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Amerikanische Tiefenereignisse und das weltweite Drogennetzwerk der CIA (Teil 3)

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Von PETER DALE SCOTT, 3. April 2009 -

Die CIA, BCCI und die „lange Tradition der zwielichtigen Banken“


Aber Barry ist nicht die einzige Verbindung zwischen den Drogenbanken von Helliwell und der BCCI. Eine zentralere Gestalt ist General George Olmsted, Leiter der Washington Bankholdinggesellschaft, die unter dem Namen International Bank bekannt war. Im März 1976 wies Olmsted die International Bank (die „den Ruf einer CIA-Bank hatte“) an, 66 Prozent des Aktienkapitals der scheiternden Mercantile Bank auf den Bahamas (Castles Vorgängerbank) aufzukaufen, obwohl „die Leute von International Kenntnis von Mercantiles kränkelndem finanziellen Zustand hatten“. Ab 1977 fing International an, seine Aktien in Financial General Bankaktien (später bekannt als First American) zu verkaufen, eine bedeutende amerikanische Bankholdinggesellschaft, für BCCI Strohmänner, die später für die BCCI First American übernahmen.

Die verbreitetste Erklärung ist, dass die CIA die Bank nicht nur benutzte, sondern auch dabei half, sie aufzubauen. Die Journalisten Peter Truell und Larry Gurwin, die Autoren des ultimativen Buchs über die BCCI, vermuteten, dass die Verbindung der CIA zu dem Gründer von BCCI, Agha Hasan Abedi, womöglich schon auf die Zeit vor BCCIs Gründung im Jahr 1972 zurückgeht. Sie stellten auch fest, dass die BCCI nur der letzte Fall in einer sich überlappenden Serie von Geldwäsche-Banken war, die der CIA Dienste erwiesen hatten – Deak & Company, Castle Bank & Trust und Nugan Hand.

Das weltweite Netzwerk und das Rauschgift

Eine dieser miteinander verflochtenen Banken, die World Finance Corporation in Florida, wurde zur Zielscheibe der „wahrscheinlich größten Rauschgiftermittlung des Jahrzehnts“. Aber die Untersuchung, „in der eine große Anzahl von Bundesbeamten und Beamten der einzelnen Bundesstaaten beteiligt waren, musste nach einem Jahr verworfen werden, weil die CIA sich beim Justizministerium beschwerte, dass ein Dutzend hochrangiger Krimineller für sie 'von Interesse' sind“.

Eine weitere Bank mit Drogenverwicklungen war die australische Nugan Hand Bank, die sich 1976 für die Wirtschaftsprüfung das Unternehmen Price Waterhouse auf den Bahamas auswählte, also in dem Jahr, als sowohl Castle als auch Mercantile zusammenbrachen. Nach ihrem spektakulären Zusammenbruch im Jahr 1980 folgerten australische Ermittler, dass Nugan Hand in der Finanzierung von bedeutenden Drogengeschäften involviert gewesen sein und auch Profite gewaschen haben muss: zwei offizielle Ermittlungen „sahen Nugan Hand in der entscheidenden Position, durch die Drogeneinkünfte heimlich ins Ausland geschafft wurden, wo sie offensichtlich wieder in illegale Drogen investiert werden konnten“.

Bei Nugan Hand sammelte sich eine eindrucksvolle Zahl an früheren CIA-Mitarbeitern, darunter der „mysteriöse Strippenzieher“ Bernie Houghton, der in den 1950er Jahren Helliwells Position in Bangkok übernommen haben soll, und der frühere CIA-Direktor William Colby. Von besonderem Interesse ist die Verbindung von Nugan Hand und Thomas Clines, einem CIA-Funktionär in Laos unter Theodore Shackley, der später kündigte, um im ausgegliederten Geheimdienstnetzwerk von Edwin Wilson tätig zu werden. Als die Nugan Bank 1980 auf spektakuläre Weise zusammenbrach (mit dem Selbstmord oder Mord von Frank Nugan), war es Thomas Clines, der dabei half, Houghton still und leise aus Australien verschwinden zu lassen. Die beiden Männer beteiligten sich daraufhin, zusammen mit Edwin Wilson, Theodore Shackley und BCCI, an undokumentierten Operationen gegen die Sowjets in Afghanistan, wobei sie nicht für die CIA, sondern für den Safari Club arbeiten.

