Medien

Korrespondenten-Kritik an ARD/ZDF reißt nicht ab

– Apropos Agenturgläubigkeit –

Von UWE MANTEL, 7. April 2008:

Der scheidende ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner hat mit seiner harschen Kritik am ZDF Anfang des Jahres offenbar eine Lawine ausgelöst. Nun wird die Agenturgläubigkeit und mangelndes Vertrauen der Sender kritisiert.

Ulrich Tilgner sorgte bereits Anfang des Jahres für Aufsehen, als er ankündigte, künftig nicht mehr als Korrespondent für das ZDF arbeiten zu wollen und das mit harscher Kritik an seinem Arbeitgeber verband. Dort sei er nur noch für „eine Art journalistischer Folklore“ zuständig gewesen und die Redaktion zu Hause habe Druck ausgeübt, wie Geschichten aussehen müßten (1).

In die gleiche Kerbe schlugen kürzlich auch weitere Korrespondenten in der TV-Zeitschrift Gong. Alexander von Sobeck etwa, der das ZDF-Büro in Paris leitet, will erkannt haben, daß das ZDF „immer stärker mit der privaten Konkurrenz mitschwimme“. Balkan-Korrespondent Prömpers wähnt sich inzwischen schon bei der „Bild-Zeitung des Fernsehens“ und verweist auch darauf, schon Anweisungen wie diese erhalten zu haben: „Mach mal was über die Wahl in Bulgarien – aber ohne die Politiker. Die kennt ja sowieso kein Mensch.“ (2)

Beim Süddeutschen Journalistentag in Mainz legte nun unter anderem Ulrich Tilgner bei seiner Kritik am ZDF nach, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. So müsse man als Korrespondent inzwischen zu Tricks greifen, um überhaupt Themen in Deutschland unterzubringen. Nur noch was bei Nachrichtenagenturen über den Ticker gehe, sei ein Thema – deshalb müsse man sozusagen Köder auswerfen und die Nachrichtenagenturen selbst auf Themen hinweisen.

Tilgner erklärte, er habe einige Zeit selbst bei Agenturen gearbeitet und dort morgens schlicht selbst Meldungen zu seinen Themen abgesetzt. Danach habe er keine Probleme gehabt, die Redaktion zu überzeugen. „Die riefen 20 Minuten später von sich aus an“, so Tilgner laut Frankfurter Rundschau (3).
Doch nicht nur das ZDF wurde kritisiert, auch bei den ARD-Korrespondenten regt sich offenbar langsam Kritik. Sonderkorrespondent der ARD Thomas Morawski sagte, er müsse inzwischen häufig mit Redakteuren diskutieren, „wie die Wirklichkeit wirklich“ sei (4). Die Redaktion würde ihm dann anderslautende Meldungen entgegenhalten. Das nehme inzwischen „teilweise erschreckende Ausmaße“ an (5).

Hinweise:
(1) siehe Netzzeitung (AP): http://www.netzeitung.de/medien/894298.html
(2) siehe auch: http://www.cohrs-journalist.de/wordpress/2008/03/21/
weitere-zdf-korrespondenten-kritisieren-ihren-sender-tilgner-geht-endgultig/

(3) siehe auch: http://www.netzeitung.de/medien/altpapier/963637.html
(4) http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/?sid=e5795d2dc70668b1df8d3be886843739&em_cnt=1314800
(5) siehe auch http://www.wunschliste.de/index.pl?news&newsid=2910

Link zu DWDL.de: http://www.dwdl.de

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