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US-Agent war Schlüsselmann beim Massaker von Mumbai

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Von KNUT MELLENTHIN, 22. Oktober 2010 -

Keine Terroristengruppe ohne Staatsagenten: Das war schon in den 1970er Jahren so, als italienische Neofaschisten sich mit ihrer von
einheimischen und ausländischen Diensten gesponserten „Strategie der Spannung“ durchs Land mordeten.

Und es hat sich im Wesentlichen nicht geändert: Die sogenannte Sauerlandgruppe, die angeblich „den größten Terroranschlag in der
Mahal Mumbai
Auch das Luxushotel "Taj Mahal" wurde Ziel der Anschläge, bei denen am 26. November 2008 hunderte Menschen starben oder verletzt wurden.
Geschichte der Bundesrepublik“ geplant hatte (1), war „schon früh von Geheimdiensten und der Polizei unterwandert worden“ (2). Mevlüt K., der 2007 die Sprengzünder aus verschiedenen Quellen beschaffte, war 2002 oder 2003 „vermutlich vom türkischen Geheimdienst MIT angeworben“ worden und soll später „auch als Kontaktmann für die amerikanische CIA gedient haben“. Aus abgehörten Gesprächen geht hervor, dass die Gruppenmitglieder Mevlüt K. als Chef betrachteten und sich von ihm Anweisungen erteilen ließen. (3).

In diesem Fall verlief der Anschlagsplan unblutig: Erstens weil das vorgesehene Sprengmaterial wahrscheinlich gar nicht für den Zweck getaugt hätte, und zweitens, weil das BKA die in Fässern gelagerten Chemikalien heimlich ausgetauscht hatte.

Nicht immer jedoch geht das Treiben von Polizeien und Diensten so harmlos aus. Am 11. März 2004 starben bei Bombenanschlägen auf
mehrere Vorortzüge in Madrid 192 Menschen. Den Sprengstoff hatte José Emilio Suárez Trashorras, ein ehemaliger Bergarbeiter, beschafft. Trashorras war Informant der Policía Nacional. Den Kontakt zwischen ihm und den mutmaßlichen Attentätern hatte Rafael Zuher (oder Zuheir) hergestellt, der für die Guardia Civil arbeitete. (4) Alle Anschlagvorbereitungen fanden unter den Augen und Ohren spanischer (und ausländischer?) Dienststellen statt: Von 40 Personen, die die Justiz schließlich mit den Verbrechen in Verbindung brachte, standen 34 unter Beobachtung der Policía Nacional, der Guardia Civil oder des Geheimdienstes CNI. 18 von ihnen wurden gleichzeitig von mehreren Institutionen observiert. (5)

Wo keine Terrorgruppe besteht, wird mitunter auf dem Dienstwege eine gegründet. In New York wurden am 18. Oktober vier muslimische Männer verurteilt, denen die Anklage Verschwörung zu Bombenattentaten vor Synagogen in der Bronx und Pläne zum Abschuss von Militärflugzeugen durch Raketen – über die jedoch keiner der Männer verfügte – vorgeworfen hatte. Die Verkündung des Strafmaßes steht noch aus. Allen droht lebenslängliches Gefängnis.

Frei ging indessen der Mann aus, der die vier anderen zusammengebracht und zu den Anschlagplänen mit radikalen Worten und Geldversprechungen überredet hatte. Schaheed Hussain, der sich als militanter Islamist aus Pakistan ausgegeben hatte, war in Wirklichkeit Informant und agent provocateur des FBI. Die nicht funktionsfähigen „Bomben“, die Hussain den Gruppenmitgliedern gegeben hatte, um sie vor den Synagogen zu platzieren, stammten vom FBI.  (6)

Headley
David Coleman Headley, US-Bürger mit intensiven Verbindungen zu Geheimdiensten, kundschaftete die Anschlagsziele in Mumbai aus.
Vor diesem Hintergrund ist es keine Riesenüberraschung, dass der Mann, der die Schauplätze der Terrorangriffe in Mumbai vom 26. November 2008 ausgekundschaftet hatte, ein Agent der US-amerikanischen Drogenbehörde DEA und möglicherweise auch anderer Dienststellen war. Mindestens zehn bewaffnete Männer hatten in einem der größten Bahnhöfe der indischen Hafenstadt, in einem bei Ausländern beliebten Café und in zwei Luxushotels wild um sich geschossen. Einige von ihnen hatten außerdem eine jüdische Einrichtung überfallen. Insgesamt wurden mindestens 166 Menschen getötet, nach manchen Angaben auch mehr. Über 300 wurden verletzt.

