hintergrund_old_english
Montag, 05. Dezember 2016  

POLITIK

Inland
EU
Welt

WIRTSCHAFT

Inland
Welt
Finanzwelt

HINTERGRUND

Umwelt
Kriege
Terrorismus
Twitter oder Facebook?
Aus Gründen des Datenschutzes und der Sicherheit verzichtet Hintergrund ganz bewusst auf das Angebot sozialer Netzwerke.Von Facebook wissen wir, dass es seine Nutzer aktiv ausspäht.

Konzentrationsprozess in Chemiebranche hält an: Größte Übernahme Chinas im Ausland

Drucken E-Mail

(03.02.2016/hg/dpa)

Bei der bisher teuersten chinesischen Firmenübernahme im Ausland will der Chemiekonzern ChemChina den Schweizer Agrarchemie-Anbieter Syngenta schlucken. Das würden sich die Chinesen 43 Milliarden Dollar kosten lassen, wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Bis zum Ende des Jahres solle der Deal abgeschlossen sein.

Wenn Aktionäre und Behörden zustimmen, wäre es der bislang größte chinesische Zukauf im Ausland. Damit würde das Staatsunternehmen zu einem wichtigen globalen Mitspieler in der Branche. Es ist auch ein wichtiger Schritt in der Strategie Chinas, die Entwicklung seiner Landwirtschaft durch moderne Methoden wie Biotechnologie voranzubringen.

Die China National Chemical Corporation – kurz ChemChina – bietet 465 US-Dollar je Aktie zuzüglich einer Sonderdividende von 5 Franken, berichtete der Konzern in Peking. Das Angebot entspricht 480 Franken je Aktie. Der Syngenta-Verwaltungsrat empfahl den Anteilseignern einstimmig, das Angebot der Chinesen anzunehmen.

Vergangenes Jahr sank der Umsatz von Syngenta um elf Prozent auf 13,41 Milliarden US-Dollar. Das Betriebsergebnis (Ebitda) verminderte sich um fünf Prozent auf 2,78 Milliarden Dollar, der Überschuss fiel um siebzehn Prozent auf 1,34 Milliarden Dollar.

Die Aktie des Basler Agrarkonzerns machte im vorbörslichen Handel Luftsprünge und stieg um bis zu neun Prozent. Experten begrüßten das Übernahmeangebot, berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur sda. ChemChina sei bereit, das Sechsundzwanzigfache des letztjährigen Gewinns zu bezahlen. Auch für den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung von Syngenta sei die angestrebte Lösung akzeptabel, weil sie die operative Eigenständigkeit des Unternehmens sichere.

Das Vorhaben muss aber möglicherweise einen langwierigen Genehmigungsprozess in der EU und den USA durchlaufen. Eine Kernfrage ist, ob das US-amerikanische Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) zustimmen muss. Das Aufsichtsgremium, das Übernahmen auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit prüft, gilt als nicht besonders chinafreundlich. Syngenta macht schätzungsweise ein Viertel seines Umsatzes in den USA, wo es der größte Pestizid-Verkäufer ist.

ChemChina will Syngenta helfen, in China und anderen aufstrebenden Märkten stärker Fuß zu fassen. Konzernchef Ren Jianxin sagte: „Wir werden weiter an der Seite des Managements und der Beschäftigten von Syngenta arbeiten, um den Wettbewerbsvorsprung in der weltweiten Agrartechnologie zu wahren.“ Nach Vollzug der Übernahme soll Ren Jianxin dem zehnköpfigen Syngenta-Verwaltungsrat vorstehen. Dem Gremium sollen dann noch vier der aktuellen Verwaltungsräte angehören.

Der Syngenta-Vorstandsvorsitzende John Ramsay erklärte, sein Konzern könne durch die Transaktion die Position als Weltmarktführer bei Pflanzenschutzmitteln ausbauen und das Potenzial des Saatgutgeschäfts erheblich vergrößern. Dass die Kartellbehörden den Mega-Deal noch zu Fall bringen könnten, hält der Manager für wenig wahrscheinlich: „Dieser Deal erhöht die Auswahlmöglichkeiten für die Landwirte.“

Im August hatte der Verwaltungsrat von Syngenta noch eine 46 Milliarden US-Dollar schwere Übernahmeofferte des US-Konkurrenten Monsanto zurückgewiesen. Einige Wochen später wurde dann ChemChina als möglicher Interessent ins Spiel gebracht.

Die geplante Fusion der US-Chemieriesen Dow Chemical und DuPont hatte den Druck in der Branche zuletzt gewaltig erhöht. Mitte Dezember hatten beide Konzerne ihre Pläne öffentlich gemacht. Mit dem neuen Riesen Dowdupont soll das weltgrößte Chemieunternehmen noch vor dem alten Spitzenreiter BASF aus Deutschland entstehen. Es ist die größte Firmenhochzeit in der Geschichte der Branche.

