Terrorismus

Ist der Täter ein Opfer der Geheimdienste? Zum vereitelten Anschlag auf Flug 253

Von SEBASTIAN RANGE, 9. Januar 2010 –

Dem Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab wurde am Freitag (8.1.2010) vor einem Bezirksgericht in Detroit die Anklage verlesen. Der 23-Jährige muss sich in sechs Punkten verantworten, darunter Mordversuch und versuchter Gebrauch einer Massenvernichtungswaffe. Hintergrund des Verfahrens ist der gescheiterte Anschlag auf eine Maschine der Northwest Airlines während eines Fluges von Amsterdam nach Detroit am 25. Dezember 2009. Doch die tatsächlichen Fakten weisen auf eine Verstrickung der Geheimdienste in den Fall. Wieder eine Aktion unter falscher Flagge, um eine Legitimation für die Ausweitung der US-amerikanischen Kriegsziele zu schaffen?

*****

Der vereitelte Anschlag auf den Flug 253 der Northwest Airlines lässt an einen alten Ausspruch erinnern, wonach Geschichte sich zweimal ereignet. Das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Während der 11.September 2001 mit Tausenden Toten tragisch war, ist der auch als „neues 9/11“ bezeichnete Anschlagsversuch des Nigerianers Umar Farouk Abdulmutallab auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit eher eine Farce.

Nach dem 11.September wurden Inkompetenz und Versagen der Behörden dafür verantwortlich gemacht, dass die Anschläge stattfinden konnten. Die Folge war ein massiver Ausbau der Geheimdienste und Sicherheitsbehörden und eine starke Erweiterung ihrer Befugnisse. Auch im Fall des „Detroit-Bombers“ wird Versagen mitverantwortlich gemacht und wieder einmal werden die Ressourcen der versagenden Dienste ausgeweitet.

Während 9/11 als Vorwand für einen bereits zuvor geplanten Krieg gegen Afghanistan herhalten musste, wird der misslungene Anschlag vom 25. Dezember 2009 als Begründung für die Ausweitung militärischer Interventionen in Jemen herangezogen.

Militärisch aktiv geworden war die USA in Jemen bereits am 17. und 24. Dezember bei Raketenangriffen auf angebliche Al-Qaeda-Ziele. Daher wurde der Anschlag von Abdulmutallab auch als Rache-Tat für die beiden US-Angriffe gewertet.

Der „Attentäter“ und die Geheimdienste

Allerdings weist der gescheiterte Anschlag von Detroit so viele Ungereimtheiten auf, dass die offizielle Darstellung äußerst fragwürdig erscheint. Zunächst einmal war der 23-jährige Umar Farouk Abdulmutallab für die US-Sicherheitsbehörden kein Unbekannter. Umar Farouks Vater, Alhaji Umaru Abdul Mutallab, wandte sich im November 2009 aus Besorgnis über die zunehmend extreme Entwicklung seines Sohnes an die Sicherheitsbehörden Nigerias und Saudi-Arabiens. Er ging auch zur US-Botschaft und sprach dort direkt mit CIA-Agenten.

Schließlich ist Umaru Abdul Mutallab nicht irgendwer. Er gilt als einer der reichsten Männer Afrikas und war zehn Jahre lang Vorsitzender der größten und ältesten Bank Nigerias, der First Banc of Nigeria. Umaru Abdul Mutallab unterhält Kontakte bis in die höchsten Regierungskreise Nigerias. Ein Mann also, den die CIA ernst nehmen sollte.

Er teilte den CIA-Agenten mit, dass sein Sohn „eine Bedrohung“ der Sicherheit sei und sich im Jemen aufhalte, wo er wahrscheinlich in Verbindung zu islamistischen Extremisten stehe. Das Außenministerium in den USA und die CIA in Washington wurden über die Aussagen von Umaru Abdul Mutallab informiert. Aufgrund der Informationen seines Vaters wurde Umar Farouk auf die – offiziellen Angaben nach 550.000 Personen umfassende – „TIDE“-Liste für Terrorverdächtige gesetzt und eine Akte über ihn im National Counterterrorism Center angelegt. (1)

Doch den Diensten war Umar Farouk Abdulmutallab bereits zuvor kein Unbekannter. Während seines Studiums in Großbritannien von 2005-2008 geriet er wegen seiner Kontakte zu islamischen Extremisten ins Visier des Geheimdienstes MI5. Als er im Mai 2009 wieder zur Teilnahme eines Kurses einreisen wollte, wurde ihm sein Visa verweigert. Das britische Home Office hatte ihn auf eine Security-Watch-List gesetzt. Allerdings habe man es versäumt, die Amerikaner darüber zu informieren. (2) Die wurden später aber selbst auf Abdulmutallab aufmerksam. Die US-Spionage-Behörde National Security Agency (NSA) belauschte im August 2009 Gespräche zwischen hochrangigen Al-Qaeda-Führern in Jemen, die über einen Bomben-Anschlag berieten, den ein Nigerianer ausführen sollte. Doch die CIA habe erst nach dem Anschlagsversuch von Detroit die Verbindung ziehen können, wonach es sich bei dem Nigerianer um Abdulmutallab handelte. (3)

Neben diesen Versäumnissen sticht ein weiteres heraus: Abdulmutallab wurde zwar auf die Liste für Terrorverdächtige, nicht jedoch auf die Flugverbots-Liste der USA gesetzt, trotz der konkreten Vorwarnungen seitens seines Vaters.

Bevor er von Amsterdam nach Detroit flog, reiste Abdulmutallab von Ghana zum Flughafen Lagos in Nigeria. Nicht einmal eine halbe Stunde dauerte sein Aufenthalt dort, bis seine Maschine Richtung Amsterdam abflog. Auch ohne das Erscheinen auf der Flugverbotsliste hätte man ihn in Amsterdam einem intensiveren Screening aufgrund vorhandener Verdachtsmomente unterwerfen müssen. So hatte er sein Flug-Ticket in bar gezahlt, außerdem nahm er nur Hand-Gepäck mit in die USA, obwohl er ein Visum für zwei Jahre hatte. Er war außerdem von einem Dritte Welt-Land angereist. Nach geltenden Sicherheits-Verfahren werden solche Personen besonders sorgfältig überprüft. Im Fall Abdulmutallab geschah dies aber nicht.

„Ungewöhnlich für einen Selbstmord-Attentäter“ war es auch, so die britische Times, dass er „den Ärger auf sich nahm, die Angaben für sein Rückflug-Ziel zu ändern. Er ersetzte Ghana mit Lagos.“ (4)

Wie der Zufall es will, erhielt die US Border Security in den Stunden während des Flugs Geheimdienst-Informationen über Abdulmutallab. Das habe zur Entscheidung geführt, Abdulmutallab bei seiner Ankunft in Detroit einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Die Beamten der Grenzsicherheit wären kurz davor gewesen, das Anschlags-Komplott auffliegen zu lassen. Hätten die Informationen früher vorgelegen, hätte man Abdulmutallab bereits in Amsterdam durchsucht und einem Verhör unterzogen, so ein leitender Beamter. (5)

Versäumt wurde es auch, Abdulmutallabs das US-Visum zu entziehen, nachdem er auf die Watch-List für Terrorverdächtige gesetzt wurde.

