Terrorismus

Ungereimtheiten bei der Berichterstattung zu den angeblich vereitelten Terroranschlägen

Von Markus Jansohn, 05. September 2007:

Bei der Berichterstattung über die festgenommenen Terrorverdächtigen stützen sich die Medien auf die Aussagen der Bundesanwaltschaft und auf Einschätzungen des BKA. Sie gehen manchmal aber auch weit darüber hinaus. Wie handfest die Ermittlungsergebnisse wirklich sind, ist noch unklar.

Der Polizei soll es gelungen sein, das von einem der Verdächtigen über sieben Monate zusammengetragene Wasserstoffperoxid unbemerkt von den angeblichen Islamisten durch eine verdünnte Flüssigkeit zu ersetzen. Dies wurde gegenüber Hintergrund heute von der Pressestelle der Bundesanwaltschaft bestätigt. Eine Pressesprecherin des BKA erklärte gegenüber Hintergrund, nach dem Austausch wäre die Verwendung als gefährlicher Sprengstoff wohl nicht mehr möglich gewesen, da dies der Grund für den Austausch gewesen sein müsse. Demgegenüber sprechen die Medien und Politiker von der Verhinderung akut bevorstehender massiver Bombenanschläge. Das US-Militär wurde Meldungen zufolge nach eigenen Angaben in der Nacht zum Mittwoch von den deutschen Ermittlern über einen möglichen Terroranschlag informiert. Obwohl dieser mit der ausgetauschten Flüssigkeit nicht mehr möglich gewesen wäre. Wie man auf die angeblichen Anschlagziele Flughafen Frankfurt und Ramstein gekommen ist, wird nicht deutlich.

AFP meldete zunächst, die Festgenommenen würden aus Neunkirchen und Neu-Ulm stammen (Damit wären die Herkunftsorte identisch mit den im Juni in Pakistan festgenommenen Personen. Ende Juni hatten Schäuble und der BKA-Chef auf eine angeblich neue Bedrohungssituation in Deutschland hingewiesen. Dabei wurde auf ein ABC-Video und auf drei Festnahmen in Pakistan verwiesen, um die angeblich neue Bedrohungssituation zu untermauern). Später wurden die Städte dann in Saarbrücken und Ulm umgewandelt. Spiegel-Online meldete recht früh die Vornamen der Festgenommenen. Was sich genau hinter dieser Aktion verbirgt, wird wohl erst später deutlich werden. Mit welchem Geld kauften die angeblichen Hartz IV-Empfänger die Materialien? Wie kamen sie an die Zündvorrichtungen? Wo genau sollen sie in Pakistan ausgebildet worden sein und gibt es Verbindungen von diesem Ausbildungslager zu den US-Geheimdiensten?

Die Medien sind sich ohne weitere Kenntnis einig darin, dass ein großer islamistischer Terroranschlag auf eine US-Militärbasis oder eine Disco mit US-Publikum gerade noch rechtzeitig abgewendet werden konnte und das ganze irgendwie vielleicht etwas mit Al Qaida oder wahlweise einer neuen Gruppierung zu tun hat. Groß sollte der Anschlag sein und viele Menschleben sollte er kosten. Auch das weiß man angeblich ganz genau. Kritische Fragen werden nicht gestellt, zu gut passt die Geschichte ins Programm. Damit bereiten Medien und Politiker ein weiteres mal zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt den Boden für die Verschärfung der Überwachung unserer Gesellschaft.

 

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