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Griechenland: Flüchtlingsaufstand in Amygdaleza

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Von THOMAS EIPELDAUER, 12. August 2013 -

Amygdaleza ist ein grauenhafter Ort. In dem für 800 Menschen konzipierten Lager nahe der griechischen Hauptstadt Athen sind etwa 1700 Flüchtlinge eingepfercht, Unterbringung und Versorgung spotten jeder Beschreibung. Abgeordnete der Grünen Fraktion im EU-Parlament formulierten nach einer Besichtigung im November 2011: „Die Substandard-Bedingungen sind inakzeptable für einen EU-Mitgliedsstaat. Nicht allein sind die Zustände inhuman, unsere Gruppe sah auch Minderjährige ohne Begleitung, die dort eingesperrt waren. (…) Als wir mit irregulären Immigranten sprachen, hörten wir Beschwerden über unzureichende Kontaktmöglichkeiten zu Anwälten, unzureichende Einsicht in ihre eigenen Fälle, ungenügender Zugang zu medizinischer Versorgung, Nahrung und Waschgelegenheiten und mangelhafte Kontaktmöglichkeiten zur Familie und der Außenwelt.“ (1)

50 Verhaftete, zehn Menschen auf der Flucht

In der Nacht von vergangenem Samstag auf Sonntag begannen nun inhaftierte Flüchtlinge zu rebellieren. Unmittelbarer Anlass war offenbar die Verlängerung der möglichen Dauer der Abschiebehaft von 12 auf 18 Monate. Einige der Flüchtlinge zündeten Matratzen und Müll an, gegen die anrückende Polizei verteidigten sie sich mit Steinen und Flaschen.

Aktivisten aus Athen erklärten gegenüber Hintergrund, die Polizei sei mit Tränengas und Schlagstöcken brutal gegen die protestierenden Flüchtlinge vorgegangen, es soll mehrere Verletzte gegeben haben, in welchem Zustand sie sich befinden, ist unklar. Medienberichten zufolge sollen außerdem zehn Polizisten verletzt worden sein. 50 Flüchtlinge sollen nach dem Aufstand von der Polizei in Gewahrsam genommen worden sein. Ihnen wird jeglicher Kontakt zur Außenwelt verweigert, vorgeworfen wird ihnen schwere Körperverletzung, Fluchtversuch und Sachbeschädigung. Zehn Menschen befinden sich offenbar auf der Flucht. Acht pakistanische und zwei afghanische Flüchtlinge sind unauffindbar, die Polizei durchsucht den Großraum Athen nach den Flüchtigen.

Indessen fordert die linkssozialistische SYRIZA eine Untersuchung der Unterbringungsbedingungen in Amygdaleza und des Polizeieinsatzes. Kritik kommt außerdem von einer Reihe linker Gruppen und Menschenrechtsorganisationen. Sogar der Chef der Polizeigewerkschaft, Christos Fotopoulos, soll der griechischen Tageszeitung Kathimerini zufolge gesagt haben, die Arbeitsbedingungen für die Wärter seien inakzeptabel: „Sie zwingen uns, Menschen zu bewachen, deren Situation sogar noch schlimmer ist als die der Wärter.“ (2)

Verfehlte Flüchtlingspolitik

Amygdaleza ist ein Symbol für die verfehlte Asylpolitik nicht allein Griechenlands, sondern der gesamten Europäischen Union. Völlig überlastet mit Menschen, die vor Krieg, Hunger und Unterdrückung fliehen, setzt die griechische Regierung auf rassistische Kampagnen und Massenverhaftungen. Im Rahmen der vergangenes Jahr durchgeführten Operation „Xenios Zeus“ etwa wurden Tausende Flüchtlinge von Polizeieinheiten in einer regelrechten Menschenhatz festgenommen. (3)

Amnesty International und Human Rights Watch weisen seit langem darauf hin, dass ein transparentes und faires Asylverfahren nicht gewährleistet wird. Neben der staatlichen Verfolgung droht Migranten in Griechenland noch die Gefahr von Rechtsaußen. Die neonazistische Partei Chrysi Avgi und Schlägerbanden aus ihrem Umfeld machen Jagd auf Migranten, verletzen sie schwer, auch vor Mord schrecken sie nicht zurück.


Anmerkungen

(1)http://www.gruene-europa.de/amygdaleza-the-five-star-detention-centre-8705.html
(2)http://ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite1_1_12/08/2013_513725
(3)http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/griechenland_gigantische_saeuberungsaktion_gegen_fluechtlinge/
 

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