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Mittwoch, 16. Mai 2012  

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Afghanistan-Krieg: Merkel droht mit neuem 9/11

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(22.o4.2010/hg/dpa)

Den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan hält Bundeskanzlerin Angela Merkel trotz der schweren Verluste für alternativlos. Forderungen nach einem sofortigen Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan bezeichnete sie als „unverantwortlich“. „Es wäre (...) ein Trugschluss zu glauben, Deutschland wäre nicht im Visier des internationalen Terrorismus“, sagte sie heute in ihrer Regierungserklärung im Bundestag. Die Folgen eines Abzugs wären „weit verheerender als die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001“. Afghanistan würde „in Chaos und Anarchie versinken“.

„Unabsehbar“ wären nach Merkels Einschätzung die Folgen eines Abzugs auch für die internationale Gemeinschaft und die Sicherheit Deutschlands. So würde die Gefahr erheblich steigen, dass Nuklearmaterial in die Hände extremistischer Gruppen gelange. Ein Abzug wäre eine „Ermutigung für alle Extremisten, die weit über Afghanistan und seine Nachbarn hinausgehe“. Merkel wiederholte die Aussage des früheren Verteidigungsministers Peter Struck, dass die Sicherheit in Deutschland auch am Hindukusch verteidigt werde.

Wer also den Abzug fordert, ermutigt Merkel zufolge Extremisten dazu, verheerende Anschläge zu begehen. Nach dieser Logik könnten schon bald Abzugs-Forderungen als (moralische) Unterstützung des internationalen Terrorismus kriminalisiert werden.

Wie allerdings LINKE-Chef Lafontaine in der Vergangenheit mehrfach betonte, ist Deutschland erst durch die Beteiligung an dem bereits vor dem 11.September 2001 geplanten Afghanistan-Krieg ins „Visier des internationalen Terrorismus“ gerückt.

Erst im Herbst letzten Jahres hatten US-Geheimdienstberichte festgestellt, dass es sich bei den Aufständischen in Afghanistan in erster Linie nicht um religiös motivierte Taliban oder Al-Qaeda-Kämpfer handele, sondern im Wesentlichen um Stammeskrieger. Nur zehn Prozent der feindlichen Kräfte werden den Taliban zugerechnet.(1) Was Al-Qaeda angeht, geht man laut einem Bericht der New York Times vom 7.Oktober 2009 sogar von nur unter hundert Kämpfern aus.(2) Es handelt sich also in erster Linie um einen Krieg gegen einen nationalen Aufstand und nicht um einen Krieg gegen den internationalen Terrorismus.

Doch Zweifel an der Gültigkeit des Afghanistan-Mandats, wie sie von SPD-Chef Sigmar Gabriel geäußert worden sind, wies die Kanzlerin zurück. „Dieses Mandat ist über jeden vernünftigen völkerrechtlichen und verfassungsrechtlichen Zweifel erhaben“, sagte sie.

Zuvor hatte Merkel den Angehörigen, Freunden und Kameraden der sieben getöteten Bundeswehrsoldaten ihr Mitgefühl ausgesprochen. Die Soldaten seien gestorben, weil sie Afghanistan zu einem Land ohne Terror und Angst machen wollten. „Alle Soldaten, die in Afghanistan Dienst tun, verdienen unsere Solidarität und unser Mitgefühl.“

Wenig Mitgefühl für die westlichen Besatzungssoldaten werden die Mitglieder einer afghanischen Familie haben, die Mitte März Rache geschworen und Selbstmordattentate angekündigt hatte, nachdem am 12.Februar bei einer „Durchsuchung“ mehrere Familienmitglieder, darunter zwei schwangere Frauen, von US-Soldaten ermordet wurden. (3) Im Februar wurde auch bekannt, dass bereits am 27.Dezember ein US-Todesschwadron in Ghazi Khan bei einer „Durchsuchung“ zehn schlafende Minderjährige hingerichtet hatte. (4)

Angesichts der Tatsache, dass Terror und Angst in erster Linie von den US-Besatzungstruppen ausgehen, erscheint Merkels Aussage wie Hohn – insbesondere gegenüber den Angehörigen der in Afghanistan gefallenen Soldaten.


(1)http://www.boston.com/news/world/middleeast/articles/2009/10/09/most_insurgents_in_afghanistan_not_religiously_motivated_military_reports_say/?page=full
(2)http://www.nytimes.com/2009/10/08/world/asia/08prexy.html?_r=2
(3)http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/afghanistan/article7061709.ece
(4)http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/afghanistan/article7040216.ece
 

Kurzmeldungen im Überblick

Militärbeobachter: Deutschland schickt Soldaten nach Syrien

(16.05.2012/hg/dpa)

Deutschland beteiligt sich dem Beobachtereinsatz der Vereinten Nationen in Syrien. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch die Entsendung von bis zu zehn Soldaten, die allerdings unbewaffnet sind. Zunächst soll nur ein einziger Stabsoffizier in die Krisenregion entsendet werden.

