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Das große Rätsel des 11. September 2001

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WTC 7, neue Naturgesetze und eine bahnbrechende ZDF-Recherche.

Von SEBASTIAN RANGE, 10. September 2008:

Zum 7. Jahrestag der Anschläge des 11.September hat das ZDF - in Co-Produktion mit der britischen BBC - das vermeintlich „letzte Rätsel“ des 11.September gelöst. [i]

Als dieses Rätsel gilt der Einsturz des WTC 7. Das World Trade Center 7 - ein 47-stöckiges, 174 Meter hohes Gebäude – stürzte sieben Stunden nach den Zwillings-Türmen ein. Ein Novum in der Geschichte: Noch nie zuvor war ein Stahl-Hochhaus aufgrund von Bränden eingestürzt. Insbesondere die Art und Weise des Einsturzes, die rapide Geschwindigkeit und Symmetrie, legen den Verdacht nahe, dass hier auf die eine oder andere Weise nachgeholfen wurde.

Auch die Exklusivität der Mieter nährt Verschwörungs-Theorien. Das Verteidigungs-Ministerium, der Secret Service, die CIA, die Steuerbehörde IRS und die Börsenaufsichtsbehörde SEC – sie alle hatten ihre Büros in dem Haus. Außerdem beherbergte das Gebäude die New Yorker Noteinsatz-Zentrale für Katastrophen und Terror-Anschläge, das Emergency Office Center (EOC), das zu einem Bunker mit kugelsicheren Fenstern und eigener Strom- und Luftzufuhr ausgebaut worden war und dem "Office of Emergency Management" (OEM) unterstellt ist.

Immer mehr Experten sind der Überzeugung, dass die offizielle Version – der Einsturz dieses Gebäudes infolge der Brandschäden - nicht stimmen kann. Allein in den USA haben sich mittlerweile mehr als 500 Architekten und Ingenieure in der Organisation "Architects and Engineers for 911 truth" zusammengeschlossen, um die Wahrheit herauszufinden. [ii]

Die ZDF-Redaktion History will genau das nun geschafft und das "letzte" Rätsel entschlüsselt haben. Verwiesen wird dabei auf den gerade kurz zuvor veröffentlichten Bericht des National Institut for Standard and Technology (NIST). [iii]

Danach ist die Ursache für den Einsturz ein "neues Phänomen": die "Thermale Expansion". Sie erzeugt durch die Hitze der Brände eine Ausdehnung von Stahlträgern und hätte damit zum ersten Mal in der Geschichte derartiger Bauwerke zum feuerbedingten Kollaps geführt. Dass Stahl sich bei Hitze ausdehnt,  ist allgemein bekannt und wird selbstverständlich bei der Konstruktion von Gebäuden bedacht.

Die Stichhaltigkeit der NIST-These steht jedoch hier nicht auf dem Prüfstand, sondern die Frage, wie das ZDF diese These dem Publikum verkauft hat.

Zuerst einmal ist es dem Sender zugute zu halten, dass wesentliche Argumente von Anhängern einer Sprengungs-Theorie präsentiert werden. Statt der üblichen Stereotypen, die im Zusammenhang mit 9/11-Verschwörungs-Theorien verwendet werden (Elvis lebt!), kommt es zu einem Austausch der Argumente beider Seiten. Dies stellt für die Debatte sicherlich einen großen Fortschritt dar. Auch werden Verschwörungs-Theoretiker nicht – wie oft üblich – persönlich diffamiert. Doch die scheinbare Neutralität erweist sich als voreingenommen zugunsten des offiziell behaupteten Novums der „Thermalen Expansion“.

Wichtige Fakten werden den Zuschauern vorenthalten oder verdreht, an kritischen Stellen wird nicht nachgehakt und die Hintergründe wichtiger Akteure werden nicht näher beleuchtet.

Der verkehrte Zeuge

So ließ das ZDF im Gegensatz zu der Sendung der BBC gänzlich unerwähnt, warum das in der Sendung präsentierte Interview des „wichtigsten Zeugen“, Barry Jennings, so brisant ist: Jennings, ein Mitarbeiter der städtischen Hausverwaltung, berichtet darin nämlich, dass Explosionen im WTC 7 stattfanden, noch ehe die Zwillingstürme einstürzten. Nach offizieller Lesart haben aber gerade die herabstürzenden Trümmer die Schäden an Gebäude 7 verursacht.

Doch Jennings Interview wurde so zerstückelt, dass seine Aussage einen völlig anderen Sinn bekommt. Er berichtete von zwei Explosionen, die erste, als er sich im 5. Stock des WTC 7 befand, die zweite, nachdem er den 8. Stock erreichte. Das ZDF zeigt an dieser Stelle die Einstürze von dem Süd- und Nordturm und ordnet sie somit den von Jennings geschilderten Ereignissen zu.

Jennings hingegen machte in seinen Aussagen deutlich,[iv] dass sich die von ihm erlebten Explosionen vor dem Kollaps der Zwillingstürme zutrugen. Als der erste Turm einstürzte,  hatte er sich bereits den Weg zu einem Fenster auf der Südseite des Gebäudes freigekämpft. Er schlug es ein und machte Feuerwehrleute auf sich aufmerksam. Sie kamen, um ihn zu retten, mussten aber abrupt abbrechen und wegrennen – der erste Turm stürzte gerade ein. Als sie sich anschließend ein zweites Mal zu Jennings vorwagten, mussten sie wiederum die Bergung aufgeben, der zweite Turm stürzte ein.

Erst beim dritten Versuch klappte seine Rettung. Nun muss man Jennings Aussage nicht als Beweis dafür nehmen, im Gebäude seien Sprengsätze platziert gewesen. Die Möglichkeit, dass die Explosionen andere Ursachen hatten oder das er sich in deren zeitlichem Ablauf irrt, ist nicht auszuschließen. Das ZDF hingegen stellt Jennings Aussagen auf den Kopf: Eine Aussage, die im Widerspruch zur offiziellen Version steht, wird in dem Film zu deren Unterstützung zurecht geschnitten.

Kein Bunker für alle Fälle

Auch ein anderer Aspekt von Jennings Aussage wirft ein verdächtiges Licht auf die Vorgänge im WTC 7. Als er den Noteinsatz-Bunker (EOC) in der 23. Etage betrat, war zu seinem Erstaunen niemand vor Ort. Er bekam einen Anruf mit der Order, sofort das Gebäude zu verlassen.

