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Französische Kolonialambitionen: Das Massaker in Cote d`Ivoire und die Verantwortung des Westens

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Von REDAKTION, 4. April 2011 -

Der Kampf um das Präsidentenamt in Cote d`Ivoire wird mit militärischen Mitteln ausgefochten. Immer mehr Menschen kommen dabei ums Leben. Anhänger des noch amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo verteidigen den Präsidentenpalast und die Residenz bis aufs Blut. Die westliche Parteinahme für Alassane Ouattara gießt unter der Wortführerschaft Sarkozys weiteres Öl ins Feuer.

Nach einem Massaker mit bis zu tausend Toten in Duékoué im Westen der Elfenbeinküste forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Untersuchung des Blutbades. Die Hintergründe des Geschehens in Duékoué waren am Sonntag weiterhin unklar. Die Hilfsorganisation Caritas sprach auf ihrem Internet-Portal von einem „Massaker“ mit 1.000 Toten. Die meisten von ihnen waren getötet worden, nachdem die Truppen des vom Westen präferierten Präsidenten Alassane Ouattara in der Stadt einmarschiert waren. Das Internationale Rote Kreuz (IRK) hatte die Toten am Donnerstag auf den Straßen des Ortes gefunden.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen berichtete von zunehmenden Spannungen im Land. „Die Zahl der Verletzten ist extrem beunruhigend“, erklärte Renzo Fricke von der Hilfsorganisation. Vier UN-Soldaten wurden laut der UN-Mission in der Elfenbeinküste ONUCI am Samstag schwer verletzt, als sie unerwartet in ihrem Fahrzeug beschossen wurden.

Die UN hatten vor Bekanntwerden der Zahlen aus Duékoué geschätzt, dass der Machtkampf in der Elfenbeinküste bisher etwa 500 Todesopfer gefordert habe. Etwa eine Million Menschen sind demnach auf der Flucht. Der Menschenrechtsexperte der UNOCI meinte, dass derzeit „keine der beiden Seiten die Menschenrechte respektiert“. Das hindert den Westen jedoch nicht daran, sich unmissverständlich auf die Seite Ouattaras zu stellen, der „einst Spitzenfunktionär beim Internationalen Währungsfonds“ war. (1)  

Für die kommenden Tage werden weitere Kämpfe erwartet. Ein Sprecher Ouattaras meinte laut BBC am Samstag, der eigentliche Angriff auf Gbagbo werde derzeit erst vorbereitet.

EU, USA sowie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon fordern Gbagbo auf, die Macht an seinen gewählten Nachfolger abzugeben. Unterdessen verstärkten die französischen Truppen und die Blauhelme der UN-Mission UNOCI am Freitag ihre Präsenz in den Straßen von Abidjan. Auf dem französischen Militär-Stützpunkt Port-Bout in der Nähe des Flughafens von Abidjan haben bis Samstag über 1.500 ausländische Zivilisten Zuflucht gesucht.

Unter dem Vorwand, eine Evakuierung zu erleichtern, haben die französischen Truppen im Land in Abstimmung mit der UN-Mission UNOCI die Kontrolle über den Flughafen der Wirtschaftsmetropole übernommen. In der Elfenbeinküste leben nach Angaben des Außenministeriums in Paris etwa 12.200 Franzosen, davon allein 11. 800 in Abidjan. Alle Franzosen, die in Abidjan leben, sollen unverzüglich zusammengebracht werden, um sie zu schützen, verlangte Präsident Nicolas Sarkozy. Nach Angaben des Auswärtigen Amts (AA) halten sich außerdem noch schätzungsweise 30 Deutsche in dem Land auf. Ein Großteil der ursprünglich rund 200 Bundesbürger habe das Land inzwischen verlassen, sagte eine AA-Sprecherin in Berlin der Nachrichtenagentur dpa.

Sevim Dagdelen, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages und Sprecherin für Internationale Beziehungen der Fraktion Die Linke, verurteilte „die einseitige Parteinahme für Ouattara als vermeintlichen ‚Wahlsieger’ insbesondere durch die USA und Frankreich, aber auch durch Deutschland und die EU nach der Stichwahl Ende November 2010.“ (2)



(1) http://www.jungewelt.de/2011/04-02/051.php

(2) http://www.jungewelt.de/2011/04-02/051.php
 

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