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Bunkerbrechende Bomben für einen Angriff auf den Iran?

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Von ROB EDWARDS, 19. März 2010 -

Hunderte starker bunkerbrechender Bomben werden von Kalifornien zur britischen Insel Diego Garcia im Indischen Ozean verschifft – in Vorbereitung eines möglichen Angriffs auf den Iran. (1)

Der Sunday Herald hat enthüllt, dass die US-Regierung im Januar einen Vertrag zum Transport von10 Munitions-Containern zu dieser Insel unterzeichnet hat. Nach einer Ladeliste der US-Navy enthalten die Container 387 BLU-Bomben, die zur Zerstörung gehärteter oder unterirdischer Bunker verwendet werden. (2)

Experten sagen, dass sie für einen Angriff auf die umstrittenen iranischen Atomanlagen bereitgestellt werden. Es wird schon seit langem spekuliert, dass sich das US-Militär auf einen solchen Angriff vorbereitet, falls es der Diplomatie nicht gelingen sollte, den Iran vom Bau von Atomwaffen abzubringen.

Obwohl Diego Garcia ein Teil des britischen Territoriums im Indischen Ozean ist, wird es seit einer 1971 getroffenen Vereinbarung von den USA als Militärbasis genutzt. Diese Vereinbarung beinhaltete auch die Zwangsevakuierung von 2.000 Inselbewohnern auf die Seychellen und nach Mauritius.

Der Sunday Herald berichtete bereits 2007, dass die Hangars der auf der Insel stationierten Tarnkappen-Bomber mit Vorrichtungen zur Aufnahme bunkerbrechender Bomben ausgestattet wurden. (3) Obwohl der Bericht damals nicht bestätigt wurde, zeigen die neuen Beweise, dass er zutraf. Vertragsdetails über die für Diego Garcia bestimmte Ladung wurden auf einer Website für internationale Ausschreibungen von der US-Navy veröffentlicht.

Superior Maritime Services, ein Schifffahrtsunternehmen in Florida, wird 699.500 Dollar für den Transport einiger tausend Teile an militärischer Ausrüstung von Concord in Kalifornien nach Diego Garcia erhalten. Die Ladung enthält auch 195 ferngesteuerte Bomben des Typs BLU-110 (4) und 192 schwere Bomben des Typs BLU-117 (5) mit einem Gewicht von 2.000 Pound (907 kg).

„Die USA bereiten sich auf eine völlige Zerstörung des Iran vor“, sagte Dan Plesch, der Direktor des Centre for International Studies and Diplomacy (des Zentrums für Internationale Studien und Diplomatie) an der University of London, der Mitverfasser einer neuen Studie über die US-Vorbereitungen für einen Angriff auf den Iran ist. „US-Bomber sind heute in der Lage, in wenigen Stunden 10.000 Ziele im Iran zu zerstören“, fügte er hinzu. Die Vorbereitungen träfe das US-Militär, die Entscheidung läge aber beim Präsidenten Obama. Er könne beschließen, dass es für die USA besser sei, anstelle Israels zu handeln, erklärte Plesch. „Die USA veröffentlichen das Ausmaß ihrer Vorbereitungen nicht, weil das den Iran zum Einlenken bringen könnte, und machen damit eine Konfrontation nur wahrscheinlicher“, fügte er hinzu. „Die Vereinigten Staaten nutzen ... ihre Streitkräfte als Teil einer Gesamtstrategie, um Aktionen des Iran (in die erwünschte Richtung) zu lenken.

Für Ian Davis, den Direktor des neuen unabhängigen Think Tanks „NATO Watch" (Beobachtung der NATO), gibt die Verschiffung (der Bomben) nach Diego Garcia Anlass zu großer Soge. „Wir sollten die USA nötigen, ihre mit diesen Waffen verfolgten Absichten offenzulegen, und das (britische) Außenministerium muss sich zu seiner Einstellung zu einem Angriff auf den Iran von Diego Garcia aus äußern“, forderte er.

Für Alan Mackinnon, den Vorsitzenden der schottischem Sektion der Campaign for Nuclear Disarmament / CNN (der Kampagne für atomare Abrüstung), war die Enthüllung „äußerst beunruhigend“. Er stellte fest: „Es ist klar, dass die US-Regierung auch weiterhin für einen Krieg gegen den Iran trommelt, wie die jüngsten Äußerungen der Außenministerin Hillary Clinton belegen.“ „Ihre deprimierende Rhetorik gleicht derjenigen, die wir 2003 vor dem Krieg gegen den Irak zu hören bekamen.“

Das britische Verteidigungsministerium hat in der Vergangenheit immer gesagt, die US-Regierung müsse erst die Erlaubnis einholen, wenn sie von Diego Garcia aus Angriffshandlungen durchführen wolle. Die Insel wurde bereits 1991 und 2003 bei Luftangriffen auf den Irak benutzt. Auf der Insel sind nur 50 britische, aber mehr als 3.200 US-Soldaten stationiert. Ein Teil des Chagos-Archipels (zu dem Diego Garcia gehört) ist etwa 1.000 Meilen von den südlichen Küsten Indiens und Sri Lankas entfernt und gut für einen Überfall auf den Iran geeignet. Das US-Verteidigungsministerium hat nicht auf eine Anfrage geantwortet.

Der Artikel erschien am 14. März 2010 unter dem Titel Final destination Iran? im Herald Scotland.


Rob EdwardsDer Autor: Rob Edwards lebt in Edinburgh und arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Journalist für englische und schottische Zeitungen und Zeitschriften, darunter für den Guardian und den New Scientist. Edwards gewann eine Reihe von Auszeichnungen, zuletzt war er als Umwelt-Journalist des Jahres bei den britischen Umwelt-und Media Awards nominiert.


Übersetzung: Wolfgang Jung - Luftpost Kl



Anmerkungen:

(1) Infos zu Diego Garcia: http://de.wikipedia.org/wiki/Diego_Garcia
(2) BLU ist eine Abkürzung für „Bomb Live Unit“ und wird für alle Typen bunkerbrechender Bomben verwendet.
(3) Infos über Tarnkappenflugzeuge sind aufzurufen unter de.wikipedia.org/wiki/Tarnkappenflugzeug.
(4) vgl. www.deagel.com/Warheads/BLU-110_a000947001.aspx
(5) http://www.designation-systems.net/dusrm/app5/jdam.html
 

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