Strittig ist, wann genau das EOC geräumt wurde. Eines aber ist klar: Je früher die Evakuierung des EOC stattfand, desto früher lassen sich auch die von Jennings erlebten Explosionen verorten.

Richard Rotanz, Deputy Director des „Office of Emergency Management“ (OEM) behauptet, die EOC-Zentrale sei erst komplett nach der Attacke auf das Pentagon um 9.44 Uhr evakuiert worden. Auch NIST gibt diese Zeit an.[v] Nach dieser „Timeline“ hätte Jennings ein leeres EOC erst kurz vor dem Einsturz des Südturms um 9.59 Uhr antreffen können. Die von ihm geschilderten Explosionen ließen sich unter diesen Umständen mit den Einstürzen der Twin Tower verknüpfen. Doch die nähere Untersuchung ergibt, dass das EOC wesentlich früher geräumt wurde.

Bereits nach dem ersten Flugzeug-Einschlag ins World Trade Center begann die Evakuierung von WTC 7.  Zwar verließen viele Menschen spontan das Gebäude, doch es war der Secret Service, der die sofortige Räumung in die Hand nahm.[vi] Beim Einschlag des zweiten Flugzeugs war die Evakuierung von WTC 7 beinahe abgeschlossen, nur das EOC im 23. Stockwerk war noch besetzt.[vii] Obwohl das EOC für den Rettungseinsatz im Grunde unverzichtbar war und als wichtigste Stelle zur Koordinierung der verschiedenen Behörden diente, wurde es frühzeitig - zwischen 9.15 und 9.30 Uhr Ortszeit - geräumt, lange bevor die Türme einstürzten.[viii]

Warum wurde die Zentrale für das Krisenmanagement genau in dem Moment geräumt, wo sie am meisten gebraucht wurde? Interessanterweise wurden die eigentlichen Entscheidungsträger vor vollendete Tatsachen gestellt:

Als Bürgermeister Rudolph Giuliani kurz nach dem zweiten Flugzeug-Einschlag vor dem WTC 7 ankam, wurde er schon auf der Strasse von Police Commissioner Bernie Kerik empfangen. Kerik hatte entschieden, dass es zu gefährlich gewesen sei, den Bürgermeister hinauf in die Kommandozentrale zu bringen“. [ix]

Stattdessen wurde ein Kommandoposten auf der Straße errichtet, inmitten all der Panik und Hektik. Giuliani wurde nicht in die Entscheidung einbezogen, das EOC als Kommandoposten im WTC 7 zu räumen. Interessant ist, dass Kerik später vor der 9/11-Commission den Eindruck zu erwecken versuchte, diese Entscheidung sei gemeinsam mit Giuliani gefallen.[x]

Auch Fire Commissioner Van Essen suchte vergeblich nach Verantwortlichen im WTC 7. Stattdessen wurde er von einer Wache in der Lobby angehalten und bekam den Befehl, zusammen mit seinem Stab das Gebäude zu verlassen. „Dieses Gebäude wurde evakuiert. OEM, der Bürgermeister, sie sind alle gegangen“, bekam Van Essen noch zu hören und sagte später aus, dass er sich dachte: „Wie lächerlich, da haben wir eine 13 Millionen teure Kommando-Zentrale und können sie nicht mal nutzen.“ [xi]

Doch warum wurde das EOC so frühzeitig aufgegeben? Die räumliche Nähe zu den Attacken scheint nicht plausibel. Die zu einem „Bunker“ ausgebaute OEM-Zentrale im WTC 7 wäre sicherer gewesen, als irgendein spontan errichteter Posten auf der Straße. Niemand hätte zu diesem Zeitpunkt wissen können, ob Al-Qaida - wie schon 1993 - nicht auch mit Autobomben oder anderen Mitteln angreift, z.B. Bio-Waffen. Der Bunker mit seiner eigenen Luftversorgung war genau für solche Szenarien vorgesehen. Eine großangelegte Bio-Terror-Übung namens Tripod war für den folgenden Tag im WTC 7 geplant. Am Morgen des 11.September sollte dazu im EOC eine Besprechung abgehalten werden. Niemand konnte zum Zeitpunkt der Räumung wissen, dass die Bedrohung an diesem Tag einzig in Form einstürzender Boeings stattfinden würde.

Auch OEM-Chef Sheirer hatte nicht die Entscheidung getroffen, das EOC zu räumen. Laut 9/11-Commission Report wurde der Befehl zur Räumung erst nach einer Anweisung durch einen Secret Service Agenten gegeben, der auf ein weiteres entführtes Flugzeug hinwies.[xii] Wenn der Verblieb in Gebäuden für zu riskant erachtet wurde, warum wurde dann nicht auch sofort der Feuerwehr und anderen Einsatzkräften der Befehl gegeben, aus den brennenden Türmen abzuziehen?

Selbst die 9/11 Commission und NIST kritisierten die Nicht-Nutzung des EOC, ohne jedoch der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. NIST bilanzierte, die Räumung hatte einen „negativen Einfluss auf effektive Maßnahmen auf höchster Kommando-Ebene. Der Verlust von verschiedenstem wichtigen Personal und des Krisenzentrums störte ernsthaft die Notfall-Maßnahmen am WTC.“[xiii]

John Farmer, ehemaliger Staatsanwalt von New Jersey, leitete die 9/11 Commission Untersuchungsgruppe zur städtischen Krisenreaktion: „Wir versuchten zu verstehen, was (OEM-Chef) Sheirer wirklich gemacht hat. Wir haben versucht, es anhand der Video-Aufnahmen herauszufinden. Wir können es nicht sagen. Alle vom OEM waren mit ihm unterwegs, praktisch die ganze Befehlskette. Irgendwer von denen hätte in der Kommando-Zentrale sein sollen.“ [xiv]

Zusammengefasst: Der Secret Service veranlasste die sofortige Räumung des Gebäudes und schließlich auch des EOC. Dessen Räumung fand früher statt, als in der ZDF-Sendung behauptet. Genau dieser Sachverhalt stützt Jennings Aussage, dass die Explosionen im Gebäude bereits vor dem Einsturz der Türme stattfanden.

ZDF-History stellt aber nicht nur Jennings Aussage komplett falsch dar. Um die Widersprüche des aktuellen NIST-Reports gar nicht erst entwirren zu müssen, werden kurzerhand alle verdächtigen Aspekte der Evakuierung des EOC dem Publikum vorenthalten.