Der einzige Überlebende der Angreifergruppe, Mohammed Ajmal Amir Kasab aus Pakistan, wurde am 6. Mai 2010 in Mumbai zum Tode verurteilt. Er hatte zunächst ein sehr weitreichendes Geständnis abgelegt, dieses aber im April 2010 widerrufen: Es sei ihm durch Folterungen abgezwungen worden, so Kasab. (7) Seit dem 18. Oktober findet vorm Obersten Gerichtshof von Mumbai Kasabs Berufungsverfahren gegen das Urteil statt.

Am 3. Oktober 2009 wurde auf dem O'Hare International Airport von Chicago ein US-Bürger namens David Coleman Headley verhaftet. Der damals 49-Jährige rückte kurz darauf in den Mittelpunkt der Mumbai-Ermittlungen. Seine Festnahme erfolgte allerdings aufgrund eines Hinweises der britischen Behörden, die Headley mit Anschlagplänen gegen die dänische Zeitung Jyllands-Posten – international bekannt geworden durch die Mohammed-Karikaturen – in Verbindung brachten. (8) Headley, Sohn einer US-Amerikanerin und eines Pakistaners, dessen Beruf überwiegend mit „Diplomat“ angegeben wird, hieß ursprünglich Daood Gilani. Erst am 15. Februar 2006 hatte er in Philadelphia, USA, seinen Namen ändern lassen. (9) Vermutlich wollte er damit erstens Schwierigkeiten bei Ein- und Ausreisen in die USA vermeiden und zweitens in Indien nicht als Pakistaner oder Moslem erkannt werden.

Der späteren Anklage zufolge (10) hatte Headley seit Ende 2005 im Auftrag der militanten pakistanischen Organisation Laschkar-e-Taiba bei zahlreichen Reisen nach Indien Örtlichkeiten für mögliche Anschläge ausgekundschaftet und teils fotografiert, teils gefilmt. Zur besseren Tarnung hatte Headley, der seinen Beruf mit „Geschäftsmann“ anzugeben pflegte, in Mumbai sogar ein Büro eingerichtet, das angeblich Indern bei der Ausreise helfen sollte. Die Anklage erwähnt explizit fünf „ausgedehnte“ (extended) Reisen Headleys nach Mumbai: im September 2006, im Februar und September 2007, sowie im April und Juli 2008.

Headley erklärte sich zunächst im Sinne der Anklage für nicht schuldig, legte aber im März ein „volles Geständnis“ ab und begann, mit den US-Behörden zu „kooperieren“. (11) Mit Letzterem ist die Belastung anderer Personen gemeint. Die Washington Post berichtete, unter Berufung auf anonyme Beamte des Justizministeriums, dass Headley einen „Deal“ mit dem Gericht abgeschlossen habe. Dieser sichere ihn sowohl vor der Todesstrafe als auch vor einer Auslieferung nach Indien, Pakistan oder Dänemark. (12)

Am 17. Dezember 2009 berichtete die Londoner Times erstmals, dass Headley „ein aus dem Ruder gelaufener amerikanischer Agent“ sei. Er sei den Sicherheitsdiensten der USA erstmals 1997 aufgefallen, als er in New York wegen Heroinschmuggels verhaftet wurde. Er habe eine Strafmilderung erreicht, indem er sich bereit erklärte, als Informant der obersten US-Drogenbehörde Drug Enforcement Agency (DEA) „mit Pakistan verbundene Rauschgiftbanden zu infiltrieren“. (13)

Seltsam ist, dass die – mittlerweile als sachlich richtig bestätigte – Meldung der Times damals kaum Widerhall in den Mainstream-Medien fand und so sehr in Vergessenheit geriet, dass sie im Oktober des laufenden Jahres als scheinbar ganz neue Erkenntnis präsentiert werden konnte. Im Übrigen behauptete die Times auch, dass Headley sich noch bis zwei Wochen vor den Terrorangriffen in Mumbai aufgehalten habe. Ein solcher Aufenthalt taucht jedoch in der Anklage nicht auf.

