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Telesur als Vorbild. Ein Pressegespräch über die Bolivarianische Allianz (ALBA) und die Medien

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Von THOMAS WAGNER, 27. Oktober 2010 -

Lange Zeit vernahmen wir aus Lateinamerika vor allem negative Nachrichten. Ein Staatsstreich folgte dem anderen. Meistens hatten die USA direkt oder mittels ihrer Geheimdienste ihre Finger mit im Spiel. Auch in den vergangenen acht Jahren gab es allein vier rechtsgerichtete Putschversuche (Venezuela, Bolivien, Ecuador, Honduras). Im Unterschied zu früher war davon aber nur einer erfolgreich: der Staatsstreich in Honduras.

In den Worten von Evo Morales gesagt: „Die Demokratie steht 3 zu 1.“ Ausschlaggebend dafür waren die breite Unterstützung des Volkes für die durch Wahlen legitimierten Regierungen, die weitgehende Loyalität der Streitkräfte und der internationale Druck, der auf die Putschisten vor allem von anderen lateinamerikanischen Regierungen ausgeübt wurde.

Ein wichtiger Grundstein für die politische Zusammenarbeit dieser Regierungen  wurde im  Dezember 2004 gelegt. Damals initiierten die Präsidenten Venezuelas und Boliviens mit der Bolivarischen Allianz für die Völker unseres Amerika (ALBA) eine wirkmächtige Alternative zu den neoliberalen Integrationsplänen in einer Region, die von den USA  als ihre ureigene Einflusssphäre betrachtet wird. Bis heute haben sich acht lateinamerikanische und karibische Länder (1) und seit neuestem auch Syrien dem Bündnis angeschlossen, das den kooperativen Aspekt der zwischenstaatlichen Beziehungen immer deutlicher betont.

Mit der Kapitallogik brechen

Dabei soll mit „der Logik von Profit und Kapitalakkumulation gebrochen“ werden, sagte Eduardo Lazo, der Pressesekretär de kubanischen Botschaft in seiner Begrüßungsansprache der 2. Konferenz „ALBA und die Medien“ in Berlin. Nachdem der Diplomat die bemerkenswerten Fortschritte der Bolivarianischen Allianz auf den Gebieten der Wirtschaft, der medizinischen Versorgung, der politischen Koordination und der Alphabetisierung knapp skizziert hatte, befasste sich ein von Harald Neuber moderiertes Podium eingehender mit den durch ALBA beförderten Entwicklungen.

Manfred Bleskin vom Hauptstadbüro des Fernsehsenders N-TV bezeichnete ALBA als einen Ansatz, der in die Richtung weise. Die Integration müsse jedoch erweitert und auf Staaten wie Brasilien und Argentinien ausgedehnt werden. Ähnlich wurde die Lage von André Scheer beurteilt, der für die Tageszeitung junge Welt auf dem Podium saß. Scheer sah mit ALBA einen „ganz wichtigen Anfang gemacht“. Doch läge ein noch ein weiter Weg vor den beteiligten Staaten. Immerhin sei es schon jetzt gelungen, Teile der globalen Wirtschaftskrise mit der neugegründeten Bank des Südens und der gemeinsamen Währung SUCRE zumindest aufzufangen.

Auf die Frage, ob es sich bei ALBA eigentlich um eine linke Integrationsbewegung handele, antwortete Scheer, dass es sich vor allen Dingen um eine Reaktion darauf handelt, dass es so wie bislang einfach nicht mehr weiter ging. Die Bedeutung von Hugo Chávez habe vor allem darin gelegen, dass er eine dringend gebotene Alternative überhaupt angeboten habe. Viele Länder Lateinamerikas wollen sich von der einseitigen Abhängigkeit vom Machtzentrum USA lösen.  Bei ALBA geschehe dies mit einer antiimperialistischen Stoßrichtung, aber auch andere Staaten wollten sich unabhängig machen.

Telesur gucken

Manfred Bleskin bemängelte, dass hierzulande ziemlich pauschalisierend und oberflächlich über die Vorgänge in Lateinamerika berichtet werde. Er wünschte sich eine differenziertere Berichterstattung, die sich durchaus den im Rahmen von ALBA geschaffenen Fernsehsender Telesur zum Vorbild nehmen könne. (2)  „Wenn ich Telesur gucke, sehe ich keine Propaganda, sondern eine objektive Berichterstattung“, sagte Bleskin und betonte, dass dies insbesondere auch für die Telesur-Berichterstattung über Deutschland und den Rest der Welt zuträfe.



(1) Die Länder sind Kuba, Venezuela, Bolivien, Nikaragua, Dominica, Ecuador, St. Vincent und die Grenadinen sowie Antigua und Barbuda.

(2) Vgl.  http://de.wikipedia.org/wiki/TeleSUR
 

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