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Kann sich die US- Wirtschaft erholen?

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Von PAUL CRAIG ROBERTS, 22. Juli 2009 -

Es gibt überhaupt keine Wirtschaft mehr, die sich erholen könnte. Die produzierende Wirtschaft ging durch Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland und durch die Freihandels-Ideologie verloren. Sie wurde durch die frei erfundene (der Phantasie der Banker und Broker entsprungene) "New Economy" ersetzt.

Die "New Economy" ist auf Dienstleistungen aufgebaut. Sie wurde künstlich (ohne reale Basis) geschaffen und mit den bewusst zu niedrig angesetzten Zinssätzen am Leben er-halten, die eine Immobilien-Blase entstehen ließen; der völlig deregulierte "Freie Finanzmarkt verschaffte den Finanz-Gangstern die Möglichkeit, die neu aufgetürmten Schuldenberge in betrügerische Finanzprodukte umzuwandeln.

Die reale Wirtschaft wurde für eine Schein-Wirtschaft geopfert. Als die Schein-Wirtschaft zusammenbrach, büßten viele US-Amerikaner ihre Immobilien, ihre Altersversorgung und ihre Ersparnisse ein und verloren gleichzeitig ihre Jobs.

Die Schulden-Wirtschaft verführte die US-Amerikaner dazu, ihren Besitz zu beleihen. Sie nahmen Kredite auf ihre Häuser auf und verbrauchten das Geld. Sie belasteten ihre zahlreichen Kreditkarten bis an Limit. Sie nahmen so viele (Mini)jobs an, wie sie kriegen konnten.

Die Neuverschuldung und das aus vielen Quellen stammende Familieneinkommen hielten die Wirtschaft in Gang.

Homeless Jetzt können sich die US-Amerikaner aber plötzlich kein neues Geld mehr leihen, das sie ausgeben könnten. Sie sind bis über beide Ohren verschuldet. Jobs gibt es keine mehr. Amerikas Konsum, der etwa 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, ist tot. Die Amerikaner, die noch Jobs haben, sparen, weil sie den Verlust ihrer Arbeitsplätze fürchten. Millionen sind obdachlos. Einige sind bei der Familie und bei Freunden untergekommen, andere leben in Zeltstädten.

Im Jahr 2008 hat das Haushaltsdefizit der US-Regierung 455 Milliarden Dollar betragen, in diesem Jahr ist es auf 2.000 Milliarden Dollar (2 Billionen) gestiegen und wird auch 2010 wieder mit 2.000 Milliarden Dollar zu Buche schlagen. Und Präsident Obama hat Amerikas teuren Angriffskrieg in Afghanistan ausgeweitet und einen neuen Krieg in Pakistan begonnen.

Es gibt keinen anderen Weg, diese Defizite zu finanzieren, als durch das Drucken immer mehr (wertloser) Dollars – es sei denn, die Anleger stiegen bei weiteren Kursstürzen am Aktienmarkt auf US-Schuldverschreibungen um.

Der Haushalt der US-Regierung ist zu 50 Prozent ungedeckt. Das bedeutet, die Hälfte jedes Dollars, den die Bundesregierung ausgibt, muss geliehen oder (neu) gedruckt werden. Wegen des weltweiten Finanzdesasters, das die Wall Street-Gangster angerichtet haben, braucht die Welt ihr verbliebenes Geld selbst und kann Washington nicht jährlich zwei Billionen Dollars leihen.

Mit den neu gedruckten Dollars und der wachsenden Dollarmenge wird der Druck auf den Dollar als Reservewährung immer größer. China, der größte Kreditgeber der USA, hat Washington bereits ermahnt, die chinesischen US-Investitionen zu schützen, und plädiert für eine neue Reservewährung, die den Dollar ersetzen soll, bevor er kollabiert. Nach verschiedenen Berichten legt China seine US-Dollars gerade in Gold, Aktien, Rohstoffen und Energieressourcen an.

Der Preis von Goldmünzen, die eine Unze (ca. 30 g) wiegen, ist auf 1.000 Dollar gestiegen, trotz aller Anstrengungen der US-Regierung, den Goldpreis zu drücken. Wie hoch wird dieser Preis steigen, wenn die übrige Welt erkennt, dass "die einzige Supermacht der Welt" bald bankrott ist?

Und wie will Amerika das Öl bezahlen, und die vielen Fertigwaren, die es importieren muss?