ChemChina hatte im Januar schon den deutschen Spezialmaschinenbauer KraussMaffei für 925 Millionen Euro geschluckt – es war die bisher größte chinesische Übernahme in Deutschland. Vor knapp einem Jahr hatte ChemChina auch die traditionsreiche italienische Reifenfirma Pirelli für mehr als sieben Milliarden Euro gekauft. Nach eigenen Angaben hat ChemChina derzeit rund 140 000 Mitarbeiter.

 

Kurzmeldungen im Überblick

Stuttgart: Bewährungsstrafe für IS-Mitglied

(21.11.2016/hg/dpa) Das Oberlandesgericht Stuttgart hat einen jungen Mann, der vorübergehend Mitglied der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) war, am Montag zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Der heute 20-Jährige aus Südbaden hatte eingeräumt, sich 2015 für mehrere Monate einer Terrorgruppe in Nordsyrien angeschlossen zu haben. Nach Überzeugung des Gerichts ließ er sich an Kriegswaffen ausbilden, trug den Kampfnamen „Abu Ismail al-Almani“, bekam einhundert US-Dollar Sold pro Monat und wurde einer Einheit zugeordnet. Dann floh er und wurde im Oktober 2015 a [ ... ]


Zypern: Auf dem Weg zur Einigung?

(21.11.2016/hg/dpa) Nach mehr als 42 Jahren Teilung scheinen die griechischen- und türkischen Zyprer einer Einigung ein ganzes Stück näher gekommen zu sein. Angestrebt wird eine Föderation aus zwei Bundesstaaten. Ein griechisch-zyprischer im Süden und ein türkisch-zyprischer im Norden der drittgrößten Mittelmeerinsel. Die zyprischen Volksgruppenführer – der griechische Zyprer Nikos Anastasiades und der türkische Zyprer Mustafa Akinci – verhandeln im schweizerischen Mont Pélerin, seit Monatsbeginn schon sieben Tage lang. Vorangegangen waren Monate zäher Vorgespräche. Im Mitte [ ... ]


Mittelmeer: 340 Bootsflüchtlinge sterben binnen zwei Tagen

(17.11.2016/hg/dpa) Die Tragödien im Mittelmeer nehmen kein Ende. Bei vier Bootsunglücken binnen zwei Tagen kamen nach Behördenangaben mehr als 340 Menschen im Mittelmeer ums Leben. „Die Schlepper nehmen keine Rücksicht auf die schlechten Wetterbedingungen“, sagte der Sprecher der Internationalen Migrationsbehörde IOM, Flavio Di Giacomo, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Rom. „Überlebende haben uns berichtet, dass sie gezwungen wurden, in die Boote zu steigen, obwohl sie wegen des Wetters nicht wollten.“ Allein etwa einhundert Menschen starben laut IOM und der Hilfs [ ... ]


Düsseldorf: Mutmaßlicher Kriegsverbrecher der „Freien Syrischen Armee“ vor Gericht

(17.11.2016/hg/dpa) Ein 41 Jahre alter Mann, der in Syrien gefoltert und geplündert haben soll, muss sich aller Voraussicht nach in Düsseldorf vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft hat am dortigen Oberlandesgericht Anklage gegen ihn erhoben, wie am Donnerstag in Karlsruhe mitgeteilt wurde. Der Mann sitzt seit seiner Festnahme im Raum Westfalen im April in Untersuchungshaft. Er soll im syrischen Aleppo eine Stadtteilmiliz befehligt haben, die aufseiten der „Freien Syrischen Armee“ gegen die Regierung von Baschar al-Assad kämpfte. Der Beschuldigte und seine mindestens 150 Mi [ ... ]


Karlsruhe: NSA-Spionageziele bleiben geheim – zum Staatswohl

(16.11.2016/hg/dpa) Die brisante Liste mit den NSA-Spionagezielen bleibt unter Verschluss – die Bundesregierung muss sie nicht dem NSA-Untersuchungsausschuss überlassen. Die Opposition im Bundestag scheiterte mit einer Organklage in Karlsruhe auf Herausgabe der Selektoren. Das teilte das Bundesverfassungsgericht am Dienstag mit. Die Richter entschieden, das Geheimhaltungsinteresse der Regierung in diesem besonderen Fall überwiege das Informationsinteresse des Ausschusses. Das habe mit der Rolle der USA zu tun. Die Bundesregierung sei zu der Überzeugung gelangt, dass eine Herausgabe ohne [ ... ]


Berufsverband: „CETA eine Art TTIP durch die Hintertür“

(16.11.2016/hg) Am 30. Oktober unterzeichneten  Vertreter der Europäischen Union und der kanadischen Regierung das höchst umstrittene Freihandelsabkommen CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement). Damit werden die Teile des Vertrages, welche nur die EU-Ebene betreffen, voraussichtlich Anfang 2017 in Kraft treten. Vorher muss allerdings noch das Europäische Parlament der vorläufigen Anwendung des Abkommens zustimmen, was höchstwahrscheinlich im Dezember dieses Jahres oder Anfang 2017 der Fall sein wird. „Mit der Wahl von Donald Trump am 9. November 2016 gilt das geplante Freih [ ... ]