Ukraine-Krieg

Russische Armee rückt auf ukrainische Großstadt Saporischschja vor

Mehrere ukrainische Kleinstädte nach russischen Informationen „vollständig“ eingenommen / Lage in Kupjansk unklar / Russische Streitkräfte auf Vormarsch in Richtung letzter Donbass-Großstädte unter ukrainischer Kontrolle

(Diese Meldung ist eine Übernahme von Multipolar)

Die russische Armee rückte im Dezember und in der ersten Januarhälfte an zahlreichen Abschnitten der Front in der Ukraine vor, während die ukrainischen Streitkräfte keine größeren Erfolge verzeichnen konnten. Nach Informationen des weißrussischen Militärblog-Kanals „Military Summary“ agieren russische Einheiten bereits in dem Dorf Prymorske (Russisch: Primorskoje), das nur zwölf Kilometer von der südlichen Grenze der Großstadt Saporischschja (Saporoschje) entfernt liegt. Die Stadt am Fluss Dnipro (Dnjepr) hatte vor dem Krieg mehr als 700.000 Einwohner. Ukrainische Behörden hätten bereits die Evakuierung einer Siedlung am südlichen Stadtrand angeordnet.

Die östlich von Saporischschja gelegene Kleinstadt Huljajpole (Gulaipole) ist nach Angaben des dänischen Militärblog-Kanals „WeebUnion“ bereits Ende Dezember von den russischen Streitkräften eingenommen worden. Zeitnahen Informationen des Bloggers zufolge hat die russische Armee auch die von Huljajpole Richtung Norden verlaufende zweite Verteidigungslinie durchbrochen und rückt Richtung Westen auf Saporischschja vor. Diese Informationen decken sich mit Äußerungen der russischen Regierung und Militärführung. Ende Dezember 2025 meldete der russische Generalstab die Eroberung von Huljajpole und Myrnohrad (Dimitrow). Bereits Anfang Dezember hatte der Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin die vollständige Einnahme von Pokrowsk verkündet.

Andere Quellen wie die ukrainische Tageszeitung „Kyiv Independet“ berichteten hingegen davon, dass Huljajpole zu einem „fast durchgehenden Schlachtfeld“ geworden sei. Auch am 12. Januar befand sich die Stadt laut dem ukrainischen Projekt „DeepStateMAP“ noch in der umkämpften Grauzone – ebenso wie die von Huljajpole in Richtung Norden verlaufende zweite Verteidigungslinie sowie große Teile der Stadt Myrnohrad und nördliche Ausläufer der Nachbarstadt Pokrowsk.

Bereits am 20. November 2025 hatte der Chef des russischen Generalstabs Waleri Gerassimow erklärt, dass russische Truppen die Kontrolle über die lange umkämpfte Stadt Kupjansk im nördlichen Abschnitt der Front übernommen hätten. Allerdings meldete das US-amerikanische „Institute for the Study of War“ auf Basis ukrainischer Informationen am 12. Dezember, dass die Stadt in der Region Charkiw nach Gegenangriffen wieder größtenteils von den ukrainischen Streitkräften eingenommen worden sei. Am 16. Dezember erklärte der Sprecher der russischen Kampfgruppen in der Region wiederum, dass „alle Bezirke in Kupjansk“ unter der Kontrolle der russischen Armee stünden.

Der kanadische Militärblog-Kanal „HistoryLegends“ sprach in einem am 20. Dezember veröffentlichten Videobeitrag hinsichtlich der Situation in und um Kupjansk von einem „Informationskrieg“ und konnte sowohl ukrainische als auch russische Fehlinformationen aufdecken. So seien beispielsweise die Aufnahmen des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij vor dem Ortseingangsschild wahrscheinlich bereits im September entstanden und nicht – wie von vielen Medien behauptet – Mitte Dezember. Trotz der unklaren Lage zeige die Gesamtsituation in der Region Charkiw laut dem kanadischen Blogger jedoch, dass die russischen Streitkräfte sich generell auf dem Vormarsch befänden.

Eindeutiger stellt sich hingegen die Situation im mittleren Frontabschnitt im Donbass dar. Nach der Einnahme der Kleinstadt Siwersk (Sewersk) Mitte Dezember rücken russische Truppen aus westlicher, südlicher und nördlicher Richtung auf Kramatorsk und Slowjansk (Slawjansk), die beiden letzten Großstädte unter ukrainischer Kontrolle im Oblast Donezk, vor. Dies wird sowohl von den Militärbloggern „WeebUnion“ und „Military Summary“ als auch von „DeepStateMAP“ und dem „Institute for the Study of War“ bestätigt.

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