Kriege

Israels Armee: Mord als „moralische Überlegenheit“

Von REGINE NAECKEL, 23. März 2009 –

„Es war reiner Mord“ – so charakterisiert ein israelischer Soldat seinen Einsatz während der 23-tägigen Offensive in Gaza. Die Armee schoss wahllos auf wehrlose Zivilisten, Soldaten zerstörten Häuser palästinensischer Familien. Die schmutzigen Geheimnisse der „Kriegsführung“ sind bekannt geworden, nachdem Soldaten in einem Seminar an der Itzak Rabin Militärakademie in Tivon über ihre Erfahrungen während des Gaza-Einsatzes berichteten. (1)

„Immer wenn wir ein Haus stürmten, mussten wir die Tür eintreten und dann hineinzuschießen. Der Befehl lautete, beim Durchsuchen auf alle Personen zu schießen, die wir fanden.“

Erst drei Wochen später wurden die Protokolle der Sitzung – die bereits im Februar stattfand – vom Leiter der Akademie, Danny Samir, in einem Informationsblatt veröffentlicht. Die israelische Zeitung Haaretz zitierte erste Ausschnitte daraus. (2)

Vorgesetzte gaben nach den Zeugenaussagen den Befehl, auf eine alte Frau zu schießen, die eine Straße überquerte. In einem anderen Fall verstand eine Mutter mit ihren beiden Kindern die Aufforderung der Soldaten, die Straße nach links entlang zu gehen offensichtlich miss: sie und ihre beiden Kinder wurden daraufhin von Scharfschützen, die auf einem Dach standen, ohne Warnung erschossen.

Die Aufregung in Israel nach der Veröffentlichung der Protokolle ist groß, aber ist sie echt?

Corporate Identity – „Ein Schuss – zwei getötet“

Während die Regierung beteuert, man wolle „die Vorfälle untersuchen“, kommen neue Skandale aus dem Militär an die Öffentlichkeit. So bestellten sich Soldaten zum Gedenken an ihre Grundausbildung bei der IDF (Israel Defense Forces) T-Shirts für „Scharfschützen“. Es trägt als Aufdruck das Abbild einer schwangeren arabischen Frau, auf dem Bauch eine Schießscheibe und dem Aufdruck: „Ein Schuss – zwei getötet“. Ein anderes Shirt zeigt eine weinende Mutter neben ihrem getöteten Baby und den Schriftzug: „Better use Durex“ (Nehmt lieber Kondome).

Als „Entschuldigung“ meinte einer der Soldaten, die T-Shirts seien nur für Zuhause, zum Joggen und in der Armee gedacht – nicht zum „Ausgehen“. (3)

Für internationale Empörung sorgt derzeit darüber hinaus der Fall des schwer verletzten Friedensaktivisten Tristan Anderson. (4) Der 38jährige US-Amerikaner aus Kalifornien hatte Mitte März an einer jüdisch-arabischen Demonstration gegen die Mauer in Ni’lin/Westbank teilgenommen. Israelische Soldaten feuerten daraufhin mit sogenannten „Ruger Rifles“ Tränengaspatronen (40mm bullet special/long range ) auf die Demonstranten. Anderson wurde aus unmittelbarer Nähe von einem Geschoss am Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt. Waffen und Munition sind eigentlich für einen Einsatz auf 400 Meter Entfernung ausgelegt, nicht für den Naheinsatz.

Selbst nach mehreren Kopfoperationen ist sein Zustand weiter kritisch. Die Armee behauptet, die Demonstranten hätten mit Steinen geworfen. Ein Video belegt hingegen, dass die kleine Gruppe um Tristan Anderson zum Zeitpunkt des Beschusses friedlich beieinander stand. (5)

Für die Militärführung und die Regierung Israels wird es immer schwieriger, die Legende der moralischen Überlegenheit ihrer Armee aufrechtzuerhalten. Sowohl die Aussagen der Soldaten als auch der „Alltag“ der IDF stehen im krassen Widerspruch dazu.


Quellen:

(1) http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/israels-dirty-secrets-in-gaza-1649527.html

(2) http://www.haaretz.com/hasen/spages/1072040.html

(3) http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/israel-military-condemns-soldiers-shocking- tshirts-1651333.html

(4) http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/fighting-for-life-american-peace-activist-shot- by-israelis-1652604.html

(5) http://palsolidarity.org/2009/03/5324

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