hintergrund_old_english
Samstag, 28. Mai 2016  

POLITIK

Inland
EU
Welt

WIRTSCHAFT

Inland
Welt
Finanzwelt

HINTERGRUND

Umwelt
Kriege
Terrorismus
Twitter oder Facebook?
Aus Gründen des Datenschutzes und der Sicherheit verzichtet Hintergrund ganz bewusst auf das Angebot sozialer Netzwerke.Von Facebook wissen wir, dass es seine Nutzer aktiv ausspäht.

„Mein ganzes Weltbild wurde auf den Kopf gestellt“

Drucken E-Mail

Ein Gespräch mit RICHARD GAGE, 17. April 2015 -

Der US-Architekt Richard Gage gründete im Jahr 2006 die Organisation „Architects and Engineers for 9/11-Truth", die den Standpunkt vertritt, dass die Twin Tower des World Trade Center in New York am 11. September 2001 durch eine Sprengung zu Fall gebracht wurden. Im Rahmen seiner Europa-Tour hielt Richard Gage am Dienstag (14.  April) einen Vortrag in der Berliner Urania, was die Bild-Zeitung zu der Frage veranlasste, warum die „ehrwürdige“ Urania einen „Verschwörungs-Spinner“ auftreten lässt. Sebastian Range traf sich in Berlin mit dem Kritiker der offiziellen 9/11-Version zu einem Gespräch.

Herr Gage, was hat Sie veranlasst, die Organisation Architects and Engineers for 9/11-Truth ins Leben zu rufen?

Ich war schockiert, als ich vor gut acht Jahren erfahren musste, dass am 11. September 2001 neben den Zwillingstürmen ein dritter Wolkenkratzer – das 47-stöckige World Trade Center 7 – eingestürzt war. Das Gebäude fiel in nicht einmal sieben Sekunden komplett und symmetrisch in sich zusammen, unter Bedingungen, die einem freien Fall entsprechen. Obwohl es sich um ein äußerst ungewöhnliches Ereignis handelte, hatte ich davon, wie die meisten anderen Architekten auch, nie etwas gehört. Offiziell heißt es, das Gebäude sei aufgrund gewöhnlicher Brände eingestürzt. Als ich Videoaufnahmen vom Einsturz sah, wusste ich, dass das nicht stimmen konnte, denn der Einsturz vollzog sich genauso, wie man es bei einer kontrollierten Sprengung erwarten würde. (1) Das öffnete mir die Augen, und ich beschäftigte mich daraufhin auch mit dem Einsturz der Twin Tower und den Beweisen, die dafür sprechen, dass auch die Zwillingstürme durch eine Sprengung zu Fall gebracht wurden. (2) Als Architekt sah ich es als meine Aufgabe an, meinen Berufszweig auf die Fakten aufmerksam zu machen, die gegen die offizielle Version sprechen.

Hatten sie keine Angst vor eventuellen negativen Konsequenzen?

Richard Gage
"Eine echte Untersuchung müsste zunächst mit einer vorbehaltlosen Beweisaufnahme beginnen" - US-Architekt Richard Gage

Daran hatte ich gar keinen Gedanken verschwendet. Es gab negative Auswirkungen, die waren jedoch nicht so schwerwiegend. Meinem Beruf konnte ich jedoch nicht weiter nachgehen, da ich zu sehr damit beschäftigt war, durch das Land und die Welt zu reisen, um Vorträge zu halten. Also wurde eine Organisation gegründet um mich bei meiner Aufklärungsarbeit zu unterstützen. Mittlerweile haben wir über eintausend Mitglieder, die unsere Organisation mit monatlich zwei bis fünf Euro unterstützen, wodurch ich meine Tätigkeit fortsetzen kann. Ich hatte also keine Angst, obwohl es wohl gute Gründe dafür gegeben hätte, denn die Leute, die die Türme zum Einsturz brachten, hätten vielleicht auch jemanden zum Schweigen bringen können, der darüber die Wahrheit ausspricht. Es gab aber in dieser Hinsicht keine Probleme, ich wurde nie bedroht.

Und wer sind „die Leute, die die Türme zum Einsturz brachten“?

Ich weiß es nicht… Ich denke, eine echte Untersuchung müsste zunächst mit einer vorbehaltlosen Beweisaufnahme beginnen. Und über die Macht verfügen, Zeugen zu laden, und diesen Immunität anbieten, um sie zu ermutigen, wahrheitsgemäß aussagen zu können. Das wären die Voraussetzungen, um den Kreis möglicher Verdächtiger eingrenzen zu können – wobei es sich wahrscheinlich nicht um Mitglieder Al-Qaidas handeln dürfte.

Sie halten sich also mit Schuldzuweisungen zurück?

Ja, denn wir sind schließlich keine kriminalistischen Ermittler, sondern Architekten und Ingenieure.

Welche Organisation oder Institution wäre denn in ihren Augen qualifiziert, eine vorbehaltlose Untersuchung durchzuführen? Ich nehme an, dass sie kein Vertrauen haben in Institutionen, die in Verbindung mit der US-Regierung stehen?