In die Headley-Affäre kam erst wieder Bewegung, als ProPublica (14) am 15. Oktober eine ausführliche Story veröffentlichte, von der eine kürzere Fassung auch in der Washington Post erschien. (15)

ProPublica zufolge war Headley, damals noch Gilani, erstmals 1988 in Deutschland von der DEA verhaftet worden, nachdem er versucht hatte, Heroin aus Pakistan einzuschmuggeln. Er „kooperierte“ und bekam eine deutlich niedrigere Gefängnisstrafe als sein Komplize. 1997 sei Headley von der DEA erneut wegen Drogenhandels verhaftet worden. Damals sei er von der Behörde als Informant angeworben worden – zunächst, um pakistanische Dealerkreise in New York zu „infiltrieren“. Später sei er auch nach Pakistan geschickt worden, um Erkenntnisse über den internationalen Heroinhandel zu gewinnen. Nach dem 11. September 2001 habe Headley sich gegenüber Bekannten gerühmt, dass er im geheimen Regierungsauftrag Ausbildungslager von Laschkar-e-Taiba in Pakistan besuchen werde. Zu einer nicht näher bezeichneten Person habe Headley gesagt: „Das FBI und die DEA haben sich zusammengetan und ich werde für sie arbeiten. Ich möchte etwas Wichtiges in meinem Leben tun. Ich möchte etwas für mein Land tun.“

Verschiedene anonym bleiben wollende DEA-Beamte haben sich gegenüber ProPublica und in der Zeit seither widersprüchlich geäußert, in welchem Zeitraum Headley als Agent für die Behörde gearbeitet hat und vor allem: ob er noch Informant war, als er durch seine Reisen nach Indien die Mumbai-Terroraktion vorbereitete. Es gibt dazu bisher keine offizielle Erklärung der DEA, irgendeiner anderen Behörde oder der US-Regierung. Ebenso wenig ist offiziell klargestellt, für welche amerikanischen Dienststellen außer der DEA Headley möglicherweise ebenfalls gearbeitet hat.

Eine bedeutende Neuigkeit, die von ProPublica ans Licht gebracht wurde, betraf Aussagen einer Ehefrau von Headley. Insgesamt war er mindestens drei Mal verheiratet, zeitweise sogar mit allen  drei Frauen gleichzeitig. Eine von ihnen war US-Bürgerin, eine andere Marokkanerin, und die dritte war Pakistani. ProPublica zufolge hatte sich die Amerikanerin im Jahre 2005 nach einem Ehestreit an die Polizei gewandt und in drei Gesprächen mit Leuten von der Joint Terrorism Task Force (16) in New York dargelegt: Headley sei aktives Mitglied von Laschkar-e-Taiba. Er habe sich mehrmals lange in deren pakistanischen Ausbildungslagern aufgehalten. Er habe für die Organisation Nachtsicht-Ferngläser und anderes Ausrüstungsmaterial besorgt. Außerdem habe Headley ihr gegenüber damit geprahlt, dass er von den USA während seines Terrortrainings in Pakistan als Informant bezahlt worden sei.

Seitens des FBI gibt es dazu lediglich Äußerungen, dass man sich damals mit den Vorwürfen der Ehefrau befasst habe. Keine offizielle Stellungnahme gibt es jedoch dazu, welche Schlussfolgerungen man daraus zog und welche Maßnahmen möglicherweise ergriffen wurden.

