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Handgranate oder Feuerwerkskörper? Verwirrspiel um angebliches Ahmadinedschad-Attentat

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Von THOMAS WAGNER, 04. August 2010 -

Je mehr Zeit verstreicht, desto stärker widersprechen sich die Pressemeldungen. Am Mittwoch um 11.08 Uhr verbreitete die Agentur dpa zunächst die Nachricht, der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe dem Bericht eines libanesischen Radiosenders zufolge einen Attentatsversuch unverletzt überlebt.

Laut Welt-online hatte der libanesische TV-Sender Future TV um 10.43 Uhr gemeldet: „Irans Präsident Ahmadinedschad überlebt Anschlag auf Konvoi.“ (1) 

Wenig später hätten zunächst der Sender Al Arabija und dann immer mehr arabische Webseiten von einem Anschlag berichtet, einschließlich der, laut Welt-online, regierungsnahen Website Khabaronline.ir. Danach sei das Fahrzeug Ahmadinedschads etwa 100 Meter entfernt gewesen.

Um 11:14 Uhr meldete die Nachrichtenagentur Reuters laut Welt-online: „Iran bestätigt Berichte über Anschlagsversuch auf Ahmadinedschad.“

25 Minuten später hieß es dann bei dpa, nach Berichten arabischer Fernsehsender hätte der Attentäter am Flughafen von Hamedan im Nordwesten des Iran eine Handgranate gegen den Konvoi des Präsidenten geworfen Der Täter sei verhaftet worden. Während mehrere seiner Begleiter in dem Konvoi verletzt worden seien, sei der Präsident selbst unversehrt geblieben und habe sein Programm in Hamedan fortgesetzt.

Eine Quelle im iranischen Präsidentenamt, hieß es jedoch in der gleichen Meldung, habe indes den Anschlag gegenüber dem staatlichen iranischen Fernsehsender Press TV dementiert. Diesbezügliche ausländische Medienberichte seien schlichtweg „falsch“, hieß es.

Um 13.07 schließlich wird die Nachrichtenlage für dpa noch unklarer. Demnach berichtete auf der einen Seite die, laut dpa, „halb-offizielle iranische Nachrichtenagentur Fars“, ein Regimegegner habe an besagtem Flughafen eine Handgranate gegen den Konvoi des Präsidenten geworfen. Staatliche iranische Medien würden dagegen dementieren, dass es überhaupt einen Anschlag gegeben habe. Der arabischsprachige Sender Al Alam wiederum berichtet, dass ein Feuerwerkskörper gezündet worden sei, als die Menschenmenge dem eingetroffenen Ahmadinedschad zujubelte.

Andere „informierte Quellen“ hätten von der Detonation eines Feuerwerkskörpers aus „feindseligen Motiven“ gesprochen und einige, von dpa ungenannte, Medien hätten berichtet, eine Handgranate habe einen Begleitwagen mit Journalisten getroffen und mehrere Reporter verletzt. Die iranische Präsidentschaftskanzlei soll eine Stellungnahme angekündigt haben.

Stern-online wiederum gab einen Bericht des Fernsehsenders Al Alam wieder, nach der Feuerwerkskörper gezündet worden sei, um den Besuch des Präsidenten zu feiern. (2)

Diese Version wird, laut Welt-online, mittlerweile auch von der Presseabteilung des Präsidentenbüros verbreitet. (3)

Die verwirrende Nachrichtenlage kann verschiedene Ursachen haben. Vielleicht handelt es sich um eine bloße Informationspanne. Möglicherweise versuchen offizielle Stellen, ein Attentat gegen den Präsidenten herunterzuspielen. Keineswegs abwegig aber ist die Vermutung, dass feindlich gesonnene Geheimdienste im Iran die Gelegenheit beim Schopf ergriffen haben und das Land an der Nachrichtenfront zu destabilisieren versuchen.


(1) http://www.welt.de/politik/ausland/article8815122/Ahmadinedschad-und-der-mysterioese-Knall-im-Iran.html

(2) http://www.stern.de/politik/ausland/iran-ahmadinedschad-ueberlebt-anschlag-1589904.html

(3) http://www.welt.de/politik/ausland/article8812225/Iran-will-von-Ahmadinedschad-Attentat-nichts-wissen.html
 

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