Liebe Leser,

diese Woche erleben wir die Wiederkehr des Immergleichen: Das Verhandlungskarussell im Ukraine-Krieg dreht sich weiter, weiter und natürlich im Kreis. Die USA verhandeln mit Russland und der Ukraine, es gibt angeblich Fortschritte. Dann kommt die selbst ernannte Koalition der Willigen und der Krieg geht weiter. Das haben wir schon im vorigen Newsletter thematisiert und nun ging es eben wieder von vorn los. Oder auch weiter, denn die Eskalationsspirale dreht sich ja meist eher nach oben. Nach den Treffen vom Wochenende fasst Sevim Dağdelen – auch sie haben wir zuletzt zitiert – zusammen:

„Die Erklärung der Koalition der Willigen kommt einer künftigen Kriegspflicht gegen Russland gleich. Die Staats- und Regierungschefs setzen unbeirrt darauf, die Ostexpansion der NATO fortzusetzen, auch wenn dies im Falle der Ukraine verschleiert wird. Auch der Wirtschaftskrieg soll weiterverfolgt und intensiviert werden. Ziel bleibt, Russland zu ruinieren.“

Was medial als Friedensgespräche verkauft wurde, war also wieder einmal so in etwa das Gegenteil von dem, was draufstand. Uns verwundert das nicht. Wir begleiten gerade dieses Thema seit Jahren intensiv und haben zur Rolle der Europäer in der Ukraine auch wieder einen Text in unserem neuen Heft, das ab heute an den Kiosken erhältlich ist – die Abonnenten müssten es bereits zugeschickt bekommen haben. Der ungarische Diplomat György Varga analysiert im Heft die „Koalition der Unruhestifter“. Als Diplomat vertrat er Ungarn in der Ukraine und in Moskau, er war Botschafter in Moldawien und von 2017 bis 2021 Leiter der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Russland. Varga sieht die Grundlage der desaströsen Politik in einer Grundannahme, die so falsch wie fatal ist:

„Die Behauptung lautet, ein solcher Krieg wie der in der Ukraine habe in der Geschichte der Menschheit nie existiert und werde auch nie existieren, weshalb jedes Mittel zur Rechtfertigung diene. Die moralische Dimension, in die dieser Krieg gerückt wird, erfüllt eine duale Funktion: Sie überzeugt die Öffentlichkeit der 27 EU-Mitgliedstaaten mittels einfacher, emotionaler Klischees und ermöglicht es, die unter normalen Umständen bindenden völkerrechtlichen Rahmenbedingungen für ein angeblich hehres Ziel außer Kraft zu setzen – noch nicht mit vollem Erfolg, wie der belgische Widerstand gegen den Raub eingefrorener russischer Vermögenswerte zeigt.“

Laut Thomas Röper hat ein Moderator im russischen Fernsehen das in dieser Woche satirisch so zugespitzt: „Eine verrückte Gynäkologin hat in Brüssel 27 Regierungschefs als Geiseln genommen und fordert 200 Milliarden Euro Lösegeld.“ Die Absurditäten müssen auch einfach mal als solche benannt werden.

Ansonsten aber gibt es wenig zu lachen. Schließlich ist die Frage, die wir dieses Mal als Thema unserem Nachrichtenmagazin vorangestellt haben, eindeutig mit „Ja“ zu beantworten – zumindest wenn es um die Interessen seiner Bürger geht. Sie lautet: „Versagt der Staat?“ Und wir möchten an dieser Stelle den Fotografen Chris Emil Janßen hervorheben, dessen Foto unser Titel ziert. Es bildet die Misere im Gesicht des Bundeskanzlers perfekt ab. Nach einer lesenswerten theoretischen Einführung von Heinrich Anker geht es inhaltlich ans Eingemachte. Michael Meyen erklärt, was der Unterschied zwischen Staats- und Milieumedien ist – Sie lesen gerade, das können Sie sich vermutlich denken, nach seiner Definition ein Milieumedium. Thomas Trares schaut genauer auf das Statistische Bundesamt, denn schließlich wird mit Zahlen Politik gemacht:

„Auffällig ist, dass in all den Fällen – sei es bei den Sterbezahlen, bei den BIP-Daten wie auch bei der Armutsmessung – die Wiesbadener Statistiker die Narrative der jeweiligen Bundesregierung unterstützt haben. Der Verdacht, dass die Behörde womöglich politisch gewünschte Ergebnisse produzieren wollte, wird freilich auch durch die institutionelle Einbettung der Behörde genährt. Beim Statistischen Bundesamt handelt es sich nämlich um eine selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums.“

Die Scheinunabhängigkeit von vermeintlich wissenschaftlichen Stellen ist eines der Mittel, mit denen in diesen Zeiten Politik gemacht wird. Corona lässt grüßen. Das Scheitern zeigt sich dabei im Großen wie im Kleinen, wie Matthias Krauß an Beispielen aus Brandenburg aufzeigt und dabei auf einen der vielleicht schlimmsten Fälle des Versagens hinweist. Es geht um den Flughafen Berlin-Brandenburg:

„Für ein Staatsversagen in Vollendung braucht es jetzt nur noch einen Regierenden Bürgermeister Diepgen, der irre genug ist, auf diesem falschesten Standort zu bestehen, und einen Ministerpräsidenten Stolpe, der zu schwach war, ihm einen Vogel zu zeigen. Hinzu kam die Attitüde der brandenburgischen Staatskanzlei: Das schaffen wir, hier baut der Staat. Die Folge war eine Vervierfachung der Kosten, eine Verschiebung des Eröffnungstermins um fast zehn Jahre. Noch immer müssen die Gesellschafter Abermillionen nachschießen, der Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI), der 2009 zum BER und erst 2020 eröffnet wurde, erweist sich als Fass ohne Boden.“

Weitere Texte der aktuellen Ausgabe befassen sich mit der Wohnungskrise, mit Privatstädten oder auch konkret mit dem Bundeskanzler als nützlichem Handlanger des US-Imperiums. Unsere Autoren schauen aber auch genauer auf die Politik der USA und die Kriegsverbrechen Israels.

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