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Lebendig an Krokodile verfüttert: Staatliche und paramilitärische Gewaltexzesse in Kolumbien

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Von REDAKTION, 23. November 2011 -

Wenn von Terrorismus in Kolumbien die Rede ist, dann geraten hierzulande zumeist die „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) in den Fokus der Berichterstattung. Unter den Tisch fällt dabei meist der Terror, der von den staatlichen Organen und den von ihnen instrumentalisierten Paramilitärs in den vergangen Jahren nicht nur gegen bewaffnete politische Gegner sondern auch gegen die Zivilbevölkerung ausgeübt wurde.

Dabei sprengt die dabei verübte Grausamkeit beinahe die Grenzen menschlicher Vorstellungskraft. So soll die kolumbianische Armee nach einem Bericht der katholischen Nichtregierungsorganisation Zentrum für Ermittlungen und Volksbildung in den vergangenen 27 Jahren 1.249 unschuldige Zivilisten getötet haben, die anschließend als linke Guerillakämpfer präsentiert wurden. Das meldeten die junge Welt und verschiedene andere Medien am Mittwoch. Einen Höhepunkt habe diese Praxis unter der Präsidentschaft von Staatschef Alvaro Uribe in den Jahren 2005 bis 2008 erreicht. In diesem Zeitraum habe es 976 derartige Morde gegeben. (1)

Auch in der taz war schon vor Monaten von solchen Morden des Militärs an Zivilisten berichtet worden. (2) Das ganze Ausmaß des mörderischen Staatsterrorismus war damals jedoch noch nicht bekannt gewesen.

Nun kommen weitere Horrormeldungen hinzu. Kolumbiens Paramilitärs haben laut eines dpa-Berichts zugeben, in den vergangenen Jahren Gefangene noch lebend an Krokodile verfüttert zu haben. Im Prozess gegen sechs ehemalige Mitglieder der „Einheiten zur Selbstverteidigung Kolumbiens“ (AUC) bestätigte einer der Angeklagten, in seiner Einheit sei ein im Jahr 2000 verschwundener Mann lebend in ein Krokodilgehege geworfen worden, um keine Spuren zu hinterlassen.

Alfredo Argel alias „Mano de Trinche“ (Tranchier-Hand) legte das Geständnis vor einem Gericht in Barranquilla ab. Der Vorfall soll nach Medienberichten in La Florida an den Ufern des Magdalena-Flusses im Nordwesten Kolumbiens geschehen sein. Der Bruder des Opfers war während der Aussage live zugeschaltet und erlitt einen Schwächeanfall.

Auch ein Massaker an fünf weiteren vermeintlichen Mitgliedern der FARC geht auf das Konto der Gruppe. Sie waren von einem Deserteur aus dem Lager der FARC an die Paramilitärs verraten worden. Der Hauptangeklagte Manuel Castellanos Morales alias „El Chino“ (Der Chinese) schilderte die Tat mit einem Lächeln im Gesicht, wie die Tageszeitung El Heraldo berichtete: „Zuerst haben wir ihnen mit einem Kabel die Hände gefesselt. Dann befahl ich ihnen, sich nach vorne zu beugen und verpasste ihnen mit einem Brecheisen einen Schlag auf den Kopf. Danach habe ich ihnen die Kehle aufgeschlitzt“. Die Angehörigen der Opfer reagierten bestürzt und beschuldigten den Täter, sich über ihren Schmerz lustig zu machen.  

Bereits 2008 hatte ein ehemaliges Mitglied der AUC ausgesagt, er habe angeordnet, Gruppen von mehr als drei Gefangenen von Giftschlangen töten zu lassen. So habe man verhindern wollen, für Massaker verantwortlich gemacht zu werden. Die AUC hatten sich unter Präsident Alvaro Uribe (2002-2010) aufgelöst. Den Mitgliedern der Organisation wurde im Gegenzug weitgehende Amnestie zugesichert. Ihre Führer durften demnach höchstens zu acht Jahren Haft verurteilt werden.

(1) http://www.jungewelt.de/2011/11-23/055.php

(2) http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=au&dig=2011%2F06%2F09%2Fa0113&cHash=6147857c41
 

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