Mark Loizeaux - Kronzeuge der offiziellen Version

Die Parteilichkeit der ZDF-Sendung wird auch durch deren tendenziösen Sprachgebrauch deutlich: Z.B. haben die „Macher“ von Loose Change einen „Sprengmeister“ „aufgetrieben“. Gemeint ist  Daniel Jowenko,  führender Experte auf seinem Gebiet in den Niederlanden.

Sein Eintreten für die Spreng-These wird vom ZDF gekontert: „Doch nicht alle Abriss-Profis sehen das so.“ Trotz des verwendeten Plurals wird aber nur einer präsentiert: Mark Loizeaux, „Experte wie kaum ein Zweiter“ und Chef des Familien-Unternehmens Controlled Demolition Inc. (CDI).

Auf der Webseite der CDI ist zu lesen: „Controlled Demolition Incorporated (CDI) verfügt über die angemessene Erfahrung und Expertise, um dem Verteidigungsministerium bei Abriss-Projekten sensibler Objekte behilflich zu sein. (...) Durch die Unterstützung unseres internationalen Netzwerks (...) kann CDI schnell auf verteidigungsbezogene Anfragen reagieren. CDI hat die nötigen Genehmigungen und die nötige interne Kontrolle, um Regierungsbehörden bei ihren Untersuchungen zu unterstützen, die das Sammeln von kriminalistischen Beweisen beinhalten.“ [xv]

Nicht nur diese Nähe zur US-Regierung und die damit einhergehende Abhängigkeit von deren Aufträgen lässt Loizeaux nicht als unbefangenen, neutralen Experten erscheinen. Dass Loizeauxs Firma behilflich war, die Trümmer des World Trade Center und damit auch die Beweise zu beseitigen, trägt nicht zu dessen Glaubwürdigkeit bei.

Seine Glaubhaftigkeit wird allerdings vollends erschüttert, wenn man die in der Sendung gemachten Aussagen unter die Lupe nimmt. So führte Loizeaux als Argument gegen eine Sprengung die Tatsache ins Feld, dass die Fenster der an das Gebäude 7 angrenzenden Häuser nicht zerstört waren. Das sei laut Loizeaux bei einer Sprengung unmöglich. Doch im gleichen Atemzug erwähnt er die von seiner Firma durchgeführte Sprengung des Hudson-Gebäudes in Detroit im Oktober 1998. Genau mit diesem Beispiel versucht Loizeaux zu zeigen, wie kompliziert eine solche Sprengung ist und welch umfassender Vorbereitung es dazu bedarf. Damit will er das Argument gegen die Spreng-These schlechthin liefern: Wie hätten solch umfassende Vorbereitungen im WTC 7 unbemerkt durchgeführt werden können?

Verschwiegen hat Loizeaux allerdings die Tatsache, dass die Kompliziertheit der Sprengung des Hudson-Gebäudes auch dem Anliegen geschuldet war, den umliegenden Häusern und deren historischen alten Fenstern keinen Schaden zuzufügen.

Dies hatte auch im Wesentlichen geklappt und damit Loizeauxs Firma vor möglichen Schadensersatz-Ansprüchen bewahrt. Genauso lässt es sich auf der firmen-eigenen Webseite nachlesen. Leider hat sich ZDF-History diese Mühe nicht gemacht. [xvi]

Wenn Mark Loizeaux in der Lage ist, Gebäude zu sprengen, ohne die Fenster der umliegenden Häuser zu zerstören, warum behauptet er dann, dass zerbrochene Fenster ein unbedingtes Merkmal von Sprengungen seien?

Bemerkenswert sind auch Loizeauxs Aussagen zu Thermite (dt: Thermit). Er hält es für unmöglich, dass man alle Säulen gleichzeitig mit Thermite durchtrennen könne. Wenn er die zeitgleiche Durchtrennung der Stahl-Säulen als Voraussetzung des Einsturzes ansieht, wie sollen dann zufällig verteilte Feuer etwas geschafft haben, was der gezielt platzierte Einsatz von Thermite nicht schaffen kann? Loizeaux behauptet, dass es keine auf Thermite basierenden Materialien und Technologien gibt, die zu Abriss-Zwecken verwendet werden. Im ZDF betont der Sprengexperte, er müsse das schließlich wissen und alle anderen Behauptungen seien im „Fantasieland“ anzusiedeln. Auch hier täuscht Loizeaux wieder das Publikum: Patente für Thermite-basierte Trennladungen wurden in den USA schon vor dem 11.September 2001 eingereicht. Dabei wurde insbesondere auf ihre Vorteile Bezug genommen – sie sind leise und erzeugen keine Schockwelle.[xvii]

Thermite wurde auch bereits zur Sprengstoff-Variante weiterentwickelt, dem sogenannten Nanothermite. Besonders pikant: Mitarbeiter des NIST waren an der Erforschung und Entwicklung dieses modernen Sprengstoffs beteiligt.[xviii] Dessen Existenz wird von den Verantwortlichen der Sendung schlicht geleugnet.[xix]

Das möglicherweise Thermite – oder eine Variante davon – für den Abriss verwendet wurde, scheint nicht nur eine von Verschwörungs-Theoretikern herbeigeholte Hypothese zu sein, um das Fehlen von Explosions-Geräuschen oder zerbrochenen Fenstern zu erklären.

Tatsächlich ließen sich im WTC-Staub Signaturen oder „Fingerabdrücke“, wie Professor Steven Jones es in der Sendung ausdrückt, von Thermite finden. Das ZDF wischt die Präsenz von Thermite mit dem Hinweis vom Tisch, diese Rückstände könnten das Ergebnis von Schneidbrennern sein, die bei den Aufräumarbeiten zum Einsatz kamen. Im Gegensatz zur BBC unterschlägt ZDF-History allerdings, dass Jones Thermite-Signaturen auch in Staubproben entdeckte, die zwanzig Minuten nach dem Einsturz der Türme genommen wurden - lange vor den Schneidbrenner-Arbeiten.

Loizeaux führt ein weiteres Argument gegen eine Sprengung ins Feld: Sie würde eindeutige Spuren hinterlassen, die jedoch im Fall des WTC nicht gefunden wurden. Gemeint sind die Zündkapseln, die er in die Kamera hält, ca. 10 cm lange, dünne Metallröhrchen. Dass nun inmitten all der Tausenden Tonnen von Schutt die Überreste solch dünner Metallröhrchen gefunden werden sollten, legt das ZDF mit der Formulierung nahe,  die Aufräumarbeiter hätten „jeden Zentimeter durchkämmt“.

