Russland und Ukraine setzen im Krieg autonom agierende Drohnen ein
Experte: Massiver Einsatz der russischen „Molnija“-Drohne mit eigenständiger Zielerfassung in der Region Saporischschja / Ukrainischer Drohnenhersteller: Ukraine nutzte bereits im Jahr 2024 selbständig agierende Drohnen für tödliche Angriffe / UN und katholische Kirche fordern Verbot tödlicher autonomer Waffensysteme
(Diese Meldung ist eine Übernahme von Multipolar)
Die russische Armee hat autonome, durch Künstliche Intelligenz (KI) gesteuerte Drohnen bei der Zerstörung von Zielen in der Region Saporischschja eingesetzt. Dies geht aus einer Meldung des Funktechnologieexperten Sergej Beskrestnow, Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Anfang Juli hervor. Russischen Streitkräfte hätten in der Region mit dem massiven Einsatz einer autonomen Version der mit KI ausgestatteten Angriffsdrohne „Molnija“ begonnen. Beskrestnow warnte davor, dass Drohnendetektoren, die unter anderem Funksignale zur Steuerung von First-Person-View-Drohnen überwachen, keinen Schutz mehr bieten. Das ukrainische Militär werde „im Stillen“ Gegenmaßnahmen gegen die neue Bedrohung erarbeiten.
Kurz zuvor hatte der ukrainische Funktechnologieexperte davon berichtet, dass eine russische „Molnija“-Drohne ohne Steuerungsantenne eine ukrainische Einrichtung getroffen hat. Die Drohne habe lediglich über eine Kamera und einen Computer verfügt. In diese Richtung gehe die gesamte Entwicklung: Navigation, Zielerfassung und Angriff würden vollständig autonom. Das sei „ein schlechtes Zeichen“, merkte Beskrestnow an. Ende Juni meldete der Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, dass Russland bereits über die Technologie verfügt, mit der Drohnen Ziele mithilfe fortschrittlicher, in China hergestellter Videokameras identifizieren und markieren können.
Die Starrflügler-Drohne vom Typ „Molnija“ kostet in der Herstellung schätzungsweise zwischen 300 und 400 US-Dollar pro Stück. Sie verfügt über eine Reichweite von 40 bis 60 Kilometern sowie eine Geschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde. Die Drohne kann mit einem Gefechtskopf von bis zu zehn Kilogramm Gewicht ausgestattet werden und ist damit in der Lage, unter anderem Panzer zu zerstören. Sie wird daher hauptsächlich zwischen der Front und dem Hinterland des Gegners eingesetzt und wurde bisher per Funk oder Glasfaserkabel von einem Drohnenpiloten gesteuert. Laut Informationen des ukrainischen Kommandeurs Robert Browdi setzt Russland täglich 300 bis 400 dieses Drohnentyps ein und hat für 2026 die Herstellung von 1,1 Millionen „Molnija“-Drohnen angeordnet.
Die Ukraine hat nach Angaben des ukrainischen Drohnenherstellers Alexander Kochanowskij bereits 2024 den Einsatz von autonomen Quadcoptern auf dem Schlachtfeld getestet und dabei russische Soldaten getötet. Allerdings sei die Technologie nie in größerem Umfang eingeführt worden. Die ukrainische Regierung verbiete den Einsatz von KI in der Endphase der Zielerfassung und berate derzeit mit Rüstungsunternehmen darüber, ob die Vorschriften gelockert werden sollten oder nicht, heißt es vonseiten des Drohnenherstellers. Der britische Sender BBC berichtete Ende Mai, dass die Ukraine unter anderem mit KI-gestützten Drohnen ähnlich der russischen „Molnija“ russische Lastzüge, die sich auf dem Weg zur Front befanden, angegriffen haben. Aus dem Beitrag geht nicht hervor, ob die Endphase der Zielerfassung autonom erfolgte.
Insbesondere China treibt die Entwicklung autonomer Drohnenschwärme für militärische Einsätze voran. Laut Informationen der „Berliner Zeitung“ hat ein Forschungsteam aus Nordwestchina einen neuen KI-Algorithmus vorgestellt, der Drohnenverbänden ermöglichen soll, auch in stark umkämpften Einsatzgebieten eigenständig Ziele zu identifizieren und anzugreifen. Der Algorithmus soll Informationen über Gelände, eigene Einheiten und gegnerische Ziele in Echtzeit verarbeiten und daraus selbstständig Entscheidungen ableiten, schreibt die Tageszeitung. Das System soll auch dann funktionieren, wenn Kommunikationsverbindungen gestört werden und die Sicht der Drohnen eingeschränkt ist. Die Technologie sei speziell für große Drohnenschwärme mit Starrflüglern entwickelt worden.
UN-Generalsekretär António Guterres hat ein weltweites Verbot tödlicher autonomer Waffensysteme gefordert. Maschinen, die ohne menschliche Kontrolle Menschenleben auslöschen können, seien „politisch inakzeptabel“ und „moralisch verwerflich“. Papst Franziskus, Amtsvorgänger des aktuellen Papstes, hatte bereits in den Jahren 2023 und 2024 vor KI-Waffen gewarnt, die selbstständig über Leben und Tod entscheiden. In einer Ausgabe des Journals „Ethik und Militär“ heißt es, um die Achtung und Einhaltung der Regeln des Völkerrechts und der internationalen Menschenrechtsnormen zu gewährleisten, sei es von „entscheidender Bedeutung“, die menschliche Kontrolle über die kritischen Funktionen von Waffensystemen beizubehalten.