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Jemen: US-Vasallen entfachen neuen Krieg im Nahen Osten

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Von REDAKTION, 26. März 2015 - 

Nach dem Vormarsch schiitischer Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündeter Einheiten der Armee bis in den Süden des Jemens hat Saudi-Arabien in Verbund mit anderen arabischen Staaten mit Luftangriffen in den blutigen Konflikt eingegriffen. Kampfjets der Koalition bombardierten in der Nacht zum Donnerstag Huthi-Stellungen in der Hauptstadt Sanaa und an anderen Orten.

Laut dem arabischen Sender Al-Arabija beteiligen sich die Vereinigten Arabischen Emirate mit 30 Flugzeugen, Kuwait und Bahrain mit jeweils 15 und Katar mit zehn Maschinen an dem Angriff. Jordanien, Marokko und der Sudan hätten jeweils sechs Kampfjets entsandt. Auch Ägypten soll militärische Hilfe zur Verfügung gestellt haben. Saudi-Arabien hält laut Medienberichten für den Angriff auf Jemen 100 Flugzeuge und 150 000 Soldaten bereit. Der wachsende Einfluss der Huthis im Jemen wird vom nördlichen Nachbarn mit Argwohn betrachtet. Denn das saudische Königreich sieht in den Huthis einen Verbündeten seines Erzfeindes, dem Iran.

Mit der Militärintervention will das von Riad geführte Bündnis Jemens ehemaligen Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi wieder an die Macht hieven. Mit Unterstützung der USA und Saudi-Arabiens löste Hadi den aufgrund der Protestbewegung des Arabischen Frühlings in Bedrängnis geratenen Ali Abdullah Salih ab. Nach Salihs Rücktritt war Hadi Anfang 2012 siegreich aus Präsidentschaftswahlen hervorgegangen – er war allerdings der einzige Kandidat, der „gewählt“ werden konnte. Die Huthis hatten in den letzten Monaten große Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht, darunter die Hauptstadt. Da sie in den vergangen Jahren verstärkt den Kampf gegen Korruption, Vetternwirtschaft und die mangelnde öffentliche Versorgung – mit seinen 26 Millionen Bewohnern gilt das Land als Armenhaus Arabiens – in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellten, und gleichzeitig von ihrer religiösen Rhetorik zunehmend abließen, gelang es ihnen, auch große Teile der nicht-schiitischen Bevölkerung hinter sich zu bringen.

Nachdem Hadi den Huthis die von ihnen geforderte Regierungsbeteiligung verwehrte, stürmten die Rebellen im Januar den Präsidentenpalast in Sanaa und erzwangen damit den Rücktritt der Regierung. Auch Hadi dankte daraufhin ab und setzte sich in die südjemenitische Stadt Aden ab.  Wochen später erklärte er dann seinen Rücktritt vom Rücktritt – offenbar auf Druck aus Washington und Riad, die eine Marionette brauchen, die sie als „legitimen“ Präsidenten ausgeben können, um ihre Interessen im Jemen durchsetzen zu können.

Entsprechend betonen Vertreter der USA und Saudi-Arabiens in aktuellen Stellungnahmen, Hadi sei nach wie vor der legitime Präsident des Landes, um den Angriff zu rechtfertigen. Der Militäreinsatz sei „auf Bitten der legitimen Regierung Jemens“ erfolgt, erklärte der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Dschabir. Hadi hatte zuvor das Ausland zu einem militärischen Eingreifen aufgefordert, nachdem am Mittwoch die Huthis im Verbund mit loyalen Einheiten der Armee in die Hafenstadt Aden vorgedrungen waren und den Ex-Präsidenten erneut zur Flucht zwangen. Hadi soll sich inzwischen ins Nachbarland Oman abgesetzt haben.

Wie Al-Arabija am frühen Donnerstagmorgen unter Berufung auf die saudische Luftwaffe berichtete, sei der gesamte jemenitische Luftraum unter Kontrolle des Nachbarlands. Mindestens vier Kampfflugzeuge auf der Al-Dailami-Basis in Sanaa seien zerstört worden. Die Huthis erklärten laut Al-Jazeera, sie hätten zur Verteidigung Boden-Luftraketen abgefeuert. Drei hohe Huthi-Militärkommandeure seien getötet worden, hieß es bei Al-Arabija. Hadi-treuen Kräften soll es nach Beginn der Luftangriffe gelungen sein, den Flughafen Aden wieder unter Kontrollen bringen. Mit den Huthis verbündete Armeekräfte hatten ihn zuvor eingenommen. Nach Angaben des jemenitischen Gesundheitsministeriums sind 25 Zivilisten bei den Angriffen getötet sowie 40 verletzt worden. Kampfflugzeuge hätten Wohngebiete in der Nähe des internationalen Flughafens bombardiert. Ein Journalist der Yemen Post sagte dem Sender, Bomben seien überall in Sanaa gefallen. Die Menschen hätten panisch reagiert.

