Terrorismus

Zur Ermordung Osama bin Ladens

Ein Kommentar von ELIAS DAVIDSSON, 4. Mai 2011 –

Nach Medienberichten wurde Osama bin Laden am 1. Mai 2011 ermordet, zusammen mit „anderen Familienmitgliedern“, deren Identität unbekannt ist. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat sich diesen Mord als Verdienst angerechnet. Mord ist jedoch in jedem rechtsstaatlichen System verboten. Er ist eine strafbare Handlung, nach dem Recht aller zivilisierten Staaten wie nach dem Völkerrecht. Deshalb muss Präsident Obama als Auftraggeber wegen Mords angeklagt werden.

1. Die Amerikaner haben die Ermordung bin Ladens gefeiert, so berichten es uns die Medien. CNN zufolge hat eine Menschenmenge „God Bless America“ in der Nähe von Ground Zero gesungen, und vor dem Weißen Haus versammelte sich eine „jubelnde“ Menschenmenge. Viele sangen angeblich die Nationalhymne, als ob der Mord ein patriotischer Akt wäre. Einen Mord zu feiern ist eine barbarische Praxis. Zivilisierte Menschen können niemals einen Mord billigen, geschweige denn verherrlichen.

2. Osama bin Laden wurde wegen seiner angeblichen Verbindungen zu 9/11 nie offiziell angeklagt. Kein US-Präsident hat ihm jemals die Verbrechen von 9/11 direkt zur Last gelegt. Im März 2002 erklärte Präsident George W. Bush auf einer Pressekonferenz, dass er sich keine Sorgen mehr über das Schicksal oder den Verbleib von Osama bin Laden mache  (1). Sagte er die Unwahrheit, oder war bin Laden zu diesem Zeitpunkt bereits tot, wie in pakistanischen Medien berichtet wurde  (2)? Als der amerikanische Journalist Ed Haas 2006 entdeckte, dass der Steckbrief des FBI über bin Laden die Anschläge von 9/11 gar nicht erwähnt, wunderte er sich, dass der Sprecher des FBI Rex Tomb ihm zur Antwort gab, die Behörde habe keine „konkrete Beweise“ für die Teilnahme Osamas an den Anschlägen  (3). Diese Antwort hätte normalerweise weltweit für Schlagzeilen sorgen müssen. Aber sie hätte damit das Konstrukt des islamistischen Terrorismus beeinträchtigt. Das durfte nicht sein. Also wurde die Nachricht verschwiegen. Bei genauem Studium
von Obamas Erklärung zur Ermordung von Osama bin Laden fällt jedoch auf, dass er ihn nicht direkt mit den Anschlägen von 9/11 in Verbindung bringt, sondern sie bloß unterstellt.

3. Auch mutmaßliche Straftäter haben Anspruch auf ein ordentliches Gerichtsverfahren. In Ländern in denen noch die Todesstrafe praktiziert wird wie in den USA, können sie zum Tode verurteilt werden, wenn sie schwerste Verbrechen begangen haben und ihre Schuld durch ein unabhängiges Gericht festgestellt wurde. Osama bin Laden wurden zwar viele Verbrechen unterstellt. Er wurde aber niemals wegen Täterschaft oder Beihilfe zum Massenmord von 9/11 angeklagt. Er wurde weithin verdächtigt, ein muslimischer Extremist zu sein. War er es? Dient der Vorwurf dem Ziel, den Islam zu schmähen? In wessen Interesse ist es, den Islam zu diskreditieren?

4. Wir können nicht sicher sein, dass es Osama bin Laden war, der bei dem Überfall in Abbottabad getötet wurde. Der Öffentlichkeit fehlt der Beweis seiner Identität. Seine Leiche soll ins Meer geworfen worden sein, vorgeblich zur Beachtung islamischer Traditionen. Werfen Muslime die Leichen ihrer Toten ins Meer?

Andere Stimmen behaupten, durch die Versenkung im Meer hätten die USA verhindern wollen, dass sein Grab zu einer Art Pilgerstätte würde. Die rasche Beseitigung der Leiche kann noch andere Motive haben. War das Opfer verstümmelt, und sollte die Öffentlichkeit das nicht erfahren? War der Ermordete überhaupt Osama bin Laden? Sicher bedeutet seine Beseitigung für die Auftraggeber des Mordes eine Erleichterung: Nun wird Osama nicht mehr über seine Beziehungen zur CIA aussagen können  (4).

5. Das Stillschweigen um die Identität der „anderen Familienmitglieder“, die ebenfalls ermordet wurden, zeigt die geringe Achtung der US-Regierung gegenüber Menschenleben. Auch wenn ihr Tod nicht direkt beabsichtigt war, wurde er doch billigend in Kauf genommen. Diese Tötung gilt nach bürgerlichem Recht als Totschlag, wenn nicht gar Mord, für den Präsident Barack Obama zur Rechenschaft gezogen werden müsste.

6. Die Glückwunschadressen aus aller Welt sind abstoßend. Ein Staats- oder Regierungschef, der seine Zufriedenheit über diesen offen erkennbaren Mord zum Ausdruck bringt, verliert seine moralische Legitimation. In der ganzen Welt sollten sich anständige Menschen für die Entfernung solchen Politiker aus ihren öffentlichen Ämtern einsetzen.

7. Der 10. Jahrestag des Massenmordes von 9/11 rückt näher. Die Ermordung einer Person, die angeblich Osama bin Laden ist, soll die Lüge stützen, dass Muslime dieses Massaker begangen haben  (5). Das wird nicht gelingen. Diese Episode des Bösen wurde minutiös dokumentiert, und die Gerechtigkeit wird sich am Ende durchsetzen.

Die Mörder von Osama bin Laden müssen zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden. Solche Taten dürfen sich nicht wiederholen.


Elias Davidsson ist 1941 in Palästina als Sohn jüdischer Eltern geboren. Er ist Komponist und Menschenrechtsaktivist.  Heute lebt er in Bonn, der ursprünglichen Heimat seiner Eltern. Er ist isländischer Staatsbürger.


(1) President’s News Conference, March 13, 2002

(2) Report: Bin Laden Already Dead, Fox News, December 26, 2001

(3) Ed Haas, FBI says, it has „No hard evidence connecting Bin Laden to 9/11“, June 18, 2006

(4) Anthony Sampson, CIA agent alleged to have met Bin Laden in July  (2001), The Guardian, November 1, 2001

(5) Elias Davidsson, Es gibt keine Beweise dafür, dass Muslime am 11. September 2001 Flugzeuge entführten

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