Die CIA in Chiang Mai hatte zu der Zeit, als das Hauptgeschäft der Stadt der Opiumhandel war, auf derselben Etage ihre Zweigstelle wie die örtliche Dienststelle von DEA. Laut Jonathan Kwitny, "nahm die Rezeption von DEA die Anrufe und Nachrichten für Nugan Hand entgegen, wenn die Bankvertreter nicht im Hause waren". Der Nugan Hand Vertreter in Chiang Mai, Neil Evans

sagte aus, dass er zugegen war, als Michael Hand und Ron Pulger-Frame – der frühere Deak & Company Kurier, der dann bei Nugan Hand anheuerte – über die Sendung von CIA-Geldern in den Nahen Osten, Saudi-Arabien und Panama verhandelten. Evans erklärte, dass Nugan Hand zu einem Zeitpunkt 50 bis 60 Millionen Dollar für die CIA bewegte, und dass Nugan darüber hinaus in Waffengeschäfte mit der Dritten Welt verwickelt war.

Des Weiteren erzählte er dem australischen Fernsehen, dass die Millionenbeträge, für die er zuständig war, aus dem "Drogenverkehr der Region angesammelt wurden. Die Bank, so Evans schonungslose Aussage, war eine 'Wäscherei' für Meo [Hmong] Stammesmänner und andere Mohnanbauer".

In meinem Buch The Road to 9/11 beschreibe ich, wie Caseys Vertrauen zur BCCI mit Bezug auf die amerikanischen Unterstützung der gegen die Russen kämpfenden afghanischen Mujahedin dazu führte, dass die Splittergruppe von Gulbuddin Hekmatyar die meiste Hilfe erhielt. Heymatyar war der führende Drogenhändler in Afghanistan, der bald (dank der Hilfe aus den USA und Pakistan) wahrscheinlich zum führenden Heroinhändler der Welt wurde.

Dieses Muster eines Drogennetzwerks wiederholte sich in den 1990er Jahren, nachdem sich die UdSSR aus Afghanistan zurückgezogen hatte und die BCCI kurz danach zusammengebrochen war. In Aserbaidschan (unter dem Deckmantel einer Ölfirma) gründeten Veteranen von CIA-Operationen, die ehemals von Shackley und Clines in Laos geleitet wurden, wie z.B. Richard Secord, Heinie Aderholt und Ed Dearborn, eine Fluglinie auf der Grundlage des Air America-Modells. Diese Fluglinie war schon bald dabei "hunderte von Mujahedin-Söldnern aus Afghanistan abzuholen". Die arabisch-afghanischen Azeri-Operationen wurde auch mit Geld aus dem afghanischen Heroinhandel finanziert.

Loretta Napoleoni hat dargelegt, dass es eine islamistische Drogenroute von Verbündeten von Al Qaida gibt, die sich quer über Nord- und Mittelasien erstreckt, von Tadschikistan und Usbekistan durch Aserbaidschan und Tschetschenien bis nach Kosovo. Dies führt uns zu der paradoxen Tatsache, dass Clinton 1998 in die Lage geriet, die von al Qaida gedeckte Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) zu unterstützen. Er verfolgte dies, obwohl "das amerikanische Außenministerium die UÇK ab 1998 . . . als eine internationale terroristische Organisation listete. Das Außenministerium stellte fest, dass die UÇK ihre Operationen mit Einnahmen aus dem internationalen Heroinhandel und mit Krediten von bekannten Terroristen wie Osama bin Laden finanziert hatte".