Ein Tathergang voller Widersprüche

Alles nur Versäumnisse? Das Anwalts-Ehepaar Kurt und Lori Haskell, das am 25. Dez 2009 gegen 8 Uhr morgens am Gate E07 des Amsterdamer Flughafen Schipol nahe dem Abfertigungsschalter saß und auf das Einsteigen wartete, fügt dem Ganzen weitere Rätsel hinzu. Laut Aussage von Kurt Haskell in einem Interview mit CNN vom 28.Dezember wurde er auf zwei Männer aufmerksam. „Sie fielen mir ins Auge weil sie mir als skurriles Paar erschienen. Einen würde ich als arm aussehenden, schwarzen Teenager beschreiben, 16 oder 17 Jahre alt. Den anderen Mann, in den Fünfzigern, wohlhabend und indisch aussehend. Ich wunderte mich, warum sie zusammen waren – irgendwie seltsam. Ich sah wie sie sich der Mitarbeiterin des Abfertigungsschalters näherten, der letzten Person, die die Bordkarte kontrolliert bevor man ins Flugzeug steigt. Und ich konnte die ganze Konversation mit anhören. Es sprach nur der indische Mann, und was er sagte war: ‚Dieser Mann muss an Bord der Maschine, aber er hat keinen Pass‘. Und die Frau am Schalter antwortete, ‚Nun, wenn er keinen Pass hat, kann er auch nicht an Bord der Maschine gehen.‘ Woraufhin der Inder antwortete, ‚Es ist aus Sudan. Wir machen dies die ganze Zeit‘. Und die Mitarbeiterin sagte, ‚Dann müssen Sie gehen und mit meinem Manager sprechen‘. Und sie wies sie einen Flur entlang. Und das war das letzte Mal, dass ich den indischen Mann gesehen habe. Den schwarzen Mann sah ich nicht wieder bis er Stunden später versucht hatte, unser Flugzeug zu sprengen.“ (6)

Seine Frau Lori fügte hinzu, dass es „seltsam“ sei, dass das FBI sie noch nicht kontaktiert hatte, obwohl sie Informationen über mögliche Mittäter haben. Erst fünf Tage nach dem Vorfall verhörte das FBI das Ehepaar – für ganze 15 Minuten. Die holländischen Behörden widersprechen inzwischen Haskells Angaben. Ihnen zufolge habe Abdulmutallab einen gültigen nigerianischen Pass besessen und die Durchsicht der Überwachungsbänder habe außerdem ergeben, dass Abdulmutallab am Flughafen keinerlei Komplizen gehabt habe. (7) Doch die Haskells bleiben bei ihrer Version und Kurt Huskell forderte die Behörden auf, Videoaufnahmen zu veröffentlichen, um ihn zu widerlegen.

Das FBI widersprach auch einem anderen Aspekt der Aussage der Haskells. Diese berichteten, dass nach der Landung in Detroit ein zweiter Mann festgenommen wurde. Auch er sei indischen Aussehens, aber jünger als der Mann in Amsterdam gewesen. Der Mann sei nach seinem Verhör in Handschellen abgeführt worden, welches veranlasst wurde, weil Sprengstoff-Spürhunde an seinem Hand-Gepäck anschlugen. Die Behörden bestritten diesen Sachverhalt erst vollkommen. Dann gab man eine Festnahme zu, doch diese habe einem Mann aus einem anderen Flug gegolten. Inzwischen hat sich die offizielle Version fünfmal verändert, wie Kurt Haskell auf seinem Blog vermerkt. (8)

In einem Artikel für eine Detroiter Lokalzeitung legt er dar, warum die offiziellen Versionen nicht stimmen können. Kurt Haskell spricht von einer Vertuschung. „Ich habe realisiert, dass mein eigenes Land mich und meine Mitamerikaner anlügt.“ (9) Andere Passagiere stützen inzwischen seine Version der Ereignisse bezüglich der Festnahme, so z.B. Daniel Huisinga in einem Interview mit Fox News. (10)

Aussagen von Passagieren zufolge gab es einen weiteren merkwürdigen Vorfall an Bord der Maschine. Knapp zwanzig Reihen hinter Abdulmutallab saß ein Mann, der während des gesamten Fluges das Geschehen an Bord filmte und auch die Überwältigung Abdulmutallabs aufgenommen haben soll. „Er saß da und filmte die ganze Sache, er war sehr ruhig“, so eine Augenzeugin. „Wir wissen, dass das FBI intensiv nach ihm sucht. Seitdem haben wir aber noch nichts darüber gehört.“ (11) Tage später kam das FBI laut Medienberichten in den Besitz des Videos. Wer den ganzen Flug lang das Bordgeschehen filmte und aus welchem Grund, ist bislang nicht bekannt.

Im Hinblick auf die ganzen „Versäumnisse“, Falschangaben von Behörden und die von Passagieren geschilderten merkwürdigen Vorgänge stellt sich die Frage, ob hier etwa nachgeholfen wurde. War der Anschlag eine Inszenierung? Zumindest der Täter ist echt. Seiner Aussage nach wurde er in Jemen ausgebildet und habe den Anschlag im Auftrag von Al Qaedas Filiale auf der arabischen Halbinsel ausgeführt. Diese bekannte sich auch prompt in einem Bekennerschreiben, das die obskure US-Amerikanische Firma „IntelCenter“ verbreitete. (12) Die Authentizität des Schreibens lässt sich kaum überprüfen, dafür aber dessen Glaubwürdigkeit. Die „Al Qaeda in the Arabian Peninsula“ (AQAP) behauptet darin, dass Abdulmutallabs Tat die Rache für die US-Angriffe auf Ziele in Jemen vom 17. und 24. Dezember war. Allerdings hatte Abdulmutallab sein Ticket bereits am 16. Dezember erworben. (13) Offenbar in weiser Vorhersehung der amerikanischen Angriffe. Oder Abdulmutallab war vielleicht nur ein nützlicher Idiot ganz anderer Auftraggeber.

Einer der vier Führungskräfte, die für den Anschlagsversuch auf Flug 253 verantwortlich gemacht werden, ist der ehemalige Guantanamo-Häftling Said Ali Shari. Die angebliche Verwicklung eines Ex-Guantanamo-Insassen gibt natürlich den Hardlinern Auftrieb, die sich gegen eine Schließung des Lagers ausgesprochen hatten. Folglich beendete Präsident Obama auch die weitere Freilassung von Insassen Richtung Jemen. (14) Shari war zusammen mit dem ebenfalls im November 2007 aus Guantanmo entlassenen Muhamad Attik al-Harbi auf einem Al-Qaeda-Propaganda-Video vom Januar 2009 mit dem Führer der Al-Qaeda in Jemen, Abu Basir Naser al-Wahishi, aufgetreten. Al-Harbi stellte sich aber einen Monat später den saudischen Behörden. (15) Obwohl beide zu den gefährlicheren Insassen Guantanamos zählten, wurden sie erstaunlicherweise ohne Anklage entlassen, um in Saudi-Arabien an einem Rehabilitationsprogramm teilzunehmen. Dass sie die Freiheit mit einer Gegenleistung bezahlt haben, etwa in Form einer Zusammenarbeit mit den US-Geheimdiensten, wäre nicht ungewöhnlich.

Als Führungsfiguren im Al-Qaeda-Gestrüpp oder als Chefs eines Ausbildungslagers wären sie für Geheimdienste von besonderem Nutzen, da diese so immer auf dem Laufenden über den Terror-Nachwuchs wären. Solcherlei Informationen ließen sich natürlich auch missbrauchen, um einem Terror-Willigen wie Abdulmutallab hinderliche Steine im Vorfeld seiner Tat aus dem Weg zu räumen.