Zur Unterstützung dieser gewagten Theorie wird Gene Corley herbeizitiert. Corley leitete die Untersuchung durch die FEMA (Katastrophenschutz-Behörde), die die Aufgabe hatte, Trümmer des WTC für die weitere Untersuchung zu sichern. Corley's Aussage, es sei dabei gezielt nach Spuren für eine Sprengung gesucht worden, ist eine glatte Lüge. Weder wurden Aufräumarbeiter oder Mitarbeiter der FEMA angehalten, gezielt nach Überresten von Zündkapseln zu suchen, noch wurden die für die Untersuchung gesicherten Bauteile auf Sprengstoff-Spuren untersucht - wie NIST selbst einräumt. [xx]

In einem Interview mit „No Lies Radio“ bestätigte Shyam Sunder, der die NIST-Untersuchung leitete, dass es sich nicht um eine „kriminalistische“ Untersuchung gehandelt habe.[xxi]

Bemerkenswerterweise gehörten Loizeaux und Corley zu den wenigen Experten, die den Einsturz der Türme voraussagten. [xxii]

Voller Zugang zu verschwundenen Beweisen?

Das ZDF täuscht darüber hinaus das Publikum, wenn es sagt, dass das Untersuchungs-Team der FEMA unmittelbar nach dem Einsturz der Gebäude Zugang zum Ort des Geschehens hatte. Hier war man wohl den Aussagen Corleys aufgesessen, der schon vor dem Science Committee of the House of Representatives davon sprach, sein Team habe „vollen Zugang“ gehabt. [xxiii]

In der Realität beschränkte sich der „volle Zugang“ auf einige Sight-Seeing-Touren, welche im Zeitraum vom 7. bis 12. Oktober 2001 stattfanden – also fast einen Monat nach den Anschlägen.[xxiv] Zu diesem „unmittelbaren“ Zeitpunkt waren bereits über 100.000 Tonnen Trümmer beseitigt worden.[xxv]

Direkt von Ground Zero wurden nur sage und schreibe sieben Stahlteile für die weitere Untersuchung gesichert, aber nicht von dem zuständigen FEMA-Team, sondern von einer Gruppe Freiwilliger der Structural Engineers Association of New York. [xxvi]

Die restlichen Stahlteile wurden auf den Schrotthalden gesichert, zusammen mit denen von Ground Zero insgesamt 156 Stück.

Das House of Representatives kam bezüglich der Anstrengungen der FEMA zu einem vernichtenden Urteil:  Die Untersuchung habe keine ausreichenden Befugnisse gehabt und sei außerdem zu spät begonnen worden, wichtige Beweismittel seien verloren gegangen, Mitglieder der Untersuchung mussten Verschwiegenheits-Verpflichtungen unterschreiben. Dokumente wie z.B. die Blaupausen der Gebäude wurden ihnen vorenthalten, sie hätten keine ausreichende Mittel gehabt, um zu untersuchen, warum die Gebäude einstürzten. [xxvii]

Die Ergebnisse dieser Untersuchung kann man in den 2002 veröffentlichen FEMA-WTC-Berichten nachlesen.[xxviii] Vor allem der Bericht zu WTC 7 hat es in sich. So behauptet die FEMA darin, dass Brände, selbst wenn sie durch tausende Liter Öl der im Gebäude befindlichen Tanks genährt worden wären, nur eine „geringe Wahrscheinlichkeit“ haben, als Ursache für den Einsturz in Frage zu kommen. [xxix]

In dem Bericht ist ebenfalls nachzulesen, was die New York Times als das „größte Mysterium“ der Untersuchung bezeichnete: An einem Stahlbauteil aus Gebäude 7 wurde ein Phänomen entdeckt, welches noch nie zuvor bei einem Brand beobachtet wurde: „Eutektische Reaktionen verursachten eine intergranulare[xxx] Schmelzung, die solide Stahlträger in Schweizer Käse verwandelte“.[xxxi]

Dabei wurden mindestens Temperaturen von 1000 Grad Celsius erreicht – weit über dem von NIST als Maximum (600°C) angegebenen Wert.  Auch wurden Spuren von Schwefel („Sulfidation“) entdeckt. Schwefel lässt sich Thermite hinzufügen und sorgt dafür, dass die Schmelztemperatur des Stahls herabgesetzt wird, in diesem Fall von ca. 1500°C auf eben jene 1000°C.

FEMA schließt die Möglichkeit nicht aus, dass das „Phänomen vor dem Kollaps begann und die Schwächung des Stahls beschleunigte.“ Eine weitere, detaillierte Untersuchung dieses „sehr ungewöhnlichen“ Sachverhalts wird als notwendig erachtet.[xxxii]

Doch wie wir bereits wissen, behauptet NIST, dass keine Trümmer von WTC 7 für die Untersuchung zur Verfügung standen.[xxxiii] NIST selbst hatte keinerlei Material für die Untersuchung gesichert, sondern wurde mit den Exemplaren der FEMA versorgt. Von den oben schon genannten 156 Teilen wurden im Mai 2002 41 Teile an NIST übergeben.[xxxiv] Laut FEMA wurden nicht sämtliche 156 Teile aufbewahrt und an NIST weitergereicht, weil „einige Teile nicht relevant waren, um die Gebäude-Schäden zu verstehen“.[xxxv]

Man muss kein Verschwörungs-Theoretiker sein, um anzunehmen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden dieser Stahlteile – den einzigen von Gebäude 7 – und dem von ihnen offenbarten „größten Mysterium“ gibt. Sie lassen die Thermite-Theorie nicht mehr als bloßes Hirngespinst erscheinen. Das NIST sie nicht, wie von der FEMA gefordert, einer weiteren Untersuchung unterzog, wirft ein bezeichnendes Licht auf die wissenschaftlichen Standards - oder besser gesagt: Nicht-Standards - die bei dem Institut vorherrschen.

Ein Licht wirft es auch auf die Standards, die bei der ZDF-Sendung vorherrschen. Zwar wird erwähnt, dass der gesamte Stahl von Gebäude 7 eingeschmolzen wurde - aber warum und von wem? Dieser brisanten Frage wird nicht weiter nachgegangen. Der "Schweizer-Käse-Effekt" wird dabei ganz unterschlagen.