Schließlich soll, wenn man der früheren FBI-Übersetzerin Sibel Edmonds Glauben schenken kann, der gleiche Heroinfluss auch die Korruption des Kongresses unter George W. Bush finanziert haben. Edmonds wurde 2002 vom FBI gefeuert, nachdem sie einem Kollegen vorgeworfen hatte, eine Gefahr für die Sicherheit zu sein. Seitdem kämpft sie gegen ihre Entlassung in einem "Whistleblower"-Verfahren, das die Regierung mit einer Sperre belegt hat und sich dabei auf das Staatsgeheimnis-Privileg beruft. Es wurde ihr weiterhin verboten, in der Öffentlichkeit über ihren Fall zu sprechen.

Laut Daniel Ellsberg geht es Edmonds um die al Qaida-Verbindung, die auch von Napoleoni beschrieben wurde:

Sie legte dem Kongress dar, dass al Qaida, laut dieser Interviews, zu 95 Prozent durch Geld aus dem Drogenhandel finanziert wird – Drogenhandel, bei dem die amerikanische Regierung ein Auge zudrückt und den sie wissentlich ignoriert, weil er in starkem Maße mit unseren Verbündeten und unseren Vorteilen verknüpft ist, also mit Länder wie der Türkei, Kirgisistan, Tadschikistan, Pakistan, Afghanistan – alle "Stans".

Es ist ein Drogenhandel, für den das Opium aus Afghanistan stammt, in der Türkei aufbereitet wird und nach Europa geliefert wird, wo es 96 Prozent von Europas Heroinbedarf deckt, durch Albaner, entweder in Albanien oder Kosovo – albanische Muslime in Kosovo – also im Grunde die UÇK, die Befreiungsarmee des Kosovo, die wir zu dieser Zeit gegen Ende des Jahrhunderts stark unterstützten . . . Sibel sagt, dass dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, Koffer mit Bargeld direkt in sein Haus in Chicago geliefert wurden, so türkische Quellen, mit dem Wissen, dass viel von diesem Geld aus dem Drogenhandel stammt.


2005 wurden die Anschuldigungen von Sibel Edmonds teilweise in Vanity Fair dargelegt. Dort wurde aufgedeckt, dass sie Zugang zu von FBI-Wanzen aufgezeichneten Gesprächen zwischen Mitgliedern des American-Turkish Council (ATC) hatte, in denen es um die Bestechung von gewählten amerikanischen Beamten ging. Außerdem soll es um Aussagen, "die sich nach Hinweisen auf groß angelegte Drogenlieferungen und andere Verbrechen anhörten" gegangen sein.

Fazit: Eine fortwährende Serie von drogenbezogenen Tiefenereignissen


Mafias und Herrschaftsimperien haben bestimmte Grundsätze gemein. Beide können als systematische gewaltsame Herrschafts-Auferlegung in Gebieten mit wenig Staatsführung verstanden werden. Beide gebrauchen Gewalt, um ihre Ziele zu erreichen; aber beide werden oftmals insoweit toleriert, dass das Ergebnis ihrer kontrollierten Gewalt eine Minderung der unkontrollierten Gewalt darstellt. (Ich möchte einen zaghaften Vorschlag für einen wesentlichen Unterschied zwischen Mafias und Herschaftsimperien machen: nämlich den, dass Mafias mit der Zeit immer mehr mit der Zivilgesellschaft, deren Regeln sie ehemals missachteten, verwachsen, während Herrschaftsimperien dazu neigen, immer mehr mit der Gesellschaft, die sie ehemals kontrollierten, in unüberbrückbaren Konflikt zu treten.)

In diesem Buch haben wir eine Überlagerung der Infrastrukturen von amerikanischer Mafia und dem indirekten amerikanischen Herrschaftsimperium kennengelernt. Und in diesem Kapitel habe ich versucht, das Epizentrum dieser Überlagerung in einem Milieu zu beschreiben, das sich an seinen äußeren Grenzen zu einem globalen Nexus vergrößert, welchen ich als das weltweite Drogennetzwerk bezeichnet habe. Dieses Netzwerk hat enge Verbindungen zur amerikanischen Unterwelt, aber auch zur amerikanischen "Oberwelt". Dieser Nexus verbindet den amerikanischen Geheimdienst mit den Geheimdiensten vieler anderer Länder, darunter Taiwan, Israel, Italien und Chile. Er betreut zudem die finanziellen Zuwendungen an führende Politiker vieler Länder, inklusive beider Parteien in den Vereinigten Staaten.