Geheimdienste als Hintermänner des Terrors

US-Dienste haben in den letzten Jahrzehnten des öfteren unter Beweis gestellt, dass es in der Praxis nur einen schmalen Grat zwischen Terrorbekämpfung und Terrorunterstützung gibt. So hatte das FBI die Gruppe unterwandert, die 1993 einen Anschlag mit einer Autobombe auf das World Trade Center verübte. Der FBI-Informant Emad Salem behauptet, er hätte ursprünglich die Attentäter mit harmlosen Pulver anstatt mit wirklichem Sprengstoff versorgen sollen. Doch das FBI habe sich dann anders entschieden. Salem konnte seine Behauptung untermauern. Er hatte die Gespräche mit seinen FBI-Anweisern heimlich aufgezeichnet, insgesamt Hunderte von Stunden. Die New York Times schloss damals daraus, dass die Behörden in einer „weitaus besseren Position waren, den Anschlag zu verhindern, als bislang bekannt.“ (16)

Auch im vergangenen Jahr war das FBI an der Präparation einer Autobombe beteiligt. In einem Jihad-Online-Forum waren FBI-Agenten auf den 19jährigen Jordanier Hosam Maher Smadi aufmerksam geworden. Die FBI-Agenten nahmen Kontakt zu Smadi auf und gaben sich ihm gegenüber als Al-Qaeda Schläferzelle aus. Das Ganze endete damit, dass Smadi im September eine vom FBI hergestellte und nicht-funktionsfähige Autobombe vor einem Hochhaus in Dallas abstellte. (17)

Dann erfolgte der Zugriff und ein weiterer „Terrorist“ war aus dem Verkehr gezogen. Smadis Familie allerdings beschuldigt das FBI, ihn in eine Falle gelockt und zum islamischen Extremismus verführt zu haben. Laut seinen Verwandten sei Hosam nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 2006 psychisch labil gewesen, habe Depressionen gehabt und Anzeichen von Schizophrenie aufgewiesen. Doch Tendenzen zum Islamismus hatte er keine. Noch im Jahr 2008 redete er oft „schlecht über den Islam“, so sein Vater. Experten wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich Terroristen oft aus der Gruppe der Traumatisierten und Desillusionierten rekrutieren. „Das FBI muss solche jungen Männer wie Hosam Smadi ernst nehmen, sagen diese Experten. Verlorene Einzelgänger, die nur durch das Internet verbunden sind, stellen eine der größten Bedrohungen Amerikas dar. Besonders wenn sie Anzeichen von Wut, Depression und Gewalt an den Tag gelegt haben, wie es bei Hosam der Fall war.“ (18)

Auch Abdulmutallab war ein „verlorener Einzelgänger“, der über Internet-Foren Kontakt zum Jihad suchte. In einem Forums-Eintrag hieß es: „Ich bin in einer Situation, in der ich keine Freunde habe. Ich habe niemanden zum Sprechen, niemanden um nach Rat zu fragen, niemanden, der mich unterstützt. Ich fühle mich depressiv und einsam. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ (19)

Leute im Zustand wie Abdulmutallab oder Hosam Smadi sind nicht nur ein gefundenes Fressen für Al-Qaeda, sondern eben auch für Geheimdienste, die diese Foren überwachen. Wie soll jemand wie Abdulmutallab überprüfen, ob sein Al-Qaeda Kontaktmann nicht in Wirklichkeit ein Doppelagent ist? Wie soll er überprüfen, ob das Nicht-Explodieren des Sprengstoffs wirklich ein Versehen war, oder nicht Absicht im Rahmen einer geheimdienstlichen Sting-Operation (verdeckten Ermittlung)?

Merkwürdigerweise hat Abdulmutallab nicht versucht den in seiner Unterhose deponierten Sprengstoff PETN (auch bekannt als Nitropenta) wie üblich mittels einer Zündkapsel zur Detonation zu bringen, sondern ihn mit einer Flüssigkeit in Brand gesetzt. Allerdings verbrennt PETN ohne zu explodieren. Über dieses Grundwissen hätten seine Ausbilder eigentlich verfügen müssen. Über die Methode, Sprengstoff in der Unterhose zur Explosion zu bringen, waren die amerikanischen Stellen von dem saudischen Prinzen und Anti-Terror-Chef Muhammad bin Nayaf nach einem Anschlag im August 2009 auf ihn selbst informiert worden. Ein weiteres Versäumnis der US-Dienste.

Kontakt zu seinen Al-Qaeda-Ausbildern in Jemen soll Abdulmutallab durch den radikalen Imam Anwar al-Awlaki bekommen haben, den er erstmals 2005 in Jemen traf. Al-Awlaki gilt als Agitator und Anwerber im Auftrag Al-Qaedas. Immer wieder fällt sein Name im Zusammenhang mit islamistischen Attentaten und Anschlagsversuchen. Alleine in Großbritannien seien mindestens sechs Terrorzellen von ihm inspiriert worden. (20)

Al-Awlaki war auch eine Inspiration für Abdulmutallab. Und laut dessen Aussage, so das FBI, war al-Awlaki einer seiner Ausbilder in einem Al-Qaeda Trainingscamp in Jemen und habe Abdulmutallab bis kurz vor dem Flug nach Detroit unterwiesen. (21) Abdulmutallab wurde von al-Awlaki „indoktriniert“, so ein Beamter. (22)

Natürlich wurde al-Awlaki, der einen Blog und eine Facebook-Seite betreibt, von den Geheimdiensten seit Jahren gründlich überwacht. Berichten zufolge wurde Abdulmutallab daher bereits wegen seiner Kontakte zu al-Awlaki auf die amerikanische Sicherheits-Watch-List gesetzt, was das „Versäumnis“ der Geheimdienste um so unglaubwürdiger macht. (23)

Laut FBI hat al-Awlaki auch in Kontakt mit dem Amokläufer von Fort Hood gestanden, dessen Tat al-Awlaki in seinem Blog prieß. Der Amoklauf des Militärpsychologen Major Hasan auf dem Militärstützpunkt am 5. November 2009, bei dem 13 Menschen getötet wurden, weist eine weitere Parallele zu dem Detroit-Bomber auf. Auch hier versäumten es die verantwortlichen Stellen, die Alarmsignale richtig zu deuten. Major Hasan wurde der militärischen Führung von verschiedener Seite wegen seiner radikalen Ansichten und fragwürdigen psychischen Verfassung gemeldet.

In einem Vortrag vor Kollegen sprach Hasan davon, dass man Ungläubigen die Kehle durchschneiden, sie enthaupten und mit Öl übergießen sollte. (24) Dennoch musste Hasan nicht mit Konsequenzen rechnen.

Im Fall des Al-Qaeda-Predigers al-Awlaki liegt der Verdacht nah, dass es sich um einen Geheimdienstmann handelt. Von 1996 bis 2000 predigte al-Awlaki in einer Moschee in San Diego, USA. Während dieser Zeit kam er auch mit dem Gesetz in Konflikt wegen der Kontaktaufnahme zu Prostituierten, was in erheblichem Widerspruch zu seinen radikal-religiösen Ansichten steht. (25) Laut FBI fungierte al-Awlaki in den USA als geistlicher Berater der zum harten Kern der 9/11-Entführer gehörenden Nawaf al-Hazmi und Khalid al-Mihdhar, mit denen er in engem Kontakt stand.

