Kriege

Augenzeugenberichte aus Gaza

SHARON LOCK, The Independent,  und SAED BANNOURA, International Middle East Media Center, 16. Januar 2009 –

Sharon Lock, eine Australierin vom International Solidarity Movement, arbeitete als Krankenwagenfahrerin für den Palästinensischen Roten Halbmond, als dessen Al-Quds-Krankenhaus in Gaza-Stadt gestern von Israel angegriffen wurde. Sie berichtet: „ … eine Granate landete außerhalb des Gebäudes etwa 3 Meter von den Inkubatoren für Neugeborene entfernt. Wir löschten Brände mit Eimern voll Wasser. Das Schrapnell scheint noch eine ganze Zeit lang weiter zu brennen und entfacht Brände, wenn es nicht gelöscht wird. Wir haben uns gerade darum gekümmert, als wir Schüsse aus der Richtung des Treppenaufgangs des Krankenhauses hörten und mein Kollege Mohammed kam zu mir, blutüberströmt. ‚Israelis schießen auf Personen, die ihre Häuser verlassen,’ sagte er. Was geschehen war, war dass ein Vater und eine Mutter und ihre zwei Töchter ihr Zuhause verlassen hatten; eine der Töchter wurde vermisst und die andere wurde angeschossen. Die Kugel war durch die eine Wange eingetreten und durch die andere wieder hinaus. Als der Vater den Treppenaufgang herauf kam, fiel er hin, ebenfalls getroffen. Sie wussten nicht, wo die andere Tochter war. Mohammed und ich entschieden uns, loszugehen und sie zu suchen. Wir fanden sie in einem Haus, wo sie sich versteckte. Ich würde sagen, sie war neun Jahre alt. Sie war sehr verängstigt.“

Nach Mitternacht kommt der folgende Bericht: Patienten und Flüchtlinge werden aus dem brennenden Al-Quds-Krankenhaus evakuiert.

Das Al-Quds-Krankenhaus wurde evakuiert, nachdem das zentrale Krankenhausgebäude in Brand geraten war. Patienten und andere, die im Krankenhaus Zuflucht gesucht hatten, wurden ins Al-Shifa-Krankenhaus überführt.

Das Al-Quds-Krankenhaus ist seit 01:30 Uhr am 15. Januar von israelischen Streitkräften umstellt. Das Feuer breitete sich zu schnell aus, um gelöscht zu werden, und die Umstellung durch die umgebenden israelischen Streitkräfte ließ es nicht zu, dass Feuerwehreinheiten Zugang erhielten, um den Brand zu bekämpfen.

Die australische Menschenrechtsaktivistin Sharon Lock war am Al-Shifa-Krankenhaus, als die letzten Evakuierten hereingebracht wurden: „ … das Krankenhaus war unglaublich überfüllt. Nachdem etwa 600 Menschen ins Al-Quds-Krankenhaus gegangen waren, mussten sie wieder von dort fort. Sie dachten, sie hätten einen sicheren Ort gefunden, aber man ist hier nirgends sicher.“

Der spanischen Menschenrechtsaktivist Alberto Arce befindet sich ebenfalls beim Al-Shifa-Krankenhaus: „ … Hier herrscht Chaos. Es sind so viele Menschen. Ein Arzt muss vier Personen zur gleichen Zeit operieren. Menschen werden auf den Korridoren behandelt. Draußen sind Menschen, die nicht hinein gelangen können.“

Das Al-Quds-Krankenhaus wurde wiederholt vom Israelischen Militär unter Beschuss genommen. Die Lagergebäude brannten den ganzen Tag über.

Familien, die im Al-Kuds-Krankenhaus Zuflucht gesucht hatten, wurden zuvor am Tage von israelischen Scharfschützen unter Beschuss genommen.

70 Palästinenser wurden am Donnerstag getötet – die Zahl der Todesopfer übersteigt nach 20 Tagen 1.100.

Während die israelische Offensive gegen den Gazastreifen am Donnerstag fortgesetzt wurde, töteten israelische Soldaten 70 Palästinenser in unterschiedlichen Gebieten in Gaza. Seit die israelische Offensive vor zwanzig Tagen begonnen hat, wurden mehr als 1.100 Palästinenser getötet und mehr als 5.100 verwundet. Mindesten 400 der Verwundeten befinden sich in einem ernsten Zustand.