Alle wesentlichen Tiefenereignisse der jüngsten amerikanischen Geschichte und alle wesentlichen Ausweitungen indirekter amerikanischer Herrschaft seit dem Zweiten Weltkrieg können mit diesem weltweiten Drogennetzwerk in Verbindung gebracht werden:

-- Der erste Fall amerikanischer Präsenz in Ostasien wurde in Verbindung mit der von Drogengeld finanzierten KMT in Taiwan errichtet.

-- Die amerikanische Präsenz in Südostasien begann mit der Unterstützung der KMT-Drogenhändler durch Sea Supply in Ost-Burma und erweiterte sich dann Mitte der 1950er Jahre mit der drogenfinanzierte PARU-Macht in Laos, während die CIA Saigon sicherte, indem sie dort den Drogenabsatz kontrollierte.

-- Die verwickelte Finanzgesellschaft, gegründet von OSS-Veteran Nicholas Deak, „wurde angeblich von der CIA genutzt, um Geheimoperationen zu finanzieren, darunter auch der Sturz des demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammed Mossadeq 1953.

-- Der Sturz des demokratisch gewählten guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz wurde teilweise mit der Unterstützung des nicaraguanischen Diktators Anastasio Somoza erreicht, einer Hauptfigur in Lanskys Waffenpipeline nach Israel in den 1940er Jahren, dessen Guardia Nacional hiernach tief mit dem karibischen Drogenhandel verbunden war.

-- Das Einsetzen von CIA-Geheimtruppen in Laos im Jahre 1960, die letzten Endes zu einer drogenfinanzierten irregulären Armee mit tausenden Personen anwuchs, wurde durch eine Kraft erreicht, die aus der Sea Supply Operation in Thailand hervor gegangen war. Der Privatkrieg der CIA in Laos, den Präsident Kennedy vergeblich einzudämmen versuchte, war der tatsächliche Beginn des amerikanischen Kriegs in Vietnam.

-- Angletons „alternative CIA“, CI/SIG, manipulierte und fälschte ihre „Geheimdienstinformation“ über Lee Harvey Oswald auf solch eine Weise, dass er zum Verdächtigen für das Attentat auf John F. Kennedy in Frage kommen würde.

-- Der Sturz des demokratisch gewählten indonesischen Präsidenten Sukarno im Jahr 1965 wurde zum einen mit geheimer Unterstützung durch Bestechungsgelder der Lockheed Corporation erreicht, zum anderen mit der Intervention von Sasakawa Ryoichi, einem CIA-Agenten von Einfluss, und seinem Freund Kodama Yoshio, einem Mitglied der Yakuza in Japan. Sasakawa und Kodama waren außerdem die Empfänger von Lockheed Bestechungsgeldern, die durch Deak & Company ermöglicht wurden. Sie erschienen auch teilweise auf der Bühne von Shig Katayama, dessen ID Corp. auf den Cayman Inseln mysteriöse Geschäfte mit Helliwells Castle Bank machte.

-- Die BCCI stellte die ursprüngliche Infrastruktur für die CIA-Intervention in Afghanistan im Jahr 1979 und der darauf folgenden Allianz mit dem Hauptdrogenhändler Gulbeddin Hekmatyar zur Verfügung. Pakistans Präsident Zia ermöglichte Zbigniew Brzezinski, Carters Nationalen Sicherheitsberater, die Zusammenarbeit mit Generalleutnant Fazle Haq; obwohl ein BCCI-Informant den amerikanischen Behörden erzählte, dass Fazle Haq „stark mit dem Rauschgifthandel in Verbindung steht und das Heroingeld durch die Bank [BCCI] schleusen“ würde.