Am 16. Oktober legte die New York Times mit einer weiteren Enthüllung nach: Auch eine andere Ehefrau Headleys, die 27-jährige Marokkanerin Faiza Outalha, hatte sich wegen der Terror-Connections ihres Mannes an eine amerikanische Dienststelle gewandt. Im Dezember 2007 und nochmals im Januar 2008 hatte sie die Botschaft der USA in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad aufgesucht und dort mit einem Sicherheitsoffizier und einem Beamten der Einwanderungsbehörde gesprochen. Unter anderem teilte Outalha dabei mit: Ihr Ehemann habe viele Freunde, die bekannte Mitglieder von Laschkar-e-Taiba seien. Er sei leidenschaftlicher Gegner der Inder, reise aber ständig nach Indien, um dort angeblich geschäftlichen Angelegenheiten nachzugehen, aus denen aber nie etwas werde. Ihr war auch aufgefallen, dass Headley mit zwei konträren Identitäten auftrat: In Pakistan gab er sich als strenggläubiger Moslem, während er in Indien einen amerikanischen Playboy spielte. Die Marokkanerin berichtete ihren Gesprächspartnern außerdem, dass sie im April und Mai 2007 zwei Mal mit Headley im Mumbaier Luxus-Hotel Taj Mahal gewesen war, und zeigte ihnen ein Foto von diesem Aufenthalt. (17)

Das Taj Mahal gehörte am 26. November 2008 zu den Angriffszielen des „Kommandos“. Bemerkenswert ist, dass die amerikanischen Behörden anscheinend nicht nur die Informationen ignorierten, die sie von Headleys Ehefrauen erhalten hatten, sondern dass sie sogar noch nach dem Mumbai-Massaker versäumten, auf die alten Berichte zurückzukommen und „die Punkte zu verbinden“, wie man in den USA sagt. Headley reiste weiter ungehindert zwischen den USA, Pakistan und Indien hin und her. Hätten sich die britischen Behörden nicht eingeschaltet, wäre wahrscheinlich nicht einmal Headleys Verhaftung im Oktober 2009 erfolgt.

Gegenüber der New York Times rechtfertigte ein anonymer „Regierungsbeamter“ dieses Verhalten: Faiza Outalha habe „keine Einzelheiten“ berichtet, „wer darin verwickelt war oder was sie angreifen wollten“. Mike Hammer, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der US-Regierung, sagte am 16. Oktober, die Vereinigten Staaten hätten Indien stets über ihre Erkenntnisse bezüglich drohender Gefahren auf dem Laufenden gehalten. (18)

Eben das wird aber in diesem Fall von indischer Seite vehement in Frage gestellt. Insbesondere wird kritisiert, dass die USA den Indern niemals Headleys Namen mitgeteilt haben. Anderenfalls hätte man ihn nämlich bei seinen zahlreichen Erkundungsreisen in Indien, die er sogar noch im Jahre 2009 unternahm, observieren oder festnehmen können. (19) Michael Isikoff, Korrespondent von NBC News, berichtete am 16. Oktober darüber hinaus, dass die US-Botschaft in Islamabad nicht einmal das FBI über ihre Gespräche mit Headleys marokkanischer Ehefrau unterrichtet habe. (20)

Einen neuen interessanten Aspekt erhielt die ganze Angelegenheit seit dem 18. Oktober durch eine Fülle von Detailinformationen über die angebliche Verbindung zwischen Headley und dem pakistanischen Geheimdienst ISI. Grundlage dafür soll ein 109 Seiten langer Bericht der indischen Regierung sein, der der britischen Tageszeitung Guardian und der Nachrichtenagentur AP zugespielt wurde. (21) Der Report beschreibt die Verhöre Headleys durch ein Team der indischen National Investigation Agency (22), die vom 3. bis zum 9. Juni in einer Gesamtdauer von 34 Stunden in einem Chicagoer Gefängnis stattfanden.

Angeblich hatte der Gefangene in seinen Aussagen eine Reihe namentlich genannter aktiver und ehemaliger Offiziere des ISI schwer belastet. Auffallend und nicht einleuchtend ist, dass die indische Regierung, die sonst kaum eine Gelegenheit zur Polemik gegen Pakistan auslässt, von diesem Material bis dahin noch keinen direkten Gebrauch gemacht hatte. Indiens Nationaler Sicherheitsberater Shivshankar Menon hatte im Juli lediglich vage davon gesprochen, man habe von Headley etwas über „die Verbindungen“ pakistanischer Terrorgruppen „zum offiziellen Establishment und zu bestehenden Geheimdiensten“ erfahren. (23) Ebenfalls im Juli hatte der Staatssekretär im Innenministerium G. K. Pillai in einem langen Interview, das sich hauptsächlich um die Bekämpfung der sogenannten Naxaliten drehte, zu den Verhören Headleys gesagt: „Was wir dabei vor allem erfahren haben ist die beträchtliche Rolle, die der ISI (bei den Mumbai-Angriffen) gespielt hat. Das war nicht nur eine Rolle am Rande, sondern sie haben die Sache buchstäblich von Anfang bis Ende kontrolliert und koordiniert.“ (24) – Weder Menon noch Pillai erwähnten dabei aber Details aus den Verhören.