Das große Aufräumen

Was Gebäude 7 angeht, so wurde auf alle Standards verzichtet: „Normalerweise, wenn man einen strukturellen Fehler hat, durchsucht man behutsam das Trümmerfeld nach jedem Stück – fotografiert jeden Träger und jeden Pfeiler wo sie sind, hebt sie vorsichtig auf und sieht sich jedes Element an. Im Fall von Gebäude 7 konnten („unable“) wir das nicht tun“, erklärte Prof. Jonathan Barnett, der auch an der WTC-Untersuchung teilnahm.[xxxvi]

Kein Zugang für die Ermittler und alle Überreste zerstört: das ist die Bilanz für WTC 7.

Wie konnte es überhaupt passieren, dass all diese Beweismittel zerstört wurden, und wer war dafür verantwortlich? Fragen, die das ZDF nicht stellt.

Dabei sind die Antworten so grotesk, dass man sie in einer Dokumentation würdigen muss: Mike Burton und Kenneth Holden, ihres Zeichens Chefs des „obskuren“[xxxvii], erst Jahre zuvor gegründeten Department of Design and Construction (DDC), betraten am 11.September die Szenerie und „taten, was getan werden musste“: „Wir waren da, niemand sagte ‚nein’, also machten wir weiter“, erklärte Holden.[xxxviii] Gemeint ist der Abtransport („clean up“) der Trümmer. Noch am Nachmittag wurde das gesamte Gelände in vier Quadranten aufgeteilt, wobei WTC 7 als eine „stand-alone“ Operation deklariert wurde.[xxxix] Burton rief  Richard Tomasetti an, Präsident der Thornton-Tomasetti Group Inc., die fortan die Hauptrolle in der praktischen Umsetzung der Beseitigung spielte. Neben Loizeauxs Conrolled Demolition Inc. war auch die britische AMEC beteiligt. Und das, obwohl gegen deren US-Filiale gerade ein Verfahren wegen Beteiligung an Regierungskorruption lief.

Darüber hinaus berichtete die New York Daily News: „AMEC heuerte Big Apple Wrecking an, dessen Eigentümer, Harold Greenberg, ist mutmaßlich mit der Mafia assoziiert. Seine Firma wurde von Regierungs-Aufträgen ausgeschlossen aufgrund seiner Verurteilungen wegen illegaler Absprachen bei Ausschreibungen und der Verschwörung zur Bestechung.“ [xl]

Auch zum zweiten 9/11-Tatort hat AMEC eine wichtige Beziehung. AMEC war verantwortlich für die Sicherheits-Renovierung genau jener Pentagon-Sektion, in die Flug 77 seine Flügel bohrte. AMEC-Mitarbeiter kamen dabei nicht zu Schaden – die jahrelange Renovierung war gerade fertig gestellt worden. Allein für den Wiederaufbau des zerstörten Pentagon-Flügels bekam AMEC einen Auftrag in Höhe von 520 Millionen US-Dollar. [xli]AMEC profitierte auch indirekt von 9/11 und dem anschließenden „War on Terror“: als einer der größten britischen „Contractors“ im Irak-Krieg.

Zurück zu Ground Zero. Es ist kaum zu glauben, wie unbekümmert Burton und Holden ans Werk gingen – doch sie handelten schließlich außerhalb ihres Verantwortungsbereiches. Die New Yoker Katastrophen-Pläne sahen vor, dass das Department of Sanitation für die Beseitigung von Trümmern zuständig ist.[xlii] Bei Ground Zero handelte es sich um die größte „Crime-Scene“ der US-Geschichte, und Burton konnte dort einfach hineinspazieren und Beweise abschleppen lassen, ohne sich jemals mit dem FBI und anderen Stellen ausgetauscht zu haben bzw. jemals auch nur daran gedacht zu haben?

Abgesehen davon, dass es sich hier um Beweismittel in einem Verbrechen handelt, ist alleine aus ingenieur-technischer Sicht die Entsorgung der Trümmer – besonders im Fall von WTC 7 – unverantwortlich. Diese Einschätzung wird Burton sicherlich nicht teilen: „Wir wissen, warum sie fielen“, sagte er. „Weil zwei Flugzeuge in die Türme flogen“. [xliii]

Zur rapiden Entsorgung der Trümmer wurde auch Gene Corley vor dem „Committee on Science - House of Representatives“ befragt: „Haben Sie oder FEMA (...) der Stadt New York gesagt, sie solle die Entsorgung des Materials einstellen?“ Corley: „(...)Ich habe kein Wissen darüber, dass irgendjemand die Autorität hatte, auch nur nach einer Einstellung zu fragen“.

Der Komitee-Vorsitzende Joseph Crowley fasste Corleys Bericht zusammen: „Also hat niemand höflich darum gebeten, mit dem Verkauf dessen aufzuhören, was aller Wahrscheinlichkeit nach Beweismittel sind? (...) Ich glaube für Verschwörungs-Theoretiker wird das ein großer Tag sein. Dagegen sieht die Warren-Commission wie ein Spaziergang aus“. [xliv]

Der Stoff aus dem Verschwörungs-Theorien sind

Bis zum 11. September 2001 war der Anschlag vom 19. April 1995 auf das FBI-Gebäude in Oklahoma City - auch Murrah Federal Building genannt – die bis dato größte Terroraktion in den USA. Auch um den Oklahoma-Anschlag ranken sich Verschwörungs-Theorien. Nicht ohne Grund: So ist bis heute noch die Identität von „John Doe“ unbekannt, jenem Mann, der von Dutzenden Zeugen als Beifahrer des Lasters beschrieben wurde, den Timothy McVeigh vor dem Gebäude hochgehen ließ. [xlv]

Video-Aufzeichnungen der Security-Kameras, auf denen der Mann zu sehen sein müsste, werden bis heute unter Verschluss gehalten. Auch gab es Live-Medienberichte über Sprengsätze, die im Gebäude gefunden wurden und von Experten entschärft und geräumt werden mussten.[xlvi] Die Rettungsmaßnahmen mussten mehrmals unterbrochen werden. Waren das alles nur Fehlinformationen, der Hektik der Ereignisse geschuldet?

