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(16.05.2013) Berlin: Kammergericht verurteilt Gülaferit Ü. zu sechs Jahren und sechs Monaten. - Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte Mitglied der Organisation „Revolutionäre Volksbefreiungspartei/-front (DHKP-C)“ war. Laut Kammergericht handelt es ich bei der Vereinigung um eine linksradikale Gruppierung, die einen revolutionären Umsturz in der Türkei anstrebe. (stadtmorgen.de) +++ Das Sterben geht weiter: Schon wieder hat es bei einem Einsturz in einer Fabrik in einem Billiglohnland Tote und Verletzte gegeben: Drei Menschen sind gestorben, mindestens sechs weitere wurden verletzt, als am Donnerstag in Kambodscha in einer Schuhfabrik ein Zwischenstockwerk eingestürzt ist. (taz.de) +++ NSU-Prozess wird nicht aufgeteilt - Angeklagte kündigen Aussage an: Die Angeklagten Holger G. und Carsten S. angekündigt, vor Gericht auszusagen. Beide sind in Zeugenschutzprogrammen. Die Anwälte von Beate Zschäpe erklärten hingegen in der mündlichen Verhandlung erneut, dass ihre Mandantin keine Aussage machen werde. Auch André E. will sich nicht vor Gericht äußern. Die Anwältin von Ralf Wohlleben kündigte eine Erklärung der Verteidiger an. (n-tv.de) +++
Sonntag, 19. Mai 2013  

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In die Zukunft schauen

Ein Film über Vertreibung und Neubeginn. Von WOLFGANG BITTNER, 29. April 2013

„Aber das Leben geht weiter“, Deutschland 2011, Buch, Regie, Kamera: Karin Kaper und Dirk Szuszies, Dokumentarfilm, 104 Minuten, Farbe. DVD zum Film in deutscher und polnischer Originalfassung, 2012.

Das deutsch-polnische Verhältnis ist nach einer Zeit der Stagnation während der Regierung Kaczynski wieder auf einem guten Weg. Davon zeugt unter anderem ein Dokumentarfilm der deutschen Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies, in dem über das bittere Schicksal sowohl von deutschen wie auch von polnischen Heimatvertriebenen berichtet wird.

Die Schwestern Ilse Kaper und Herta Christ, die als junge Frauen aus ihrer schlesischen Heimat vertrieben wurden, erinnern sich. Der Ort ihrer Kindheit, das Bauerndorf Niederlinde in der Gegend von Görlitz, heißt heute Platerówka und liegt in Polen. Dort besaßen die Eltern der beiden Frauen, die Familie Queißer, einen Erbhof, den 1946 eine polnische Familie übernahm. Die Queißers wurden vertrieben und fanden nach schweren Anfangsjahren eine neue Heimat im norddeutschen Syke.

Dem wird der Leidensweg der polnischen Familie Zukowski gegenübergestellt, die von 1921 bis 1940 einen kleinen Bauernhof in Ostpolen bewirtschaftete. Sie wurde nach dem Hitler-Stalin-Pakt (einem deutsch-sowjetischen Nichtangriffsabkommen) 1940 zur Zwangsarbeit nach Sibirien deportiert und später dann nach Kirgisien. Als der Krieg zu Ende war, wurde sie nach Schlesien geschickt und bekam den Hof der Queißers zugewiesen.

Die Regisseurin Karin Kaper, Jahrgang 1959, ist die Tochter von Ilse Kaper. Sie hat – aus subjektiver Sicht – zusammen mit dem 1956 in Dortmund geborenen Regisseur und Autor Dirk Szuszies einen versöhnlichen Film mit zahlreichen Begegnungen, unaufgeregten Gesprächen und Rückblicken in die jüngere deutsche und polnische Vergangenheit geschaffen.

Das Leid der deutschen Vertriebenen am Ende des Krieges, als die Rote Armee ins Dorf kam, wird nicht verschwiegen, ebenso wenig wie die Repressalien unter polnischer Verwaltung und später ihr Heimweh. Eingeblendet werden immer wieder auch die leidvollen Erfahrungen der Familie Zukowski. Das alles unspektakulär und berichtend, so dass die Schrecken der Vergangenheit eher in den Hintergrund treten.

1990 fahren die Schwestern Ilse und Herta zusammen mit Karin Kaper dann zu Besuch nach Polen, wo sie sich mit der weit über achtzig Jahre alten Edwarda Zukowski, ihrer Tochter Maria und der Enkeltochter Gabriela treffen. Die Bilder wechseln hin und wieder von Platerówka nach Syke oder Bremen. Die Frauen backen Kuchen, kochen, decken liebevoll den Tisch, ernten Obst, pflegen Gemüse und Blumen in ihren Gärten, und sie schauen in der Abendsonne über die Felder.

Beiläufig erzählen Ilse und Herta über ihr Leben, mit dem sie – so scheint es – zufrieden sind. Manchmal denken sie an früher, und sie unterhalten sich mit Edwarda, Maria und Gabriela. Es kommen fast ausschließlich die Frauen zu Wort, wodurch die Atmosphäre geprägt ist. Allerdings lässt der Film unerwähnt, dass es außer diesen Frauen, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben, Millionen traumatisierter Frauen und Kinder gab und zum Teil heute noch gibt. Die geschichtlichen Hintergründe bleiben weitgehend im Vagen.

So wird zum Beispiel nicht erwähnt, dass die polnischen Ostgebiete (in Litauen, Weißrussland und der Ukraine), von denen die Rede ist, 1920/21 von Polen unter Marschall Pilsudski in einem Krieg gegen die im Entstehen begriffene Sowjetunion erobert worden sind. Die Grenze Polens wurde damals weit über das polnische Siedlungsgebiet hinaus nach Osten vorgeschoben. Nun mag das Verschweigen dieser Tatsache, wie auch manches andere, dem guten Willen der Filmemacher geschuldet sein, schließlich geht es ihnen um Versöhnung. Aber der Film bleibt überwiegend der Familiengeschichte der Regisseurin verhaftet und er hat zudem viele Längen, wodurch es schwierig sein dürfte, ihn für ein jüngeres Publikum wirksam werden zu lassen.

Dennoch: ein wichtiges Dokument, das viel über das deutsch-polnische Verhältnis und das Bemühen um Verständigung aussagt. „Aber das Leben geht weiter“, sagt Ilse Kaper gegen Ende des Films. Und sie fügt hinzu, es nütze nichts, sich zu grämen, man müsse in die Zukunft schauen.

Aktuelle Kinotermine im Mai

5.5., Göttingen, Lumiére, 17.00 Uhr + weitere Termine
6.5., Ahlen, Cinemahlen, 19.00 Uhr + Schulvorführung
7.5., Bad Driburg, Kino, 19.00 Uhr
8.5., Paderborn, Cineplex, 18.00 Uhr
8.5., Saarbrücken, Kino 8 ½, 18.00 Uhr
12.5., Schleswig, Capitol Filmpalast, 12.00 Uhr
13.5., Bad Segeberg, Cineplanet 5, 19.30. Uhr
14.5., Bremen, City 46, 18.00 Uhr, + weitere Termine
15.5., Verden, Kommunales Kino, 20.20 Uhr
16.5., Winsen, Kinocenter, 19.00 Uhr
19.5., Ahlen, Cinemahlen, 14.30 Uhr
26.5., Bielefeld, Kamera, 17.00 Uhr
27.5., Rinteln, Kinocenter, 18.00 Uhr
28.5., Jever, Filmservice-Center
28.5., Minden, Die Birke , 18.00 Uhr
 

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