Während seines Aufenthalts in den USA unterhielt er auch enge Kontakte zu Omar al-Bayoumi, der von Senator Bob Graham, dem Vorsitzenden der 9/11-Kongress-Untersuchung, als Agent des saudisch-arabischen Geheimdienstes identifiziert wurde. (26) Al-Bayoumi selbst hatte auch beste Beziehungen zu al-Hazmi und al-Mihdhar. So empfing er sie nach ihrer Einreise in die USA am Flughafen, nahm sie bei sich auf, versorgte sie mit Geld und besorgte ihnen schließlich eine eigene Wohnung in San Diego. (27)

Ein Nachbar berichtete nach 9/11, wie er im August 2001 von al-Awlaki gewarnt wurde, dass bald „etwas sehr Großes“ geschehen würde. (28)

Auch Ermittler gingen davon aus, dass al-Awlaki in die 9/11-Pläne eingeweiht war. (29) Dennoch konnte er Anfang 2002 aus den USA ausreisen. Erst danach wurde er vom US State Department auf eine Liste Terrorverdächtiger gesetzt. Trotzdem konnte er am 10. Oktober 2002 wieder in die USA einreisen. Nur ein Verhör musste er über sich ergehen lassen, das aber keinerlei negative Konsequenzen für ihn nach sich zog. Wie der Zufall es wollte, hatte das US State Department einen Tag vor seiner Einreise einen Haftbefehl gegen ihn aufgehoben. (30)

Von Ende 2002 bis 2004 predigte al-Awlaki dann in Großbritannien den Jihad, bevor er sich in Jemen niederließ. Es ist schon merkwürdig, wie jemand, der in die Anschlagspläne des 11. September eingeweiht war und zwei führenden Hijackern beratend zur Seite stand, einfach so in die USA ein- und ausreisen und seinen Wohnort nach Großbritannien verlegen konnte. Senator Graham spricht im Zusammenhang mit al-Bayoumi und al-Awlaki in seinem Buch ‚Intelligence Matters‘ von einer Vertuschung durch die US-Regierung.

Die Fäden spannen sich bis nach Deutschland

In Großbritannien wäre al-Awlaki nicht der erste radikale Imam gewesen, der junge Muslime gegen die Ungläubigen aufhetzt und gleichzeitig unter besonderem Schutz der Geheimdienste steht. So kooperierten die beiden als Hassprediger Londons bekannt gewordenen Imame Abu Qatada (31) und Abu Hamza al-Masri (32) jahrelang mit den britischen Behörden. Auch die deutsche „Sauerlandgruppe“ um Fritz Gelowicz wurde durch den Einfluss eines Predigers radikalisiert, der gleichzeitig als Informant tätig war. Yehia Yousef arbeitete jahrelang als Zuträger des Verfassungsschutzes. Über ihn schrieb die FAZ, er war „der Hirnwäscher für etliche Angehörige der Sauerland-Gruppe und für deren Dunstkreis von vierzig, fünfzig jungen Leuten.“ (33)

Unter falscher Flagge?

Angesichts der geheimdienstlichen Unterwanderung, wenn nicht teilweise sogar Steuerung des Phänomens Al-Qaeda, muss die Frage erlaubt sein: Handelte es sich bei dem Anschlagsversuch von Flug 253 um eine Aktion unter falscher Flagge? Zumindest kam er wie gerufen. Mitten zur Weihnachtszeit wurde das 9/11-Trauma in der US-Bevölkerung wieder wachgerüttelt. Nicht nur wird sie die Ausweitung des Terrorkriegs auf Jemen und die Eskalation in Afghanistan und Pakistan bereitwillig schlucken, auch die Form dieses Kriegs darf ruhig wieder, wie schon zu Bush-Zeiten, ein bisschen härter werden. So befürworten einer Umfrage zufolge 58 Prozent der US-Amerikaner Folter-Methoden wie Waterboarding gegenüber Abdulmutallab. (34) Auch innenpolitisch kam der Anschlagsversuch für die Hardliner gerade rechtzeitig. Wichtige Passagen des nach 9/11 eingeführten Patriot Acts liefen zum Jahresende aus. Kritik von Bürgerrechtsorganisation an der Erneuerung dieser Passagen, wie sie in den Monaten zuvor verstärkt geäußert wurde, finden in den Medien angesichts der neuen Al-Qaeda Bedrohung aus Jemen kaum noch einen Platz. Mit dem Detroit-Bomber wurde ein politisches Klima geschaffen bzw. reaktiviert, in welchem die Hardliner der US-Innen- und Außenpolitik ihre Ziele wesentlich einfacher verfolgen können. Wäre die Frage nach dem „Cui bono?“ der alles entscheidende Maßstab im Hinblick auf die Fragestellung, ob es sich hierbei um Terror unter falscher Flagge handelt, so müsste zumindest in diesem Fall die Frage eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden.



Quellen:

1) TIMES-Online, 3. Januar 2010, http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article6974073.ece
2) TIMES-Online, 3.Januar 2010, http://www.timesonline.co.uk/tol/news/uk/article6973954.ece
3) New York Times, 31. Dezember 2009, http://www.msnbc.msn.com/id/34637190/ns/politics-the_new_york_times/
4) TIMES-Online, 28. Dezember 2009, http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/us_and_americas/article6969075.ece
5) Los Angeles Times, 6. Januar 2010, http://www.latimes.com/news/nation-and-world/la-naw-airline-terror7-2010jan07,0,3892104,print.story
6) Nachzuschauen auf Yotube: http://www.youtube.com/watch?v=mAtK7FFDukQ
7) Associated Press, 6. Januar 2010, http://www.freep.com/article/20100106/NEWS07/1060362/Evidence-of-accomplice-not-found-officials-say
8) Kurt Haskell, 1.Januar 2010, http://haskellfamily.blogspot.com/2010/01/latest-story-by-kurt-haskell.html
9) Mlive.com, 31.Dezember 2009, http://www.mlive.com/news/detroit/index.ssf/2009/12/flight_253_passenger_kurt_hask.html
10) Fox Nes, 28. Dezember 2009, hier nachzuschauen: http://www.youtube.com/watch?v=BlYNTGQAz5Q
11) 620WTMJ Newsradio, 28. Dezember 2009, http://www.620wtmj.com/news/local/80201152.html
12) Zu IntelCenter siehe auch: Hintergrund, 16.September 2009, http://hintergrund.de/index.php/globales/terrorismus/propaganda-und-wahrheit-die-botschaften-des-osama-bin-laden.html
13) Reuters, 28. Dezember 2009, http://tvnz.co.nz/world-news/us-plane-attacker-sneaked-into-nigeria-3319224
14) ABC News, 5. Januar 2010, http://blogs.abcnews.com/politicalpunch/2010/01/president-obama-suspending-gitmo-detainee-transfers-to-yemen.html
15) ABC News, 28. Dezember 2009, http://abcnews.go.com/Blotter/men-believed-northwest-airlines-plot-set-free/story?id=9434065
16) New York Times, 28. Oktober 1993, http://www.nytimes.com/1993/10/28/nyregion/tapes-depict-proposal-to-thwart-bomb-used-in-trade-center-blast.html
17) Haftbefehl gegen Hosam Smadi, http://www.dallasnews.com/sharedcontent/dws/img/09-09/0924smadi_complaint.pdf
18) Dallas News, 4. Oktober 2009, http://www.dallasnews.com/sharedcontent/dws/dn/latestnews/stories/1004dnmetsmadi.1e0fc34a2.html
19) Salon.com, 29. Dezember 2009, http://www.salon.com/news/2009/12/29/af_airliner_attack_internet_postings/index.html
20) Sunday Times, 3. Januar 2010, http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article6974073.ece
21) The Times, 1. Januar 2010, http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article6973007.ece
22) The Washington Times, 29. Dezember 2009, http://www.washingtontimes.com/news/2009/dec/29/awlaki-personally-blessed-detroit-attack/
23) Daily Mail, 28. Dezember 2009, http://www.dailymail.co.uk/debate/article-1238688/Al-Qaeda-terror-born-Africa.html
24) Telegraph, 8. November 2009, http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/northamerica/usa/6526030/Fort-Hood-gunman-had-told-US-military -colleagues-that-infidels-should-have-their-throats-cut.html
25) USNews.com, 13. Juni 2004, http://www.usnews.com/usnews/news/articles/040621/21plot.htm
26) Phili Shenon, ‚The Commission: The Uncensored History of the 9/11 Investigation‘, Seite 52
27) San Diego Tribune, 25. Juli 2003, http://www.verumserum.com/media/2009/11/2003-San-Diego-Trib-Story-on-al-Awlaki.pdf
28) Newsweek, 4. August 2003, http://www.accessmylibrary.com/article-1G1-106107199/failure-communicate-congressional-probe.html
29) ABC News, 30. November 2009, http://abcnews.go.com/Blotter/FtHoodInvestigation/anwar-awlaki/story?id=9200720&page=1
30) World Net Daily, 16. August 2003, http://www.wnd.com/news/article.asp?ARTICLE_ID=34134
31) Guardian, 24. März 2004, http://www.guardian.co.uk/uk/2004/mar/24/alqaida.terrorism
32) Sean O’Neill / Daniel McGrory, ‚The Suicide Factory‘, Seite 108
33) FAZ, 11. Oktober 2008, http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EA2E22F2A85FB400E8FD81CC1 A5919A47~ATpl~Ecommon~Scontent.html
34) Rasmussen Reports, 31. Dezember 2009, http://www.rasmussenreports.com/public_content/politics/general_politics/december_2009/58_favor_ waterboarding_of_plane_terrorist_to_get_information