Ein Sprecher der Huthis bezeichnete die saudischen Angriffe als Kriegserklärung. Damit könne sich der Konflikt im Jemen zu einem Regionalkrieg auswachsen, erklärte er gegenüber Al-Jazeera. Der saudische US-Botschafter betonte, der Militäreinsatz sei vor dem Beginn mit den Vereinigten Staaten abgestimmt worden. Wie die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates in Washington, Bernadette Meehan, erklärte, gewähren die USA Saudi-Arabien und dessen Verbündeten im Kampf gegen die Huthi-Rebellen logistische und geheimdienstliche Unterstützung. Amerikanische Truppen seien aber nicht direkt in der Militäroperation involviert. Präsident Barack Obama habe die Hilfsleistungen genehmigt. Die USA bauten eine gemeinsame Planungsstelle mit Saudi-Arabien auf, um ihre Unterstützung zu koordinieren. Washington stehe zudem in engem Kontakt mit Jemens „Präsidenten“ Hadi.

Erst vor vier Tagen hatten die USA aus Sicherheitsgründen eigene bei Aden stationierte Soldaten abgezogen. Sie hatten die inzwischen von den Huthis eroberte Luftwaffenbasis Al-Anad als Drohnen-Stützpunkt im „Anti-Terror-Kampf“ genutzt. US-Soldaten trainierten dort zudem jemenitische Spezialeinheiten. Die Huthis lehnen die Einmischung der USA und den von ihr geführten Drohnenkrieg gegen Al-Qaida seit Anbeginn vehement ab. Dabei sind die schiitischen Rebellen selbst der entschiedenste Gegner des Terrornetzwerks, deren Ableger „Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel“ (AQAP) als der weltweit mächtigste gilt. Erfolgreich konnten die Huthis den Einfluss der Terrortruppe zurückdrängen, die Unterstützung aus Saudi-Arabien erhält. Mit dem dortigen Königshaus teilt sie die extremistisch-sektiererische Ideologie des Wahhabismus. Im saudischen Fernsehen rufen Hassprediger regelmäßig zum Kampf gegen die Schiiten im Jemen auf und bekunden dabei ihre Sympathie mit Al-Qaida und den von ihr verübten Terroranschlägen, die einen hohen Blutzoll unter der Bevölkerung fordern.

Als ein Selbstmordattentäter im Oktober vergangenen Jahres in Sanaa über vierzig Teilnehmer einer Protestkundgebung der Huthis, darunter viele Kinder, mit in den Tod riss, begrüßte der bekannte saudische Fernsehprediger Khalid al-Gamdi die Bluttat und rief zum weiteren Kampf gegen die Schiiten im Jemen auf. Mit seiner harten Haltung steht er im saudischen Klerus nicht alleine da, wie Gulfnews berichtete. So habe auch der saudische Gelehrte Abdul Aziz Al Terifi den Kampf gegen die Huthis zur „religiösen Pflicht“ erklärt.

Erst vor einer Woche hatten die sunnitischen Extremisten bei Anschlägen auf zwei Moscheen in Sanaa über 130 Menschen getötet, die sich dort zum Freitagsgebet versammelt hatten. Vertreter der Huthis erklärten daraufhin, sie würden sich nicht von Al-Qaida in einen sektiererischen Krieg zwischen Schiiten und Sunniten hineinziehen lassen.

Der Iran verurteilte das militärische Eingreifen Saudi-Arabiens im Jemen. „Diese Angriffe sind nicht nur eine Verletzung der territorialen Integrität des Jemens, sondern auch eine sehr gefährliche Entwicklung“, erklärte die iranische Außenamtssprecherin Marsieh Afcham am Donnerstag in einer Mitteilung. Die Angriffe würden die Optionen für eine friedliche Lösung des Konflikts blockieren und sollten daher umgehend gestoppt werden, forderte die Sprecherin. Aus Moskau und Peking gab es ähnliche Stellungnahmen.

(mit dpa)

 

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