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Zeitungssterben: Financial Times Deutschland wird eingestellt

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Von REDAKTION, 23. November 2012 -

Der Medienkonzern Gruner+Jahr stellt seine tägliche Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland ein. Das teilte der Verlag am Freitag der Belegschaft und den Mitarbeitern in Hamburg mit. Die letzte Ausgabe des lachsfarbenen Blattes sei für den 7. Dezember geplant. Die FTD hatte zuletzt eine verkaufte Auflage von 102.101 Exemplaren.

Das bereits 1962 gegründete Magazin Capital, dass 2008 von 14-täglicher auf monatliche Erscheinungsweise umgestellt wurde, soll von Berlin aus voraussichtlich mit einer verkleinerten Redaktion weitergeführt werden, ebenso das halbjährliche Heft Business Punk. Mit den Betriebsräten werde über einen Sozialplan verhandelt, teilte der Verlag mit.

Für das monatlich erscheinende Magazin Impulse und das Anlegermagazin Börse Online wird geprüft, ob sie verkauft werden oder ob sie durch ein Management-Buy-Out – also die Übernahme durch verlagsinterne Manager – weitergeführt werden können. Sollten die Gespräche nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, sei auch für diese beiden Wirtschaftsmagazine die Einstellung geplant. Von diesen Maßnahmen sind bei den Titeln direkt 314 Mitarbeiter betroffen, weitere 50 in angrenzenden Verlagsbereichen.

Der Verlag hatte in der Finanzkrise 2008 seine Wirtschaftsmedien in Hamburg zusammengezogen, um Kosten zu reduzieren. Die Standorte Köln und München wurden geschlossen. Alle Titel wurden von März 2009 an von einer Redaktion am Verlagssitz Hamburg herausgegeben.„Zwar konnten erhebliche Einsparungen erzielt werden, diese reichten jedoch nicht aus, um die rückläufigen Anzeigenumsätze auszugleichen“, teilte Gruner+Jahr mit. Auch 2012 würden die Wirtschaftsmedien einen deutlichen Verlust machen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 ist die FTD nicht in die schwarzen Zahlen gekommen.

Die Gruner+Jahr -Deutschland-Chefin Julia Jäkel gehörte mit zum Gründungsteam des Blattes.  Ebenfalls zu den Blattgründern gehört der marxistische Ökonom Lucas Zeise, der bis Anfang dieses Jahres als Kolumnist für die FTD arbeitete. Heute schreibt er regelmäßig für die linke Tageszeitung junge Welt. (1)

Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Verlag Gruner+J ahr vor, zu spät Alternativen für seine Wirtschaftsmedien geprüft zu haben. Nun habe die Verlagsleitung einen verheerenden Kahlschlag angerichtet und mehr als 300 Beschäftigte sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. „Verantwortungsvolles Unternehmertum sieht anders aus“, sagte der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke am Freitag.

Die Eigentümer seien nun gefordert, jede Möglichkeit der Weiterbeschäftigung der Betroffenen innerhalb des gesamten Verlages zu prüfen. „Das ist ein bitterer Tag für die gesamte Belegschaft der Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien und ein herber Schlag für den Qualitätsjournalismus“, sagte Werneke.

Die Medienbranche war im November schon durch den Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau geschockt worden. Außerdem verschwindet das Stadtmagazin Prinz im Dezember aus den Kiosken und präsentiert sich dann nur noch im Internet. (mit dpa)



(1) http://www.jungewelt.de/2012/11-22/052.php
 

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