Innenpolitik

Obamania

Ein Kommentar von MARKUS JANSOHN, 25. Juli 2008: 

Gleich zu Beginn seiner Rede in Berlin kommt Barack Obama auf sein – doch eigentlich unwichtiges – Äußeres zu sprechen und legt zigtausenden interessierten Statisten seinen Stammbaum dar. Danach folgen die üblichen Karteikartensprüche der Politiker bei Berlinbesuchen: Die Teilung der Stadt und die Versorgung durch die Rosinenbomber – 14 Jahre vor seiner Geburt. Und dann ist Obama auch schon bei der Bedrohung durch den so genannten Internationalen Terrorismus, der vor allem in Afghanistan zu bekämpfen sei – seinem Kriegsschauplatz erster Wahl. Um etwas Aktualität in die Rede zu bringen und den Jubel-Faktor zu erhöhen, wurde der Klimaschutz ins Manuskript gehievt.

Der Redeinhalt ist für das Wahlkampfteam aus den USA aber zweitrangig. Entscheidend sind die Bilder, die im US-TV übertragen werden. Und da genügen 30 Sekunden Obama, Siegessäule und jubelnde Berliner. Der Forderung, die Inszenierung direkt am Brandenburger Tor durchführen zu dürfen, wurde nicht entsprochen. Aber das Profi-Team um Obama machte aus der Not eine Tugend: Das Brandenburger Tor erscheint im Hintergrund – und zwischen dem geschichtsträchtigen Gebäude und dem Rednerpult sind Tausende Zuhörer aufgereiht, die sich in dieser Aufnahme-Konstellation viel besser kanalisieren ließen. Der Dreh hat geklappt.

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