Ukraine-Krieg

Im Kriegsfall: Bundeswehr rechnet mit tausenden russischen Kriegsgefangenen

Befehlshaber von Landeskommando Hamburg thematisiert Gefangennahme in Vortrag / Deutschland „juristisch nicht im Krieg, aber faktisch auch nicht mehr im Frieden“ / „Operationsplan Deutschland“: Bei „Eindruck“ russischer Gefahr im Baltikum Verlegung von 800.000 Nato-Soldaten geplant

(Diese Meldung ist eine Übernahme von Multipolar)

Die Bundeswehr rechnet im Kriegsfall mit mehreren tausend russischen Kriegsgefangenen und plant deren Haft in Deutschland. Das erklärte der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, Kurt Leonards, am 13. Mai auf dem „Interdisziplinären Symposium zu Krieg und Frieden auf See“ der Rederei Hapag-Lloyd. In einem von einem Teilnehmer aufgenommenen kurzen Audio- und Videomitschnitt des Vortrags beschreibt der Kapitän zur See, wie „Tausende von Kriegsgefangenen“ zunächst in Deutschland und dann in Europa verteilt werden müssten. Die Veranstaltung fand in der Kühne Logistics University in Hamburg statt. Auch bei einer Veranstaltung des norddeutschen Unternehmensverbands „Aga“ am vergangenen Montag sprach Leonards über mögliche Kriegsgefangene.

Zudem beschreibt der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, wie eine militärische Reaktion auf das „durchaus“ mögliche Szenario eines russischen Angriffs auf einen der baltischen Staaten aussieht. Sobald die Nato „den Eindruck“ habe, es versammelten sich russische Truppen, um ein Eindringen ins Baltikum vorzubereiten, werde der Bündnisfall ausgerufen. Dann werde sofort mit Truppenverlegungen begonnen, um Russland abzuschrecken. Um diese Truppen möglichst schnell in den Osten zu verlegen, brauche es einen Plan, „um 800.000 Soldaten“ durch Deutschland „zu bewegen“, so der Offizier. Im September finde daher die Übung „Red Storm Charlie“ statt, um diesen logistischen Ernstfall in Hamburg zu proben.

Damit spielt Leonards auf den größtenteils geheim gehaltenen „Operationsplan Deutschland“ an. Kernelement des Operationsplans ist nach Informationen der Bundeswehr „die Zusammenführung der zentralen militärischen Anteile der Landes- und Bündnisverteidigung mit den notwendigen zivilen Unterstützungsleistungen zur gegenseitigen gesamtstaatlichen Unterstützung“. Im Ernstfall müssten „bis zu 800.000 alliierte Soldatinnen und Soldaten und 200.000 Fahrzeuge“ innerhalb von sechs Monaten durch Deutschland verlegt und versorgt werden.

In einem Interview mit dem NDR am Rande des Symposiums im Mai, das in einer Ausgabe des „Hamburger Hafenkonzerts“ gesendet wurde, erklärt Leonards (ab Minute 43), Deutschland sei „juristisch nicht im Krieg, aber faktisch auch nicht mehr im Frieden“. Grund dafür seien russische „hybride Angriffe“. Als Beispiele für derartige Angriffe nennt Leonards zwei Zwischenfälle auf der Hunte, einem Nebenfluss der Weser, in denen russische Kapitäne von Binnenschiffen eine Brücke und deren Behelfsbrücke angefahren und zerstört hätten. In einem Bericht des NDR werden die Ereignisse als Unfälle beschrieben, die Verantwortlichen hätten fahrlässig gehandelt.

Als weitere Beispiele für die „hybride“ Kriegsführung Russlands führt der ranghohe Offizier durchtrennte Unterseekabel sowie „mehrere Drohnenvorfälle“ über seiner Heimatkaserne an, auch wenn man letztere „nicht eindeutig“ Russland zuordnen könne. Die Anzahl und der zeitliche Zusammenhang mit „anderen Drohnenentdeckungen auch von russischer Seite in Deutschland“ ließe jedoch den Schluss zu, „dass das alles aus einer Richtung kommt“, erklärt Leonards.

Die US-Zeitung „Washington Post“ berichtete jedoch im vergangenen Jahr, dass westliche Geheimdienste bei entsprechenden Vorfällen nicht mehr von Sabotage sondern von Unfällen ausgehen. Es gibt bislang keinen Fall, in dem die Beschädigung von Unterseekabeln als Folge russischer Sabotage durch ein Gericht bestätigt wurde. Auch hat eine unabhängige Analyse Ende 2025 festgestellt, dass trotz vieler Sichtungen, die zum Teil Sperrungen von Flughäfen nach sich zogen, keine Belege für russische Drohnen in Westeuropa vorliegen.

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