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SWR-Literatur-Geschwätz - oder Die angeblich unpolitische Literaturkritik

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Von PAUL SPITZER, 14. Dezember 2012 -

Die Literaturkritikerin und Moderatorin Thea Dorn lud zum 13. Dezember die Literaturkritiker Denis Scheck (ARD-Druckfrisch) und Ijoma Mangold (Die Zeit) sowie die Literaturkritikerin Felicitas von Lovenberg (FAZ) zum SWR-Talk Literatur im Foyer ein. Sechzig Minuten Eitelkeit, Geschwätz und Spiegelfechterei, hin und wieder durchaus kurzweilig, aber absolut nicht tendenzfrei.

Es sollte um Klassiker der Weltliteratur gehen, um ein „Wiederlesen“. Die Stars des Literaturbetriebs lachen in die Kamera, gestikulieren emphatisch, fallen sich ins Wort, schwadronieren über ihre Vorlieben, amüsieren sich. Wir unter uns. Sie empfehlen Meister und Margarita von Michail Bulgakow, das neu herausgegebene Märchenbuch 101 Nacht, Als ich im Sterben lag von William Faulkner und Madame Bovary von Gustave Flaubert. Die Rede ist von Offenbarungen, Urtexten der Moderne, Faszination, Evangelien, Kult, Macht der Sprache und so weiter.

Nach diesem Hochamt der Erleuchtungen spricht Thea Dorn schließlich von einem „schrecklichen Lumpenproletarier ohne Manieren“ in Bulgakows Teufeliaden und zitiert lächelnd: „Verbietet etwa Karl Marx, auf der Treppe einen Teppichläufer liegen zu haben?“ Ijoma Mangold meint, das Haben (im Gegensatz zum Sein) sei nicht so schlecht wie sein Ruf. Und zum Schluss preist noch Denis Scheck den  Schokoladentester des ehemaligen Unternehmers Georg Bernadini an, Felicitas von Lovenberg schwärmt für Nancy Mitfords Englische Liebschaften im Adelsmilieu.

Damit lassen die belesenen und eloquenten Literaturkasper hoffentlich nicht nur den kritischen Zuschauer verblüfft und um Orientierung ringend zurück. Klärt sich der Nebel, fand auch hier der inzwischen übliche, mehr oder weniger verdeckte Klassenkampf von oben, diesmal in medialem Hochglanz statt. Neoliberalismus im Literaturbetrieb, propagiert von den Jungs und Mädels der bürgerlichen Mittelschicht, die sich in den Feuilletons und TV-Magazinen festgesetzt haben und unsere Literaturszene allmählich ruinieren.

Dieses Quartett hat wieder einmal den Eindruck bestätigt, dass Kritiker hierzulande zumeist egozentrische, selbstverliebte und ideologisch fixierte Zeitgenossen sind, die tote oder ausländische Autoren und Autorinnen lieben und lebende deutschsprachige, insbesondere solche mit unangepasstem politischen Bewusstsein, gern ignorieren. Der polnische Lyriker Julian Tuwim (1894-1953) hat resigniert geschrieben: „Am besten man ist ein ausländischer perverser Toter.“ Es hat den Anschein, als gelte das seit jeher und überall, seit einigen Jahren aber besonders in Deutschland.



Wer sich wie unser Autor Paul Spitzer empören will oder meint, sich an dem Gekasper ergötzen zu wollen, kann die Sendung in der Mediathek des SWR anschauen:
http://swrmediathek.de/player.htm?show=d3947820-45c6-11e2-9b03-0026b975f2e6


 

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