-- 1970 wurde ein CIA-Beamter mit dem Pseudonym Henry J. Sloman, der zudem ein „risikoreicher Schmuggler mit direkten Verbindungen zur Mafia“ war, nach Chile entsandt, wo er bei den Attentatsplanungen zur Ermordung von General René Schneider, dem Oberbefehlshaber des chilenischen Militärs, mitmischte.

-- Im September 1976 wurde Orlando Letelier in Washington von einer Gruppe ermordet, der auch exilkubanische Drogenhändler angehörten, die wiederum für den drogenfinanzierten chilenischen Geheimdienst DINA arbeiteten. Obwohl die US-Regierung bereits von DINAs Operation CONDOR für diese Morde im Ausland in Kenntnis gesetzt worden war, entschied sich CIA-Direktor Bush dafür, öffentlich den Verdacht von der DINA abzulenken.

-- Laut Robert Parry arrangierte Safari Club-Mitglied Alexandre de Marenches im Juli und Oktober 1980 ein Treffen zwischen William Casey (wie de Marenches auch ein Malteserritter) und iranischen bzw. israelischen Vertretern in Paris, wo Casey Iran erforderliche Waffenlieferungen im Tausch gegen ein Herauszögern der Freilassung der amerikanischen Geiseln in Iran versprach. (Dies war die so genannte republikanische „October Counter-surprise“. Parry vermutet, dass die BCCI sowohl bei der Finanzierung der Bestechungsgelder für den geheimen Deal, als auch für die darauf folgenden Lieferungen israelischer Waffen nach Iran beteiligt war.

-- 1981 versuchte Mehmet Ali Agça, ein Mitglied der mit Drogen handelnden türkischen Grauen Wölfe, Papst Johannes Paul II. zu ermorden. Le Monde diplomatique berichtete später, dass der Attentatsversuch von Abdullah Çatli auf Gesuch des türkischen Mafiachefs Bekir Celenk organisiert wurde. Çatli, auch Mitglied der Grauen Wölfe, fungierte als Leiter von Todeskommandos für den türkischen Geheimdienst. Le Monde diplomatique fügte hinzu, dass Çatli ein Jahr später zusammen mit dem berüchtigten Killer der Operation CONDOR, Stefano delle Chiaie, nach Miami kam.

-- Shackley, Khashoggi und die BCCI wirkten bei der Gründung des illegalen Iran-Contra-Netzwerks von 1985/86 mit, das Gelder von Waffengeschäften mit Iran auf die Seite schaffte, um die Contras in Honduras und Costa Rica zu unterstützen.

-- Während der Plünderung Russlands zur Zeit der Jelzin-Ära in den 1990er Jahren wurden Gelder durch Rappaports Inter Maritime Bank an die Bank of New York geleitet, an der Rappaport auch grundlegend, wenn nicht sogar kontrollierend, beteiligt war.

-- 1991 gründete Shackleys Kollege Richard Secord eine Fluggesellschaft in Aserbaidschan, die hunderte Mujahedin aus Afghanistan, rekrutiert durch Gulbuddin Hekmatyar, einflog.

-- 1998 führte der amerikanische Rückhalt für die UÇK, eine von al Qaida unterstützte und teilweise durch Drogen finanzierte Gruppe, zu Enthüllungen, die besagten, dass einer der UÇK-Führer seit mehreren Jahren schon gute Beziehungen zur privaten Militärfirma MPRI unterhielt. (Erst 1997 war die UÇK von den Vereinigten Staaten als terroristische Gruppe mit Unterstützung des Heroinhandels eingestuft worden.)

(Diese Liste könnte unendlich lange weiter geführt werden. Zum Beispiel kann die Wandlung Australiens zu einem verlässlichen amerikanischen Bündnispartner auf das Jahr 1975 und den Sturz des demokratisch gewählten Labor Premierministers Gough Whitlam zurückdatiert werden; ein Ereignis, in dem Penny Lernoux und andere die versteckte Beteiligung der Nugan Hand Bank gesehen haben.)

