Zeitfragen

Gegen profitorientierte Globalisierung: Schriftsteller wollen politische Lähmung überwinden

Von REDAKTION, 9. November 2011 –

Sie engagierten sich wieder. In Nordrhein-Westfalen haben Autorinnen und Autoren, die im Verband deutscher  Schriftsteller organisiert sind, eine Resolution verfasst, mit dem die Kollegen von der schreibenden Zunft dazu aufgerufen werden, „Diskussionen und Aktionen für eine gerechtere Welt zu forcieren.“ (1) Der Text wurde in der Zeitschrift Kunst & Kultur der Gewerkschaft ver.di veröffentlich und von der jungen Welt in Auszügen dokumentiert.

In dem Aufruf heißt es: „Überall vergrößert sich die Kluft zwischen den unverdient Reichen und den schuldlos Armen, der Gerechtigkeit zum Hohn. Die Zerstörung unseres Ökosystems, die industrialisierte Produktion von Nahrungsmitteln, die Fetischisierung des Individualverkehrs im Interesse von Wirtschaftswachstum und Konsum bewirken Umweltkatastrophen, epidemische Krankheiten und eine unverantwortliche Wegwerfmentalität. Unser soziales Gesundheitssystem wird zur Beute der privaten Konzerne und folglich gilt wieder: je ärmer je früher siech und tot.

Die von den Regierungen ermöglichte Seuche des spekulativen Finanzkapitals führt die Völker weltweit in eine gigantische Verschuldung, die von keiner realen Wirtschaftsmacht mehr zurückgeholt werden kann. Es destabilisiert die Preise auf den Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkten zu Ungunsten der armen Bevölkerungen und macht die Regierungen zu Getriebenen der Banken und Konzerne, welche die wahre Macht im Interesse der Kapitalvermehrung ausüben. Von Menschen bewirkte klimatische Veränderungen führen zu Dürren und Versteppung, zu Gletscherschmelzen, Überschwemmungen, Sturmkatastrophen und Waldbränden.“ (2)

Die Autoren kritisieren, dass die Bundeswehr entgegen ihrem verfassungsmäßigen Verteidigungsauftrag in eine weltweit einsatzfähige Eingreiftruppe zur Sicherung von Rohstoffquellen umgewandelt werde. Sie fordern dazu auf, alle wirtschaftliche und politischen Tätigkeit am haushälterischen Umgang mit der Natur und einer gerechten Verteilung der Reichtümer zu orientieren, welche die vorhandenen Produktivkräfte ermöglichen würden.

Die Schriftsteller wollen „die Lähmung der demokratischen Kräfte des Landes“ durchbrechen. Ihr Appell richtet sich insbesondere an die gewerkschaftlich organisierten Kreativen: „Autorinnen und Autoren, Künstler aller Sparten: Tretet mit Eurem Schaffen dafür ein, dass die Gewerkschaften dafür kämpfen, die profitorientierte Globalisierung zu überwinden.“ (3)

(1) http://www.kunstundkultur-online.de/kulturpolitik1.html#vs

(2) Ebd.

(3) Ebd.

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