Von SEBASTIAN RANGE, 9. Januar 2010 –

Dem Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab wurde am Freitag (8.1.2010) vor einem Bezirksgericht in Detroit die Anklage verlesen. Der 23-Jährige muss sich in sechs Punkten verantworten, darunter wegen Mordversuchs und versuchten Gebrauchs einer Massenvernichtungswaffe. Hintergrund des Verfahrens ist der gescheiterte Anschlag auf eine Maschine der Northwest Airlines während eines Fluges von Amsterdam nach Detroit am 25. Dezember 2009. Doch die tatsächlichen Fakten weisen auf eine Verstrickung der Geheimdienste in den Fall. Wieder eine Aktion unter falscher Flagge, um eine Legitimation für die Ausweitung der US-amerikanischen Kriegsziele zu schaffen?
***
Der vereitelte Anschlag auf den Flug 253 der Northwest Airline lässt an einen alten Ausspruch erinnern, wonach Geschichte sich zweimal ereignet. Das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Während der 11.September 2001 mit Tausenden Toten tragisch war, ist der auch als „neues 9/11“ bezeichnete Anschlagsversuch des Nigerianers Umar Farouk Abdulmutallab auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit eher eine Farce.

Nach dem 11.September wurden Inkompetenz und Versagen der Behörden dafür verantwortlich gemacht, dass die Anschläge stattfinden konnten. Die Folge war ein massiver Ausbau der Geheimdienste und Sicherheitsbehörden und eine starke Erweiterung ihrer Befugnisse. Auch im Fall des „Detroit-Bombers“ wird Versagen mitverantwortlich gemacht und wieder einmal werden die Ressourcen der versagenden Dienste ausgeweitet.

Während 9/11 als Vorwand für einen bereits zuvor geplanten Krieg gegen Afghanistan herhalten musste, wird der misslungene Anschlag vom 25. Dezember 2009 als Begründung für die Ausweitung militärischer Interventionen in Jemen herangezogen.

Militärisch aktiv geworden war die USA in Jemen bereits am 17. und 24. Dezember bei Raketenangriffen auf angebliche Al-Qaeda-Ziele. Daher wurde der Anschlag von Abdulmutallab auch als Rache-Tat für die beiden US-Angriffe gewertet.

Der „Attentäter“ und die Geheimdienste

Allerdings weist der gescheiterte Anschlag von Detroit so viele Ungereimtheiten auf, dass die offizielle Darstellung äußerst fragwürdig erscheint. Zunächst einmal war der 23-jährige Umar Farouk Abdulmutallab für die US-Sicherheitsbehörden kein Unbekannter. Umar Farouks Vater, Alhaji Umaru Abdul Mutallab, wandte sich im November 2009 aus Besorgnis über die zunehmend extreme Entwicklung seines Sohnes an die Sicherheitsbehörden Nigerias und Saudi-Arabiens. Er ging auch zur US-Botschaft und sprach dort direkt mit CIA-Agenten.

Schließlich ist Umaru Abdul Mutallab nicht irgendwer. Er gilt als einer der reichsten Männer Afrikas und war zehn Jahre lang Vorsitzender der größten und ältesten Bank Nigerias, der First Banc of Nigeria. Umaru Abdul Mutallab unterhält Kontakte bis in die höchsten Regierungskreise Nigerias. Ein Mann also, den die CIA ernst nehmen sollte.

Er teilte den CIA-Agenten mit, dass sein Sohn „eine Bedrohung“ der Sicherheit sei und sich im Jemen aufhalte, wo er wahrscheinlich in Verbindung zu islamistischen Extremisten stehe. Das Außenministerium in den USA und die CIA in Washington wurden über die Aussagen von Umaru Abdul Mutallab informiert. Aufgrund der Informationen seines Vaters wurde Umar Farouk auf die –offiziellen Angaben nach 550.000 Personen umfassende – „TIDE“-Liste für Terrorverdächtige gesetzt und eine Akte über ihn im National Counterterrorism Center angelegt. (1)

Doch den Diensten war Umar Farouk Abdulmutallab bereits zuvor kein Unbekannter. Während seines Studiums in Großbritannien von 2005-2008 geriet er wegen seiner Kontakte zu islamischen Extremisten ins Visier des Geheimdienstes MI5. Als er im Mai 2009 wieder zur Teilnahme eines Kurses einreisen wollte, wurde ihm sein Visa verweigert. Das britische Home Office hatte ihn auf eine Security-Watch-List gesetzt. Allerdings habe man es versäumt, die Amerikaner darüber zu informieren.(2) Die wurden später aber selbst auf Abdulmutallab aufmerksam. Die US-Spionage-Behörde National Security Agency (NSA) belauschte im August 2009 Gespräche zwischen hochrangigen Al-Qaeda-Führern in Jemen, die über einen Bomben-Anschlag berieten, den ein Nigerianer ausführen sollte. Doch die CIA habe erst nach dem Anschlagsversuch von Detroit die Verbindung ziehen können, wonach es sich bei dem Nigerianer um Abdulmutallab handelte.(3)

Neben diesen Versäumnissen sticht ein weiteres heraus: Abdulmutallab wurde zwar auf die Liste für Terrorverdächtige, nicht jedoch auf die Flugverbots-Liste der USA gesetzt, trotz der konkreten Vorwarnungen seitens seines Vaters.