Diese starke Kontinuität, die der amerikanischen Ausdehnung seit dem Zweiten Weltkrieg zu Grunde liegt, hilft dabei, das verblüffende Phänomen glaubhaft zu machen, das in unserem letzten Kapitel beschrieben wurde – nämlich, dass es bei solchen Tiefenereignissen wie der Ermordung Kennedys und dem 11. September 2001 eine Verbindung gibt bzw. dass sie nicht das Ergebnis von Kräften sind, die die USA von außen angegriffen haben. Vielmehr, zumindest teilweise, stammen diese Ereignisse aus einem tiefen Netzwerk, wie es in diesem Kapitel beschrieben wurde, und werden daraus ins öffentliche Bewusstsein befördert. Es ist dies ein zeitlich stabiles Netzwerk, das aber so gut wie unbeachtet ist.

Fazit II: Die zunehmende Bedrohung stabiler Demokratien

Aber wenn man diese Liste an geheimen Interventionen und Tiefenereignissen synoptisch betrachtet, erkennt man ein Muster von zunehmenden Abweichungen von den Grundsätzen des öffentlichen Staates. Mit Hilfe des weltweiten Netzwerks wurden mit den CIA-Interventionen in Iran (1953) und Guatemala (1954) Operationen unterstützt, die vorher vom Nationalen Sicherheitsrat (und davor vom Rat für auswärtige Beziehungen) sanktioniert worden waren.

Aber die drogenfinanzierte Evolution einer von der CIA ausgebildeten thailändischen Truppe zu einer offensiven Streitmacht, die in Laos einmarschieren konnte, war eine Operation, die explizit nicht vom Nationalen Sicherheitsrat autorisiert worden war. Wie Daniel Fineman feststellte, wurde

im September [1953] der NSC [Nationalen Sicherheitsrat] durch die Präferenz der JCS [Joint Chiefs of Staff] für direkte Unterstützung der französischen Streitkräfte dazu gezwungen, nur die Durchführung von Phase eins zu autorisieren [„die Stärkung von Thailands Willen und Widerstandsfähigkeit“]. Damit wurde die Ausführung der Vorkehrungen von Phase zwei auf unbestimmte Zeit verschoben, in der der psychologische Krieg in benachbarte Länder getragen werden sollte.

Und die Fälschung von Oswalds Akte durch Angletons CI/SIG, selbst wenn sie ursprünglich als ein berechtigtes Instrument bei der Suche nach einem angeblichen Maulwurf innerhalb der CIA autorisiert worden sein mag, ermöglichte am Ende die erfolgreiche Ermordung von John F. Kennedy und der darauf folgenden Vertuschung. Zu diesem Zeitpunkt war das weltweite Netzwerk nicht mehr nur eine Kraft, die zur Unterstützung des öffentlichen amerikanischen Staates handelte; es hatte Beziehungen hergestellt mit Kräften, die den öffentlichen Staat angreifen.

Dieses Muster der zunehmenden Abweichung können wir nutzen, um unsere Auffassung vom amerikanischen Tiefenstaat („deep state“) weiter zu entwickeln. Zunächst kann der Tiefenstaat mit dem Office of Policy Coordination (OPC) in Verbindung gebracht werden, also der (zu der Zeit verborgenen) Schöpfung des Nationalen Sicherheitsrats, die die ursprüngliche Helliwell-CIA-Mafia-Verbindung ermöglichte. Mit der Aufnahme der OPC in die CIA 1953 verlor der amerikanische Tiefenstaat für viele Jahre die relativ kohärente und disziplinierte Konzentration von Autorität, die man in Tiefenstaaten wie der Türkei oder Italien oder Kolumbien, oder zu bestimmten Zeitpunkten in Chile und Argentinien, erkennen kann. In dieser Phase war der amerikanische Tiefenstaat durch die Drogenwirtschaft vereint, aber nicht durch viel mehr. Seine nebulöse Verbindung zur legitimen Macht schrumpfte auf Angletons „alternative CIA“ zurück, und selbst diese fand ein Ende, als Angleton im Dezember 1974 gefeuert wurde.

