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Geldspritze für Finanzmärkte

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Die Europäische Zentralbank hat weitere Anti-Krisen-Maßnahmen angekündigt. Experten zweifeln an deren Wirksamkeit - 

Von REDAKTION, 17. November 2014  - 

Die Europäische Zentralbank (EZB) will erneut bis zu einer Billion Euro in das seit der Finanz- und Wirtschaftskrise schwer angeschlagene europäische Finanzsystem pumpen. Anfang November kündigte EZB-Chef Mario Draghi an, die Bilanz seines Hauses von derzeit etwa 2,05 Billionen auf drei Billionen Euro ausweiten zu wollen. Um dieses Ziel zu erreichen sei eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet worden. Geld werde Banken weiterhin zu äußerst günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt, die Zentralbank will auch direkt Wertpapiere ankaufen, der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Spekuliert wird über den Erwerb von Unternehmensanleihen, möglich wäre aber auch ein breit angelegter Kauf von Staatsanleihen.

Die Europäische Zentralbank reagiert so auf die wirtschaftlich prekäre Lage im Euro-Raum, in der kaum Investitionen stattfinden und die Nachfrage nach Krediten gering ist. Neben der ohnehin katastrophalen Lage in den durch Euro-Krise und Austeritätspolitik ruinierten Peripherieländern der Europäischen Union wie étwa Griechenland bleiben auch die Konjunkturaussichten für die wirtschaftlich starken Euro-Länder mäßig. „Die weiter eingetrübten Geschäftserwartungen und der stagnierende Auftragseingang deuten auf eine schwunglose Wirtschaftsentwicklung in Deutschland mindestens bis zum Jahresende 2014 hin“, erklärte die deutsche Bundesbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht.

„Die EZB hofft, mit dem Kauf von Kreditverbriefungen die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen anzuregen. Wenn die Banken schwer verkäufliche Kreditverbriefungen an die EZB abgeben und so ihre Bilanz entlasten können, bekommen sie Spielraum für neue Kredite“, erläuterte die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Intention der Europäischen Zentralbank.  
 
Ob all das den gewünschten Effekt haben wird, kann mit gutem Grund bezweifelt werden. Die EZB „schafft es trotz ihrer lockeren Geldpolitik nicht, die Kreditvergabe im Euroraum zu erhöhen“, schreibt der Ökonom Philip Plickert in der FAZ. Aber statt die Grenzen der Geldpolitik zu akzeptieren, donnert sie mit neuen Geldkanonen. Dabei besteht die Gefahr, dass sie zur Getriebenen der Finanzmärkte wird, die nach billigem Geld gieren wie Junkies nach der nächsten Spritze.“  Zwar führe das Kaufprogramm der EZB wahrscheinlich zu zeitweisen Kurssteigerungen an den Börsen und beschere der Finanzwelt „satte Gewinne“, doch „doch ob es die Realwirtschaft beflügelte, ist höchst zweifelhaft“. (3)

Auch nach dem Höhepunkt der Euro-Krise bildeten sich erneut Preisblasen bei Aktien, Krediten, Immobilien und sonstigen Vermögenswerten. „Die Notenbanken pumpen auch deshalb so viel Geld in die Finanzmärkte, damit die Preise nicht verfallen“, erklärt der marxistische Ökonom Lucas Zeise gegenüber Hintergrund. „Die rechte Wirtschaftspresse jammert jetzt über die Gefahr der Blasenbildung durch expansive Notenbankpolitik. Sie hätte vor Ausbruch der Krise jammern sollen. Das Preisniveau der Vermögenswerte ist ohnehin viel zu hoch. Jetzt einen Crash zuzulassen, wäre töricht. Noch einmal: die ganz 'normale' Geldpolitik vor 2007 hat zur Riesenblase geführt. Was jetzt geschieht, ist der Versuch einen löchrigen Ballon prall zu halten. Das erfordert viel Pumpen und erzielt dennoch wenig Wirkung.“


 

Anmerkungen

(mit dpa)

(1) http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ezb-chef-mario-draghi-was-bringt-die-bilanzausweitung-13258720-p2.html
(2) http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/kreditvergabe-in-europa-stockt-ezb-pumpt-weiter-geld-13260903.html

 

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