Bevor er von Amsterdam nach Detroit flog, reiste Abdulmutallab von Ghana zum Flughafen Lagos in Nigeria. Nicht einmal eine halbe Stunde dauerte sein Aufenthalt dort, bis seine Maschine Richtung Amsterdam abflog. Auch ohne das Erscheinen auf der Flugverbotsliste hätte man ihn in Amsterdam einem intensiveren Screening aufgrund vorhandener Verdachtsmomente unterwerfen müssen. So hatte er sein Flug-Ticket in bar gezahlt, außerdem nahm er nur Hand-Gepäck mit in die USA, obwohl er ein Visum für zwei Jahre hatte. Er war außerdem von einem Dritte Welt-Land angereist. Nach geltenden Sicherheits-Verfahren werden solche Personen besonders sorgfältig überprüft. Im Fall Abdulmutallab geschah dies aber nicht.

„Ungewöhnlich für einen Selbstmord-Attentäter“ war es auch, so die britische Times, dass er „den Ärger auf sich nahm, die Angaben für sein Rückflug-Ziel zu ändern. Er ersetzte Ghana mit Lagos.“ (4)

Wie der Zufall es will, erhielt die US Border Security in den Stunden während des Flugs Geheimdienst-Informationen über Abdulmutallab. Das habe zur Entscheidung geführt, Abdulmutallab bei seiner Ankunft in Detroit einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Die Beamten der Grenzsicherheit wären kurz davor gewesen, das Anschlags-Komplott auffliegen zu lassen. Hätten die Informationen früher vorgelegen, hätte man Abdulmutallab bereits in Amsterdam durchsucht und einem Verhör unterzogen, so ein leitender Beamter. (5)

Versäumt wurde es auch, Abdulmutallabs das US-Visum zu entziehen, nachdem er auf die Watch-List für Terrorverdächtige gesetzt wurde.

Ein Tathergang voller Widersprüche

Alles nur Versäumnisse? Das Anwalts-Ehepaar Kurt und Lori Haskell, das am 25. Dez 2009 gegen 8 Uhr morgens am Gate E07 des Amsterdamer Flughafen Schipol nahe dem Abfertigungsschalter saß und auf das Einsteigen wartete, fügt dem Ganzen weitere Rätsel hinzu. Laut Aussage von Kurt Haskell in einem Interview mit CNN vom 28.Dezember wurde er auf zwei Männer aufmerksam. „Sie fielen mir ins Auge weil sie mir als skurriles Paar erschienen. Einen würde ich als arm aussehenden, schwarzen Teenager beschreiben, 16 oder 17 Jahre alt. Den anderen Mann, in den Fünfzigern, wohlhabend und indisch aussehend. Ich wunderte mich, warum sie zusammen waren – irgendwie seltsam. Ich sah wie sie sich der Mitarbeiterin des Abfertigungsschalters näherten, der letzten Person, die die Bordkarte kontrolliert bevor man ins Flugzeug steigt. Und ich konnte die ganze Konservation mit anhören. Es sprach nur der indische Mann, und was er sagte war: ‚Dieser Mann muss an Bord der Maschine, aber er hat keinen Pass‘. Und die Frau am Schalter antwortete, ‚Nun, wenn er keinen Pass hat, kann er auch nicht an Bord der Maschine gehen.‘ Woraufhin der Inder antwortete, ‚Es ist aus Sudan. Wir machen dies die ganze Zeit‘. Und die Mitarbeiterin sagte, ‚Dann müssen Sie gehen und mit meinem Manager sprechen‘. Und sie wies sie einen Flur entlang. Und das war das letzte Mal, dass ich den indischen Mann gesehen habe. Den schwarzen Mann sah ich nicht wieder bis er Stunden später versucht hatte, unser Flugzeug zu sprengen.“ (6)

Seine Frau Lori fügte hinzu, dass es „seltsam“ sei, dass das FBI sie noch nicht kontaktiert hatte, obwohl sie Informationen über mögliche Mittäter haben. Erst fünf Tage nach dem Vorfall verhörte das FBI das Ehepaar – für ganze 15 Minuten. Die holländischen Behörden widersprechen inzwischen Haskells Angaben. Ihnen zufolge habe Abdulmutallab einen gültigen nigerianischen Pass besessen und die Durchsicht der Überwachungsbänder habe außerdem ergeben, dass Abdulmutallab am Flughafen keinerlei Komplizen gehabt habe.(7) Doch die Haskells bleiben bei ihrer Version und Kurt Huskell forderte die Behörden auf, Videoaufnahmen zu veröffentlichen, um ihn zu widerlegen.

Das FBI widersprach auch einem anderen Aspekt der Aussage der Haskells. Diese berichteten, dass nach der Landung in Detroit ein zweiter Mann festgenommen wurde. Auch er sei indischen Aussehens, aber jünger als der Mann in Amsterdam gewesen. Der Mann sei nach seinem Verhör in Handschellen abgeführt worden, welches veranlasst wurde, weil Sprengstoff-Spürhunde an seinem Hand-Gepäck anschlugen. Die Behörden bestritten diesen Sachverhalt erst vollkommen. Dann gab man eine Festnahme zu, doch diese habe einem Mann aus einem anderen Flug gegolten. Inzwischen hat sich die offizielle Version fünfmal verändert, wie Kurt Haskell auf seinem Blog vermerkt.(8)

In einem Artikel für eine Detroiter Lokalzeitung legt er dar, warum die offiziellen Versionen nicht stimmen können. Kurt Haskell spricht von einer Vertuschung. „Ich habe realisiert, dass mein eigenes Land mich und meine Mitamerikaner anlügt.“ (9) Andere Passagiere stützen inzwischen seine Version der Ereignisse bezüglich der Festnahme, so z.B. Daniel Huisinga in einem Interview mit Fox News.(10)

Aussagen von Passagieren zufolge gab es einen weiteren merkwürdigen Vorfall an Bord der Maschine. Knapp zwanzig Reihen hinter Abdulmutallab saß ein Mann, der während des gesamten Fluges das Geschehen an Bord filmte und auch die Überwältigung Abdulmutallabs aufgenommen haben soll. „Er saß da und filmte die ganze Sache, er war sehr ruhig“, so eine Augenzeugin. „Wir wissen, dass das FBI intensiv nach ihm sucht. Seitdem haben wir aber noch nichts darüber gehört.“ (11) Tage später kam das FBI laut Medienberichten in den Besitz des Videos. Wer den ganzen Flug lang das Bordgeschehen filmte und aus welchem Grund, ist bislang nicht bekannt.