Ja, das ist richtig. Das mit der Untersuchung einst betraute National Institute for Standards and Technology (NIST) ist bestimmt nicht vertrauenswürdig. Deren Abschlussberichte zum Einsturz der drei Türme sind nicht nur vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet mangelhaft, es werden darin nachweislich Tatsachen verfälscht. Das NIST wurde von der Bush-Administration, der wir nicht trauen können, mit der Untersuchung beauftragt. Auch die Legislative ist nicht vertrauenswürdig. Seit Jahren konfrontieren wir die Kongressabgeordneten mit den Beweisen, die wir zusammen getragen haben, und damit, dass sich inzwischen über zweitausend Architekten und Ingenieure unserer Forderung nach einer neuen Untersuchung angeschlossen haben – ohne Reaktion. Auch wichtige Medienleute haben wir konfrontiert. Doch diese Informationen werden nicht nur vom Kongress mit einem Mantel des Schweigens umhüllt, auch in den meisten Medien ist das der Fall. Wir können nicht konkret sagen, welche Institution eine wirklich objektive, unparteiische Untersuchung durchführen kann. Vielleicht wäre das auch ein Fall für den Internationalen Gerichtshof.

Sie schließen also einen internationalen Rahmen für die von ihnen geforderte neue Untersuchung nicht aus?

Genau, auch aus diesem Grund sind wir in Europa, nicht nur um Menschen aufzuwecken, sondern auch, um Ideen auszutauschen, wie eine Untersuchung im internationalen Rahmen aussehen könnte. Die Untersuchung selbst ist nicht unsere Angelegenheit. Unsere Aufgabe besteht darin, die Beweise öffentlich zu machen. Indem wir immer mehr Menschen erreichen, erhöhen wir den öffentlichen Druck für das Zustandekommen einer neuen Untersuchung.

Über zweitausend Architekten und Ingenieure haben sich ihren Forderungen angeschlossen. Das klingt eindrucksvoll, dennoch repräsentiert ihre Organisation nur eine kleine Minderheit aller Architekten und Ingenieure…

Es gibt abertausende Architekten und Ingenieure auf der Welt, die beispielsweise noch nie etwas vom Einsturz von WTC 7 gehört haben – sie können daher gar kein qualifiziertes Urteil darüber abgeben. Diejenigen, die wir mit unseren Vorträgen erreichen, schließen sich meist unseren Schlussfolgerungen an. Bei der Veranstaltung in der Urania waren fünfzehn Ingenieure und fünf Architekten anwesend. Keiner von ihnen verließ die Veranstaltung in dem Glauben, dass die offizielle Version stimmt, sondern alle stimmten unseren Forderungen zu. Wenn wir Kollegen mit den von uns zusammengetragenen Fakten konfrontieren, stimmen uns erfahrungsgemäß die meisten zu, nur wenige beschimpfen uns als „Verschwörungstheoretiker“ oder ähnliches.

Haben Sie den Dachverband der US-Architekten, das American Institute of Architects (AIA), mit ihren Thesen konfrontiert?

Seit Jahren bemühen wir uns darum, dass sich der Verband, der dem 2008 erschienenen offiziellen WTC-Untersuchungsberichten beipflichtet, zu unserem Anliegen und unserer Kritik an diesen Berichten öffentlich äußert – was bislang jedoch nicht geschah. Immerhin gestattet er uns, auf seinen Kongressen Stände zu mieten, wo wir unsere Informationen verbreiten können. Nun wird aber Bewegung in die Sache kommen, da es die Möglichkeit gibt, Resolutionen in den Verband einzubringen, wenn diese von mindestens fünfzig Verbandsmitgliedern unterzeichnet wird. Unserer Organisation gehören über fünfzig AIA-Mitglieder an, die willens waren, eine Resolution einzubringen, die eine neue Untersuchung des Einsturzes von WTC 7 fordert. Am 16. Mai werden dreihundert Delegierte nach einer Debatte, in der wie unsere Argumente darlegen können, darüber abstimmen. Wie auch immer das ausgehen wird, nun ist der Verband gezwungen, sich dazu öffentlich zu positionieren.

Vergangenen September sorgten sie mit der Anmietung einer großen Werbetafel auf dem Times Square für eine öffentliche Kontroverse. Kritiker warfen Ihnen vor, die New Yorker mit dem dort gezeigten Videoclip zu traumatisieren…

Zunächst ist festzuhalten, dass es Familienangehörige von Opfern waren, die die 9/11-Truth-Bewegung überhaupt erst ins Leben gerufen hatten. Viele von ihnen haben unsere Petition unterzeichnet, die eine neue Untersuchung verlangt. Uns gegenüber sagen sie, dass nur die Wahrheit ihre Wunden über den Verlust ihrer Liebsten heilen kann. Wir bringen die Fakten an die Öffentlichkeit, die für diesen Heilungsprozess notwendig sind – die Wahrheit unter den Teppich zu kehren, trägt nicht zur Heilung bei. Mit unserer Kampagne auf dem Times Square wollten wir Menschen aufwecken. Für manche mag sich das wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen, wenn sie erstmals auf die Fakten aufmerksam gemacht werden, die gegen die offizielle Version sprechen. Unsere Aktion bezog sich ausschließlich auf das WTC 7, bei dessen Einsturz niemand ums Leben kam, da es zuvor geräumt worden war. Es hat also nicht diese emotionale Dimension, wie sie mit dem Einsturz der Zwillingstürme verbunden ist.  