Nein, vielmehr bestätigen die Aussagen der FEMA, der Feuerwehr, anderer Behörden und Personen die Medienberichte.[xlvii] Bomben im Innern des Gebäudes würden diesen Anschlag im wahrsten Sinne des Wortes zu einem „Inside-Job“ machen.

Der Sprengstoff-Experte General Benton K. Partin erstellte eine Analyse, die zu dem Schluss kam, dass Sprengsätze im Gebäude platziert waren. Seine Analyse wurde dem Kongress vorgelegt und ist in den Kongress-Aufzeichnungen dokumentiert. [xlviii]

Was hat das aber mit dem WTC zu tun? Nun, die personelle Verbindung ist verblüffend.

Wer entsorgte die Trümmer des Gebäudes in Oklahoma City? Controlled Demolition Inc.!

Wer war der Leiter des offiziellen Reports? Kein anderer als der Leiter der WTC-Untersuchung durch die FEMA, Gene Corley! Sein damaliger Bericht kam – wen wundert’s – zu einem ganz anderen Schluss als die Analyse von General Partin.[xlix]

Auch die drei Co-Autoren des Berichts über die Schäden am Murrah Federal Building sind den 9/11-Kennern nicht neu: Paul Mlakar leitete die Untersuchung zu den Ereignissen des 11.9. am Pentagon. Mit Mete Sozen und Charles Thornton waren zwei weitere Personen beteiligt, die zu den WTC-Ermittlern des NIST gehörten. Thornton gehört zu der oben schon erwähnten Thornton-Tomasseti-Group, welche hauptverantwortlich für die Vernichtung der WTC-Überreste war. Genauso wie der „Zar“[l] der Beweisvernichtung, Mike Burton, sah auch Thornton keinen Grund für eine gründlichere Untersuchung. „Karl, wir alle wissen, was den Einsturz verursacht hat.“ Er sprach zu Karl Koch, dessen Firma Karl Koch Erecting Co. die Türme errichtet hatte. „Das Feuer brannte bis der Stahl schwach wurde, die Etagen kollabierten und setzten eine Kettenreaktion in Gang“, so erklärte Koch später Thornton's Aussage.[li]

Genaugenommen gibt Thornton als Mitglied des NIST-Berater-Komitees damit zu, dass sich die Verantwortlichen („wir alle“) der Untersuchung schon vor der Prüfung auf eine Ursache festgelegt hatten: durch Brände geschwächter Stahl.

Offen bleibt die Frage, warum in einem Land, dass auf Expertisen von über einer Million Ingenieure zurückgreifen könnte, immer dieselbe Handvoll auserwählt ist, wenn es um Terrorakte geht. Gene Corley leitete auch die Untersuchung in Waco, wo sich 1993 Staat und Mitglieder einer religiösen Sekte ein tödliches Gefecht lieferten.[lii] Es muss wohl nicht extra betont werden, dass auch hier die Verschwörungs-Theorien zahlreich sind.

Viel Rauch um nichts

Um die Sprengungsthese zu widerlegen, präsentiert das ZDF Filmaufnahmen der Südseite des Gebäudes, dort, wo es von herabfallenden Trümmern der Zwillings-Türme getroffen wurde. Doch diese Aufnahmen sind nicht neu, wie suggeriert wird. Die vorhandenen Schäden – und hier sind sich NIST und deren Kritiker einig – hatten mit dem Kollaps selbst nichts zu tun. Laut NIST wäre auch ein völlig intaktes WTC 7 in sich zusammen gestürzt.

Geradewegs irreführend ist die Darstellung und Argumentationsweise des ZDF in Bezug auf den Rauch. Tatsächlich sind massive Rauchwolken auf der Südseite zu sehen. Das ZDF unterschlägt aber im Gegensatz zu den Kollegen der BBC, dass sich in die Rauchwolke auch der Rauch aus den benachbarten, lichterloh brennenden Gebäuden WTC 5 und 6 mischt. Gegen die Brände in WTC 5 und 6 ging die Feuerwehr mit mehreren Löschzügen vor. Wassermangel kann also nicht vorgelegen haben, wie im Fall der unterlassenen Löschmaßnahmen beim WTC 7 von Feuerwehr-Chef Nigro behauptet wird.

Das ZDF leugnet diese Tatsache nicht und erklärt, woher das Wasser kommt: Es wurde mittels  Löschbooten aus dem Fluss gepumpt. Unerwähnt bleibt aber die Kapazität: Allein das Löschboot „John J. Harvey“ konnte 16-20,000 Gallonen Wasser pro Minute pumpen.[liii] Dies entspricht in etwa 15 Löschzügen und stellt ein Vielfaches der in Gebäude 7 vorhandenen Sprinkler-Kapazität dar.[liv] „Laut Interviews mit Feuerwehr-Leuten war Wasser für WTC 7 nie ein Thema, da mit Löscharbeiten gar nicht erst begonnen wurde“, erklärt sogar der NIST-Bericht.[lv]

Zurück zum Rauch. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass dieselben Aufnahmen, die ZDF-History als Argument gegen eine Sprengung benutzt, von den Anhängern der Abriss-Theorie schon seit Monaten zur Untermauerung ihrer These herangezogen werden. Die vielen „Propaganda-Videos“ im Internet bestätigen das.[lvi] Denn tatsächlich lässt sich in den Aufnahmen Rauch, aber nirgends Feuer ausmachen. Auf der ganzen Südseite ist zum Zeitpunkt der Aufnahme kein Brand mehr zu erkennen – das von Rotanz beschriebene „Inferno“ muss vorher gewütet haben. Überhaupt lässt sich auf keiner Aufnahme des Einsturzes irgendwo ein Feuer ausfindig machen.

Handelt es sich hierbei um ein ganz neues Phänomen, wonach nicht Feuer, sondern Rauch das Gebäude zu Fall brachte? Im ZDF-Filmkommentar wird gesagt, diese Aufnahmen zeigen, „wie stark die Feuer wirklich waren“. Scheinbar wird darauf spekuliert, dass die Zuschauer den Unterschied zwischen Rauch und Feuer nicht bemerken und so der Irreführung folgen.

NIST simuliert

Nach der Ausstrahlung zeichnete Christian Röckerath - gemeinsam mit Mike Rudin von der BBC Autor der Dokumentation – in einem Chat wie erwartet ein positives Bild des NIST: „NIST ist eine staatliche Behörde, die aber nicht politisch geführt wird und sehr auf ihre Unabhängigkeit pocht“.