Im Hinblick auf die ganzen „Versäumnisse“, Falschangaben von Behörden und die von Passagieren geschilderten merkwürdigen Vorgänge stellt sich die Frage, ob hier etwa nachgeholfen wurde. War der Anschlag eine Inszenierung? Zumindest der Täter ist echt. Seiner Aussage nach wurde er in Jemen ausgebildet und habe den Anschlag im Auftrag von Al Qaedas Filiale auf der arabischen Halbinsel ausgeführt. Diese bekannte sich auch prompt in einem Bekennerschreiben, dass die obskure US-Amerikanische Firma „IntelCenter“ verbreitete. (12) Die Authentizität des Schreibens lässt sich kaum überprüfen, dafür aber dessen Glaubwürdigkeit. Die „Al Qaeda in the Arabian Peninsula“ (AQAP) behauptet darin, dass Abdulmutallabs Tat die Rache für die US-Angriffe auf Ziele in Jemen vom 17. und 24.Dezember war. Allerdings hatte Abdulmutallab sein Ticket bereits am 16.Dezember erworben.(13) Offenbar in weiser Vorhersehung der amerikanischen Angriffe. Oder Abdulmutallab war vielleicht nur ein nützlicher Idiot ganz anderer Auftraggeber.

Einer der vier Führungskräfte, die für den Anschlagsversuch auf Flug 253 verantwortlich gemacht werden, ist der ehemalige Guantanamo-Häftling Said Ali Shari. Die angebliche Verwicklung eines Ex-Guantanamo-Insassen gibt natürlich den Hardlinern Auftrieb, die sich gegen eine Schließung des Lagers ausgesprochen hatten. Folglich beendete Präsident Obama auch die weitere Freilassung von Insassen Richtung Jemen.(14) Shari war zusammen mit dem ebenfalls im November 2007 aus Guantanmo entlassenen Muhamad Attik al-Harbi auf einem Al-Qaeda-Propaganda-Video vom Januar 2009 mit dem Führer der Al-Qaeda in Jemen, Abu Basir Naser al-Wahishi, aufgetreten. Al-Harbi stellte sich aber einen Monat später den saudischen Behörden. (15) Obwohl beide zu den gefährlicheren Insassen Guantanamos zählten, wurden sie erstaunlicherweise ohne Anklage entlassen, um in Saudi-Arabien an einem Rehabilitationsprogramm teilzunehmen. Dass sie die Freiheit mit einer Gegenleistung bezahlt haben, etwa in Form einer Zusammenarbeit mit den US-Geheimdiensten, wäre nicht ungewöhnlich.

Als Führungsfiguren im Al-Qaeda-Gestrüpp oder als Chefs eines Ausbildungslagers wären sie für Geheimdienste von besonderem Nutzen, da diese so immer auf dem Laufenden über den Terror-Nachwuchs wären. Solcherlei Informationen ließen sich natürlich auch missbrauchen, um einem Terror-Willigen wie Abdulmutallab hinderliche Steine im Vorfeld seiner Tat aus dem Weg zu räumen.

Geheimdienste als Hintermänner des Terrors

US-Dienste haben in den letzten Jahrzehnten des öfteren unter Beweis gestellt, dass es in der Praxis nur einen schmalen Grat zwischen Terrorbekämpfung und Terrorunterstützung gibt. So hatte das FBI die Gruppe unterwandert, die 1993 einen Anschlag mit einer Autobombe auf das World Trade Center verübte. Der FBI-Informant Emad Salem behauptet, er hätte ursprünglich die Attentäter mit harmlosen Pulver anstatt mit wirklichem Sprengstoff versorgen sollen. Doch das FBI habe sich dann anders entschieden. Salem konnte seine Behauptung untermauern. Er hatte die Gespräche mit seinen FBI-Anweisern heimlich aufgezeichnet, insgesamt Hunderte von Stunden. Die New York Times schloss damals daraus, dass die Behörden in einer „weitaus besseren Position waren, den Anschlag zu verhindern, als bislang bekannt.“ (16)

Auch im vergangenen Jahr war das FBI an der Präparation einer Autobombe beteiligt. In einem Jihad-Online-Forum waren FBI-Agenten auf den 19jährigen Jordanier Hosam Maher Smadi aufmerksam geworden. Die FBI-Agenten nahmen Kontakt zu Smadi auf und gaben sich ihm gegenüber als Al-Qaeda Schläferzelle aus. Das Ganze endete damit, dass Smadi im September eine vom FBI hergestellte und nicht-funktionsfähige Autobombe vor einem Hochhaus in Dallas abstellte.(17)

Dann erfolgte der Zugriff und ein weiterer „Terrorist“ war aus dem Verkehr gezogen. Smadis Familie allerdings beschuldigt das FBI, ihn in eine Falle gelockt und zum islamischen Extremismus verführt zu haben. Laut seinen Verwandten sei Hosam nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 2006 psychisch labil gewesen, habe Depressionen gehabt und Anzeichen von Schizophrenie aufgewiesen. Doch Tendenzen zum Islamismus hatte er keine. Noch im Jahr 2008 redete er oft „schlecht über den Islam“, so sein Vater. Experten wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich Terroristen oft aus der Gruppe der Traumatisierten und Desillusionierten rekrutieren. „Das FBI muss solche jungen Männer wie Hosam Smadi ernst nehmen, sagen diese Experten. Verlorene Einzelgänger, die nur durch das Internet verbunden sind, stellen eine der größten Bedrohungen Amerikas dar. Besonders wenn sie Anzeichen von Wut, Depression und Gewalt an den Tag gelegt haben, wie es bei Hosam der Fall war.“ (18)

Auch Abdulmutallab war ein „verlorener Einzelgänger“, der über Internet-Foren Kontakt zum Jihad suchte. In einem Forums-Eintrag hieß es: „Ich bin in einer Situation, in der ich keine Freunde habe. Ich habe niemanden zum Sprechen, niemanden um nach Rat zu fragen, niemanden, der mich unterstützt. Ich fühle mich depressiv und einsam. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ (19)

Leute im Zustand wie Abdulmutallab oder Hosam Smadi sind nicht nur ein gefundenes Fressen für Al-Qaeda, sondern eben auch für Geheimdienste, die diese Foren überwachen. Wie soll jemand wie Abdulmutallab überprüfen, ob sein Al-Qaeda Kontaktmann nicht in Wirklichkeit ein Doppelagent ist? Wie soll er überprüfen, ob das Nicht-Explodieren des Sprengstoffs wirklich ein Versehen war, oder nicht Absicht im Rahmen einer geheimdienstlichen Sting-Operation (verdeckten Ermittlung)?

Merkwürdigerweise hat Abdulmutallab nicht versucht den in seiner Unterhose deponierten Sprengstoff PETN (auch bekannt als Nitropenta) wie üblich mittels einer Zündkapsel zur Detonation zu bringen, sondern ihn mit einer Flüssigkeit in Brand gesetzt. Allerdings verbrennt PETN ohne zu explodieren. Über dieses Grundwissen hätten seine Ausbilder eigentlich verfügen müssen. Über die Methode, Sprengstoff in der Unterhose zur Explosion zu bringen, waren die amerikanischen Stellen von dem saudischen Prinzen und Anti-Terror-Chef Muhammad bin Nayaf nach einem Anschlag im August 2009 auf ihn selbst informiert worden. Ein weiteres Versäumnis der US-Dienste.