Wenn der im Übermaß vorhandene US-Dollar seine Rolle als Reservewährung verliert, werden die Vereinigten Staaten ihre hohen Importe an Waren und Dienstleistungen nicht mehr mit wertlosem Papier bezahlen können. Über Nacht wird vieles knapp werden, und die Amerikaner werden sehr viel ärmer sein.

Die Wirtschaftspolitik Obamas kümmert sich so wenig wie die Bushs um die echten Probleme. Stattdessen wurde Goldman Sachs mehrfach aus der Patsche geholfen. Wie Eliot Spitzer (der ehemalige Gouverneur von New York) gesagt hat, die Banken haben mit Hilfe der US-Regierung "einen Haufen Geld" gemacht.

Nicht die Millionenschulden der jetzt obdachlosen Hausbesitzer wurden getilgt. Auch den kläglichen Resten der US-Autoindustrie – General Motors und Chrysler – wurde nicht wirklich geholfen. Nur die Banken der Wall Street haben kassiert.

Nach Angaben von Bloomberg.com (einer Website für Finanzinformationen) hat der jüngste Rekordgewinn, den Goldman Sachs mit kostenlos oder zu geringen Zinsen überlassenen US-Steuermitteln erzielt hat, das Unternehmen veranlasst, Gehälter und Prämien um 33 Prozent zu erhöhen; seine Angestellten verdienen jetzt durchschnittlich 773.000 Dollar im Jahr.

Das sollte sogar die dämlichsten Patrioten erkennen lassen, wen "ihre" Regierung vertritt.

Die Talsohle der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist noch nicht erreicht. Ich meine nicht die Immobilien-Krise, die noch nicht überstanden ist. Die Hauspreise werden weiter fallen, wenn die von den Banken kassierten Häuser, die jetzt noch zurückgehalten werden, auf dem Markt verschleudert werden. Die Schließung von Läden und Büros wird es den Eigentümern von Einkaufszentren und Bürogebäuden unmöglich machen, ihre Hypotheken zu tilgen. Auch die Darlehen für kommerziell genutzte Immobilien wurden mit Derivaten abgesichert (die dann ebenfalls wertlos sind).

Die eigentlich Krise steht uns noch bevor. Es ist die Krise der weiter steigenden Arbeitslosigkeit, der stagnierenden oder sinkenden Löhne, gepaart mit steigenden Preisen, die durch die Gelddruckerei der Regierung verursacht werden, und sie kommt mit dem Wertverlust des Dollars. Schon bald werden euch die Preise (der Billig-Kaufhauskette) Wal-Mart wie die Preise beim (Topausstatter) Neiman Marcus vorkommen.

Ruheständler, die auf Staatspensionen angewiesen sind und kein Geld drucken können, werden kein Geld mehr erhalten, sondern mit IOUs (Schuldscheinen) abgespeist werden (IOU ist abgeleitet von "I owe you" = ich schulde dir). Mit wertlosen Dollars werden sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Verzweifelte Steuerbehörden werden versuchen, den Mittelstand noch weiter auszuquetschen.

Keine Maßnahme der Wirtschaftspolitik Obamas ist darauf ausgerichtet, den US-Dollar als Reservewährung zu retten oder dem amerikanischen Volk den Lebensunterhalt zu sichern. Die Wirtschaftspolitik Obamas dient wie die Bushs nur dazu, Banken wie Goldman Sachs und der Rüstungsindustrie zu bereichern.

Matt Taibbi (ein kriischer US-Journalist) beschreibt Goldman Sachs als "eine große Vampir-Krake, die unbarmherzig die ganze Menschheit umschlingt und mit ihren Saugnäpfen alles ausschlürft, was nach Geld riecht". Achtet auf die Repräsentanten von Goldman Sachs in den Regierungen Clintons, Bushs und Obamas. Diese Bankster-Firma kontrolliert die Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten.

Wen wundert es da noch, dass Goldman Sachs Rekordgewinne macht, während die meisten von uns jeden Tag ärmer werden.


Der Autor: Paul Craig Roberts war stellvertretender Finanzminister in der Regierung Reagan. Er war Co-Redakteur der Meinungsseite des Wall Street Journal und Mitherausgeber der National Review.

Übersetzung: Wolfgang Jung – Luftpost, Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein. http://www.luftpost-kl.de

Die kursiven Anmerkungen in Klammern stammen vom Übersetzer.

Der Artikel erschien im Original unter dem Titel Can The Economy Recover? bei Information Clearing House am 15.07.09.


 

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