hildmann also: „Ich verknüpfe narzisstische Interessen wie Abnehmen oder Jungbleiben mit einer nachhaltigen biologisch-veganen Ernährung.“ Das Konzept geht auf: 2013 hat Hildmann in Deutschland mehr Kochbücher verkauft als Jamie Oliver. Dass dieses „Marketing“ ein paar „verbissene Veganer“ stört, nimmt er „sehr gern in Kauf“. Und auf die Frage, ob auch er Fehler mache, fällt ihm lediglich ein: „Vielleicht hätte ich den Porsche wohl besser in Camouflage-Grün kaufen sollen, das hätte besser zu meinem aktuellen Buch gepasst.“ Von Springers Welt wird man für solche Statements als „Provokateur“ gefeiert.(26)

Veganismus als Massenbetrug

Die modernen Veganer verlieren bei ihrem Fokus auf die Ablehnung der Tierhaltung nicht nur menschliche Ausbeutungsverhältnisse, die Belange von wild lebenden Tieren oder Umweltfragen aus dem Blick – so ist Kakao zwar pflanzlich, aber ein Großteil der Produktion wird von Kindersklaven in Westafrika hergestellt, und unter der Herstellung von Palmöl leiden Menschen, Tiere und der Regenwald in Südostasien –, sondern verkennen auch, dass bloße Appelle an eine Veränderung der Konsumgewohnheiten noch keine Umwälzung der Produktion nach sich ziehen.

Die Solidarität mit Arbeitstieren, der Verzicht auf Lebensmittel und Rohstoffe, die durch sie oder aus ihren Körpern hergestellt werden, als bewusste Zurückweisung des Status von Tieren als Produktionsmittel und Ware konnten bereits seit den Anfängen der Entwicklung kapitalistischer Gesellschaftsformen als Elemente revolutionärer Theorie und Praxis fungieren, und eine Gesellschaft, die ohne Ausbeutung von Tieren auskommt, war Teil der Visionen vieler Vorkämpfer der sozialen Revolution. So malte sich etwa Louise Michel, die berühmte Kämpferin der Pariser Kommune, im ausgehenden 19. Jahrhundert aus: „Vielleicht wird die neue Menschheit statt des fauligen Fleisches, an das wir gewöhnt sind, chemische Verbindungen besitzen, die mehr Eisen und nahrhafte Grundstoffe enthalten als das Blut und das Fleisch, das wir verzehren. O ja, ich träume schon von der Zeit, da alle Brot haben werden, von der Zeit, da die Wissenschaft die Köchin der Menschheit sein wird.“(27) Nun macht die kapitalistische Industrie die Wissenschaft zur „Köchin der Menschheit“ – als Massenbetrug.

Wer daran grundlegend etwas ändern will, darf nicht in bloßen Appellen an das Konsumverhalten der Menschen verharren, sondern sollte eine politische Bewegung aufbauen, die so stark werden muss, dass sie Einfluss auf die Sphäre der Produktion ausüben kann. Da im herrschenden System jene, die über die Mittel zur materiellen Produktion verfügen, im Allgemeinen auch die Mittel zur geistigen Produktion disponieren, kann eine solche Bewegung allerdings nicht auf Popularität in den Massenmedien oder auf die Finanzierung durch Milliardäre hoffen.


 

Anmerkungen

(1)    http://www.huffingtonpost.com/josh-tetrick/
 (2)    http://www.huffingtonpost.com/josh-tetrick/what-horsedrawn-carriages_b_3530391.html
 (3)    Hampton Creek: Our Story; online: http://hamptoncreekfoodscom.box.com/shared/static/0h3cjt5jzkjdo58qoxjv.pdf
 (4)    Vgl. Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, Le Monde diplomatique: Fleischatlas 2014. Daten und Fakten über Tiere als Lebensmittel, Berlin 2014, S. 10F; online: http://www.boell.de/de/2014/01/07/fleischatlas-2014
 (5)    http://www.thegatesnotes.com/Features/Future-of-Food
 (6)    http://www.nytimes.com/2013/04/29/business/venture-capitalists-are-making-bigger-bets-on-food-start-ups.html
 (7)    http://www.cato-unbound.org/2009/04/13/peter-thiel/education-libertarian
 (8)    http://www.foundersfund.com/company/hampton-creek
 (9)    http://www.forbes.com/sites/ryanmac/2013/11/23/bill-gates-food-fetish-hampton-creek-foods-looks-to-crack-the-egg-industry/
 (10)    http://www.khoslaventures.com/dinner-bill-gates-qa-with-vinod-khosla/
 (11)    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/vegan-leben-ein-karrierist-wird-gruen-12126210.html
 (12)    http://www.oeko-fair.de/fragen_an/jan-bredack-ueber-veganen-lebensstil/man-startet-den-tag-mit-einem-ganz-anderen-lebensgefueh.
 (13)    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/lebensmittel/lebensmittel-deutschland-land-der-veganer-12574490.html
 (14)    http://www.sz-online.de/sachsen/veganismus-ernaehrungstrend-wird-wirtschaftsfaktor-2776505.html
 (15)    http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/truthahn-aus-weizen-eiweiss-mit-veganen-produkten-laesst-sich-tierisch-gut-geld-verdienen/7466488.html
 (16)    http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wissenschaft/d/4096410/bald-kommt-das-vegane-ei.html
 (17)    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/unternehmergespraech-ruegenwalder-muehle-wir-sind-nicht-mit-dem-fleisch-verheiratet/8673322-2.html
 (18)    http://www.likemeat.de/
 (19)    http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/vegetaria-produkte-jetzt-vegan
 (20)    Mieke Roscher: Ein Königreich für Tiere. Die Geschichte der britischen Tierrechtsbewegung, Marburg 2009, S. 434f
 (21)    Herbert Marcuse: Repressive Toleranz, in: Aufsätze und Vorlesungen 1948-1969 (Herbert Marcuse: Schriften, Band 8), Springe 2004, S. 136-166, S. 136f
 (22)    Enzo Traverso: Moderne und Gewalt. Eine europäische Genealogie des Nazi-Terrors. Aus dem Französischen von Paul B. Kleiser, Stuttgart 2003, S. 33.
 (23)    Richard Sennett: Der flexible Mensch: Die Kultur des neuen Kapitalismus. Deutsch von Martin Richter, Berlin 1998, S. 26
 (24)    Andreas Fisahn: Überwachung und Repression. Logiken der Herrschaftssicherung, in: Leipziger Kamera. Initiative gegen Überwachung (Hrsg.): Kontrollverluste. Interventionen gegen Überwachung, Münster 2009, S. 34-48, S. 47
 (25)    http://www.zeit.de/community/2013-11/veganismus-social-media-blogs/seite-2
 (26)    http://www.welt.de/vermischtes/article124747015/Veganer-Porsche-Fahrer-Provokateur.html
 (27)    Louise Michel: Memoiren. Aus dem Französischen von Claude Acinde, Münster 1979, S. 95f