Corona-Pandemie

Berichte: „Stark erhöhte Suizidalität“ bei Betroffenen von Impfschäden und „Long-Covid“

Patienten beklagen mangelnde Therapie und kaum finanzielle Unterstützung / Betroffene melden sich zunehmend bei Sterbehilfeorganisationen an – Durchschnittsalter bei 40 Jahren / Leiterin von Selbsthilfegruppe: Versorgungslage in Sachsen-Anhalt besonders schlecht

(Diese Meldung ist eine Übernahme von Multipolar)

Betroffene von Impfschäden und „Long-Covid“ in westlichen Ländern wählen mangels Alternativen zunehmend Sterbehilfe als Ausweg aus ihrem Leiden. Dies gilt Berichten zufolge für Kanada, für die Schweiz, für Österreich und Deutschland. Laut der Schweizer Sterbehilfeorganisation „Exit“ erkennen Fachleute schon seit einiger Zeit eine „stark erhöhte Suizidalität“ bei Patienten mit „Long-Covid“ oder Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronischem Fatigue Syndrom (ME/CFS), berichtete die „Neue Zürcher Zeitung“ im März 2025. ME/CFS kann eine Folge der Behandlung mit Corona-mRNA-Präparaten sein. Einige Betroffene treten vorsorglich „Exit“ bei, heißt es in dem Bericht.

Chantal Britt, Präsidentin von „Long Covid Schweiz“ erklärt auf Anfrage von Multipolar nun, dass diese Anmeldungen als „Hilfeschrei” zu werten seien. Sie selbst kenne mehrere von ME/CFS betroffene Patienten, die sich durch assistierten Suizid das Leben genommen haben oder Sterbehilfe in Anspruch nehmen wollen. „Viele von uns haben sich bei ‚Exit‘ angemeldet“, erklärt Britt. Das Durchschnittsalter dieser Personen liege bei 40 Jahren. Belastend sei nicht nur die Krankheit selbst, sondern Stigmatisierung, Isolation und fehlende Unterstützung. Britt leidet seit sechs Jahren an ME und ist seit fünf Jahren Mitglied der Sterbehilfeorganisation. „Wir brauchen unbedingt Daten zur Anzahl Betroffener mit Long-Covid, ME und PostVac, vor allem auch der Schwerbetroffenen“, fordert sie. Impfstoffhersteller müssten diese Daten in Bezug auf „Post-Vac“ haben: „Die sollten wir verwenden dürfen, um neue Behandlungsansätze zu suchen.“

Auch in Deutschland führen Impfschäden („Post-Vac“), „Long-Covid“ und ME/CFS dazu, dass Patienten um Sterbehilfe bitten. In einer „Arte“-Dokumentation aus dem Oktober 2025 wird der Fall des 37-jährigen Pascal Mertens aus Hagen beschrieben. 2022 traten als Folge einer Corona-Impfung mit dem Präparat der deutschen Pharmafirma „Biontech“ Lähmungserscheinungen auf. Diese weiteten sich aus, Mertens konnte nicht mehr laufen und selbstständig essen. Er magerte sehr stark ab und verlangte Sterbehilfe. Nach längeren Kampf wurde ihm diese gerichtlich gewährt.

Astrid Weber, Leiterin der „Long-Covid“-Ambulanz in Koblenz bestätigte in einem Interview mit dem SWR, dass manche „Long-Covid“-Patienten keinen anderen Ausweg aus ihrem Leiden sehen als Sterbehilfe. Der Berliner Arzt Erich Freisleben, der bis zu seinem Ruhestand 2023 hunderte von Patienten mit Komplikationen nach den Injektionen gegen Corona behandelt hatte, sagte, dass „mit großer Sicherheit“ 90 Prozent der mutmaßlichen „Long-Covid“-Fälle tatsächlich Impfschäden sind. Einer Studie vom Mai 2025 zufolge leiden in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Menschen an ME/CFS, „Long-Covid“ und „Post-Vac“. Ein von knapp 20 Organisationen mitgetragenes Forderungspapier verlangt Vorrang von Versorgung vor Sterbehilfe.

Eine Leiterin einer Selbsthilfegruppe für Betroffene von „Post-Vac“, „Long-Covid“ und ME/CFS aus Sachsen-Anhalt, die anonym bleiben möchte, erklärt auf Anfrage von Multipolar: „Die mangelnde Versorgung ist unterlassene Hilfeleistung.“ Einige „Schwerstbetroffene“ begingen Suizid. In Sachsen-Anhalt sei die Versorgungslage besonders schlecht: „Als einziges Bundesland haben wir keine Spezialambulanz für Erwachsene, die Hausärzte bekommen wenig Fortbildungsangebote und sind mit dem komplexen Krankheitsbild überfordert.” Schwerwiegend unter ME/CFS zu leiden sei, „wie lebendig begraben zu sein oder unter Folter zu stehen“.

Die Selbsthilfegruppenleiterin fordert die Umsetzung der „Long-Covid“-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses in allen Bundesländern. Diese regelt die Versorgung: „Das würde Leben retten, da Schwerstbetroffene adäquat palliativ versorgt würden.“ Die Selbsthilfegruppenleiterin berichtete gegenüber Multipolar von Patienten, die bei der „Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben“ Mitglied geworden sind. Mario H., ein Betroffener aus Sachsen-Anhalt, sagt auf Anfrage von Multipolar: Mit angemessener medizinischer Versorgung, sozialer Absicherung und Anerkennung der Erkrankung könnten viele extreme Belastungssituationen verhindert werden.

In einem Interview mit der Zeitung „Jungle World“ berichtete die kanadische Ärztin Ramona Coelho beispielhaft von einem Mann aus Montreal, der nach anhaltenden Long-Covid-Symptomen und mangelnder häuslicher Unterstützung um „Medizinisch assistierte Sterbehilfe“ (MAiD) bat, die im Jahr 2016 in Kanada legalisiert worden war. In Niederösterreich sorgte der Fall des 21 Jahre alten Samuel für Aufmerksamkeit. Nach einer Covid-Infektion erkrankte er schwer an ME/CFS. Im Januar kündigte er seinen assistierten Suizid an. In einem ORF-Beitrag vom Februar sprach seine Mutter über den Verlust ihres Sohnes. Laut der Palliativmedizinerin Veronika Mosich aus Wien gibt es in Österreich keine belastbaren Daten zu Sterbeverfügungen von ME/CFS-Patienten. Es existierten jedoch Hinweise auf eine Zunahme. Die Medizinerin vermutet, „dass Suizid die häufigste Todesursache bei ME/CFS-Betroffenen ist“.

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