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Anschlag auf die Pressefreiheit. Wie die ISAF unabhängige Journalisten in Afghanistan terrorisiert

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Von THOMAS WAGNER, 24. September 2010 -

„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Dieses Motto scheint mehr und mehr die Art und Weise zu bestimmen, wie die ISAF in Afghanistan mit Journalisten umzugehen pflegt, die sich in ihrer Berichterstattung nicht allein auf die Informationen der Presseoffiziere der internationalen Truppen beschränken wollen. Nur so lässt sich erklären, wie rabiat die Soldaten seit Anfang der Woche gegen drei afghanische Journalisten vorgegangen sind, die auch für den unabhängigen arabischen Nachrichtensender Al Jazeera gearbeitet haben..

Mohamed Nader Jumaa, ein Kameramann, und der Radio-Reporter Hojatullah Mujadadi befinden sich laut Angaben des Senders seit Freitag wieder auf freiem Fuß. (1) Beide waren in dieser Woche bei Razzien der ISAF-Truppen festgenommen worden.

Dagegen werde Rahmatullah Nekzad , ein zweiter Kameramann, der für Al Jazeera und Associated Press tätig war, weiterhin gefangen gehalten. Anonyme Quellen sollen jedoch angedeutet haben, dass der freiberuflich arbeitende Journalist am Montag freigelassen werden könnte.

Bereits am Montag hatten US-Soldaten den Journalisten Nekzad aus seinem Haus in der ostafghanischen Provinz Ghazni gekidnappt. Die Soldaten sollen nachts in sein Haus eingedrungen sein und dort alles kurz und klein geschlagen haben, meldete die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti.(2)

Zusammen mit Nekzad seien drei seiner Brüder verschleppt worden. Das Presseamt der ISAF habe die nächtliche Aktion damit begründet, dass der Reporter im Auftrag der Taliban versucht habe, die Parlamentswahl vom Sonntag zu stören.

Die Freilassung Jumaas erfolgte, nachdem Journalisten aus Afghanistan und der ganzen Welt gegen die Gefangennahme protestierte hatten und auch die Regierung Hamid Karzais Druck ausgeübt hatte. Der Kameramann war am Mittwoch festgenommen worden. Die ISAF-Soldaten meldeten zu diesem Zeitpunkt, einen Unterstützer der Taliban geschnappt zu haben. Während seiner Arrestzeit soll Jumaa von US-Verhörspezialisten befragt worden sein.

Samir Allawi, der Bürochef des Nachrichtensenders Al Jazeera in Kabul, erklärte die Vorwürfe der ISAF-Truppen für gegenstandslos. Die Journalisten hätten seit Jahren für Nachrichtenorganisationen gearbeitet und deshalb auch Kontakte zu den Aufständischen gehabt. Mohamed Nader habe sogar als „embedded journalist“ an der Seite von US-Truppen gearbeitet.

„Wir rechnen nicht damit, dass man in die Häuser unserer Reporter einbricht und sie mitten in der Nacht verhaftet“, sagte Allawi laut Presseberichten. (3) „Es ist sehr einfach sie anzurufen, und dann kommen sie jederzeit.“ Die Waffenfunde im Haus von Nekzad erklärte Allawi für überhaupt nicht ungewöhnlich, denn in beinahe jedem Haus in Afghanistan seien Waffen zu finden. Für Al Jazeera handelt es sich bei den Festnahmen um einen Versuch der ISAF, ihre umfassende journalistische Arbeit zum Krieg in Afghanistan zu behindern. Nach Angaben seiner Ehefrau war Jumaa am frühen Mittwochmorgen im gemeinsamen Schlafzimmer festgenommen worden, nachdem Soldaten ihre Wohnung gestürmt und eine Wertsachen konfisziert hätten.

Der Sender Al Jazeera wirft den internationalen ISAF-Truppen vor, ihre Arbeit in Afghanistan systematisch zu behindern. Laut Ria Novosti teilen Experten die Auffassung des Senders, dass die US-Armee Al Jazeera wegen seiner engen Kontakte mit der afghanischen Opposition und US-kritische Berichte unter Druck setze.(4) Erst kürzlich sei Samir Allawi von US-Soldaten bedroht worden.

Der Sender pocht dagegen auf seinen unparteiischen Standpunkt. Es gehöre zur professionellen Arbeit der Journalisten alle Konfliktparteien zu kontaktieren. Dazu gehörten die Streitkräfte der ISAF, die afghanische Regierung, aber auch die Taliban.

(1) http://english.aljazeera.net/news/asia/2010/09/201092461521148370.html
(2) http://de.rian.ru/world/20100922/257320499.html
(3) http://ojihad.wordpress.com/2010/09/22/isaf-verhaftet-al-jazeera-kameramanner/
(4) http://de.rian.ru/world/20100922/257320499.html
 

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