Rüstungskonzern KNDS wird verstaatlicht
Deutscher und französischer Staat wollen jeweils 40 Prozent beim geplanten Börsengang übernehmen / Ehemaliger Abteilungsleiter des Bundeswirtschaftsministeriums mit Beratung beauftragt / Korruptionsvorwürfe könnten Börsengang verzögern
(Diese Meldung ist eine Übernahme von Multipolar)
KNDS, der größte europäische Rüstungskonzern für Landverteidigung wird im Rahmen eines im Sommer geplanten Börsengangs größtenteils verstaatlicht. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen“ (FAZ) sollen zukünftig sowohl der deutsche als auch der französische Staat jeweils 40 Prozent der Kapitalanteile an dem Unternehmen halten. Die restlichen 20 Prozent sollen beim Börsengang an andere Anteilseigner gehen. Aktuell hält der französische Staat noch 50 Prozent an dem Rüstungskonzern, dessen Unternehmenswert auf 20 Milliarden Euro geschätzt wird. Die übrigen 50 Prozent gehören der deutschen Eigentümerfamilie Wegmann. KNDS ist 2015 aus der Fusion des deutschen Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Rüstungsunternehmen Nexter entstanden.
Die Familie Wegmann hat ihren vollständigen Rückzug aus dem Konzern angekündigt, weil sie laut FAZ „nicht mehr so geeint hinter dem Panzergeschäft“ stehe. Zudem gelte der aktuelle „Rüstungsboom“ als „lukrativer Zeitpunkt zum Ausstieg“. KNDS stellt unter anderem den Leopard-2-Panzer her, der bereits seit 1978 von Krauss-Maffei Wegmann in Serie gebaut wird. Hintergrund des Einstiegs des Bundes bei KNDS soll die Wahrung des deutschen Einflusses auf den Rüstungskonzern und der deutschen Verteidigungsinteressen sein, schreibt die Frankfurter Tageszeitung. Vorbild für die fast vollständige Verstaatlichung von KNDS sei das später in Airbus umgetaufte Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS.
Vor dem Bekanntwerden des Einstiegs des Bundes gab es bereits Anzeichen für einen gesteigerten Einfluss der deutschen Politik auf den französisch-deutschen Rüstungskonzern. Im November 2025 wurde Thomas Enders, Präsident der staatlich geförderten Organisation „Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik“ und bis 2019 Vorstandsvorsitzender von Airbus, als Präsident des Konzern-Verwaltungsrats von KNDS berufen. Enders war von 1989 bis 1991 unter Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (CDU) Mitglied des Planungsstabes des Verteidigungsministeriums in Bonn und von 2005 bis 2012 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Der Interessenverband hat 2025 laut Lobbyregister des Deutschen Bundestages knapp 1,6 Millionen Euro für politische Lobbyarbeit ausgegeben.
Eine weitere Vernetzung mit der Bundespolitik findet sich in der Personalie Philipp Steinberg, bis Mitte 2025 Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik und Ressortkoordinator Nachhaltigkeit im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Steinberg ist seit Januar 2026 bei der US-amerikanischen Lobby-Agentur FGS Global als Leitender Berater angestellt. Das Lobbyregister des Deutschen Bundestages führt ihn zusammen mit drei weiteren FGS Global-Mitarbeitern als Berater von KNDS mit dem Auftrag der „Einordnung relevanter Entwicklungen und Unterstützung“ des Rüstungskonzerns „bei der Positionierung gegenüber politischen Stakeholdern“.
FGS Global betreibt Lobbyarbeit für verschiedene Unternehmen im Umfeld des Deutschen Bundestages und hat 2024 dafür circa eine Million Euro ausgegeben. Die Firma befindet sich mehrheitlich in Besitz der US-amerikanischen börsennotierten Beteiligungsgesellschaft KKR. Letztere ist aktuell an verschiedenen bedeutenden deutschen Unternehmen beteiligt – darunter auch die Axel Springer SE mit ihren Medien „Bild“ und „Welt“.
Das Wochenmagazin „Der Spiegel“ deckte auf, dass KNDS beziehungsweise Krauss-Maffei Wegmann knapp 100 Millionen Euro an ein katarisches Mitglied der Herrscherfamilie gezahlt hat, um Rüstungsgüter wie den Leopard-2-Panzer, die Panzerhaubitze 2000 und den Radpanzer Boxer an das katarische Militär zu verkaufen. Der Korruptionsverdacht soll laut eines weiteren Spiegel-Berichts dafür verantwortlich sein, dass der mit der Wirtschaftsprüfung von KNDS beauftragte Beratungsdienstleister sein Testat für den Jahresabschluss 2025 zurückhält. Ohne Testat sei ein Börsengang nicht möglich, erklärt das Wochenmagazin.