Wie Jason Burke am 18. Oktober im Guardian aufgrund des Regierungsberichts referierte, soll Headley unter anderem ausgesagt haben, dass er vor und nach jeder seiner indischen Erkundungsreisen in Pakistan Station gemacht habe, um einen ISI-Offizier „Major Iqbal“ zu treffen und sich entweder von ihm Instruktionen zu holen oder ihm Bericht zu erstatten. Alle Aufnahmen von möglichen Angriffszielen in Indien habe er jedes Mal auf zwei Memory-Sticks gespeichert. Einen davon habe er immer seinen Kontaktmännern von Laschkar-e-Taiba übergeben, den anderen beim ISI abgeliefert. Außer in Mumbai habe Headley auch in der Hauptstadt Delhi, in Pune (Poona) und in anderen indischen Städten mögliche Angriffsziele ausgespäht.

Die britische Times hatte schon im Februar nach einem Bombenanschlag in Poona Mutmaßungen über eine Verwicklung Headleys angestellt und behauptet, dass er die Stadt mindestens zwei Mal, zuletzt im März 2009, besucht habe. Statt einer präzisen Quelle berief sich das Londoner Blatt allerdings nur auf anonyme indische Beamte. (25) Die Times of India behauptet, ein konkret durchgeplanter Anschlag auf das National Defense College in Delhi sei im vorigen Jahr nur daran gescheitert, dass der vorgesehene pakistanische Attentäter kein Visum bekam. (26)  

Jüngstes Gerücht indischer Medien ist, dass Headley im März 2008 von „Major Iqbal“ den Auftrag erhalten habe, das Bhabha-Atomforschungszentrum (BARC) in Mumbai zu filmen. Dieses Video habe der Amerikaner, ganz entgegen der Routine, nicht an seinen Verbindungsmann von Laschkar-e-Taiba, sondern nur an den ISI übergeben. (27)

Der Wahrheitsgehalt von Headleys Aussagen gegenüber dem indischen Verhör-Team, so weit es insbesondere die Rolle des ISI angeht, ist indessen aufgrund der bisherigen Presseberichte unmöglich zu beurteilen. Erstens: Der Untersuchungsgefangene, der offenbar außerordentlich gesprächig ist (28), sagt vielleicht nicht in allen Punkten die Wahrheit. Zweitens: Ob der indische Regierungsbericht alle Aussagen korrekt wiedergibt, ist ungewiss. Drittens: Da der Bericht bisher anscheinend nirgendwo veröffentlicht ist, kann nicht unbedingt davon ausgegangen werden, dass alle Wiedergaben in den Medien zutreffend sind. Bestimmte Aussagen, die ihm jetzt unterstellt werden, kann Headley jedenfalls nicht aus eigenem Wissen abgegeben haben. So etwa, wenn es heißt, er habe „Dutzende von Treffen zwischen ISI-Offizieren und hochrangigen Mitgliedern von Laschkar-e-Taiba beschrieben“. (29)

Anmerkungen

1) „Terroristenjagd im Sauerland“, ARD, 2. März 2009. Autoren: Peter Gerhardt und Ahmet Senyurt. Dazu: Regine Naeckel: „Terroristen in Deutschland: Phantome der Geheimdienste“, Hintergrund, 10. März 2009.

2) „Geheimdienste unterwanderten früh die Sauerland-Gruppe“, Spiegel Online, 6. September 2008.

3) „Mutmaßlicher CIA-Mann war 'der Chef'“, Stern Online, 4. Februar 2009.

4) Der Sachverhalt ist allgemein bekannt und unstrittig. Dazu zum Beispiel: „Los dos cómplices clave de los autores des 11-M eran confidentes policiales“, El Mundo, 29. April 2004.

5) „34 de los 40 que el juez implica en el 11-M estaban bajo control policial“, El Mundo, 24. April 2006.

