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Filmregisseur Andreas Dresen zum Verfassungsrichter gewählt

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Blick für den Alltag der kleinen Leute -

Von REDAKTION, 14. November 2012 -

Mit großer Mehrheit hat der brandenburgische Landtag am Mittwoch den Filmregisseur Andreas Dresen zum Richter am Landesverfassungsgericht gewählt. Für den 49-Jährigen stimmten 70 Abgeordnete bei sieben Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Dem neunköpfigen Gremium der Verfassungsrichter können drei Laienrichter angehören. Dresen rückt für den vor Kurzem zum Gerichtspräsidenten gewählten Jes Möller nach. Er wolle mit gesundem Menschenverstand an seinen neuen „Job“ herangehen, hatte der Filmemacher im Vorfeld angekündigt. Er war für das Amt von der Fraktion Die Linke im Potsdamer Landtag vorgeschlagen worden.

Schon einmal gab es im Land Brandenburg einen Laien-Verfassungsrichter. Zehn Jahre lang entschied der Schriftsteller, Komponist und Maler Florian Havemann, Sohn des Chemikers, Schriftstellers, DDR-Kritikers und antifaschistischen Widerstandskämpfers Robert Havemann (1910-1982), als Nicht-Jurist über die dem Gericht vorgelegten Klagen.

Zu seinem künftigen Aufgabengebiet sagte Dresen im RBB-Interview: „Das sind dann aus der Nähe betrachtet häufig total handfeste Probleme, die mit dem Lebensalltag sehr vieler Menschen zu tun haben.“ Als einer der ersten Fälle wird auf seinem Schreibtisch zum Beispiel der Streit um die Finanzierung der Freien Schulen in Brandenburg landen. Dresen sprach von seiner künftigen Tätigkeit als einer spannenden und herausfordernden Aufgabe. Er habe schon länger darüber nachgedacht, wie er sich ins demokratische Gemeinwesen einbringen könne. Der Regisseur bekannte auch, ein echter Laie zu sein: „Ich hatte persönlich noch nie mit der Justiz zu tun. Ich war noch nicht mal vor dem Scheidungsrichter. Das kann ja noch kommen, wer weiß.“

Seine preisgekrönte, in Frankfurt/Oder spielende Tragikomödie Halbe Treppe (2002) ist nicht nur eine schräge Beziehungsgeschichte, sondern auch ein Porträt der Stadt an der Grenze zu Polen – mit all ihren Schwierigkeiten. In Sommer vorm Balkon (2004) ging es um die Alltags- und Liebesnöte zweier Freundinnen vom Prenzlauer Berg. Der Regisseur ist auch für seine beiden Dokumentarfilme über den märkischen CDU-Abgeordneten Henryk Wichmann bekannt. In Herr Wichmann von der CDU (2003) zeigte er den erfolglosen Kampf des Brandenburgers um ein Bundestagsmandat. Als der dann 2009 in den Landtag nachrückte, kam Dresen die Idee für eine Fortsetzung. Herr Wichmann aus der dritten Reihe feierte im Februar bei der Berlinale Premiere. 2009 erhielt Dresen für den Spielfilm Wolke 9, bei dem es um Liebe und Sex im Alter ging, den Deutschen Filmpreis Lola für die beste Regie.

Mit dem Deutschen Filmpreis wurde auch Dresens Krebsdrama Halt auf freier Strecke (2011) ausgezeichnet. Lange hatte der Regisseur für diesen Film recherchiert, in dem reale Ärzte und Pflegehelfer auftreten. Erzählt wird vom Berliner Familienvater Frank, bei dem ein Hirntumor festgestellt wird. Schonungslos und ehrlich erzählt und beobachtet Dresen, wie Franks Familie den Kranken im Sterben begleitet. Dresens Filme haben Bodenhaftung. Das entspricht der Haltung, mit der der Regisseur dem Leben gegenübersteht. „Ich habe keine riesigen Ansprüche, lebe nicht schlecht, brauche aber auch keinen großen Komfort“, sagte der Filmemacher der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Mir reicht mein zehn Jahre alter Golf und meine ganz normale mittelgroße Mietwohnung in einem unsanierten Altbau.“ Erst kürzlich habe er sich mit Kollegen darüber amüsiert, welches Bild in der Öffentlichkeit herrsche. „Man sieht uns immer auf irgendwelchen roten Teppichen stehen – und keiner weiß, dass die meisten Anzüge geborgt sind und viele von uns mit einem Haufen Schulden durch die Gegend rennen.“

(mit dpa)
 

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