Ende Mai soll die UN-Truppe für Syrien (UNSMIS) 300 Militärbeobachter umfassen. Derzeit sind dort etwa 190 Blauhelm-Beobachter, die aus Sicherheitsgründen stets in gepanzerten Fahrzeugen unterwegs sind. Die Truppe soll auf Beschluss des UN-Sicherheitsrats helfen, den Friedensplan des internation [ ... ]


Frankfurter Occupy-Camp geräumt, demokratische Versammlungen verboten

(16.05.2012/hg/dpa)

Die Polizei hat am Mittwoch dass Frankfurter Protest-Camp geräumt. Mit Lautsprechern waren die Bewohner des Occupy-Zeltlagers zuvor aufgefordert worden, den Platz vor der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verlassen. Danach fingen die Beamten an, die Bewohner aus dem Camp zu tragen.

Die Polizisten waren mit einem großen Aufgebot im Einsatz. Sie wurden von einigen Aktivisten, die mit Farbeimern in Kinderplanschbecken saßen, mit Farbe bespritzt. Begleitet wurde die rund einstündige Wegtrageaktion von Trommeln und Rufen der Demonstranten wie „Wir bleiben hier“.
Nach Po [ ... ]


Rom will Anti-Terror-Maßnahmen verschärfen

(14.05.2012/hg/dpa)

Nach Anschlägen auf einen Atommanager in Genua und die Steuereinzugsbehörde in Livorno will die italienische Regierung einen Anti-Terror-Plan auflegen. Die Sicherheitsvorkehrungen sollen verschärft werden. Innenministerin Anna Maria Cancellieri nannte aber am Montag keine Details. Zunächst seien die örtlichen Sicherheitsbehörden zuständig, die bereits ihre entsprechenden Gremien einberufen hätten. Am Donnerstag will der nationale Sicherheitsausschuss zusammenkommen, um über Maßnahmen zu beraten. Zu den Anschlägen hatte sich eine anarchistische Gruppe bekannt.

Die  [ ... ]


Janukowitsch nennt EM-Boykottdrohungen bedeutungslos

(14.05.2012/hg/dpa)

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch bezeichnete die Debatte über die inhaftierte frühere Regierungschefin Julia Timoschenko als Belastung für das das Land. Zugleich bezeichnete er Boykottdrohungen gegen die Fußball-EM am Montag aber als bedeutungslos.

„Wenn jemand nicht in die Ukraine reisen will, ist das seine Sache“, sagte Janukowitsch nach der Eröffnung eines rund 30 Millionen Euro teuren Flughafenterminals für die Europameisterschaft in Donezk. Er sei überzeugt, dass das Turnier, das die Ukraine mit Polen ausrichtet, reibungslos ablaufe. Man werde s [ ... ]


Frankfurt: Lautstarke Proteste gegen Flughafenlärm

(11.05.2012/hg/dpa)

Demonstranten haben bei der Hauptversammlung des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport gegen den Fluglärm an Deutschlands größtem Flughafen protestiert. Sie beschallten am Freitag die anreisenden Aktionäre mit lauter Musik und Geräuschen.

Die rund 100 Demonstranten verlangten von dem vom Land Hessen (31,49 Prozent) und der Stadt Frankfurt (20,11 Prozent) beherrschten M-Dax-Konzern unter anderem eine Begrenzung des Flugverkehrs, eine Ausdehnung des Nachtflugverbots sowie die Schließung der erst im Oktober eröffneten neuen Landebahn. Fraport-Chef Stefan Schulte verwi [ ... ]


„Qualitätsjournalismus“: Bild-Vize wird Focus-Chef

(11.05.2012/hg/dpa)

Jörg Quoos (48), Stellvertreter des Bild-Chefredakteurs Kai Dieckmann, wird Anfang 2013 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus, dem konservativen Flaggschiff des Burda-Konzerns.

Er übernimmt den Posten von Uli Baur (56), der neben Helmut Markwort Focus-Herausgeber wird, wie der Verlag Hubert Burda Media am Freitag in München mitteilte. Markwort und Baur hatten das Nachrichtenmagazin als Konkurrenz zum Spiegel ab dem Jahr 1992 gemeinsam aufgebaut, die erste Ausgabe erschien im Januar 1993.

Quoos arbeitet seit 1992 bei der Bild-Zeitung, im Jahr 2004 wurde er Stellvertr [ ... ]