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US-Saatgutkonzerne kontrollieren und zensieren kritische Forscher

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Von REGINE NAECKEL, 13. August 2009 -

Wissenschaftler müssen die Gentech-Konzerne um Erlaubnis fragen, bevor sie unabhängige Forschungsergebnisse über deren genetisch veränderte Pflanzen veröffentlichen wollen. Das regelt eine Verfügung der Saatgutkonzerne, die von den Forschern im Vorfeld einer Studie unterschrieben werden muss, berichtet das Wissenschaftsmagazin Scientific American in seiner August-Ausgabe.

Gentech-Forscher Weder die Überprüfung der von den agrotechnischen Konzernen angepriesenen „Leistungen“ gentechnisch veränderter Nutzpflanzen noch eine kritische wissenschaftliche Analyse möglicher Risiken und Gefahren für Umwelt und Konsumenten seien dadurch möglich.

Für den Kauf gentechnisch veränderten Saatguts zu Forschungszwecken mussten die Kunden schon immer eine Vereinbarung unterzeichnen, die genau festlegt, was geforscht werden darf und was nicht. Diese Vereinbarungen galten dem Schutz „des geistigen Eigentums“ eines Unternehmens, sie sollten vor allem mögliche Replikationen der veränderten Erbinformationen, also die unerlaubte Nachzucht, verhindern, so die Begründung.

Doch Saatguthersteller wie Monsanto, Pioneer und Syngenta sind noch weiter gegangen. Für einen Zeitraum von zehn Jahren wurde die Verwendung der Gen-Samen ausdrücklich für jegliche unabhängige Forschung untersagt. Unter Androhung juristischer Schritte waren den Wissenschaftlern sämtliche Tests verboten. Das heißt: Ein unabhängiges Labor darf nicht einmal untersuchen, unter welchen Boden- oder Klimabedingungen das Saatgut gedeiht, darf das Saatgut verschiedener Hersteller nicht in Bezug auf Ertrag oder Anfälligkeit miteinander vergleichen. Doch das Schlimmste: Unabhängige Forscher konnten nicht prüfen, welche ökologischen Nebeneffekte die gentechnisch veränderten Pflanzen haben können.

So seien, schreibt Scientific American, in den anerkannten Fachzeitschriften nur jene Studien veröffentlicht worden, die von den Saatgut-Unternehmen zuvor überprüft wurden. In einigen Fällen wurde die Veröffentlichung verhindert, weil die Ergebnisse nicht „schmeichelhaft“ genug gewesen seien. Der Insektenforscher Elson J. Shieds von der Cornell Universität ist Sprecher einer Gruppe von 24 Wissenschaftlern, die sich mit Getreideschädlingen befassen. Die meisten von ihnen wollen anonym bleiben, da sie das Saatgut für ihre Forschungen brauchen und Angst vor Repressalien durch die Konzerne haben.

In einem Schreiben an die US-amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) beklagen sie sich über die Gängelung durch die Saatgutfirmen: „Die Folge des eingeschränkten Zugangs zu dem Saatgut ist, dass viele kritische Fragen zu dieser Technologie nicht wirklich unabhängig und rechtmäßig erforscht werden können.“

Man stelle sich das bei anderen Produkten einmal vor, schreibt das Fachblatt, wenn die Unternehmen unabhängige Untersuchungen und die Berichterstattung darüber verhindern würden. Zum Beispiel wenn Automobilhersteller den Vergleich ihrer PKWs untereinander oder andere Verbraucherinformationen verbieten würden.

Das Resümee der Autoren fällt dementsprechend harsch aus: Es sei gefährlich, wenn unter dem Vorwand des geistigen Eigentums und unternehmerischer Interessen Wissenschaftler Fragen des Umweltschutzes und der Lebensmittelsicherheit nicht mehr kritisch untersuchen können. Es geht um Pflanzen, die auf weiten Flächen des Landes (gemeint sind die USA) angebaut und als Lebensmittel verzehrt werden.

Die Agrartechnologie-Konzerne sollten daher umgehend die Beschränkungen für die Forschung aufheben. Die EPA sollte darüber hinaus neue Genehmigungen erst dann erteilen, wenn unabhängige Forscher uneingeschränkten Zugang zu sämtlichen Produkten erhalten, die bereits auf dem Markt sind.

Quelle:

Scientific American August 2009 "Do Seed Companies Control GM Crop Research?"
 

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