Weitere ostukrainische Kleinstädte von Russland fast vollständig eingenommen
Russische Armee rückt auf letzten beiden Donbass-Großstädte unter Kontrolle Kiews vor / Ukrainische Behörden evakuieren weitere Dörfer in Grenzregion / Versorgungskrise auf der Krim
(Diese Meldung ist eine Übernahme von Multipolar)
Während Russland und die Ukraine derzeit versuchen, mit Luftangriffen die gegnerische Logistik- und Energieinfrastruktur weit hinter der Frontlinie zu zerstören, rücken russische Streitkräfte an verschiedenen Frontabschnitten kontinuierlich vor. Berichterstattern zufolge gelang der russischen Armee nun die fast vollständige Eroberung der lang umkämpften ostukrainischen Kleinstädte Kostjantyniwka (Russisch: Konstantinowka) und Lyman (Krasnij Liman). Primäres Ziel der russischen Operationen im Donezbecken (Donbass) ist die Einnahme der letzten beiden unter Kontrolle Kiews stehenden Großstädte Kramatorsk und Slowjansk.
Nach aktuellen Informationen des weißrussischen Militärbloggers „Military Summary“ haben die russischen Streitkräfte bereits 95 Prozent der 20 Kilometer südlich von Kramatorsk gelegenen Industriestadt Kostjantyniwka eingenommen. Die Stadt beheimatete vor dem Krieg rund 67.000 Einwohner und stand bereits im Sommer 2025 kurz davor, von der russischen Armee eingekreist zu werden. Eine Dokumentation des kanadischen Militärbloggers „History Legends“ zeichnet die systematische Eroberung von Kostjantyniwka seit Anfang März nach. Die deutsche Website „T-online“ meldete Mitte Juni auf Basis von Informationen des ukrainischen Projekts „DeepStateMAP“, russische Einheiten hätten „die Außenbezirke der Stadt aus mehreren Richtungen erreicht“ und seien „vereinzelt bereits in das Stadtgebiet vorgedrungen“.
Auch die 15 Kilometer nordöstlich von Slowjansk gelegene Stadt Lyman ist laut Informationen von „Military Summary“ zu 95 Prozent von russischen Einheiten eingenommen worden. Bereits Ende 2025 rückte die russische Armee auf die Stadt vor, die vor dem Krieg 20.000 Einwohner hatte und über einen Eisenbahnknotenpunkt verfügt. Während Waleri Gerassimow, Oberbefehlshaber über die russischen Truppen in der Ukraine, bereits Mitte Juni die Einnahme von 85 Prozent von Lyman meldete, berichtete der ukrainische Generalstab zur selben Zeit davon, russische Truppen hätten im Raum Lyman „Versuche“ unternommen, ukrainische Verteidigungslinien zu „durchbrechen“.
Den russischen Vormarsch auf die Großstadt Saporischschja (Saporoschje) im Süden der Ukraine konnte die ukrainische Armee mit punktuellen Gegenangriffen aufhalten. Anfang des Jahres waren russische Streitkräfte bereits bis auf zwölf Kilometer Abstand zur südlichen Stadtgrenze vorgerückt. Aktuell befindet sich die Front auf Basis der Informationen von „Military Summary“ 23 Kilometer von den südlichen Stadtteilen Saporischschjas entfernt.
Auch die Situation in Kupjansk bleibt weiterhin unübersichtlich. Ende 2025 war die vor dem Krieg 27.000 Einwohner zählende Stadt bereits zur Hälfte von russischen Streitkräften eingenommen worden. Nach Informationen von „DeepStateMAP“ befinden sich zwar aktuell russische Truppen im Zentrum der Stadt, große Teile davon stehen jedoch weiterhin unter der Kontrolle Kiews.
Im Norden der Front ist die russische Armee nach Angaben von „DeepStateMAP“ weiter auf die Großstadt Sumy sowie auf Charkiw (Charkow), mit rund 1,4 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine, vorgerückt. Der Abstand der Frontlinie zur Stadtgrenze von Sumy beträgt derzeit 14 Kilometer, der Abstand zur Stadtgrenze von Charkiw 25 Kilometer. Regionale ukrainische Behörden haben in den letzten Monaten aufgrund der verstärkten russischen Angriffe in der Grenzregion zwischen Russland und der Ukraine die Zone verpflichtender Evakuierungen mehrfach erweitert. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im Mai 2024 angekündigt, wegen ukrainischen Beschusses ziviler russischer Einrichtungen in der Grenzregion, mit militärischen Mitteln eine „Pufferzone“ im Norden der Ukraine zu schaffen.
Im Süden der Ukraine lieferten sich die russische und die ukrainische Armee gegenseitige Luftangriffe auf die Region südlich von Odessa und auf die Stadt Saporischschja beziehungsweise auf die Krim. Angriffsziele sind die jeweilige Verkehrs- und Treibstoffinfrastruktur. Selbst Tankstellen und Tanklastzüge werden auf beiden Seiten mit Drohnen zerstört. Angriffe auf die Brücke von Kertsch sowie auf den parallelen Fährverkehr haben laut Medienberichten zu einer Versorgungskrise auf der Halbinsel geführt.