So unabhängig wie eine Behörde nur sein kann, deren Direktoren direkt von Präsident Bush ernannt werden. Auf der NIST-Webseite liest sich die Beziehung zur US-Regierung so:

„Ist  NIST involviert in andere Aktivitäten des Heimat-Schutzes?

NIST hat eine lange und produktive Geschichte der Unterstützung der nationalen Sicherheit. NISTs Messungen und Standards stellen eine wichtige Unterstützung für die Entwicklung von Radar, Nuklear-Waffen, Flug-Instrumenten und anderen Schlüsseltechnologien dar, die den Vereinigten Staaten halfen, vergangene Konflikte erfolgreich zu bestehen. Jetzt stellt NIST Unterstützung für Technologien bereit, die helfen sollen, den Krieg gegen den Terror zu gewinnen und unser Heimatland zu verteidigen.“[lvii]

Das pochen auf Unabhängigkeit ist hier nur schwer heraus zu hören. Da NIST keine Trümmer untersuchen konnte, wurde auf Computer-Simulationen zurückgegriffen. Allerdings lassen sich trotz des Zugangs zur Software (http://code.google.com/p/fds-smv/ ) diese Simulationen keiner unabhängigen Prüfung unterziehen, da die verwendeten Daten nicht öffentlich sind. Selbst dann wäre es unmöglich, die Simulation nachzuvollziehen, da ein Netz aus Supercomputern mehrere Monate daran rechnete.  Dazu befragt, antwortete Röckerath im Chat: „Die Software können wir nicht selbst beurteilen. Wir sagen lediglich, dass so der offizielle Beweis aussieht. Allerdings habe ich das Dr. Sunder auch gefragt und er sagte, dass diese Software ein sehr aufwändiger Standard ist, die auch in der Vergangenheit in zahlreichen Fällen benutzt worden ist. Aber, wie gesagt, es ist nicht an uns, das zu beurteilen.“

Kurz: Wir müssen die Regierungs-Behörde beim Wort nehmen. Zwar sagt Röckerath, er könne die Software nicht beurteilen, doch im Film hört sich das ganz anders an. Dort wird sie gepriesen, jedes Detail habe sie erfasst, buchstäblich jede Schraube. Und sie basiere auf hunderten Aussagen und Videos, decke sich also mit empirisch erfassten Daten. Wenn man aber NIST nicht blind vertraut und sozusagen das Kleingedruckte im neuen NIST-Bericht liest, ergibt sich ein anderes Bild.

Laut der offiziellen Version wütete der Brand hauptsächlich in der 12. Etage. Dieses Feuer führte dazu, dass sich die Verstrebungen zwischen Pfeiler 79 und 44 in der 13. Etage lösten. Dies löste den Kollaps aus, in dessen Folge zuerst Pfeiler 79 nachgab und anschließend über eine Reaktionskette das gesamte Gebäude zusammenbrach. Hier sei angemerkt, dass NIST in seinem neuen Bericht davon ausgeht, das Versagen nur eines Pfeilers habe das gesamte Gebäude zu Fall gebracht. Zu Fall gebracht ist damit allerdings auch der Einwand, eine Sprengung sei viel zu aufwändig und könne nicht unbemerkt von Statten gehen. Offensichtlich würde laut  NIST schon die Sabotage an einem einzigen Pfeiler dazu ausreichen.

Laut der NIST-Feuer-Simulation ist um 4.00 Uhr nachmittags die komplette Nordseite von Etage 12 in Flammen eingehüllt, die Brände dauern etwas nachlassend bis zum Einsturz um 5.20 Uhr an. Doch im selben Report zeigt NIST ein Foto, entstanden kurz vor 4.00 Uhr.[lviii] Man erkennt, dass schon ca. eineinhalb Stunden vor dem Kollaps die Etage ausgebrannt war.  Flammen sind nur vereinzelt an der West-Seite auszumachen und nicht an der Ost-Seite, wo Pfeiler 79 steht, der sich laut NIST-Simulation um diese Zeit mitten in einem fast 1000 Grad Celsius heißen Brandherd befindet. Die Fenster-Reihe in Etage 12 ist fast komplett zerbrochen, dennoch steigt wenig Rauch hervor.

Handelt es sich hierbei um ein weiteres neues Phänomen, wonach Stahlträger der Hitze eines Feuers standhalten können, aber dem daran anschließenden Abkühlungsprozess nicht?

Die Hochofen-Theorie

Im Dezember 2007 erklärte NIST, dass in jeder einzelnen Region des WTC 7 das Brandmaterial für ein ca. 20-minütiges Feuer ausreichte.[lix]

Die Brände hatten also nach ca. 20 Minuten ihren jeweiligen Höhepunkt und erloschen dann bzw. wanderten weiter in Zonen, wo noch Brandmaterial zur Verfügung stand. Der Stahl im Gebäude hatte einen dreistündigen Brandschutz. 

Was passiert wenn ein 20-minütiges Feuer auf Stahl trifft, der einen solchen Brandschutz aufweist? Nicht viel, laut Studien würde der Stahl gerade einmal die Temperatur von 200 Grad Celsius erreichen.[lx]  Und diese Daten basieren nicht auf Computer-Simulationen.

Doch laut dem Untersuchungsleiter der NIST, Shyam Sunder, würde nach dem Ausbrennen des Materials keine wesentliche Abkühlung einsetzen, da die Hitze nicht entweichen könne.

Ähnlich äußerte sich auch Christian Röckerath: „Allerdings konnte der Stahl auch nicht mehr abkühlen, weil sich das Gebäudeinnere insgesamt weiter aufgeheizt hat. Der entscheidende Punkt war die Dauer dieser 400 Grad auf dem Stahl.“

Dieses Rätsel, wie sich das Gebäudeinnere „insgesamt“ nach dem Abklingen der Brände weiter aufgeheizt haben soll, kann wohl nur eine weitere ZDF-History-Sendung lösen. Wenn man annehmen soll, dass die dafür nötige Energie aus dem Nichts kommt, macht diese Erklärung keinen Sinn. Beim WTC 7 handelte es sich nicht um einen geschlossenen Hochofen. Fast alle Fenster auf der Etage waren zerbrochen, außerdem gab es die Schäden an der Südseite des Gebäudes. Daher ist zu erwarten, dass die vorhandene Ventilation für Abkühlung sorgte. Ohne diese Ventilation hätten sich die Brände ja gar nicht erst ausbreiten können. Auch NIST weiß, dass in geschlossenen Räumen nur ein geringer Prozentsatz des Brandmaterials überhaupt vom Feuer verbraucht wird.

