BSW Brandenburg

Bericht: Chatprotokolle nähren Vorwurf der gezielten Abwerbung von BSW-Abgeordneten in Brandenburg

Berliner Zeitung: Mutmaßliche Geldangebote für Eintritt in CDU, mutmaßliche Abwerbungsversuche auch von anderen Parteien / Heutiger SPD-Minister Crumbach: SPD-Ministerpräsident Woidke hat „nichts versprochen“ / INSA-Umfrage: 68 Prozent für Neuwahlen und gegen neue SPD-CDU-Koalition

(Diese Meldung ist eine Übernahme von Multipolar)

Ein Ausdruck von Chatprotokollen, der den Redaktionen des Berliner Verlags nach eigenen Angaben anonym zugesendet wurde, legt den Schluss nahe, dass BSW-Mitgliedern Geldsummen für Parteiaustritte angeboten wurden. Im betreffenden Artikel der „Berliner Zeitung“ vom 18. März ist diesbezüglich explizit die Rede von der Oppositionspartei CDU. Darüber hinaus sollen auch „andere“ Parteien zwischen Ende August bis Ende Oktober 2025 Abwerbungsversuche unternommen haben.

An den Gesprächen beteiligt gewesen sein sollen laut „Berliner Zeitung“ neben dem ehemaligen Finanzminister und aktuellen Infrastrukturminister Robert Crumbach (heute SPD) die mittlerweile fraktionslosen Abgeordneten Reinhard Simon und André von Ossowski sowie die Abgeordnete Melanie Matzies und der BSW-Fraktionsvorsitzende Niels-Olaf Lüders. Laut den Chatprotokollen soll Crumbach Abwerbeversuche als Instrument zur Stiftung von „Unruhe“ bezeichnet und Gespräche über Parteiwechsel Gerüchten gleichgesetzt haben.

In einem Interview mit der „Zeit“ (18. März) bestreitet Crumbach, einen „Plan“ verfolgt zu haben, „wie man aus der Koalition mit dem BSW herauskommt und zugleich eine Mehrheit für Rot-Schwarz schafft“. Im Herbst 2025 habe das BSW sich entgegen einer früheren Ansprache entschlossen, gegen die Reform des Medienstaatsvertrages zu stimmen. Die Chefin der Staatskanzlei von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) habe sich daraufhin bei ihm gemeldet. Er habe ihr gesagt, dass er es „mit Verrückten zu tun“ habe und nicht wisse, ob er diese „eingefangen bekomme“. Angesprochen auf seinen Wechsel zur SPD sagte Crumbach, Woidke habe ihm „nichts versprochen“ und Crumbach selbst habe „auch nach nichts gefragt“. Im Oktober 2025 habe er Woidke mitgeteilt, dass er sich vorstellen könne, gegebenenfalls „als Parteiloser oder in einer anderen Fraktion weiterzumachen“.

Woidke hatte am 6. Januar die Auflösung der Koalition mit dem BSW verkündet. Am 16. März erfolgte die Unterzeichnung des Koalitionsvertrags mit der CDU. Laut einer im Januar veröffentlichten INSA-Umfrage hatten sich zuvor 68 Prozent der Brandenburger Bürger gegen eine solche Koalition und für Neuwahlen ausgesprochen. Die erforderlichen Mandate für die Koalition, die CDU und SPD zuvor mit 44 von 45 notwendigen Stimmen nicht hatten erreichen können, waren durch den Wechsel der ehemaligen BSW-Abgeordneten Jouleen Gruhn und Robert Crumbach in die SPD-Fraktion erreicht worden.

Die BSW-Landesvorsitzende Friederike Benda hatte dem ehemaligen Koalitionspartner SPD bereits im Januar vorgeworfen, „seit Monaten“ gezielt an einem Bruch der Koalition zu arbeiten, um eine neue Regierung bilden zu können. Anfang Februar warf sie der SPD vor, seit September 2025 wichtige politische Projekte „verschleppt“ zu haben. „Die Entscheidung, das BSW als Koalitionspartner loszuwerden, war da mutmaßlich schon gefallen“, heißt es in der Stellungnahme. „Man wollte nichts mehr beschließen, was man mit einem Koalitionspartner CDU wieder kassieren müsste.“

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