6) „4 Convicted of Attempting to Blow Up 2 Synagogues“, New York Times, 18. Oktober 2010. Ebenfalls: „NY synagogues bomb plot trial to begin“, Jerusalem Post, 22. August 2010.

7) „Mumbai terror accused retracts confession as trial opens“, Guardian, 17. April 2009.

8) „British tip off led to arrest of US Mumbai suspect David Headley“, Telegraph, 25. November 2009. Näheres zu dem „Dänemark-Komplott“: Press Release des Department of Justice der USA, Zusammenfassung der Anklage gegen Headley und einen angeblichen Komplizen, 14. Januar 2010.
http://www.justice.gov/usao/iln/pr/chicago/2010/pr0114_01.pdf

9) Presse Release des Department of Justice, siehe Anmerkung 8.

10) Presse Release des Department of Justice, siehe Anmerkung 9.

11) „US suspect in Mumbai siege, Danish plot to plead guilty“, AFP, 16. März 2010.

12) „U.S. citizen David Coleman Headley admits role in Mumbai attacks, Washington Post, 19. März 2010.

13) „Mumbai terror suspect David Headley was 'rogue US secret agent'“, Times, 17. Dezember 2009.

14) ProPublica, mit Hauptsitz in Manhattan, stellt sich auf ihrer Website vor als „an independent, non-profit newsroom that produces investigative journalism in the public interest“ mit ethischem und sozialem Anspruch. ProPublica veröffentlicht seit Juni 2008 und wurde im laufenden Jahr mit dem Pulitzer-Preis für „Investigative Reporting“ ausgezeichnet.

15) Sebastian Rotella: „FBI Was Warned Years in Advance of Mumbai Attacker's Terror Ties“, ProPublica, 15. Oktober 2010. Aktualisiert duch den selben Autor: „Scout in Mumbai attacks was DEA informant while in terror camp, authorities say“, ProPublica, 17. Oktober 2010.

16) Eine Joint Terrorism Task Force (JTTF) ist eine Arbeitsgemeinschaft mehrerer Dienststellen, zu denen in der Regel neben dem FBI unter anderem auch die Einwanderungsbehörde und der Geheimdienst Secret Service gehören.

17) Jane Perlez, Eric Schmitt und Ginger Thompson: „U.S. Had Warnings on Plotter of Mumbai Attack“, New York Times, 16. Oktober 2010.

18) Siehe Anmerkung 17.

19) Dazu beispielsweise: „FBI let Headley roam free pre-Mumbai terror attacks“, indianexpress.com, 16. Oktober 2010. „US never gave us alert on Headley: Mumbai Police“, India Today, 18. Oktober 2010. „We could have arrested David Headley if US shared name: Officials“, Daily News & Analysis, 18. Oktober 2010.

20) Sebastian Rotella: „U.S. Embassy Didn't Pass Along Tip About Headley's Ties to Mumbai Terrorists“, ProPublica, 17. Oktober 2010.

21) Jason Burke: „Mumbai spy says he worked for terrorists – then briefed Pakistan“, Guardian, 18. Oktober 2010. „India: Pakistan spies tied to Mumbai terror attacks“, AP, 19. Oktober 2010.

22) Die National Investigation Agency (NIA) ist eine indische Bundesbehörde zur Terrorismusbekämpfung, die im Jahre 2009 nach den Mumbai-Angriffen eingerichtet wurde.

23) „India's Probe of Mumbai Suspect Headley Exposed Official Role, Menon Says“, Bloomberg.com, 20. Juli 2010

24) „'The ISI controlled, coordinated 26/11 attacks from beginning to end'“, Indian Express, 17. Juli 2010.

25) „After Poona attack Indians ask again: was David Headley involved?“, Times, 15. Februar 2010.

26) „Visa denial saved Delhi from major LeT strike“, 20. Oktober 2010.

27) „Headley filmed Bhabha atomic facility for ISI“, Times of India, 22. Oktober 2010.

28) Minister Pillai sagte über die Verhöre: „Headley war sehr kooperativ. Er redete ein Menge und wir bekamen auch ein bisschen Tratsch von ihm zu hören.“ Siehe Anmerkung 24.

29) „ISI had a role in planning Mumbai attacks: Headley“, Tribune (Pakistan), 19. Oktober 2010.
 

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