Der Beschuss am Donnerstag unterschied sich nicht von früheren Angriffen und betraf Wohnhäuser, UN-Einrichtungen, Krankenhäuser und weitere Wohngebiete.

In Tal al-Hawa, in Gaza-Stadt beschoss die israelische Armee das daraufhin in Flammen aufgehende Al-Quds-Krankenhaus, welches dem Palästinensischen Roten Halbmond gehört, sowie weitere angrenzende Einrichtungen. Die Israelis beschossen außerdem das Krankenhaus von Tal al-Hawa, in dem sich mindestens 500 verwundete Palästinenser und medizinisches Personal drängten.

Dr. Bashar Murad, Leiter der Notfallabteilung des Krankenhauses, sagte, dass die israelische Armee mindestens drei große Granaten, von denen zwei mit Phosphor gefüllt waren, auf das Krankenhaus geschossen hatte, was enormen Schaden zur Folge hatte. Die Granaten explodierten in der Umgebung des Krankenhauses, verursachten aber keine direkten Verletzungen.

Dr. Murad fügte hinzu, dass beinahe 600 Einwohner ihre Wohnungen verlassen hatten und im Krankenhaus Zuflucht suchten, nachdem ihre Wohnungen zuvor von den Israelis unter Beschuss genommen worden waren.

Panzer und gepanzerte Fahrzeuge rückten in Tal al-Hawa ein und feuerten Mörser- und Artilleriegeschosse, während die israelische Luftwaffe Raketen abfeuerte, um den Bereich für die vorrückenden Bodentruppen zu säubern.

Mindestens zwei Widerstandskämpfer wurden in Zusammenstößen mit israelischen Bodentruppen in Tal al-Hawa getötet.

Sami Msha’shi, Vorsitzender der Kommunikationsabteilung der UNRWA, veröffentlichte eine Pressemitteilung, dass mehrere Gebiete um das örtliche UNWRA Büro in Gaza herum beschossen worden waren und dass eine der Granaten ein UNWRA Büro getroffen und vollständig vernichtet hatte.

Er fügte hinzu, dass die UNWRA, aufgrund des Beschusses von UN Gebäuden, nicht in der Lage war, ihre Fahrzeuge einzusetzen und die humanitären Hilfsgüter, die sich derzeit am Kerem Shalom Grenzübergang befinden, erhalten konnte.

Msha’shi‘ sagte außerdem, dass mehrere UNRWA Lagereinrichtungen, bestückt mit Weizen, Nahrung und anderen humanitären Hilfsgütern durch den Beschuss in Brand gesteckt wurden und dass die UNRWA befürchtet, dass das Feuer bis zu Treibstoffvorräten vordringen würde, die an Krankenhäuser in Gaza geliefert werden sollen, um Stromgeneratoren zu betreiben. Ohne diese Generatoren hätten die Krankenhäuser keine Energieversorgung, was bedeutet, dass Patienten, die an lebenserhaltende Geräte angeschlossen sind, nicht überleben würden.

Außerdem wurde eine Einrichtung zur beruflichen Umschulung der UN, neben dem Büro des palästinensischen Präsidenten am Donnerstagmorgen von einer Granate getroffen; mindestens drei Palästinenser wurden bei dem Angriff verwundet.

Soldaten beschossen ein Gebäude, in dem sich Büros verschiedener Fernsehsender befinden; zwei Angestellte wurden verwundet.

Ebenfalls am Donnerstag tötete die Israelische Armee Said Siam, Mitglied des politischen Büros der Hamas, nachdem sein Haus beschossen worden war. Sein Sohn, sein Neffe, die Frau seines Neffen und ihr Sohn sowie vier weitere Mitglieder der Familie nebenan wurden in Israels jüngstem politischen Mordanschlag getötet.

Quellen

http://palsolidarity.org/2009/01/4372

http://palsolidarity.org/2009/01/4368

http://www.imemc.org/article/58495

Übersetzung: Hintergrund

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