Aber laut Aussage von Josepf Trento wurde die Verbindung indirekt wieder hergestellt durch eine „Schatten-CIA“, die für den Safari Club und den saudischen Geheimdienst arbeitete; spätestens in den 1980er Jahren arbeitete diese Schatten-CIA „nicht mehr nur für die Israelis, sondern engagierte sich auch in geheimen Operationen von Mittelamerika bis Iran“. Es gilt als sicher, dass mit Caseys Segen – der seine eigenen direkten Kontakte zu Rappaport, der BCCI und dem globalen Drogennetzwerk hatte – Shackley, Khashoggi und ihre Kontakte am Ende zur Iran-Contra-Affäre geführt haben. Mindestens ein Mitglied von Shackleys Gruppe, Richard Secord, gründete dann eine Fluggesellschaft, die islamistische Mujahedin nach Afghanistan brachte. Ein anderer, Neocon Michael Ledeen, wirkte nicht nur bei Iran-Contra mit. Mit Donald Rumsfeld und Dick Cheney zusammen trug er zur Gründung des Project for the New American Century (PNAC) bei.

In der Tat kann William Caseys Entscheidung, mit dem weltweiten Netzwerk, und speziell mit der BCCI und Theodore Shackleys Kontakten der Iran-Contra-Affäre, zusammen zu arbeiten, nicht vollständig verstanden werden, wenn man sich allein auf die Entstehungsgeschichte des weltweiten Drogennetzwerks konzentriert. Caseys Handlungen müssen in dem Kontext gesehen werden, den Irving Kristol als „intellektuelle Gegenrevolution“ der 1970er Jahre bezeichnete, also die erfolgreiche Umstoßung von Kissingers und Carters Vorstößen für eine Détente mit der Sowjetunion und von den post-Watergate Reformen, die von Senator Frank Church und anderen eingebracht wurden. Wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, war einer der Schlüsselmomente das so genannte Halloween-Massaker von 1975, in dem unter anderem Angletons Nemesis William Colby gefeuert, Rumsfeld zum Verteidigungsminister ernannt und Kissingers lange Amtszeit als Nationaler Sicherheitsberater beendet wurde.

1976 hatte dann die intellektuelle Gegenrevolution eine neue Anti-Kissinger Koalition konsolidiert, die aus a) Cheney und Rumsfeld innerhalb der Ford-Administration, b) dem Committee on the Present Danger als Lobby für einen erheblich erhöhten Verteidigungsetat und c) Neokonservativen wie Richard Perle und Paul Wolfowitz bestand. Perles und Wolfowitz' Ziel war es, gegen Kissingers SALT-Abkommen anzugehen und (mit Hilfe des neuen CIA-Direktors George H.W. Bush) die Einschätzung der CIA zur sowjetischen Bedrohung radikal zu übertreiben. Casey spielte eine bedeutende Rolle in dieser anti-sowjetischen Koalition und trat 1976 der CPD bei, zusammen mit langjährigen Mitgliedern des weltweiten Drogennetzwerks wie Ray Cline (Helliwells altem OSS-Kollege aus Kunming), Jay Lovestone und George Olmsted.

Die Anti-Regierungstendenz der neuen neokonservativen Rechten hat sich zu einer regelrechten Abneigung gegen die CIA ausgewachsen, die mittlerweile mehr als Feind, als als Verbündeter angesehen wird. Aber selbst die neuen ausgegliederten Gewaltkräfte in privaten Sicherheitsfirmen (PSCs), wie zum Beispiel Blackwater, rekrutieren aus den gewalttätigen Reihen des weltweiten Drogennetzwerks – genauer gesagt, in Blackwaters Fall, aus den paramilitärischen Truppen in Ländern wie Kolumbien.