Neben der Ventilation sorgt auch die Leitfähigkeit des Stahls für Abkühlung. Die "Hochofen"-Theorie ist also eher im Bereich der Märchen anzusiedeln. Um die Hitze am Abziehen zu hindern, hätten sich die Fenster und die zerstörten Wände wieder verschließen müssen.

Ein Novum, das man selbst dem WTC 7 nicht zutrauen will, trotz seiner Einzigartigkeit. War es doch das erste und einzige Hochhaus, das aufgrund eines Feuers einstürzte, das erste und einzige Hochhaus, in dem das neue Phänomen der thermalen Expansion vernichtend zuschlug, das erste und einzige Hochhaus, dessen Einsturz schon im Fernsehen vermeldet wurde, als es noch stand. Und es war wohl auch das erste und einzige Gebäude, dessen Noteinsatz-Zenrale beim Einsetzen eines Notfalls prompt verlassen wurde. Es ist auch das erste und einzige Hochhaus, dessen Stahlträger Löcher „wie ein Schweizer Käse“  aufwiesen und das erste und einzige Hochhaus, dessen Trümmer komplett vor Beginn der Untersuchung entsorgt wurden.

Fazit: ZDF-History hat nicht das letzte Rätsel gelöst, sondern noch ein weiteres hinzugefügt: Warum legt sich dieser öffentlich-rechtliche Sender trotz der offensichtlichen Widersprüchlichkeiten so einseitig für die offizielle Version ins Zeug?

Röckerath sieht das anders, in dem an die Ausstrahlung anschließenden Chat schrieb er: „Wir sind ergebnisoffen an die Recherche gegangen, nicht unter (der) Fragestellung, auf wessen Seite wir sind. Die NIST hat sicher keinen Einfluss auf das ZDF. Wenn wir etwas Faules an der Sache zu berichten hätten, würden wir das tun.“



[ii] Eine Liste der Mitglieder findet sich unter: http://www.ae911truth.org/signpetition.php

[iii] Die Berichte der NIST finden sich unter: http://wtc.nist.gov/

[iv] Ein komplettes Interview mit den Produzenten von "Loose Change" findet sich hier:

http://www.loosechange911.com/blog/?p=89

Jennings wird dezidiert danach befragt, ob die Explosionen vor oder nach dem Einsturz der Türme statt fanden.

[v] "At approximately 9:44 a.m., after the report of a third aircraft heading into the city and news that the Pentagon had been attacked, a Deputy OEM Commissioner ordered the complete evacuation of WTC 7."   http://wtc.nist.gov/oct05NCSTAR1-8index.htm

[vii] "By the time WTC 2 was struck by the second aircraft at 9:03 a.m., many WTC 7 occupants had already left the building and others had begun a self-evacuation of the building." http://wtc.nist.gov/oct05NCSTAR1-8index.htm

[xi] NIST NCSTAR 1-8, S.109

[xiii] NIST NCSTAR 1-8, S.100

[xvi]http://www.controlled-demolition.com/default.asp?reqLocId=7&reqItemId=20030225133807

[xvii] "primary disadvantage of explosive shaped charges is that they generate excessive noise and debris upon detonation. This noise and debris can pose potentially serious health and safety hazards to someone using a cutting device which employs conventional shaped charge explosives.

Thermite-based cutting devices which employ a cutting flame produce virtually no extended shock wave and generate relatively little over pressure. Thermite-based cutting devices do not present the same health and safety hazards which are attendant upon explosive shape charge cutting devices."
http://patft.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=
1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2srchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1=6183569.PN.&OS=
PN/6183569&RS=PN/6183569

[xviii] "The Top Ten Connections Between NIST and Nano-Thermites", Kevin Ryan, 2.7.2008, zu finden unter:

http://journalof911studies.com/volume/2008/Ryan_NIST_and_Nano-1.pdf

[xix] "Für NanoThermit gibt es keine Belege" schrieb Christoph Röckerath, hauptverantwortlich für die deutsche Version, im an die Sendung anschließenden Chat.

[xxi] Interview mit Shyam Sunder, gesendet am 26.8.2008, http://www.noliesradio.org/

[xxviii] Alle Berichte der FEMA zum WTC finden sich unter: http://www.fema.gov/rebuild/mat/wtcstudy.shtm

[xxxii] FEMA 403-appendix C- S. C-13

[xxxiii] "No steel was recovered from WTC 7." http://wtc.nist.gov/NISTNCSTAR1-3.pdf

[xxxiv] Structural Engineers Association of New York (SEAoNY), "Summary of Identified WTC Steel Pieces at Salvage Yards as of March 15, 2002" , Nachdruck findet sich hier: http://911research.wtc7.net/mirrors/guardian2/wtc/WTC_apndxD_sheet.htm

[xxxv] FEMA WTC Study, Structural Steel and Steel connections, Appendix B, Seite B2, http://www.house.gov/science/hot/wtc/wtc-report/WTC_apndxB.pdf

[xxxvi] Zitiert nach "History CHannel", die Sendung läßt sich hier anschauen: http://www.911podcasts.com/display.php?vid=58

[xxxvii] William Langewiesche, "American Ground", S.9

[xliii] Galnz and Lipton, "City in the Sky", S. 299

[xliv] HEARING BEFORE COMMITTEE ON SCIENCE - HOUSE OF REPRESENTATIVES, MARCH 6, 2002, Serial No. 107–46

[xlvi] Beispielsweise auf dem Lokalsender KYVTV Channel 9. Eine Zusammenstellung von Live-Berichten lässt sich hier anschauen:

http://video.google.de/videoplay?docid=6967199061399980366&q=oklahoma+bombing

[l] Glanz und Lipton, "City in the Sky",  S.299

[liv]  Zu den Sprinklern siehe NIST NCSTAR 1-9, S.76

[lv] NIST NCSTAR 1-8, S.110

[lvi] Eine gute Sicht auf die Südseite vermittelt z.B. dieses Video:

http://de.youtube.com/watch?v=PVahuOpOJYE

[lviii]  NIST NCSTAR 1-9, Vol.1 , S.222

Auch im 2004 veröffentlichten Bericht (Appendix L) heißt es, dass um 4.45 Uhr die Etage ausgebrannt war.

 

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