Die meisten New Yorker wissen nichts davon, dass am 11. September ein drittes Hochhaus in ihrer Stadt eingestürzt ist, was ein außergewöhnlicher Umstand ist. Wir machen sie darauf aufmerksam, dass sie von der Regierung massiv angelogen wurden. Der 11. September war nichts anderes als ein Akt einer Massentäuschung, der zum „Krieg gegen den Terror“ mit seinen unzähligen Opfern und dem Verlust von Bürgerrechten - nicht nur - in den USA führte.

Ihr Auftritt in der Urania am Dienstag war bereits der Zweite dort, der Erste liegt sieben Jahre zurück. Was hat sich in der Zwischenzeit getan?

Unsere Organisation wächst, langsam aber stetig. Es gibt eine wachsende Zahl von Aktivisten, die andere Menschen aufklären. Ungefähr ein Drittel der US-Bevölkerung weiß, dass es im Zusammenhang mit dem 11. September offene und umstrittene Fragen gibt. Die Hälfte davon ist in der Lage, die Fakten im Zusammenhang mit der Zerstörung der WTC-Gebäude zu benennen, die auch wir publik machen. Es gab in den letzten Jahren einige Durchbrüche in der Berichterstattung in den Massenmedien. So konnten wir letztes Jahr eine Dreiviertelstunde lang unsere Argumente auf dem Fernsehsender C-Span präsentieren, und so 3,5 Millionen Zuschauer erreichen. Es gibt also diese periodischen Durchbrüche, es ist kein linearer Prozess, in dem es stetig aufwärts geht. Wir behandeln ein Tabu-Thema, dem sich die meisten Menschen lieber verschließen.

Das betraf auch mich, ich wollte nichts davon hören, als ich erstmals darauf aufmerksam gemacht wurde. Mein ganzes Weltbild wurde auf den Kopf gestellt als ich lernen musste, dass Vertreter unserer Regierung wahrscheinlich in die 9/11-Anschläge verwickelt sind. Das Ganze ist somit auch ein schwieriger psychologischer Prozess. Was wir den Leuten zu erzählen haben, ist schwer zu verdauen, da es an ihrem Weltbild kratzt, wie es auch bei mir der Fall war. Als Außenminister Collin Powell vor der UN die „unwiderlegbaren Beweise“ dafür präsentierte, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt, habe ich ihm geglaubt. Noch 2006 dachte ich, wir werden die schon noch finden. Und natürlich habe ich auch unsere Soldaten unterstützt, die nach Afghanistan in den Krieg gezogen waren, um die Verantwortlichen für den 9/11-Terror zur Strecke zu bringen. Als Republikaner und Anhänger Ronald Reagans war ich auf das brutale „Erwachen“, was dann vor über acht Jahren einsetzte, nicht vorbereitet – und für die meisten Menschen gilt dasselbe.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen, wie optimistisch sind Sie, dass sie ihre Ziele erreichen werden?

Nun, es ist so, als würden wir einen großen Felsen einen Berg hinauf stemmen. Wie hoch oder wie steil dieser Berg letztlich ist, weiß ich nicht. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns weiter gegen den Fels zu stemmen. Ich denke, wenn wir immer mehr Menschen überzeugen, werden wir eine „kritische Masse“ erreichen, die dazu führt, dass sich die Massenmedien gezwungen sehen, sich dieses Themas anzunehmen. Ich bin hoffnungsvoll, dass wir das innerhalb der nächsten Jahre erreichen können.


 

Anmerkungen


(1) Eine Zusammenstellung verschiedener Aufnahmen des Einsturzes von WTC 7 ist anzuschauen unter:  https://www.youtube.com/watch?v=bWorDrTC0Qg
Für weitere Informationen siehe: http://rememberbuilding7.org/
(2) Die von Richard Gage angesprochenen Beweise, die für eine Sprengung der WTC-Gebäude sprechen sollen, wurden in der von seiner Organisation herausgebrachten Dokumentation „9/11: Explosive Evidence – Experts speak out“ zusammengefasst. Eine mit deutschen Untertiteln versehene Version lässt sich anschauen unter: https://www.youtube.com/watch?v=H98ERsrURgE

 

weitere Artikel...

POLITIK
WIRTSCHAFT
FEUILLETON
GLOBALES
SOZIALES
HINTERGRUND
KURZMELDUNGEN