Kurz gesagt wurde der Rückgriff auf die illegale Gewalt des weltweiten Drogenhandels, die in den panischen frühen Jahren des Kalten Kriegs begann, seitdem beständig fortgeführt. Sie ist immer weiter gewachsen und metastasiert, bis sie nun zu einer zunehmenden Bedrohung der konstitutionellen Demokratie geworden ist. Für die meisten Menschen ist dies nicht leicht zu verstehen. Auf kurze Sicht erzeugt diese illegale Gewalt eine brutale Gegenwehr, durch die ihre Existenz erst gerechtfertigt werden soll – so dass heute die PSCs in Irak und Afghanistan Millionen-Dollar-Verträge erhalten, um den Widerstand zu bekämpfen, den sie selbst provoziert haben.

Aber das neue System eines indirekten Weltreichs scheint kein stabiles zu sein: wenn es momentan ein Nachlassen der Kämpfe in Irak gibt, so ist dies nur der Fall, weil gegnerische Kader es als ergiebiger ansehen, in Afghanistan zu kämpfen. Ein indirektes Herrschaftsimperium ist vielmehr ein gewalttätiger Ersatz für Politik – um Situationen zu bewältigen, die jedoch nur die Politik verbessern kann.

Wenn dieses Land dem Problem des Terrorismus mit Ernsthaftigkeit begegnen wollte, würde es versuchen, die Gegengewalt hervorrufende Unterdrückung in Afghanistan, Irak, Tschetschenien, Kaschmir, Libanon und Palästina zu vermindern statt zu erhöhen. Der jetzige Kurs wird den schlechter werdenden Status quo eher noch verschlimmern. Dazu kommt, dass er das Schwinden amerikanischer Ressourcen, amerikanischen Einflusses und Wohlwollen, selbst unter unseren Verbündeten, beschleunigen wird.

Ist der Gedanke utopisch, dass der gegenwärtige Kurs korrigiert werden kann? Wahrscheinlich ja, so lange die meisten Amerikaner glauben, dass 9/11 ein Angriff war, der allein von einer Gruppe bösartiger Araber durchgeführt wurde. Aber wenn gezeigt werden würde (wie Sibel Edmonds angedeutet hat), dass der 11. September ein Tiefenereignis war, in dem Leute des weltweiten Drogennetzwerks der USA verwickelt waren, könnte dies eine vernünftigere Politik zur Folge haben.

Was ich als weltweites Drogennetzwerk der USA bezeichnet habe war in der Vergangenheit für weltweite terroristische Aktivitäten wie Operation Condor verantwortlich, und auch für die Stärkung von Drogennetzwerken als so genannte Parallelregierungen in Ländern wie Laos, Pakistan, Libanon, Türkei und Kolumbien. Über Jahrzehnte verschloss dieses Land die Augen vor der Beteiligung der USA an dieser Lage und projizierte stattdessen die Verantwortlichkeit für den Terrorismus auf die Sowjetunion („das Reich des Bösen“) und in letzter Zeit auf Irak und Iran („die Achse des Bösen“).

Es wird nicht einfach sein, diese Jahrzehnte des Leugnens zu überwinden. Aber es ist ein notwendiger Schritt, der getan werden muss, um den Terrorismus einzudämmen und zu einer gesünderen Welt zurückzukehren.


Anmerkungen => hier

=> Teil 1


=> Teil 2

Der Artikel erschien im Original am 17. August 2008 bei 911truth.org unter dem Titel "Deep Events and the CIA's Global Drug Connection "

Übersetzung: Hintergrund

Der Autor
Peter Dale Scott, früherer kanadischer Diplomat und Professor an der University of California, Berkeley, ist der Autor von The War Conspiracy: JFK, 9/11, and the Deep Politics of War (erschienen im August 2008). Dieser Essay stützt sich auf das Schlusskapitel seines neuen Buches, das über die Mary Ferrel Foundation Press (http://www.maryferrell.org/wiki/index.php/MFF_Store ) bestellt werden kann.
Seine Website ist zu finden unter: http://www.peterdalescott.net .
 

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