Epidemie männlicher Einsamkeit
Pauschale Schuldzuschreibungen an Männer lassen eine Kultur der Übervorsicht entstehen, die oft in die Isolation führt und das Zusammenleben erschwert.
In der juristischen Sphäre gilt die Unschuldsvermutung, und justiziable Schuld gibt es nur individuell. Niemand darf verurteilt werden, weil er mit Tätern bestimmte Merkmale teilt. Nicht so im gesellschaftlichen Raum. Obwohl sicher jeder und jede den Satz unterstützen würde, dass nicht alle Männer „Schweine“ sind, kann es in der alltäglichen Interaktion durchaus passieren, dass Mann sich einzig wegen seiner Geschlechtszugehörigkeit auf der Anklagebank wiederfindet. Selbst schuld, wenn man den gleichen Chromosomensatz hat wie ein Epstein, Weinstein oder Hitler. So ist je nachdem, welcher Frau man begegnet, das Männer-Bashing teilweise zu einer Art Volkssport geworden. Gerade für junge, nicht so erfahrene Männer ist diese Dynamik aber fatal. Sie können ein angemessenes Selbstvertrauen gar nicht erst entwickeln. Was immer sie tun, um sich Frauen anzunähern, wird ihnen mitunter als Belästigung ausgelegt. In der Folge ziehen sie sich mehr und mehr zurück und tun gar nichts mehr, um nichts Falsches zu tun. In der Einsamkeit wachsen jedoch Verbitterung und — je nach Veranlagung — Frauenhass oder Selbsthass. Auf diese folgen dann in den Medien oft hämische Anklagen gegen verrückte „Incels“. Wenn Mann und Frau in Frieden miteinander leben wollen, ist es auf Dauer nicht gut, nur dem einen der beiden Geschlechter mit Einfühlungsvermögen zu begegnen. Ein Beitrag zur Sonderausgabe „Frau, Mann, Macht“.
Epidemie männlicher Einsamkeit