Kontakt zu seinen Al-Qaeda-Ausbildern in Jemen soll Abdulmutallab durch den radikalen Imam Anwar al-Awlaki bekommen haben, den er erstmals 2005 in Jemen traf. Al-Awlaki gilt als Agitator und Anwerber im Auftrag Al-Qaedas. Immer wieder fällt sein Name im Zusammenhang mit islamistischen Attentaten und Anschlagsversuchen. Alleine in Großbritannien seien mindestens sechs Terrorzellen von ihm inspiriert worden.(20)

Al-Awlaki war auch eine Inspiration für Abdulmutallab. Und laut dessen Aussage, so das FBI, war al-Awlaki einer seiner Ausbilder in einem Al-Qaeda Trainingscamp in Jemen und habe Abdulmutallab bis kurz vor dem Flug nach Detroit unterwiesen.(21) Abdulmutallab wurde von al-Awlaki „indoktriniert“, so ein Beamter.(22)

Natürlich wurde al-Awlaki, der einen Blog und eine Facebook-Seite betreibt, von den Geheimdiensten seit Jahren gründlich überwacht. Berichten zufolge wurde Abdulmutallab daher bereits wegen seiner Kontakte zu al-Awlaki auf die amerikanische Sicherheits-Watch-List gesetzt, was das „Versäumnis“ der Geheimdienste um so unglaubwürdiger macht.(23)

Laut FBI hat al-Awlaki auch in Kontakt mit dem Amokläufer von Fort Hood gestanden, dessen Tat al-Awlaki in seinem Blog preiste. Der Amoklauf des Militärpsychologen Major Hasan auf dem Militärstützpunkt am 5. November 2009, bei dem 13 Menschen getötet wurden, weist eine weitere Parallele zu dem Detroit-Bomber auf. Auch hier versäumten es die verantwortlichen Stellen, die Alarmsignale richtig zu deuten. Major Hasan wurde der militärischen Führung von verschiedener Seite wegen seiner radikalen Ansichten und fragwürdigen psychischen Verfassung gemeldet.

In einem Vortrag vor Kollegen sprach Hasan davon, dass man Ungläubigen die Kehle durchschneiden, sie enthaupten und mit Öl übergießen sollte.(24) Dennoch musste Hasan nicht mit Konsequenzen rechnen.

Im Fall des Al-Qaeda-Predigers al-Awlaki liegt der Verdacht nah, dass es sich um einen Geheimdienstmann handelt. Von 1996 bis 2000 predigte al-Awlaki in einer Moschee in San Diego, USA. Während dieser Zeit kam er auch mit dem Gesetz in Konflikt wegen der Kontaktaufnahme zu Prostituierten, was in erheblichem Widerspruch zu seinen radikal-religiösen Ansichten steht.(25) Laut FBI fungierte Al-Awlaki in den USA als geistlicher Berater der zum harten Kern der 9/11-Entführer gehörenden Nawaf al-Hazmi und Khalid al-Mihdhar, mit denen er in engem Kontakt stand.

Während seines Aufenthalts in den USA unterhielt er auch enge Kontakte zu Omar al-Bayoumi, der von Senator Bob Graham, dem Vorsitzenden der 9/11-Kongress-Untersuchung, als Agent des saudisch-arabischen Geheimdienstes identifiziert wurde. (26) Al-Bayoumi selbst hatte auch beste Beziehungen zu al-Hazmi und al-Mihdhar. So empfing er sie nach ihrer Einreise in die USA am Flughafen, nahm sie bei sich auf, versorgte sie mit Geld und besorgte ihnen schließlich eine eigene Wohnung in San Diego.(27)

Ein Nachbar berichtete nach 9/11, wie er im August 2001 von al-Awlaki gewarnt wurde, dass bald „etwas sehr großes“ geschehen würde.(28)

Auch Ermittler gingen davon aus, dass al-Awlaki in die 9/11-Pläne eingeweiht war.(29) Dennoch konnte er Anfang 2002 aus den USA ausreisen. Erst danach wurde er vom US State Department auf eine Liste Terrorverdächtiger gesetzt. Trotzdem konnte er am 10.Oktober 2002 wieder in die USA einreisen. Nur ein Verhör musste er über sich ergehen lassen, dass aber keinerlei negative Konsequenzen für ihn nach sich zog. Wie der Zufall es wollte, hatte das US State Department einen Tag vor seiner Einreise einen Haftbefehl gegen ihn aufgehoben.(30)

Von Ende 2002 bis 2004 predigte al-Awlaki dann in Großbritannien den Jihad, bevor er sich in Jemen niederließ. Es ist schon merkwürdig, wie jemand, der in die Anschlagspläne des 11.September eingeweiht war und zwei führenden Hijackern beratend zur Seite stand, einfach so in die USA ein- und ausreisen und seinen Wohnort nach Großbritannien verlegen konnte. Senator Graham spricht im Zusammenhang mit al-Bayoumi und al-Awlaki in seinem Buch ‚Intelligence Matters‘ von einer Vertuschung durch die US-Regierung.

Die Fäden spannen sich bis nach Deutschland

In Großbritannien wäre al-Awlaki nicht der erste radikale Imam gewesen, der junge Muslime gegen die Ungläubigen aufhetzt und gleichzeitig unter besonderem Schutz der Geheimdienste steht. So kooperierten die beiden als Hassprediger Londons bekannt gewordenen Imame Abu Qatada (31) und Abu Hamza al-Masri (32) jahrelang mit den britischen Behörden. Auch die deutsche „Sauerlandgruppe“ um Fritz Gelowicz wurde durch den Einfluss eines Predigers radikalisiert, der gleichzeitig als Informant tätig war. Yehia Yousef arbeitete jahrelang als Zuträger des Verfassungsschutzes. Über ihn schrieb die FAZ, er war „der Hirnwäscher für etliche Angehörige der Sauerland-Gruppe und für deren Dunstkreis von vierzig, fünfzig jungen Leuten.“(33)

Unter falscher Flagge?

Angesichts der geheimdienstlichen Unterwanderung, wenn nicht teilweise sogar Steuerung des Phänomens Al-Qaeda, muss die Frage erlaubt sein: Handelte es sich bei dem Anschlagsversuch von Flug 253 um eine Aktion unter falscher Flagge? Zumindest kam er wie gerufen. Mitten zur Weihnachtszeit wurde das 9/11-Trauma in der US-Bevölkerung wieder wachgerüttelt. Nicht nur wird sie die Ausweitung des Terrorkriegs auf Jemen und die Eskalation in Afghanistan und Pakistan bereitwillig schlucken, auch die Form dieses Kriegs darf ruhig wieder, wie schon zu Bush-Zeiten, ein bisschen härter werden. So befürworten einer Umfrage zufolge 58 Prozent der US-Amerikaner Folter-Methoden wie Waterboarding gegenüber Abdulmutallab.(34) Auch innenpolitisch kam der Anschlagsversuch für die Hardliner gerade rechtzeitig. Wichtige Passagen des nach 9/11 eingeführten Patriot Acts liefen zum Jahresende aus. Kritik von Bürgerrechtsorganisation an der Erneuerung dieser Passagen, wie sie in den Monaten zuvor verstärkt geäußert wurde, finden in den Medien angesichts der neuen Al-Qaeda Bedrohung aus Jemen kaum noch einen Platz. Mit dem Detroit-Bomber wurde ein politisches Klima geschaffen bzw. reaktiviert, in welchem die Hardliner der US-Innen- und Außenpolitik ihre Ziele wesentlich einfacher verfolgen können. Wäre die Frage nach dem „Cui bono?“ der alles entscheidende Maßstab im Hinblick auf die Fragestellung, ob es sich hierbei um Terror unter falscher Flagge handelt, so müsste zumindest in diesem Fall die Frage eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden.

Drucken

Drucken

Teilen

Voriger Artikel Terrorismus Flugsicherheitsmaßnahmen gefährden Passagiere
Nächster Artikel Terrorismus Geheime Gefängnisse der USA