Innenpolitik

Frau erschossen: Afghanische Polizei erhebt schwere Vorwürfe gegen Bundeswehr in Afghanistan

Von REDAKTION, 11. März 2011 –

Die Polizei in der nordafghanischen Provinz Kundus wirft der Bundeswehr vor, am Mittwoch eine Frau erschossen und eine weitere verletzt zu haben.  Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums wollte den Vorgang noch am Freitag  weder bestätigen noch dementieren. Er verwies auf die noch nicht abgeschossenen Ermittlungen vor Ort und erklärte, dass eine Bundeswehrmeldung vom Mittwoch nach wie vor den gültigen Erkenntnisstand wiedergebe.

Darin heißt es: „Am 9. März um 6.48 Uhr mitteleuropäischer Zeit (10.18 Uhr afghanischer Zeit) wurden deutsche Kräfte sieben Kilometer südwestlich von Kundus mit Handwaffen angegriffen.

Die deutschen Soldaten haben das Feuer erwidert und sind ins Polizeihauptquartier von Chahar Darreh ausgewichen. Auf deutscher Seite gab es keine Verwundeten oder Schäden.

Nach bisherigen Meldungen sind im Zuge der Kampfhandlungen möglicherweise zwei afghanische Zivilistinnen verletzt worden. Eine Frau wurde in das Regionale Wiederaufbauteam (PRT) Kundus gebracht und ist dort in Folge ihrer Verletzungen verstorben. Eine weitere Frau wurde in ein afghanisches Krankenhaus gebracht.

Ob die Frauen im Zusammenhang mit dem geschilderten Vorfall verletzt worden sind, oder andere Ursachen beziehungsweise Verursacher zu den Verletzungen geführt haben, wird zurzeit noch untersucht.“ (1)  

Nach ersten Angaben eines Bundeswehr-Sprechers wurde eine Patrouille in der Gegend unter anderem mit Panzerfäusten beschossen. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert, sagte er. Später sei einer zweiten Patrouille rund 1.400 Meter entfernt eine Frau mit einer Kopfverletzung übergeben worden. Dabei habe es sich aber nicht um eine Schussverletzung gehandelt. Diese Angabe wollte der Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag aber weder bestätigen noch dementieren.

Der Polizeichef des Distrikts Char Darah, Gulam Mahidin, hatte dagegen bereits am Donnerstag gesagt: „Deutsche Soldaten, die in der Durman-Gegend im Distrikt Char Darah patrouillierten, eröffneten das Feuer. In der Folge wurde eine afghanische Frau erschossen und eine weitere verletzt.“ Die deutschen Soldaten hätten einen „Fehler“ gemacht. Die getötete Frau sei in ihrem Haus von einer Kugel getroffen worden und sofort tot gewesen. Nach Angaben der Bundeswehr starb die Afghanin dagegen erst im Feldlazarett im Camp. Zuvor hatte sich demnach noch eine Truppenärztin, die der Patrouille angeschlossen war, um die Schwerverletzte gekümmert.

Eine weitere „irrtümliche Tötung“ wird den US-Sondereinheiten vorgeworfen. Nach offiziellen afghanischen Angaben brachten diese in der südafghanischen Provinz Kandahar  versehentlich einen Cousin von Präsident Hamid Karsai ums Leben. Hadschi Yar Mohammad Khan kam zu Tode, als Soldaten ein Haus im Distrikt Dand stürmten, sagte Distrikt-Gouverneur Hamdullah Nasek am Donnerstag. Der jüngere Bruder des Präsidenten und Chef des Provinzrats von Kandahar, Ahmad Wali Karsai, bestätigte den Vorfall. Er sagte, der Verwandte sei „irrtümlich“ getötet worden.

Zivile Opfer bei Militäroperationen sorgen bei der afghanischen Regierung und der Bevölkerung für großen Unmut. Bei einem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff auf zwei von Aufständischen entführte Tanklastwagen in Kundus waren 2009 bis zu 142 Zivilisten getötet worden, darunter viele Kinder.

Zuletzt führte der Tod von neun Kindern bei einem US-Luftangriff zu schweren Verstimmungen zwischen Kabul und Washington. US-Verteidigungsminister Robert Gates entschuldigte sich am vergangenen Montag in Kabul im Beisein von Präsident Karsai persönlich für den Tod der Kinder.

Karsai forderte unterdessen erneut, es dürfe keine zivilen Opfer bei Militäroperationen mehr geben.


(1) http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/NUzLDoIwEPwWPsAu6AH0JkETr3pQvC1lxU1oS9rVJsaPtz04k8xhXnCHRItvnlDYWZzhBr3m3RDVEEdSxDYgyYeU4RBSg6zigA-45mEq6GRJViErnHTyKM6rxXmZc_LyPiWKR-jLqmuruvyj-jaHS1cfN-ttd2rP-XDxOBmE3rqVRv0kWIxp4r4ofo4hQtg!/

Drucken

Drucken

Teilen

Voriger Artikel Innenpolitik Ausgrenzung und Realitätsverweigerung. Innenminister Friedrich schürt Ängste vor dem Islam
Nächster Artikel Innenpolitik Serbien: Umkämpfte Meinungsfreiheit auf der Leipziger Buchmesse