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Das Massaker von Kundus

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Todesgeruch über einem Flussufer in Afghanistan -

Von AMEEN SALARZAL und ANGOR BAGH, 7. September 2009 -

Noch am frühen Freitagmorgen hing der Gestank verbrannten Fleisches in der Luft, und das Ufer des Flusses Kunduz war mit Körperteilen von Dorfbewohnern übersät, die nur etwas umsonst haben wollten.

In Afghanistan ist es üblich, dass sich Einheimische bei der Entführung militärischer Konvois ihren Anteil an der Beute holen, und die Treibstoffladung der beiden Tanklaster, die für die NATO-Streitkräfte bestimmt war, lud so gut wie jede andere Ladung dazu ein.

georg klein Aber der nächtliche Glücksfall wurde schnell zum Horror, als gegen 3 Uhr in der Nacht NATO-Kampfjets einen Luftangriff flogen, der die Tanklaster explodieren ließ und ein Inferno entfachte, das nach offiziellen Angaben zwischen 50 und 90 Menschen tötete.

"Kein Körper war unversehrt. Hände, Beine und Körperteile waren überall verstreut. Menschen, die etwas weiter von den Treibstofftransportern entfernt waren, erlitten schwere Verbrennungen," beschrieb der 32-jährige Mohammad Daud die höllische Szene.

Die ausgebrannten Wracks der Tanklaster am Flussufer, die inmitten verkohlter Körperteile standen, rauchten noch; die Opfer stammen aus dem Bezirk Chahar Dara, der in der Provinz Kunduz in der Nähe der Grenze zu Tadschikistan liegt.

Dr. Farid Rahid, ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Kabul, sagte, dass sich bis zu 250 Dorfbewohner in der Nähe der Tanklaster aufgehalten hätten, als der Luftangriff angefordert wurde.

Nach offiziellen Angaben sollen 55 Taliban getötet und mehr als 10 verwundet worden sein; die Zeugenaussagen über die Anzahl ziviler Opfer wurden offiziell noch nicht bestätigt.

Zeugen haben der Presseagentur Agence France-Presse berichtet, dass Dorfbewohner, darunter auch Kinder, sich um einen der Tanklaster drängten, der in dem seichten Fluss steckengeblieben war, um Treibstoff abzuzapfen.

Die unter NATO-Kommando stehende International Security Assistance Force / ISAF hat mitgeteilt, aufständische Taliban hätten die Lastwagen am späten Donnerstag entführt und versucht, damit den Fluss zu überqueren, wobei einer stecken geblieben sei.

Zeugen sagten aus, die Aufständischen hätten die Bewohner eines nahe gelegenen Dorfes aufgefordert, sich mit Treibstoff zu versorgen; wahrscheinlich wollten sie den festgefahrenen Lastwagen dadurch leichter machen, um ihn wieder bewegen zu können. "Dorfbewohner eilten mit allen verfügbaren Behältern, auch mit Wassereimern und Töpfen, zu dem Tanklaster, um sich zu bedienen," sagte Daud.

Einige Bauern seien sogar mit ihren Traktoren gekommen, um sie zu betanken. Zehn bis fünfzehn bewaffnete Taliban hätten auf den Tanklastern gestanden und dem Gerangel zugesehen.

"Dann fielen die Bombern," sagte Daud. "Alle in der Nähe der Treibstofftransporter starben."

Schuhe, ein AK-47-Sturmgewehr, Fetzen verbrannter Kleidung, der Rumpf eines Esels mit einer gewebten Satteldecke auf den Flanken, gelbe Plastikkanister mit roten Schraubverschlüssen – alles war über das steinige Ufer verstreut.

Männer mit Turbanen – einer von ihnen mit einer GI-Puppe in blauer Uniform in der Hand – und afghanische Sicherheitskräfte in Wüstenstiefeln mit grünen Baretten umstanden die Lastwagenwracks, als sich der Himmel nach der Morgendämmerung blau färbte.

Männer und Jungen aus dem Dorf verharrten bei einer Beerdigungszeremonie ruhig am Rand eines Massengrabes, während von der gegenüberliegenden Seite ein Traktor Erde über die verhüllten Körper schob.

Die Verwundeten wurden auf mit Teppichen bedeckten Tragbahren in ein Krankenhaus in der Provinzhauptstadt Kunduz gebracht: Zeugen berichteten, ihre Haut sei so verbrannt gewesen, dass in den tiefen Wunden das rohe Fleisch zu sehen war, und viele seien so geschwächt gewesen, dass sie trotz ihrer großen Schmerzen noch nicht einmal mehr weinen konnten.

Ungefähr acht Opfer waren in sehr schlechtem Zustand; unter der aufgeplatzten schwarz verbrannten Haut traten die roten Muskeln hervor. Bei anderen war die Körper noch mit verbrannter Kleidung bedeckt.

Im ganzen Krankenhaus habe es nach verbranntem Fleisch gerochen, und die Bahren mit den Verwundeten hätten sogar auf den Gängen gestanden, berichtete ein Reporter der französischen Presseagentur AFP.


Vgl auch: Hintergrund-Artikel Massaker unter Beteiligung der Bundeswehr?


Der Artikel erschien in der südafrikanischen MAIL & GUARDIAN am 04.09.09 unter dem Titel: Stench of death hangs over Afghan riverbank

Übersetzung: Wolfgang Jung - Luftpost Kaiserslautern


Kommentar der Luftpost Kaiserslautern - Friedenspolitische Mitteilungen
aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein


Erst ist die Bundeswehr-Truppe in Afghanistan nicht in der Lage, einen vermutlich für sie bestimmten Treibstofftransport zu sichern, obwohl mittlerweile fast täglich Überfälle auf unbewachte Versorgungskonvois stattfinden. Als die Tanklaster an einem getürkten "Kontrollpunkt" aufgehalten, von einer offensichtlich sehr kleinen Gruppe Aufständischer entführt, aber kurz danach entdeckt werden, weil sie an einer Furt stecken geblieben sind, schafft es die mit gepanzerten Fahrzeugen ausgerüstete Truppe nicht, sich selbst um ihren geklauten Treibstoff zu kümmern.

Ein Offizier fordert US-Kampfjets an, obwohl kein deutscher Soldat bedroht ist und der US-General McChrystal, dem auch die ISAF untersteht, angeordnet hat, dass Luftangriffe nur noch dann stattfinden dürfen, wenn Koalitionstruppen in Gefahr geraten. (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP14809_100709.pdf )

Der in dem Artikel eindringlich beschriebene schreckliche Tod einer bisher ungeklärten Anzahl von Menschen wurde nicht durch einen so genannten "sicherheitsstiftenden Kampfeinsatz" verursacht. Die Getöteten wurden Opfer eines bestellten Massenmordes.

Verantwortlich dafür sind nicht nur der wie immer um fadenscheinige Ausreden bemühte Bundeskriegsminister Franz Josef Jung und die gesamte Bundesregierung. Mitverantwortung tragen auch alle Bundestagsabgeordneten, die der Entsendung von Bundeswehrsoldaten in den völkerrechts- und verfassungswidrigen Angriffskrieg gegen das afghanische Volk zugestimmt haben.

Alle Wahlberechtigten, die diesen mörderischen Krieg stoppen und den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan durchsetzen wollen, können ihrer Forderung Nachdruck verleihen, wenn sie bei der anstehenden Bundestagswahl keine Parteien oder Kandidatinnen und Kandidaten ankreuzen, die an diesem Massenmord mitschuldig sind.

 

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